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Ladakh - Stok Kangri

Kälte ...


... und wie man sich dagegen schützt.

(Letzte Änderung: 14.08.2011 )

Grundsätze

Schutz vor Feuchtigkeit: Verdunstung führt zu extremem Wärmeverlust. Alle isolierenden Schichten um den Körper müssen absolut trocken sein, wenn sie vor Kälte schützen sollen. Das ist natürlich nicht immer so leicht, weil man ja doch vielleicht mal ins Schwitzen gerät. Danach sollte man nach Möglichkeit die verschwitzte Kleidung (auch wenn es High-Tech-Trekking-Kleidung ist!) gegen trockene tauschen. Das gilt besonders, wenn man abends in den Schlafsack kriecht!

Schutz vor Wind: Vom Chill-Faktor und der gefühlten Temperatur hat mittlerweile fast jeder mal was gehört. Wenn man warm bleiben will, muss man sich vor Wind schützen, entweder mit winddichter Kleidung, oder mit Zelt, Plane, Schneehöhle, Steinmauer oder was auch immer. Aus -10 Grad werden bei 72 km Windgeschwindigkeit -36 Grad gefühlte Temperatur.

Schutz vor Erschöpfung: Wenn der Körper erschöpft ist, ist er wesentlich anfälliger gegen Auskühlung. Die Kombination von Auskühlung und Erschöpfung ist eine der häufigsten Todesursachen in den Bergen. Also: die Tour lieber früh genug abbrechen!

Schutz vor Hunger und Durst: Wenn der Körper gut ernährt ist, hat er der Kälte mehr entgegenzusetzen.

kein Alkohol: Alkohol vertreibt zwar das Kältegefühl, indem es den Körper betäubt. Gleichzeitig funktionieren die Schutzmechanismen des Körpers aber unter Alkoholeinfluss nicht mehr so gut. So verliert man u. U. lebenswichtige Körperwärme.

Isolierung: je mehr, desto besser. Es gibt immer wieder das Gerücht, dass man im Schlafsack keine Kleidung tragen soll, weil es ohne wärmer sei. Das ist Quatsch, es sei denn, besagte Kleidung ist nass oder feucht. Die Isolierung muss trocken sein, und am besten noch, zumindest außen, winddicht. Sie sollte aber weder zu weit, noch zu eng sein. Zu dicke Luftschichten kühlen durch Zirkulation den Körper aus, zu enge Kleidung behindert die Durchblutung.

Kommen viele oder alle der o. g. Verschärfungsfaktoren zusammen, kann es bereits bei + 10 Grad Erfrierungen geben!

Kleidung

Zwiebelprinzip: lieber viele dünne Schichten, als wenige dicke.

Zwiebelprinzip: Als Grundmodell, das aber natürlich an die entsprechenden Touren-Bedingungen angepaßt werden muß, hat sich folgende "Schichtung" bewährt:

1. Schicht: Unterwäsche aus Microfaser, lang oder kurz oder beides

2. Schicht: Leichte Fleece-Bekleidung, z. B.als Sweat-Shirt, Leggins, dünner Pullover oder Hemd.

3. Schicht: Warme Fleece-Kleidung als Jacke, Pullover, Jogging-Hose etc..

4. Schicht: Windabweisende, strapazierfähige Funktionskleidung.

5. Schicht: Regenkleidung

siehe auch Ausrüstung/Kleidung

Material: man sollte sich über die Eigenschaften der Stoffe im Klaren sein, um diese richtig zu nutzen. Sogar die verpönte Baumwolle kann in bestimmten Fällen von Nutzen sein, da sie über eine hohe Saugkraft verfügt. Damit kann man z. B. Schuhe trockenlaufen, muss dann die Socken aber austauschen, wenn sie feucht geworden sind.

Für einen wirksamen Kälteschutz müssen alle Körperteile bedeckt (= isoliert) werden. Der Mensch verliert die meißte Wärme über den Kopf, den Hals und die Leistenbereiche. Trotzdem wird häufig der Kopf als letztes geschützt, weil man dort kaum friert. Relevant ist aber immer der Gesamtwärmehaushalt des Körpers. Also: Mütze auf, Schal um, und auch die Handschuhe nicht vergessen.

Kältebrücken: Die Körperisolierung (= Kleidung) sollte keine Kältebrücken aufweisen. So kann es z. B. bei relativ kurzen Ärmeln Sinn machen, Pulswärmer zu tragen. Und auch die schönste Tätowierung sollte kein Grund sein, die Kälte zwischen Hose und T-Shirt hereinkriechen zu lassen.

Nicht zu weit und nicht zu eng. Wenn die Kleidung zu weit ist, muss immer viel Luft vom Körper mit erwärmt werden. Ist die Kleidung zu eng, wird die Blutzirkulation in den Gefäßen gestört.

Daunenkleidung ist super bei trockener Kälte, aber wenn man sich viel bewegt oft zu warm. Sie ist eher geeignet für die Pausen oder für´s Camp, oder um nachts den Schlafsack zu unterstützen. Siehe auch Ausrüstung/Daunenjacken.


