Das Mittelalter ist für Galiciens Entwicklung von herausragender Bedeutung. Der entscheidende Wendepunkt war die Entdeckung eines Grabes bei dem späteren Santiago de Compostela, das als Grab des Apostels Jakobus identifiziert wurde.
Die Entdeckung wird in das frühe 9. Jahrhundert datiert. Historisch lässt sich nicht eindeutig beweisen, wessen Grab tatsächlich entdeckt wurde. Entscheidend ist jedoch die Wirkung dieser Überlieferung.
Santiago entwickelte sich zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte der christlichen Welt. Aus ganz Europa machten sich Pilger auf den Weg nach Galicien.
Im 11. und 12. Jahrhundert erlebte Santiago eine große Blüte. Die Stadt wurde zu einem religiösen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum.
Der Jakobsweg brachte Menschen, Waren, Ideen und kulturelle Einflüsse aus ganz Europa nach Galicien. Kirchen und Klöster wurden gebaut, und der romanische Baustil verbreitete sich. Die Kathedrale von Santiago de Compostela wurde zum Mittelpunkt dieses europäischen Pilgernetzes.
Wikinger und andere Angreifer
Die Lage am Atlantik brachte Galicien nicht nur Handelskontakte, sondern auch Gefahren. Vom 9. bis zum 11. Jahrhundert kam es wiederholt zu Wikinger- und normannischen Überfällen. Die Angreifer nutzten ihre seetüchtigen Schiffe und konnten über Flussmündungen weit ins Landesinnere gelangen.
Besonders gefährdet waren die Küstenregionen und die Flussmündungen der Rías. Die Angriffe richteten sich vor allem gegen Klöster und wirtschaftlich bedeutende Orte. Es wurden aber vorübergehend auch ländliche Gebiete erobert, um dort zu siedeln.
Die galicischen Herrscher bauten nach und nach Befestigungen und Verteidigungsanlagen. Strategische Punkte wurden mit Türmen und Burgen gesichert.
Die Wikingerüberfälle sind heute Teil der regionalen Erinnerung. Sie zeigen gleichzeitig, dass Galicien im Mittelalter keineswegs eine abgeschiedene Randregion war: Es war Teil der internationalen Welt des Atlantiks.
Galicien zwischen León, Kastilien und Portugal
Im Mittelalter war Galicien politisch eng mit den Königreichen im Nordwesten der Iberischen Halbinsel verbunden. Die Region gehörte zeitweise zum Königreich León und später zu den Herrschaftsgebieten, die unter kastilischen Einfluss gerieten. Gleichzeitig bestand eine enge Verbindung zum südlichen Nachbarn Portugal. Eine stabile politische Grenze zwischen Galicien und Portugal entwickelte sich erst allmählich.
Sprachlich blieb die Verbindung bis heute eng. Das mittelalterliche Galicisch-Portugiesisch war zunächst eine gemeinsame Sprache, die sich erst nach und nach ausdifferenzierte.
Im Laufe des Mittelalters wurde Galicien jedoch zunehmend in das politische Zentrum Kastiliens integriert.
Die Irmandiño-Aufstände
Im 15. Jahrhundert kam es zu einem der bedeutendsten sozialen Konflikte der galicischen Geschichte: den Irmandiño-Aufständen. Bauern, Handwerker, Bürger und andere Gruppen wandten sich gegen die Macht vieler Feudalherren. Burgen wurden angegriffen und teilweise zerstört. Die Aufständischen konnten zeitweise große Gebiete kontrollieren. Schließlich wurden die Aufstände jedoch niedergeschlagen.
Danach wurde die Macht der großen galicischen Adelsfamilien zunehmend eingeschränkt. Die katholischen Könige Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón stärkten gleichzeitig die königliche Kontrolle. Damit begann die stärkere politische Einbindung Galiciens in die entstehende spanische Monarchie.

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