Costa de la Muerte
Wikinger-Überfälle an der Küste Galiciens
Die galicische Küste war im 10. und 11. Jahrhundert wiederholt Ziel normannischer Angriffe. Die Wikinger suchten dabei nicht nur Beute, sondern konnten sich teilweise auch vorübergehend als Siedler festsetzen.
Wikingerüberfall im Mittelalter auf Cereixo, Ort mit schönen Hórreos und Kirche. Cereixo lag strategisch an der Ría de Camariñas bzw. am Unterlauf des Río Grande . Von der Küste konnten Angreifer über die Flussmündung relativ weit ins Landesinnere gelangen. Tankerunglück Prestige (2002)
Das Unglück des Tankers Prestige war im November 2002 eine der größten Umweltkatastrophen an der galicischen Küste – und für die Costa da Morte zwischen A Coruña und Fisterra ein wichtiges Ereignis. Die spanischen Behörden ließen den havarierten Tanker nicht in einen geschützten Hafen oder eine Bucht einlaufen , sondern er wurde von Schleppern von der Küste weggezogen. Auch Portugal wollte das Schiff nicht in seine Gewässer kommen lassen.
Das erwies sich als fatal: Der Tanker zerbrach etwa 250 km westlich von Fisterra und sank. 63.000 Tonnen Schweröl liefen ins Meer. Das Öl wurde anschließend durch Wind und Meeresströmungen über große Entfernungen verteilt. Die ersten und stärksten Verschmutzungen trafen die galicische Küste, darunter gerade die Costa da Morte. Später erreichte das Öl auch die Küsten von Asturien, Kantabrien, dem Baskenland, Portugal und Frankreich. Insgesamt waren fast 2.000 km Küste betroffen.
Die Regierung (Aznar und Rajoy von der PP) hatte das Ausmaß der Katastrophe anfangs verharmlost. Die Katastrophe und das Versagen der Politiker führten zu einer mächtigen Bürgerbewegung in Galicien. Unter dem Motto „Nunca Máis“ (nie wieder) gingen Zehntausende Menschen auf die Straße. Das Symbol der Bewegung – eine schwarze Fläche mit „Nunca Máis“ – ist bis heute in Galicien präsent. Das Europäische Parlament forderte für die Zukunft u.a. klare Notfallpläne und vorher bestimmte sichere Häfen für havarierte Schiffe. Außerdem ein schnelleres Verbot für Ein-Hüllen-Tanker.
 Piraten an der Costa de la Muerte
Die Piraterie an der Costa da Morte ist ein wichtiger Teil der Geschichte dieser Küste. Dabei muss man zwischen echten Piraten, staatlich beauftragten Kaperschiffen und den berühmten lokalen „Raqueiros“ unterscheiden.
1115 verwüsteten almoravidische Piraten Teile der Gegend um die heutige Terra de Soneira. Die Bevölkerung zog sich bei Gefahr ins Landesinnere zurück und versteckte sich z.B. in Höhlen. An strategischen Stellen entstanden Befestigungen und Wachtürme.
Im 16.–18. Jahrhundert wurde die Costa da Morte regelmäßig von englischen, französischen, niederländischen und nordafrikanischen Korsaren heimgesucht. Besonders betroffen waren Fisterra, Corcubión, Cee, Muxía, Camariñas und Laxe.
Korsaren aus Spanien wie z.B. dem Baskenland überfielen im frühen 16. Jh. ebenfalls hin und wieder die Costa de la Muerte.
Francis Drake griff 1589 mehrfach die galicische Küste an. Das sollte Beute bringen und Portugal gegen Philipp II. von Spanien unterstützen.
