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Erste Hilfe & Rettung

Erste-Hilfe-Maßnahmen, Notrufe und -signale, Rettung
Letzte Änderung: 08.12.2009

Helikoptereinweisung

Antwort auf Fragen der Helikopterbesatzung:

Ja = beide Arme in die Luft recken (Körperform wie ein "Y" für YES),
Nein = ein Arm hoch, ein Arm runter (wie der Querbalken im "N" für NO).

Ohne Sprechkontakt wird die Frage unterstellt: "Braucht Ihr Hilfe?" - "Y" bedeutet dann: "Wir brauchen Hilfe!" - "N" bedeutet: "Alles okay, wir brauchen keine Hilfe!"

Vorbereitung der Landefläche:

1. Landefläche sollte hart und flach sein.

2. Windrichtung checken. Landefläche sollte dem Heli einen Start nach vorn in den Wind erlauben. Am besten eignet sich ein Platz, der flach ist und gegen die Windrichtung hin abfällt. Windrichtungsanzeiger (Halstuch o.ä.) aufhängen.

3. Boden der Landefläche wenn möglich mit einem großen "H" markieren (z. B. aus Steinen). Alle losen Gegenstände wegräumen oder befestigen, so daß sie nicht vom Heli aufgewirbelt werden können.

4. Von Landefläche fernhalten, mit dem Rücken zum Heli stehen.

5. Auf Signale des Piloten achten. Erst dem Heli nähern, wenn der Pilot Zeichen gibt. Nie von der Hangseite und nie von hinten (Heckrotor) dem Heli nähern. Immer gebückt nähern, da sich Rotorblätter nach dem Landen langsam absenken.

Meldung 06/2005 aus Nepal-Dia.de: Helikopter auf dem Everest - Ein Helikopter von Eurokopter hat in einem Rekordflug die Spitze des Everest berührt. Von einer richtigen Landung kann man aber nicht sprechen. Interessant ist es aber unter dem Gesichtspunkt dass er am South Col landen konnte. Mit früheren Helikoptern war die absolute Obergrenze zum Landen bei 6400 m. Normalerweise mussten verletzte Bergsteiger beim Everest deshalb sogar meist bis zum Base Camp zurückgetragen werden. Dies könnte jetzt mit dem neuen Helikopter einfacher werden, sofern überhaupt einer in Nepal stationiert sein wird.

Notsignale

Alpines Notsignal:

6 x im Abstand von 10 Sekunden ein Ton- oder Lichtzeichen (6 x pro Minute). Dann 60 Sekunden Pause. Dann wieder 6 Signale im Abstand von je 10 Sekunden. Dann wieder 60 Sekunden Pause u.s.w.. Die Rettung antwortet mit 3 Zeichen pro Minute und ebenfalls einer Minute Pause.

Notsignal bei Sichtkontakt:

"Ich brauche Hilfe": Ja = beide Arme in die Luft recken (Körperform wie ein "Y" für YES),
"Alles okay, ich brauche keine Hilfe": Nein = ein Arm hoch, ein Arm runter (wie der Querbalken im "N" für NO).

Zeichen Y oder N können auch auf dem Boden ausgelegt werden mit Steinen o. Ä., aber dabei immer auf starken Kontrast zum Untergrund achten! Die Buchstaben sollten etwa 6 m lang sein. Am besten daneben einen Eye-Catcher wie Feuer, Rauch, Fahne etc.!

Weitere Zeichen: I = Ernsthafte Verletzung, V = brauche Hilfe, X = brauche medizinischen Beistand

Notrufe

Notruf absetzen

Bei Problemen auf Reisen: Internet-Notruf

Internationaler Notruf Europa: 112. Funktioniert (besonders außerhalb der EU) noch nicht überall. Bis dahin Schweiz 1414, Norditalien 118.

Notruf-Weiterleitung über Fax, Telefon, E-Mail bei Därr

T-Mobile XTra-Card: Unter dem Link www.t-mobile.de/xtraroaming finden Sie Informationen wie und wo Sie mit Ihrer XtraCard im Ausland mobil telefonieren koennen.

Signalsysteme:

Rauchpatrone, brennt ca. 2 Minuten. Gut für Lokalisierung, wenn Hilfe in er Nähe ist.