Schlafen

siehe die Informationen unter Schlafsäcke

Wenn man nicht auf Gewicht achten muss, hat man es gut. Dann kann man sich nachts so gut isolieren, wie es angenehm ist. Man kann dazu so viele Schlafsäcke und Decken übereinanderfügen, dass einem sicher nicht kalt wird (sofern o. g. Grundsätze, besonders der Feuchtigkeitsschutz, beachtet werden).

Für die anderen Fälle habe ich mir angewöhnt, auch auf ein Zwiebelprinzip zurückzugreifen. Statt eines sehr warmen Expeditionsschlafsackes, mit dem ich in weniger kalten Gebieten nichts anfangen kann, nehme ich einen guten 3-Jahreszeiten-Schlafsack, und erweitere ihn im Falle extremer Kälte um einen 500 g leichten Daunenschlafsack (z.B. Yeti Pound), den ich wie ein Inlet in den Hauptschlafsack einziehe. Das Ergebnis ist eine sehr gute Isolation und gute Variationsmöglichkeiten. Vor allem bei relativ dünnen Menschen kommt noch dazu, dass der Körper im Schlafsack wesentlich weniger Luftvolumen erwärmen muss.

Wichtig ist aber auch eine gut isolierende Unterlage. Details siehe Schlafmatten.

Um den ersten Teil der Nacht noch wärmer zu gestalten, kann man eine Flasche mit warmem Wasser als Wärmflasche verwenden. Später, wenn die Nacht am kältesten ist, ist diese Wärme aber meist verbraucht.

Ganz wichtig ist auch hier wieder das Beachten der Grundsätze, vor allem der Schutz vor Feuchtigkeit und Wind.

Erfrierung

Erfrierungen ...
... ersten Grades: Haut ist wachsweiss, kalt, gefühl- und schmerzlos. Kann durch Erwärmung (schmerzhaft) kuriert werden.
... zweiten Grades: Blasen, blaurote Haut. Tritt erst nach 2-3 Tagen auf.
... dritten Grades: nach mehreren Tagen: Haut wird schwarz und hart wie Porzellan. Betroffene Körperteile müssen amputiert werden.

Anfangs sieht jede Erfrierung aus wie eine erstgradige. Daher immer vom schlimmsten (3. Grad) ausgehen.

Behandlung: Stellen mit eigener oder fremder Körperwärme anwärmen. Nicht mit Schnee einreiben. Benachbarte Körperteile (nicht die betroffenen Stellen) durch Massieren passiv bewegen. Erfrorene Stellen keim- und druckfrei verbinden. Heiße, gezuckerte, salzreiche Getränke. Kein Alkohol! Unterkunft suchen. Bei schweren Erfrierungen liegend transportieren. In der warmen Unterkunft können heisse Alkoholgetränke gegeben werden. Mehrmals täglich Bewegung in sehr warmem Wasser (35-42 Grad), danach abtrocknen und wieder druckfrei verbinden. Erneute Kälteeinwirkung unbedingt vermeiden, sonst ist das Körperteil verloren! Blasen nicht aufstechen und Platzen verhindern. So schnell wie möglich zum Arzt.

Unterkühlung

Starkes Absinken der Körpertemperatur. Symptome: Muskelzittern, schneller Puls und schnelle Atmung, schwindende Muskelkraft. Eine der häufigsten Todesursachen bei Outdooraktivitäten!

Unterkühlung kann bei ungünstigen Bedingungen schon bei + 10 Grad C auftreten (z. B. eingeklemmt im Wasser liegend, kommt beim Paddeln öfter vor). Die erste Warnung, das Zittern, wird durch Alkohol häufig außer Kraft gesetzt.

Maßnahmen bei Unterkühlung: Schutz vor weiterer Auskühlung. Aktive und passive Bewegungen vermeiden, keine Massagen, Transport so schonend wie möglich (Gefahr des Bergungstodes)! Heisse, gezuckerte Getränke, kein Alkohol. Atmung und Kreislauf beobachten. Keine aktive Wärmezufuhr, keine heißen Bäder. Kaltes Peripherieblut darf nicht in den Körperkern gelangen!

Das Wichtigste: Vorbeugung!

Tipps & Tricks

Zucker verhindert zu schnelles Einfrieren von Getränken.

Ein Biwaksack (immer im Rucksack) schützt vor Wind und Nässe, und damit vor Kälte.

Heisse Getränke liefern nötige Wärme von innen. Edelstahl-Thermoskannen mit Vakuumisolierung halten sie lange warm.

Es gibt diverse Modelle von Schuh- und Taschenwärmern für den Extremfall.

Wer ein Feuer machen kann, hat´s gut! Wer eine Schneehöhle bauen kann, auch!

Wo es Strom gibt, kriegt man seine Sachen mit dem Föhn schnell wieder trocken.

Achtung bei allen Flüssigkeiten: Kontaktlinsenlösung, Insulin und andere Medikamente! Flüssigkeit friert ein, Gefäße platzen.

Wasserfilter: Schnelles Einfrieren der Filterpartrone!

Camel-Bag, Trinksysteme mit Schlauch: Einfriergefahr!

Kein Alkohol, denn dieser erweitert die peripheren Blutkanäle und fördert den Wärmeverlust.

Raucher haben durch verengte Blutgefäße ein erhöhtes Risiko von Erfrierungen.

Planet Wissen: Überlebensstrategien in der Kälte