Gebrauchte Räder sind meist um ein Vielfaches günstiger als ein Neukauf. Dabei müssen wir aber im Auge behalten, dass ein scheinbar besonders gutes Schnäppchen auch ein Zeichen für versteckte Mängel sein kann. Damit wir nicht mit regelmäßigen Fahrrad-Reparaturen rechnen müssen oder eventuell sogar ein gestohlenes Fahrrad kaufen, sollten wir dabei ein paar Dinge beachten:
Wo findet man Gebrauchträder?
Gebrauchte Fahrräder finden wir über viele Kanäle - von Rädern, die mit einem Schild am Straßenrand stehen bis zu Fachhändlern, die sich auf gebrauchte Drahtesel spezialisiert haben.
Größtenteils finden wir über Privatverkäufe auf Flohmärkten, Kleinanzeigen oder Internetplattformen wie eBay die günstigsten Preise. Dafür ist die Prüfung der Qualität des Rads auch ganz allein von uns abhängig. Das ist bei den Online-Märkten als Ferndiagnose kaum zu bewältigen. Wir müssen also zur Begutachtung zun Fahrrad hin fahren. Denn ungeprüft sollte man kein gebrauchtes Fahrad kaufen.
Fachhändler haben zwar häufig höhere Preise, dafür sind die Käufe dort gesetzlich abgesichert und der Zustand des Rads wird durch den Verkäufer geprüft und garantiert. Leider ist natürlich nicht jeder Händler so zuverlässig, wie er sein sollte. Eigene Erfahrungen oder Informationen über den Laden aus dem Freundeskreis oder Internet helfen bei der Beurteilung. Erscheint ein Händler schon auf den ersten Blick wenig solide, dann sollte man lieber gleich zum Mitbewerber gehen. Denn auch die Durchsetzung gerechtfertigter Reklamatioen kann nervig und zeitaufwändig sein.
Eine gute Mischung aus beidem - Privatverkauf und Gebrauchthandel - finden wir bei Verkaufsplattformen, die neuerdings im Internet zu finden sind, die sich gezielt auf den An- und Verkauf von gebrauchten Fahrrädern spezialisieren. Sie kaufen die gebrauchten Räder von Nutzern, prüfen sie, bereiten sie zur Not auf, und bieten sie dann zu günstigen Preisen zum Verkauf mit Garantie an.
Der Zustand des Fahrrads
Insbesondere bei Privatverkäufern ist es wichtig, das Fahrrad und den Vorbesitzer zu begutachten. Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Anbieter offen über kleine Mängel und Vorschäden spricht, statt sie zu verstecken.
Fragen, die man dabei stellen sollte, sind:
Wie alt ist das Rad?
Wie viele Vorbesitzer hatte es?
Wie viel wurde es genutzt und wozu? Schwere Lasten, hartes Gelände und viele Bordsteine verschleißen ein Fahrrad schneller, als geteerte Radwege auf sonntäglichen Radtouren das tun.
Wurde das Fahrrad regelmäßig geprüft und repariert? Hat das eine Fachwerkstatt übernomen, oder hat der Vorbesitzer selbst die nötigen Fähigkeiten und Werkzeuge?
Gab es Schäden? Sind Teile erneuert worden?
Wie wurde das Fahrrad aufbewahrt? Im Freien oder wettergeschützt?
In diesem Gespräch lässt sich oft gut erkennen, ob der Verkäufer sein Rad anpreisen will und bei kritischen Punkten abwiegelt, oder ob er sachlich und ehrlich über das Rad Auskunft gibt.
 Welche Dinge sollte man prüfen?
Nach dem Gespräch mit dem Besitzer geht es daran, den Zustand des Fahrrads selbst zu betrachten. Grundsätzlich ist der Allgemeinzustand bereits ein guter Ansatzpunkt für eine Einschätzung darüber, wie das Fahrrad behandelt wurde.
Die folgenden Faktoren sollte man danach genauer untersuchen:
Ist das Rad gepflegt und sauber? Ist Schmutz auch von schwer zugänglichen Stellen entfernt worden? Sand Ölreste, z.B. im Schaltwerk, erhöhen den Verschleiß.