Die kleinen Küstenorte konnten sich gegen bewaffnete Schiffe kaum wehren. Erst ab der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand ein systematischeres Verteidigungssystem mit verschiedenen Festungen. Das half. 1762 griffen englische Schiffe bei Fisterra mehrere katalanische Versorgungsschiffe an. Die Schiffe suchten Schutz unter einer Küstenbatterie mit vier Kanonen. Die Engländer griffen sowohl von See als auch von Land an, wurden letztlich aber zurückgeschlagen.
Noch 1826 wurde vor Corcubión ein Schiff aus Fisterra von einem kolumbianischen Kaperfahrer verfolgt.
Raqueiros / Landpiraten
Die sog. Raqueiros waren quasi Landpiraten. Sie stellten nachts Lichter an der Küste auf. Schiffe hielten diese für Leuchtfeuer oder Hafenlichter und steuerten darauf zu. Dabei liefen sie auf die gefährlichen Felsen und Untiefen der Costa da Morte auf. Die Raqueiros sollen anschließend die Ladung geplündert haben.
Diese Geschichten sind eng mit dem Namen Costa da Morte verbunden. Viele Wissenschaftler vermuten, dass es sich eher um Einzelfälle oder eine Legende, als um eine historisch belegte Praxis handelt. Die Küste war aufgrund von Stürmen, Nebel, Felsen, starken Strömungen und schwieriger Navigation extrem gefährlich. Es gab sehr viele Schiffsunglücke. Die Vorstellung von den Raqueiros könnte deshalb auch aus der Suche nach einer Erklärung für die vielen Schiffsunglücke entstanden sein.
Engländerfriedhof bei Xaviña
Der Friedhof entstand nach dem Untergang des britischen Schulschiffs HMS Serpent 1890 an der Punta do Boi bei Camariñas. In einem schweren Sturm geriet das Schiff vor der extrem gefährlichen Küste vom Kurs ab und prallte auf die Felsen. Von den 175 Besatzungsmitgliedern überlebten nur drei.
Die Toten wurden über mehrere Wochen an die Küste gespült. Der Pfarrer von Xaviña organisierte zusammen mit den Einwohnern die gefährliche Bergung und Bestattung der Leichen. Dafür wurde unmittelbar an der Küste ein eigener Friedhof angelegt.
Die Katastrophe der Serpent machte der britischen und spanischen Seite deutlich, wie unzureichend die damalige Beleuchtung der Küste war. Nach dem Unglück wurde der Bau eines neuen Leuchtturms vorangetrieben, der heutige Faro de Cabo Vilán.
Die Briten waren von der Hilfsbereitschaft der Menschen von Xaviña und Camariñas beeindruckt. Die Admiralität bedankte sich mit Geschenken: Dder Pfarrer von Xaviña bekam ein Jagdgewehr, der Bürgermeister von Camariñas eine goldene Uhr, die Gemeinde erhielt ein Barometer.
Cementerio de los Ingleses
Essen & Trinken
Die Küche Galiciens – zwischen Pulpo und Empanada
Ribeiro oder Albariño? Die Weine Galiciens
Entenmuscheln / Percebes
Entenmuscheln sind keine Muscheln, sondern Rankenfußkrebse.
Die Costa da Morte gilt als eine Region der „Entenmuschelfänger“ (Percebeiros).
Percebes sitzen direkt in der Brandungszone an steilen Felsen , wo das Wasser besonders stark bewegt und sauerstoffreich ist.
Der Beruf des Percebeiro gehört deshalb zu den gefährlichsten traditionellen Tätigkeiten an der galicischen Küste. Es gibt entlang der Costa da Morte zahlreiche kleine Kreuze zur Erinnerung an Fischer und Percebeiros, die bei der Arbeit ums Leben kamen.
Die Cofradías de Pescadores (Fischerei-Bruderschaften) legen zusammen mit der Verwaltung fest, wann und wo geerntet werden darf. Die Gebiete werden teilweise abwechselnd genutzt, damit sich die Bestände regenerieren können. In Laxe z.B. sind höchstens 5 kg pro Tag erlaubt, im Dezember 6 kg. Die Punta Roncudo mit dem
Faro do Roncudo
ist einer der berühmtesten Percebe-Plätze Galiciens. Der Name kommt vom „ronco“ (Schnarchen), dem tiefen, donnernden Geräusch der Brandung an den Felsen.
