Geschichte Südtirols
Wandern - Trekking - Radfahren - Kanutouren

 

Informationen und Stichworte zur Geschichte Tirols und Südtirols.

Letzte Änderung: 07.01.2016

Schloss Juval

 
Allgemeines & Spezielles
Wandern zum Seitenanfang

siehe auch > Geschichte Italiens

Vorgeschichte
Wandern zum Seitenanfang
12.000 - 10.000 v. Chr. erste Jagdexpeditionen in die Alpen durch den Chromagnon-Menschen (Homo sapiens)

ab 5000 v. Chr. Übergang zur Landwirtschaft, halbnomadische Brandrodung, erste Siedlungen der jungsteinzeitlichen Ackerbauern. Kurz danach auch Viehhaltung (Schaf, Ziege, Schwein, Rind).

3500 v. Chr.: Tod Ötzis. Metallgegenstände (Kupfer), Handelsgüter (Feuersteine).

2200 - 1900 v. Chr.: Einflüsse der Magalith-Kultur

ab 1800 v. Chr.: Bronzezeit. Wallburgen.

ab 800 v. Chr.: Eisenzeit

Kelten, Illyrer, Ligurer besiedeln den südlichen Alpenraum.

Rodung des dichten Waldes für Besiedlung

Römische Siedler mischen sich mit der Urbevölkerung => Rätoromanen.

Mittelalter - Erster Weltkrieg
Wandern zum Seitenanfang
ab 8. Jh.: Im Mittelalter gehörte das von Bajuwaren, Langobarden und Rätoromanen besiedelte Tirol bis an die Poebene zum Herzogtum Bayern. Von den Grafen von Tirol von der Bozenen-Meraner Gegend ausgehend geeint, fiel es auf Grund eines Erbvertrages 1363 an das Haus Habsburg. Der Raum von der Bodenseegegend bis an Gardasee und Tauern war im bis 1806 bestehenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation integriert.

Die Dolomiten gingen aus der Völkerwanderung als ladinisches Sprachgebiet hervor, wurden aber mit der Entstehung Tirols und der Eingliederung des Trentino in das Heilige römische Reich ab dem Mittelalter durch bajuwarische Siedler teilweise germanisiert, daneben stößt vom Süden her bis heute das Italienische vor.

1804 - 1867: Tirol Teil des Kaisertums Österreich, mit Unterbrechung in den napoleonischen Koalitionskriegen 1805 - 1814, als das Land zum größten Teil zum neuen Königreich Bayern gehörte.

Andreas Hofer (Wikipedia) und sein Kampf gegen die bayerisch-napoleonischen Truppen

1867-1918 Teil der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Durch die Dolomiten verlief während des ganzen hohen und späten Mittelalters sowie bis in die napoleonische Zeit die Grenze zwischen Deutschland beziehungsweise Österreich und Italien. Auch zwischen 1866 und 1918 verlief hier die österreichisch-italienische Grenze. Sie folgte im Wesentlichen der heutigen Provinzgrenze zwischen Trentino-Südtirol und Venetien.

Erster Weltkrieg 1914-1918
Wandern zum Seitenanfang

Während des Gebirgskriegs 1915-1918, als Italien auf Seiten der Entente im Ersten Weltkrieg kämpfte, war die Grenze Gebirgsfront. England und Frankreich hatten 1915 den Italienern die Gebiete bis zum Alpenhauptkamm versprochen, wenn sie auf Seiten der Entente in den Krieg eintreten würden. Es gelang den Italienern allerdings nur, Cortina und Teile des Buchensteins zu besetzen, so dass die Front nach ihrer Stabilisierung in etwa vom Passo San Pellegrino über Marmolata, Col di Lana, Lagazuoi, die Tofanen, Hohe Gaisl, Schluderbach, Monte Piana, Drei Zinnen und Paternkofel zum Kreuzbergsattel verlief. Vielerorts sind noch Kriegsspuren zu sehen, insbesondere der durch Sprengung zum Einsturz gebrachte Gipfel des Col di Lana.

Ab 1918 gehört Südtirol zu Italien. Damals war das heutige Südtirol von einer großen deutschsprachigen Mehrheit besiedelt. Laut der Volkszählung von 1910 sprachen 89 % deutsch, 3,8 % ladinisch und 2,9 % italienisch bei insgesamt 251.000 Einwohnern.

