Erster Weltkrieg Die Region wurde zur Frontlinie zwischen Österreich-Ungarn und Italien. Italien hatte 1915 die Seiten gewechselt (Londoner Vertrag). Befestigungsanlagen wie die Festung Nauders oder Werke im Vinschgau wurden ausgebaut. Die Region war Schauplatz von Gebirgskrieg , Spionage und Fluchtbewegungen.
Zwischenkriegszeit
Nach Kriegsende:
Durch den Vertrag von Saint-Germain fällt Südtirol an Italien. Die historische Einheit Tirols wurde dadurch zerschlagen. Reschen gehörte fortan zu Italien, Nauders zu Österreich.

Südtirol war ein dauernder Konfliktherd. Kulturelle Eigenständigkeit wurde unterdrückt. "Optionsmöglichkeit" unter Mussolini (1939): deutsche Südtiroler sollten ins Reich umsiedeln können. Mit Kriegsausbruch wurde das Programm zurückgestellt. Zweiter Weltkrieg Italien begann auf der Seite Deutschlands. Nach der Absetzung Mussolinis wechselte Italien die Seiten und gehörte später zu den Gewinnern des Krieges.
Nachkriegszeit, Wirtschaftswunder und europäisches Zusammenwachsen
Nach 1945 wurden die Grenzen zwar bestätigt, aber der Transitverkehr wurde erst mal stark reglementiert. Das Ringen der Südtiroler um Autonomie prägt die Jahrzehnte nach dem Krieg. Österreich und Italien finden darüber auch kein gutes Verhältnis. So verhindert Italien lange den Beitritt Österreichs zur EG.
Wirtschaftlicher Aufschwung & Tourismus:
In allen drei Regionen um den Reschenpass entwickelten sich ab den 50er und 60er Jahren der Winter- und Sommertourismus sehr stark. Das Engadin (z. B. St. Moritz) wurde zum internationalen Ferienziel, im unteren Engadin ist bis heute aber nicht ganz soviel los. Nauders, Serfaus, Fiss und Ladis werden bekannte Wintersportorte. Reschen und Nauders profitierten von ihrer Grenzlage und als Verkehrsverbindung zwischen Nord und Süd. Zwischen beiden Orten liegt die österreichisch-italienische Grenze. Bis in die 80er Jahre gab es bei vielen Waren noch Preisunterschiede zwischen den Ländern. Mal zum Einkaufen über die Grenze fahren war bei Touristen recht beliebt.
Nach und nach wurde die Straßenverbindung über den Reschenpass weiter ausgebaut und wird es weiter. 2021 wird der Tunnel eröffnet, der den Verkehr an Landeck vorbei leitet. Aber auch die Verbindung zwischen Tirol (Landeck) und der Schweiz (Scuol) hat ihre Bedeutung.
Autonomie und offene Grenzen:
Südtirol bekommt zwischen 1946 und 1992 nach langem Ringen und in mehreren Schritten seine heutige Autonomie und wird damit zum Vorbild auch für andere kulturell eigenständige Regionen, z.B. in Spanien.
Mit dem EG-Beitritt Österreichs (1995) und dem Schengen-Abkommen (1997) verschwinden die Grenzkontrollen und die Region wird zu einem Symbol des europäischen Zusammenwachsens.
Kulturelle Vielfalt als Chance:
Das Gebiet zeichnet sich durch ein vielfältiges Kaleidoskop aus bajuwarisch-deutscher, alemannischer, rätoromanischer und italienischer Kultur aus. Die rätoromanische Sprache (v. a. im Engadin) wird weiter gepflegt, gilt aber als bedroht.

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