Siehe auch:
Geomorphologie & Landschaft Rias Altas und Rias Baixas, Sandstrände und steile Klippen – die Geomorphologie der Küste ist vielfältig.
ZEPA steht für Zona de Especial Protección para las Aves, Vogelschutzgebiet. Auf dem Camiño dos Faros kommt man immer mal wieder durch solche Gebiete. Schilder weisen auf die Regeln hin.
Casa y Museo do Alemán - Kunst oder Kuriosum? www.caminodosfaros.com/museo-de-man/ 
Geschichte & Architektur
Dolmen von Dombate
Galicien besitzt eine große Zahl von Megalithgräbern und Grabhügeln. Das hängt mit einer megalithischen Kultur zusammen, die sich über Galicien, Nordportugal, die Bretagne und Teile der Britischen Inseln erstreckte.
Dombate ist ein jungsteinzeitliches Megalithgrab (Großsteingrab als Gemeinschaftsgrab) aus der Zeit um ca. 4000–3000 v. Chr. (Megalithzeit). Die heute freigelegte Anlage besteht aus einem langen Gang, einer großen Grabkammer und großen aufrecht stehenden Steinplatten. Darüber war ursprünglich ein großer Erdhügel (Túmulo) aufgehäuft.
Dombate ist vor allem wegen seiner erhaltenen prähistorischen Bemalung berühmt. turismo.dacoruna.gal/en/descubre/patrimonio-provincial/dombate-dolmen
Castros
Castros sind die befestigten Dörfer der Keltiberer (Castro-Kultur), der vorrömischen Bevölkerung Galiciens.
Ein Castro war eine meist auf einem Hügel oder einer felsigen Landzunge angelegt. Es bestand aus mehreren runden oder ovalen Häusern, die eng beieinanderlagen. Mit dicken Trockensteinmauern und hohen Strohdächern sahen sie ein wenig so aus wie die Häuser im kleinen gallischen Dorf bei Asterix. Wälle und Gräben bildeten teilweise mehrere Ringe, auch die Eingänge zum Dorf waren befestigt.
Die Menschen lebten von Ackerbau, Viehzucht, Fischfang und Muschelsammeln, Jagd, Metallverarbeitung und Handel.
Die Bedürfnisse nach Verteidigung und Ernährung ließen sie an bestimmten Stellen entstehen. Beliebt war die Kombination aus Landzunge mit steilen Felsen, Meer, Süßwasser und fruchtbarem Hinterland.
Die Römer bezeichneten die Menschen der Region als Gallaeci. Von diesem Namen leitet sich Galicia bzw. Galicien ab. Das zeigt auch die enge Verbindung zur keltischen (gallischen) Kultur. Die Blütezeit der Castro-Kultur lag zwischen dem 6. Jh. v. Chr. und dem 1. Jh. n. Chr. Einige Castros waren allerdings noch lange auch während der römischen Zeit bewohnt.
Mit der römischen Herrschaft kamen zunehmend rechteckige Gebäude auf. Deshalb sind die runden Steinhäuser ein besonders charakteristisches Merkmal der vorrömischen Castro-Kultur.
Castro wurde im Galicischen später auch allgemein für befestigte bzw. erhöhte Orte verwendet und kommt deshalb sehr häufig in Ortsnamen vor. Siehe auch: > Geschichte Spaniens Wirtschaft & Gesellschaft
Galicien: Größe, Einwohnerzahl, Gallego-Sprachler, Strukturwandel ...