Zwischenkriegszeit 1918-1939
Wandern zum Seitenanfang

SeilbahngondelNach dem für Habsburger (Österreich-Ungarn) verlorenen Ersten Weltkrieg wurde das vornehmlich deutsch besiedelte Südtirol ebenso wie das vornehmlich italienisch besiedelte Welschtirol (Trentino) im November 1918 von Italien besetzt und auf Grund des Vertrages von St. Germain 1920 annektiert.

Obwohl die neue Republik Österreich das ganze deutschsprachige Tirol für sich beanspruchte und protestierte, wurde die Angliederung Deutsch-Südtirols an Italien gegen den Willen der dort ansässigen Bevölkerung besiegelt. England und Frankreich hatten bereits im Londoner Vertrag von 1915 Italien die Brennergrenze und andere Gebiete zugesichert, um den Kriegseintritt des 1914/1915 neutralen Königreichs an ihrer Seite zu erwirken.

Die deutschsprachigen Gebiete südlich des Brenners wurden mit dem vormaligen Welschtirol (Trentino) zu einer mehrheitlich italienischsprachigen Verwaltungseinheit (weitgehend deckungsgleich mit der heutigen Region Trentino-Südtirol) vereint.

König Viktor Emanuel III. hatte in seiner Thronrede 1919 versichert, der neuen Provinz eine "sorgfältige Wahrung der lokalen Institutionen und der Selbstverwaltung" zuzugestehen.

1921 konnten die Südtiroler zum ersten Mal an den Wahlen zum römischen Parlament teilnehmen. Der Deutsche Verband erreichte 90% der Stimmen im Lande und konnte vier Sitze in der Abgeordnetenkammer erlangen. Aber sämtliche Autonomiebestrebungen wurden aufgrund der sich dramatisch verändernden politischen Lage ausgebremst.

1921 kamen Schlägertrupps der italienischen Schwarzhemden (Mussolinis Faschisten) auch nach Südtirol, wo sie die Überbleibsel und Symbole der ihr "verhassten Doppelmonarchie" (etwa Doppeladler) zerstörten. Höhepunkt dieser Szenen war der sogenannte Bozner Blutsonntag, ein Übergriff auf einen Trachtenumzug in Bozen, bei dem der Marlinger Lehrer Franz Innerhofer ermordet wurde. Im Oktober 1922 zogen 700 italienische Faschisten nach Bozen und besetzten das Rathaus unter den Augen der Polizeikräfte, die dagegen nicht einschritten.

Mit der Machtergreifung von Benito Mussolini begann für die Südtiroler die Italianisierung. Besonders hart traf die Unterdrückung die ladinische Bevölkerung, zumal die italienische Nationalbewegung im Ladinischen einen italienischen Dialekt sah. Das Siedlungsgebiet der Ladiner wurde auf die drei Provinzen Bozen, Trient und Belluno aufgeteilt.

ab 1923: Die folgenden Jahre trugen vor allem die Handschrift von Ettore Tolomei, einem Nationalisten aus dem Trentino, der sich die Italianisierung Südtirols zur Lebensaufgabe gemacht hatte. 1923 präsentierte er sein Programm zur Assimilierung Südtirols. Ab 1923 wurden sämtliche Orts- und Flurnamen italianisiert und die Verwendung des Namens Tirol verboten. Bereits 1916 hatte Tolemei den Prontuario herausgegeben, eine Liste, in der die Ortsnamen ins italienische übertragen wurden, teilweise neu ausgedacht, teilweise im Klang nachgeahmt (Ulten > Ultimo), teilweise Übersetzungen der gebräuchlichen deutschen Namen. Auch die deutschen Familiennamen der Bevölkerung waren in der Liste übersetzt.

1923 / 1925 Italienisch wurde zur einzig zugelassenen Amts- und Gerichtssprache. Sämtliche deutschsprachigen Zeitungen wurden verboten, mit Ausnahme der faschistischen Alpenzeitung, die erstmals 1926 und bis 1943 erschien. Ab 1927 durften die Dolomiten und einige andere Zeitschriften aus dem (damals) kirchlichen Verlagshaus Athesia wieder erscheinen.

ab 1924: Südtirol stand unter Militärprotektorat. Gebäude durften z. B. nur nach Zustimmung des Militärs errichtet werden.

1923: Im Zuge der faschistischen Schulreform wurde an allen Schulen die deutsche Sprache verboten. Kirchliche Schulen mussten sich ebenfalls fügen oder schließen. Einzig die Knabenseminare Vinzentinum in Brixen und Johanneum in Dorf Tirol konnten aufgrund der Lateranverträge von 1929 in Deutsch weiterarbeiten.