Raketenabschussgeräte: Knall und Rauch.

Satellitentelefone, Notrufsysteme:

Systeme: Immarsat, Iridium, Eperb, ...

Für Afrika, Asien, Europa, Australien: Thuraya

PLB (Cospar - Sarsat): Weltweiter Notrufsender. Man wird registriert. Geräte für ca. 50-100 € auch ausleihbar, z.B. bei Johanniter Unfallhilfe Stuttgart.

Notrufsender/Satellitentelefon:

Aus der eMail-Korrespondenz:

Hallo Tom!
Habe Deinen Bewertungskommentar bei Globetrotter gelesen. Bin am überlegen, ob ich mir mal einen Notrufsender zulege. Ich mache hauptsächlich Touren in Anden, Himalaya, Island, Grönland, Skandinavien, seltener Canada, Afrika. Hast Du eine Empfehlung für mich???
Danke im Voraus!
Andreas

Hallo Andreas,
mit dem Tourenspektrum, das Du abdeckst, würde ich mir eher ein Satellitentelefon zulegen. Das schlagzeilenträchtige "Iridium"-System ist ja nach wie vor in Betrieb und funktioniert weltweit. Es wird nun von Boeing betrieben und das US-Verteidigungsministerium ist der Hauptkunde und Garant für ordentliche Umsätze. Die Handys kosten was um die 1000 Euro und es gibt Prepaidkarten, die nur dann kosten, wenn sie benutzt werden. Das andere (derzeit modernste) Sat-Telefon-netz, Thuraya kommt für Dich nicht in Frage, da es vor allem Afrika, den arabischen raum und Mitteleuropa abdeckt, Finnland ist schon nicht mehr dabei. Die grossen Brüder der "EPIRB"-Notsender sind vor allem für die Schiffahrt gedacht und kosten meist mehr als ein Iridium-Telefon und die Schiffahrtsbehörden sehen es nicht so gerne, wenn die Dinger an Land "missbraucht" werden. Schliesslich verweise ich Dich noch (nicht ganz uneigennützig...) auf die Firma LocationWare (http://www.locationware.com) Dort gibt es Software passend zu den GPS-fähigen Handys von Benefon und Garmin. DIe Software kann Positionen dieser Handys auf Landkarten anzeigen, man kann so eine Art Flottenmanagement mit Personen machen. Ist für Reiseveranstalter, Incentive-Agenturen und Rettungsorganisationen entwickelt worden. Wird inzwischen auf Positionsübertragung mit Sprechfunkgeräten erweitert, z.B. für Veranstaltungen ausserhalb von Mobilfunknetzen und aus Kostengründen ("Funk ist kostenlos").
Schöne Grüsse, Tom

 

Erste Hilfe Ausbildung

Die Johanniter Stuttgart veranstalten sehr gute Kurse zu Outdoor-Erste-Hilfe, nennt sich "Erste Hilfe Extrem - Wilderness First Aid". Das war lange das Beste, was an Erste-Hilfe-Kursen für Off-Road-Gebiete in Deutschland angeboten wird. Wird vom Deutschen Wildnisführerverband als Weiterbildung anerkannt.

Der Kurs dauert eine knappe Woche und beinhaltet das, was man in gemäßigten und kalten Breiten an Erste-Hilfe können und wissen muß. Vieles davon gilt natürlich auch für Subtropen und Tropen, die dort vorkommenden Krankheiten werden im Basiskurs aber nicht behandelt. Dafür und für andere spezielle Themen gibt es Aufbaukurse.

In der Kursgebühr enthalten ist ein Handbuch "Erste Hilfe Extrem" (s. u.). Ich habe den Kurs vor vielen Jahren mitgemacht und fand ihn sehr gut.

Johanniter-Unfallhilfe e.V. - Kreisverband Stuttgart - Porschestr. 38 - 70435 Stuttgart
fon 0711/13678910 - fax 13678998

Neuer, aber jetzt auch schon seit Jahren etabliert ist die Outdoorschule Süd. Von ihr werden ebenfalls Outdoor-Erste-Hilfe-Kurse angeboten. Es gibt Basiskurse (meist 4 Tage) und Kurse zu verschiedenen Themen wie Hilfe bei Winter-Touren. Ein Buch ist erhältlich. Hört sich sehr gut an, und ein Bekannter von mir, der selbst Kurse gibt, hat die Outdoorschule empfohlen. Meinen nächsten Kurs mache ich dann wohl dort.