Galicien lebt vom Atlantik
Das Meer brachte schon in der Vorgeschichte Kontakte zu anderen Regionen Europas. Im Mittelalter kamen Wikinger und Pilger. Später folgten Händler, Fischer, Seeleute und Piraten - und im gewissen Sinne auch zurückkehrende Auswanderer.
Der Atlantik war zugleich Ernährung und Gefahr. Die galicische Küste gehört zu den unberechenbarsten Europas. Schiffsunglücke haben sich tief in das historische Gedächtnis eingeprägt.
Auch heute lebt ein großer Teil der galicischen Bevölkerung direkt oder indirekt vom Meer. Calicisch als Sprache Im Mittelalter entwickelte sich das Galicisch-Portugiesische zu einer bedeutenden romanischen Sprache und war eine der wichtigsten Sprachen der mittelalterlichen Lyrik auf der Iberischen Halbinsel. Aus der gemeinsamen Sprache entwickelten sich später das Galicische und das Portugiesische auseinander.
Damit besitzt Galicien eine sprachliche Besonderheit: Seine Sprache steht historisch eng mit Portugiesisch in Verbindung und unterscheidet sich deutlich vom Kastilischen, aus dem das heutige Spanisch hervorging.
Spitzenklöppelei in Camariñas (Encaje) Das Encaje de Camariñas ist eine der bekanntesten Handwerkstraditionen der Costa da Morte.
Eine Legende erzählt von einer italienischen Schiffbrüchigen, die an der galicischen Küste gerettet wurde und den Frauen von Camariñas als Dank das Klöppeln beigebracht habe. Eine andere Version erzählt von einem flämischen Schiff, dessen Überlebende die Technik nach Camariñas gebracht hätten.
Wahrscheinlich ist die Einführung durch die Handelsbeziehungen Galiciens mit Flandern und Italien im 16. und 17. Jahrhundert.
Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erlebte die Klöppelei ihre große Blütezeit. Fischkonserven-Industrie in Galicien
Galicien hatte
riesige Sardinenschwärme vor seiner Küste .
Zunächst gab es überall an der Küste Salazón-Betriebe, in denen Fisch gesalzen und getrocknet wurde. Im 19. Jahrhundert wandelten sich diese nach und nach in moderne Konservenfabriken.
1877–1881 gab es in Galicien 246 Betriebe für Sardinen-Konservierung.
In den Fabriken arbeiteten überwiegend Frauen, während die Männer die Fische fingen.
Die Konservenfabriken waren eine der ersten Möglichkeiten für Frauen in den Küstenorten, regelmäßig Geld außerhalb der Landwirtschaft zu verdienen.
Galicien ist bis heute ein europäisches Zentrum der Fisch- und Meeresfrüchteverarbeitung.
Die Konserve hat in Spanien einen höheren kulinarischen Stellenwert als in Deutschland, auch Delikatessen können aus der Dose kommen.
Siehe auch:
> Entenmuscheln / Percebes
Pilgerwege in Galicien
Legende von St. Jakobus (Santiago Matamoros) und Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela. Praia dos Cristais
Berühmter Strand, an dem Strandglas aufgeschüttet ist.
Die kleine Bucht liegt direkt unterhalb des Friedhofs von Laxe, westlich des Ortes. Der Strand besteht zu einem großen Teil aus kleinen, vom Meer rundgeschliffenen Glasstücken in verschiedenen Farben. Sie stammen aus einem ehemaligen Müllplatz in der Nähe. Über Jahrzehnte zerbrachen und polierten die Wellen die weggeworfenen Glasflaschen und transportierten die Glasstücke in die kleine Bucht.
Bei Sonnenschein sieht das besonders beeindruckend aus. Man darf die Glasstücke nicht mitnehmen und sollte hier nicht baden. 2004 wurde ein großer Teil der Glasablagerungen im Zuge der Sanierung des Müllplatzes entfernt, aber nach Protesten wurde die Aktion gestoppt, sodass ein Teil der charakteristischen Glasdecke erhalten blieb. 
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