1925/26 nahmen deutsche Geheimschulen (Katakombenschulen) ihre Tätigkeit auf.

1928: Zehn Jahre nach Kriegsende wurde in Bozen ein großes Siegesdenkmal errichtet, ein Monument typischer Herrschaftsarchitektur des italienischen Faschismus, das dem italienischen Sieg im Ersten Weltkrieg gewidmet wurde. Forderungen nach Beseitigung dieses Diktaturerbes führten nicht zu seinem Abbruch, so dass es bis heute von italienischen Neofaschisten als "Wallfahrtsort" genutzt wird. Denkmäler aus der österreichischen Kaiserzeit wurden hingegen konsequent zerstört bzw. abgetragen.

1928 begann die zweite Phase der Italianisierungspolitik. Da die bisherigen Bemühungen zum Aussterben der deutschen Sprache in Südtirol nicht von großem Erfolg gekrönt waren, wurde in Bozen ein großes Industriegebiet zur Ansiedlung von Italienern angelegt. Firmen erhielten großzügige Subventionen und Steuerbegünstigungen, wenn sie Niederlassungen in Bozen errichteten. So wurde innerhalb weniger Jahre die Einwohnerzahl Bozens durch italienische Zuwanderer vervielfacht: die Bevölkerung wuchs von 30.000 Einwohnern zur Jahrhundertwende auf zwischenzeitlich bis zu 120.000.

In dieser Zeit wurde auch der sog. Südtiroler Alpenwall errichtet.

Zweiter Weltkrieg 1939-1945
Wandern zum Seitenanfang

1938: AlsAdolf Hitler seine österreichische Heimat an das Deutsche Reich anschloss, schöpften viele Südtiroler neue Hoffnung auf Lösung vom italienischen Staat und Wiedervereinigung mit dem übrigen Tirol, das damals im Deutschen Reich lag. Am Brenner wehte die Hakenkreuzfahne, und viele Südtiroler hofften, Hitler würde das Land "heim ins Reich" holen. Die Enttäuschung folgte, als Details über das Hitler-Mussolini-Abkommen (1939) bekannt wurden. Danach sollten die Einwohner Südtirols optieren zwischen Verlassen der Heimat und Reichsbürgerschaft oder italienischer Staatsbürgerschaft wählen. Die zweite Möglichkeit war verbunden mit der fast sicher geglaubten Möglichkeit, in Gebiete südlich des Po deportiert zu werden. Später stellte sich heraus, dass dies eine gezielte Lüge des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels war. Rund 86 % der deutschen Bevölkerung Südtirols entschieden sich für die Umsiedlung ins Reich. Damit hatten allerdings weder die italienischen Faschisten noch Hitler gerechnet. Tatsächlich ausgewandert sind bis zum Sturz des Diktators Mussolini ca. 80.000 Südtiroler, von denen bis nach dem Krieg 50.000 wieder zurückkehrten. Noch heute gibt es z. B. im Harz einen Ort, der von den Südtirolern und ihren Nachkommen bewohnt wird.

1943: Nach dem Sturz Mussolinis und der Auflösung des Verbündetenstatus, dem folgenden Einmarsch der Wehrmacht und der Errichtung der Operationszone Alpenvorland wurden die Auswanderung der Optanten und die Zuwanderung von Italienern beendet. Der Einzug der deutschen Truppen wurde daher in Südtirol zunächst mit Begeisterung aufgenommen. Die NSDAP war zwar in Südtirol nie zugelassen worden - sehr wohl aber der NSDAP nahestehende Verbände wie der Völkische Kampfring Südtirols (VKS) -, aber auch hier fand der Nationalsozialismus auch über das eigene Heimatanliegen hinaus seine Unterstützer: Wie sich später herausstellte, waren auch einige deutsche Südtiroler in Kriegsverbrechen verwickelt. Es kam auch recht häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Dableibern und Optanten.

1943 - 1945, als die Nationalsozialisten das Land beherrschten, waren mehr Todesopfer zu beklagen als während der Zeit des faschistischen italienischen Regimes von 1922 bis 1942. Der Zweite Weltkrieg hatte auch Südtirol voll erreicht. Viele Südtiroler kämpften in der Wehrmacht.

Widerstand gegen die Hitler-Diktatur kam selten vor, lediglich einige wenige Gruppen wendeten sich gegen das Regime.

1945: Kurz nach Kriegsende hisste die italienische Widerstandsbewegung CLN (Comitato di Liberazione Nazionale, Komitee zur nationalen Befreiung) am Brenner wieder die italienische Fahne.