Erste Hilfe Schema

Achtung: Das Erste-Hilfe-Schema ist keine Anleitung zur Ersten Hilfe! Das Schema soll nur als Gedankenstütze dienen, damit man in der Hektik der Krisensituation keine wichtigen Punkte vergißt. Das Schema nutzt daher nur dem, der weiß, was im Falle eines Notfalles zu tun ist! Man kann das Schema auswendig lernen, oder ausdrucken und im Portemonaie aufbewahren.

Details zum Schema finden sich z. B. im Handbuch "Erste Hilfe Extrem".

Erste Hilfe Schema
Situation (SIRUP)
- Ruhe bewahren
- Eigenschutz
- Schutz des Verletzten
- Erste Vorkehrungen
- Absichern
- Erster Eindruck des Verletzten
- Ansprechen (Antwortet, reagiert auf Sprache, Reagiert auf Schmerz)
Interview (SAMMLE)
- Symptome
- Allergien
- Medikamente
- Medizinische Geschichte
- Letzte Mahlzeit
- Ereignisse
Ruhe Bewahren
Untersuchung
- Zeit
- Wasi
- Atmung (schauen, hören, fühlen)(Frequenz = 10-18 Züge/min)
- Puls (Ruhepuls 60 - 80/min)
- RR (Blutdruck)
- Haut
- Pupillen
- Temperatur
- Bodycheck
Plan (Aktuelle, erwartete Probleme, Massnahmen)

Wayne Merry, Erste Hilfe extrem, Pietsch Verlag, Stuttgart

Bücher zum Thema unter -> Literatur

Allgemeine Massnahmen
Verletzten warm halten
Beruhigen
Beziehung aufbauen
Blutverlust stoppen
Stabile Seitenlage bei Bewustlosigkeit oder bei Alleinlassen
Atemwege freihalten bei Bewustlosigkeit
Beatmung bei Atemstillstand (alle 5 sec.)
Herzmassage bei Herzstillstand (ab 2006 neue Lehrmeinung: 30 x Herzdruckmassage in der Frequenz 100x/min, 2 x Beatmung)

2. Hilfe längerfristig
Pflege der Atemwege (tief atmen, abhusten)
Flüssigkeitszufuhr
Wärmehaushalt
Lagerung/Umlagerung
Moral
Vitalfunktionen überwachen

 

Erste Hilfe bei Unterkühlung

Kälteschutz (Rettungsdecke, Kleidung) und Isolierung gegen Bodenkälte (Isomatte) und Wind.

Allgemeine Wärmezufuhr, warme gezuckerte Getränke. Im Gelände keinen Alkohol.

In Stadium 1 (Körpertemperatur 36-34 °C): feuchte Kleidung durch trockene ersetzen.

Ab Stadium 2 (Körpertemperatur 34-30 °C): Aufwärmen im Gelände nicht mehr möglich. Keine aktiven oder passiven Bewegungen oder Massagen. Kein Kleiderwechsel. Gefahr von Bergungstod (Vermischung von kaltem Schalenblut mit warmem Kernblut -> Temperatursturz -> Kreislaufschock). Schneller passiver Abtransport in guter Isolierung.

Dann vorerst nur Rumpf mit lebenswichtigen Organen aufwärmen (vorgewärmte Decken, Helferwärme, Wärmebeutel über dem Pullover). Andere Körperteile werden dann nach und nach passiv vom Kern her angewärmt.

Hibler Wärmepackung: mehrfach gefaltete feuchtheiße Tücher über der Unterwäsche auf Bauch und Brust. Darüber Kleidung, Alufolie nur um den Rumpf, Decken und Biwaksack um ganzen Körper, guter Abschluss am Hals. Tücher alle 1-2 h erneuern.

Erkennen der Stadien:

Stadium 1 (Körpertemperatur 36-34 °C): Erregungssteigerung, Kältezittern, Erhöhung von Puls und Atmung, Verengung von kleineren Gefäßen, Schmerzen.

Stadium 2 (Körpertemperatur 34-30 °C): Erregungsabnahme, allgemeine Verlangsamung, Puls und Atmung unregelmäßig, keine Schmerzen mehr, steife Muskeln.