Wie steht es um die Funktionsfähigkeit der Bremsen? Sind die Beläge noch dick genug? Sind die Bowdenzüge (bei mechanischen Bremsen) unbeschädigt? Haben die Bremshebel sehr weiche Druckpunkte (bei hydraulischen Bremsen)?
Die Funktionsfähigkeit der Schaltung sollte für jeden einzelnen Gang geprüft werden, am besten auf einer Probefahrt. Wird die Kette sauber auf jedes Zahnrad gelegt? Werden Zahnkränze übersprungen (dann ist eine Wartung fällig)?
Die Funktionsfähigkeit von Lichtern sollte getestet werden.
Den sicheren Stand & die angenehme Federung kann man ausprobieren.
Funktioniert das In-Einer-Linie-Laufen von Vorder- und Hinterrad?
Ist ein Schleifen beim Schieben/Fahren des Rads zu hören?
Funktioniert das Drehen des Tretlagers ohne Reibungsverluste?
Finden wir Rost und Kratzer?
Die Abnutzung von Ritzel und Reifen sollten in Augenschein genommen werden. Sind die Zähne abgenutzt oder gibt es Haifischzähne? Dann wurden Zaknkränze und Kette nicht gegelmäßig gewartet bzw. ausgetauscht. Springt die Kette, wenn ich mit aller Kraft in die Padale trete? Dann braucht das Rad neie Zahnkränze und eine neue Kette.
Der Zustand des Rahmens: Gibt es Risse in den Schweißnähten? Ist der Rahmen samt Gabel irgendwo verzogen oder eingedellt?
Sind bei einem Alltagsrad Klingel, Scheinwerfer, Rückstrahler und Reflektoren (Elemente für ein verkehrssicheres Fahrrad) vorhanden und funktionsfähig?
Abnutzungen wie Rost und Kratzer sind im Leben eines Fahrrads normal. Wichtig ist, ihre Menge mit dem Alter des Rads abzugleichen um einzuschätzen, wie gut das Rad behandelt wurde und ob der versprochene Zustand stimmt. Zudem sollte man die Ausstattung des Rads wie Klingel, Ständer, Gepäckträger und Co. mit den Dingen abgleichen, die bei einem Neukauf vorhanden wären. Alle diese Faktoren helfen dabei, einen fairen Preis zu finden.
Erkennen gestohlener Räder
Wer ein gestohlenes Fahrrad kauft riskiert, das Geld und das Fahrrad zu verlieren. Nach deutschem Recht ist es nämlich nicht möglich, das Eigentumsrecht eines geklauten Gegenstands zu erhalten. Ermittelt der ursprüngliche Eigentümer den Standort seines gestohlenen Fahrrads, bringt auch ein Kaufvertrag mit dem Dieb oder Vorbesitzer nichts. In diesem Fall muss das gestohlene Rad an den ursprünglichen Besitzer zurückgegeben werden. Den Kaufpreis dafür kann man höchstens von dem Verkäufer zurückverlangen, das ist aber nur selten erfolgreich.
In der INPOL-Sachfahndungsdatei werden die Rahmennummern von gestohlen gemeldeten Fahrrädern hinterlegt. Die Polizei kann dabei helfen, die Rahmennummer eines Fahrrads mit dieser Datei abzugleichen, um die Legitimität eines Verkaufs zu bestätigen.
 Kaufvertrag
Gerade bei Privatkäufen verzichten viele Menschen auf einen Kaufvertrag. Dabei ist dieser die beste Absicherung vor späteren Komplikationen. Dinge, die in dem Vertrag festgehalten werden sollten, sind:
Die Adress- & Personendaten der Vertragspartner
Die Rahmennummer des Fahrrads
Eine Beschreibung des Fahrrads samt bestehender Mängel
Das Klären der Sachmängelhaftung, z. B. durch einen Haftungsausschluss
Zudem sollte man bei der Übergabe alle Originalunterlagen zu dem Fahrrad erhalten, die noch vorhanden sind. Auch das Vorlegen eines Ausweises von Käufer und Verkäufer ist empfehlenswert. 
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