Wiederaufbau und Kampf um Autonomie 1945-1972
Wandern zum Seitenanfang

1946: Nach dem 2. Weltkrieg hegten viele Südtiroler erneut Hoffnungen, eine Wiedervereinigung mit Nordtirol im Zuge einer absehbaren staatlichen Neugründung Österreichs zu erreichen. Auf Initiative der neu gegründeten Südtiroler Volkspartei wurden hierfür 155.000 Unterschriften gesammelt und dem österreichischen Bundeskanzler übergeben. Da Österreich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht die volle staatliche Souveränität von den alliierten Siegermächten zurückerhalten hatte, war die Verhandlungsposition der österreichischen Delegation gegenüber Italien bei den Friedensverhandlungen 1946 in Paris geschwächt. Am Rande der Friedensverhandlungen wurde hinsichtlich der Südtirolfrage zwischen Italien und Österreich schließlich das sogenannte Gruber-De-Gasperi-Abkommen unterzeichnet. Italien, das als Folge des Krieges bereits die Halbinsel Istrien und die Städte Fiume/Rijeka und Zara/Zadar an Jugoslawien hatte abtreten müssen, wurde bei diesen Verhandlungen das Gebiet Südtirols erneut zugesprochen. Der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerungsmehrheit in der Region wurden von Seiten Italiens allerdings autonome Grundrechte zugesichert. Österreich wurde als Schutzmacht der Südtiroler Bevölkerung in Italien anerkannt.

Nach Errichtung der autonomen Region Trentino-Alto Adige im Jahr 1948, welche neben dem Gebiet Südtirols auch die mehrheitlich italienischsprachig bevölkerte Provinz Trentino umfasste, wurde die Umsetzung wesentlicher Punkte des Pariser Vertrages von der italienischen Zentralregierung bewusst verzögert, was zu stetig steigendem Unmut der deutsch- und ladinischsprachigen Südtiroler gegenüber diesem ersten Autonomiestatut führte. Besonders umstritten war in jenen Jahren die, von der italienischen Regierung geförderte, Zuwanderung von italienischen Arbeitsmigranten, die 1957 ihren Höhepunkt erreichte, als für diese Menschen 5.000 Wohnungen in Südtirol errichtet werden sollten. Vertreter der Südtiroler befürchteten eine fortschreitende Marginalisierung der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerungsmehrheit. Auf der größten Kundgebung in der Geschichte Südtirols auf Schloss Sigmundskron versammelten sich rund 35.000 Südtiroler und forderte eine Loslösung der Provinz Bozen (Südtirol) von der Provinz Trient, womit sie erstmals auch internationales Interesse für die Südtirol-Frage wecken konnte.

1955: Mit der endgültigen Neugründung Österreichs erhielt die Südtiroler Volkspartei erneut verstärkte Unterstützung von Seiten der Österreichischen Regierung . Diese erreichte im Sinne der Südtiroler einen ersten Teilerfolg, als nach diversen erfolglosen Sondierungsgesprächen zwischen Regierungsvertretern Italiens und Österreichs die versäumte Umsetzung des Pariser Vertrags 1960 erstmals als Thema auf die Tagesordnung der UN-Vollversammlung gesetzt wurde. Mit einer UN-Resolution vom Oktober 1960 wurde dabei festgestellt, dass die Umsetzung des Pariser Vertrags für Italien bindend sei.

Parallel zu den diplomatischen Verhandlungen zwischen der Südtiroler Volkspartei und italienischen und österreichischen Regierungsvertretern war es bereits ab 1956 zu einer Serie von Bombenattentaten gekommen, die anfänglich (bis 1961) vom BAS, später von neonazistischen Kreisen aus dem deutschsprachigen Ausland durchgeführt worden waren, wobei diese Gruppen für die Loslösung Südtirols von Italien eintraten. Während die Anschläge in den ersten Jahren weitgehend auf die Zerstörung von Sacheigentum abzielten (Strommasten, italienische Wohnbauten), richtete sich die Gewalt sogenannter "Südtirol-Aktivisten" zunehmend auch gegen Menschen, nachdem die ursprüngliche BAS-Gruppe fast vollständig inhaftiert worden war. Insgesamt wurden von 1956 bis 1988 361 Anschläge gezählt, bei denen Sprengstoff, Maschinengewehre und Minen eingesetzt wurden. Dabei wurden 21 Tote registriert, davon 15 Staatsvertreter, zwei Zivilisten und vier Mitglieder des BAS, die bei der Vorbereitung eines Bombenattentats getötet wurden, weiterhin 57 Verletzte (24 Staatsvertreter und 33 Zivilisten). Zur Eskalation der Gewalt trugen ab 1961 auch die italienischen Behörden bei. Neben Folterungen von verhafteten BAS-Aktivisten durch die Carabinieri, die von diesen Vergehen vor Gericht großteils freigesprochen wurden, operierten auch bald der italienische Militärgeheimdienst und die paramilitärische Geheimorganisation Gladio in Südtirol, um mit gewalttätigen Provokationen die politischen Spannungen zu verschärfen und dadurch die Verhandlungsposition der deutschsprachigen Südtiroler zu schwächen.