Stadium 3 (Körpertemperatur 30-25 °C): Bewustlosigkeit, Puls kaum tastbar, tiefe Atmung mit Pausen, keine Schmerzreaktion, weite aber auf Licht reagierende Pupillen

Scheintod/Tod (Körpertemperatur unter 25°C): Puls nicht mehr tastbar, lange Atempausen, weite Lichtstarre Pupillen.

Temperaturmessung am besten mit elektronischen Thermometer in Gehörgang.

Überlebenszeit des Gehirns verlängert sich nach Aussetzen der Vitalfunktionen bei niedriger Temperatur enorm. Grenze für irreparabele Gehirnschäden: 0:05 h bei 36°C, 1:00 h bei 16°C.

Erste Hilfe bei Erfrierungen

Verlangsamung und Stillstand der Blutversorgung, lokales Ereignis mit Zellschädigung und Absterben sowie schweren Durchblutungsstörungen der umliegenden Bereiche. Besonders gefährdet: Zehen, Finger, Nase, Ohren. Erfrierungen der Füße in nassen Schuhen können schon bei mehreren Plusgraden vorkommen. Beginn der örtlichen Erfrierung meist unmerklich und schmerzlos. Einziges Warnzeichen: anhaltende Gefühllosigkeit.

Die 3 Erfrierungsgrade sind am Unfallort nicht zu unterscheiden.

Maßnahmen:

Gesicht: meist rundliche weiße Flecken an Nase und Ohr, Auflegen warmer und trockener Hände
Zehen: meist gefühllos, Auflegen warmer und trockener Hände an einem günstigen windstillen Ort
Finger: meist gefühllos, in Achselhöhle oder zwischen Oberschenkeln auftauen

Bei schweren Erfrierungen keimfreier lockerer Verband, druckfreie Lagerung, passiver Abtransport. Weitere Behandlung mit Auftauen nur in Unterkünften mit günstigen Bedingungen sinnvoll.

Dann: Rasches Auftauen der betroffenen Körperteile in 40 ° C Wasserbad mit aktiven Bewegungen. Sehr schmerzhaft (Schmerzmittel, möglichst unter ärztlicher Aufsicht). Bei rosiger Hautfarbe kann Auftauen beendet werden, spätestens nach 0:30 h, da Haut nicht aufweichen soll. Vorsichtig abtrocknen, keimfreier warmer Watteverband.

Achtung:

Aktive Bewegung und Massagen nur, wenn keine Unterkühlung vorliegt.
Nicht mit Schnee einreiben -> Hautverletzungen
Keine Blasen öffnen -> Infektion
Nicht in den Mund nehmen -> Verdunstungskälte
Nicht Rauchen -> Gefäßverengung
Nicht zu stark trocken erwärmen (z.B. Feuer)
Aufgetaute Körperteile dürfen nicht wieder einfrieren! Gefahr von großen Gewebeverlusten. Notfalls vorerst gefroren lassen.
Nicht mit aufgetauten Erfrierungen an den Füßen weiterlaufen! Starke Schmerzen und Entzündungen. Notfalls vorerst gefroren lassen.

Vorbeugen! Frühzeitig Abbrechen! Kälteschäden sind oft auf eigene Fehler zurückzuführen!

Erste Hilfe bei Lawinenopfern

Ausgraben - zuerst Kopf freilegen - Atemwege freimachen - Vitalunktionen überprüfen - evtl. Wiederbelebung (s.u.) - Wärmepackung. Am besten schnellstmöglicher Abtransport (Heli).

Problem: Unterscheidung zwischen schwerster Unterkühlung und Erstickungstod. Daher Herzdruckmassage nur, wenn sie beherrscht wird und ununterbrochen fortgeführt werden kann. Frequenz von 30 x /min ist ausreichend.

Telefonliste Rettung und Info Alpen

Sonstiges

Insektenstiche im Hals: Nasentropfen oder Nasenspray wirkt abschwellend

Bei Durchfall oder Hitzeerschöpfung: 3 EL Zucker und 2 TL Salz auf 1 L Wasser, das trinken lassen

Rücktransport: Deutsche Rettungsflugwacht. Wer hier Mitglied wird, hat die Rücktransportversicherung inclusive.