Unter dem Schlagwort Südtirol-Paket wurden nach langwierigen Verhandlungen 1969 viele Maßnahmen von der Generalversammlung der Südtiroler Volkspartei, vom österreichischen Nationalrat und vom italienischen Parlament genehmigt, womit das sogenannte Zweite Autonomiestatut für Südtirol im Jahr 1972 als Verfassungsgesetz in Kraft treten konnte. Im Verlauf der folgenden Jahrzehnte wurde es schrittweise umgesetzt.

Autonomie seit 1972
Wandern zum Seitenanfang

Im Zeitraum von 1972 bis 1992 waren nach und nach alle Paketbestimmungen, wie im "Operationskalender" vereinbart, in die Tat umgesetzt worden.

Durch den ethnischen Proporz kann seither eine gerechte Verteilung der Stellen in der öffentlichen Verwaltung - noch im Jahre 1972 waren 90 Prozent der Beamten italienischer Muttersprache - gewährleistet werden, sowie eine der Sprachgruppenstärke angemessene Verteilung von Sozialwohnungen erfolgen. Die Selbstverwaltung, wie sie im ursprünglichen Gruber-De-Gasperi-Abkommen vorgesehen war, ist durch das Zugeständnis wichtiger Kompetenzen, auch in der vom Landtag ausgeübten Gesetzgebung, verwirklicht worden. Von Belang sind auch die beträchtlichen finanziellen Mittel, die dem Land Südtirol zustehen und effizient eingesetzt werden. Landeshauptmann Luis Durnwalder wurde 2006 für seinen Einsatz für eine umsichtige und vorausschauende Haushaltspolitik mit dem "European Taxpayers' Award" ausgezeichnet.

Dank der Europäischen Union und der Einrichtung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino verschwinden die politischen Grenzen zwischen den Gebieten des historischen Tirols immer mehr: Grenzposten und Grenzkontrollen gibt es de facto schon seit Jahren nicht mehr. Darüber hinaus trägt der Euro als gemeinsame Währung zum wirtschaftlichen Zusammenwachsen der gesamten Region bei.

2007: Das Gebiet der ladinischsprachigen Bevölkerung um Cortina d'Ampezzo, das von den Faschisten an die Provinz Belluno angeschlossen wurde, hat dafür gestimmt, wieder an Südtirol angegliedert zu werden. Letztendlich wird das italienische Parlament über die Wiederherstellung der historischen Grenzen entscheiden.

Aufgrund der besonderen Schutzmaßnahmen für die deutsche und ladinische Bevölkerung gilt Südtirol als Modellregion für die Autonomie von ethnischen Minderheiten, so dass sich nach einer konfliktreichen Vergangenheit ein friedliches Nebeneinander aller Bevölkerungsgruppen herauskristallisieren konnte.

Ein echtes Miteinander gibt es trotzdem nicht. Die Trennung der Bevölkerungsgruppen wird vor allem durch das Schulsystem, aber auch durch die Konzentration der Italiener auf die größeren Ortschaften gefördert. Aus verschiedenen Gründen ist das Unbehagen, sog. "Disagio", vieler Italiener vor der Südtiroler Autonomie nicht zurückgegangen. Ihre Herkunft aus den verschiedensten Regionen Italiens hat die Bildung einer starken gemeinsamen Identität beeinträchtigt. Zudem beherrschen viele die deutsche Sprache (ganz zu schweigen vom Südtiroler Dialekt) nur schlecht. Seit Einführung des Proporzes ist auch der öffentliche Dienst keine rein italienische Domäne mehr. Gewisse Spannungen zwischen den Sprachgruppen sind daher geblieben. In den 80er Jahren profitierte das neofaschistische Movimento Sociale vom Unmut der Italiener und konnte vor allem in Bozen beträchtliche Wahlerfolge erzielen. Heutzutage sind ihre Stimmen auf zahlreiche Parteien verstreut, was eine starke politische Vertretung verhindert. Das schlägt sich zum Beispiel darin nieder, dass von Südtirols 2.030 Gemeinderäten nur 8  %, der italienischen Sprachgruppe angehören, obwohl diese 27 % der Gesamtbevölkerung stellt.

2001 beschloss der Gemeinderat der Stadt Bozen, den Siegesplatz, an dem sich das Siegesdenkmal Mussolinis befindet, in Friedensplatz umzubenennen: Die Umbenennung sollte ein Zeichen der Versöhnung zwischen den Südtiroler Sprachgruppen sein. Die Alleanza Nazionale und die nationalistische Unitalia sahen darin aber einen Versuch, die Stadt Bozen ihrer heute "italienischen Identität" zu berauben, und konnten infolge einer Unterschriftenaktion eine Volksbefragung erzwingen, deren Ergebnis schließlich unerwartet deutlich ausfiel: 62 Prozent befürworteten eine Rückbenennung in Siegesplatz.

2006: Für Unmut sorgte die im Jahr von den Schützen initiierte Petition der Südtiroler Bürgermeister an das österreichische Parlament, die Schutzmachtfunktion Österreichs verfassungsmäßig zu verankern.

In der deutschsprachigen und ladinischen Südtiroler Bevölkerung gibt es weiterhin Bestrebungen, sich von der Zugehörigkeit zum italienischen Staat zu lösen.

Auf der anderen Seite ist insbesondere die finanzielle Autonomie Südtirols von Seiten italienischer Politiker immer wieder in die Kritik geraten, weil sich das Land anders als die Nachbarregionen nicht angemessen an den Transferzahlungen für den unterentwickelten Süden Italiens beteilige. Der ehemalige Präsident der Region Venetien sprach offen von "überholten Autonomie-Privilegien" und drohte, den italienischen Verfassungsgerichtshof und sogar den Europäischen Gerichtshof anzurufen.

Die Südtiroler Volkspartei musste bei den Parlamentswahlen 2008 empfindliche Stimmenverluste verbuchen und konnte nur noch 45,6 % der Stimmen auf sich vereinen. Bei den Landtagswahlen im Herbst verbesserte sie sich auf 48,1 % und konnte so knapp die absolute Mehrheit der Mandate verteidigen.

2009 forderten österreichische FPÖ-Politiker eine Volksabstimmung über eine Rückkehr Südtirols zu Österreich. Südtirols Landeshauptmann Durnwalder bezeichnete den Vorstoß Grafs als "unrealistisch und unverantwortlich".

Geschichte Italiens
Wandern zum Seitenanfang

siehe > Geschichte Italiens

Literaturtipps Südtirol Geschichte
Wandern zum Seitenanfang

Auf alten Kriegspfaden durch die Dolomiten: 30 spektakuläre Wanderungen auf historischen Wegen. Eugen E. Hüsler, Bruckmann.  

Die Erben der Einsamkeit: Reise zu den Bergbauernhöfen Südtirols. Interessantes Buch mit viele alten Fotos über die Bergbauernhöfe und das Leben dort zwischen Vergangenheit und Zukunft. Empfehlenswert!  

Eva schläft: Roman Südtirol. Eine tragische Liebesgeschichte in Südtirol, das von Deutschland und Italien zerrissen wurde: Eva ist Anfang 40, als sie einen Anruf von dem Mann erhält, der in ihrer Kindheit eine Zeit lang die Rolle des Vaters einnahm, bevor er scheinbar für immer verschwand: Vito Anania. Er liegt im Sterben und noch einmal möchte er Eva sehen. Also tritt sie die Zugreise von Südtirol quer durch Italien in den äußersten Süden an. In ihrer Vorstellung entfaltet sich noch einmal ihre ganze Kindheit in Südtirol, geprägt von den politischen Verwerfungen dieser Region, aber mehr noch von der Liebe ihrer Mutter, der im Leben nichts geschenkt wurde - außer ihrer Schönheit. Autorin: Francesca Melandri.

EmpfehlungSchüttelbrot und Wasserwosser: Wege und Geschichten zwischen Ortler und Meran - Wandern im Vinschgau. Rezension unter > Vinschgau.

Wandern im Dreieck Bücher über den Dolomitenkrieg 

Wandern im Dreieck Buch: Die Geschichte der Dolomiten