Wandervorschlag: von Nörten-Hardenberg zur Burg Plesse
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Südniedersächsisches Bergland: Wandern in der Mitte Deutschlands.

(Letzte Änderung: 26.10.2014 )

Steckbrief
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Charakter:

Reizvolle, jedoch teilweise nicht einfache Wanderung. Oft geht es bergauf, hin und wieder braucht man etwas "Pfadfindergeschick". Man wird jedoch häufig durch schöne Ausblicke belohnt und hat mit der Plesseburg und dem Bielstein gleich zwei interessante Sehenswürdigkeiten im Verlauf der Wanderung.

Länge:

Etwa 7,5 km. Die Wanderung führt jedoch häufig bergauf und man sollte etwas mehr Zeit einplanen. Gehen Sie von einer Dauer von etwa drei einhalb Stunden aus. Die Kilometerangaben im folgenden Text beruhen auf Schätzungen.

Wegbeschreibung
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Km 0

Start: Am Fuße der Burgruine Nörten-Hardenberg auf dem Parkplatz des Burghotels.

Auf einem Felsen über dem Burghotel türmt sich die Burgruine Hardenberg. Die Burg Hardenberg wurde um 1000 erstmals urkundlich erwähnt; damals noch im Besitz der Erzbischöfe von Mainz. 1287 erwarben die Herren von Hardenberg das Anwesen und die damit verbundene Gerichtsbarkeit. Zwar bestimmen sie heute nicht mehr das Gesetz, doch die Burg befindet sich noch in Hardenberg'schem Besitz. Schon 1723 musste die Burg wegen Einsturzgefahr geräumt werden. Die Hardenbergs zogen daraufhin in das unweit gelegene, 1710 erbaute Schloß. Es beherbergt heute die berühmte Hardenberg'sche Kornbrennerei. Die markante Burgruine blieb zurück und muss leider auch heute noch aus Sicherheits-gründen für den Publikumsverkehr verschlossen bleiben.

Wir wandern in westlicher Richtung den Fußweg an der Hauptstraße entlang in den Ortskern. Rechts vom Weg liegt das o.g. Schloß Hardenberg.

Km 1

An der Kreuzung bei der Kirche überqueren wir die Ampel und wandern an der Kirche vorbei in südlicher Richtung längs durch den Ort Richtung Angerstein.

Falls Sie jetzt schon Lust auf leibliche Genüsse haben sollten, liegt auf Ihrem Weg durch den Ort eine Eisdiele.

Km 1,5

Auf der linken Seite erblicken wir nun ein OPEL-Autohaus. Dort überqueren wir die Straße und biegen links, dem Schild Richtung "Rodetal" folgend, ein. Von nun an wandern wir ein ganzes Stück den Fußweg entlang der Bundesstraße. Nach etwa 300m passieren wir das Ortsschild und sehen rechts den Rodebach vorbeiplätschern.

Km 2

Wir erreichen eine langgezogene Kurve. Dort biegt rechts ein Forstweg / Wanderweg ab, dem wir folgen. Schon von der Straße aus kann man das "Durchfahrt verboten" - Schild an der kleinen Brücke über den Rodebach sehen. Wir verlassen jetzt endgültig die Hektik der Bundesstraße und befinden uns schon nach wenigen Metern mitten im Wald.

Nach wenigen Gehminuten eröffnet sich bereits der erste schöne Ausblick auf das Rodetal, welches nun linker Hand liegt. Es wird nicht der Letzte bleiben. Mit seinen guten Talböden stellte das Rodetal schon früh einen besonders bevorzugten Standort für die Landwirtschaft dar und wurde bereits in den den frühesten Besiedlungsphasen gerodet. Daher haben Bach und Tal wohl auch ihren Namen. Sowohl Tal als auch Bach litten stark unter dem nahe gelegen Kalibergbau. Noch heute ist das Wasser des Rodebaches salzhaltiger als das vergleichbarer Gewässer der Umgebung.

Km 3

Wir erreichen eine Weggabelung. Von hier führen drei Wege ab. Wir folgen dem Weg der rechts abgeht, Richtung Bielstein. Wenn Sie den richtigen Weg erwischt haben, sehen Sie an der linken Seite kurz nach dem Abbiegen einen Baum mit einer weißen Markierung in der Form eines Blattes und eines Pilzes.

Der Weg auf dem Sie gehen, markiert genau die Grenze des Landkreises Northeim, sie wandern also sozusagen unmittelbar "auf der Kreisgrenze".

Rechts vom Weg liegt der Ort "Angerstein", dessen Häuser hin und wieder durch die Bäume zu sehen sind. In der Flur auf die Sie blicken wurden Anfang der Neunziger Jahre interessante vorgeschichtliche Funde gemacht. Darunter waren nicht nur Keramik oder Werkzeuge zur Textilherstellung, sondern auch Bronzerelikte, wie Schmuckanhänger und ein Perlarmbandring. Die Siedlungsspuren reichen bis 500 v.Chr. zurück.

Km 3,2

Rechts führt ein Weg ab. Sollten Sie jetzt schon müde sein, führt er Sie nach Angerstein. Von dort aus können Sie bequem wieder nach Nörten-Hardenberg kommen. Alle "Wanderlustigen", die wie geplant zur Burg Plesse wollen, laufen weiter geradeaus.

Km 3,4

Wir erreichen eine weitere Weggabelung. Wir folgen wieder dem Schild Richtung "Bielstein" und nehmen somit den Weg, der rechts abgeht.

Km 4

Links vom Weg im Wald erhebt sich eine Anhöhe aus mächtigem Buntsandsteinfels. Es ist der Bielstein. Eine kurze Besichtigung und eine Pause im Schatten seiner Klippen führt uns zwar ein gutes Stück bergauf, lohnt sich aber in jedem Fall. Folgen Sie dazu dem ausgeschilderten Pfad.

Der Name "Bielstein" geht vermutlich auf eine primitive Jagdmethode zurück, das "Verbellen". Dabei wurde das Wild von den Jägern auf die steilen Klippen zugetrieben und dann von den Hunden "verbellt", also in die Tiefe gehetzt. Wenn Sie den Bielstein rechts herum umrunden, sehen Sie schon bald eine tiefe Erosionskerbe im Fels. Sie entstand, als das Gebiet um den Bielstein herum noch waldfrei war. Durch "äolische Erosion", also durch das Abreiben des Sandsteins durch die kleinen Partikel, die vom Wind mit sich geführt werden, entstand im Laufe der Jahrtausende eine Art "Sandgebläse". Die Kerbe entstand an dieser Stelle, weil hier weichere Schichten des Sandsteins zu Tage treten. Die umgebenden härteren Schichten wurden nicht ausgehöhlt und so bildete sich diese Kerbe.

Es gibt übrigens zwei Bielsteine: Den großen und den kleinen Bielstein. Wir stehen nun am Großen, doch wenn wir dem Wanderverlauf weiter folgen (s.u.), dann erreichen wir in wenigen Minuten den kleinen Bielstein. Auf seinem Plateau und an seinen Hängen befinden sich prähistorische Hügelgräber, die jedoch schwer zu finden sind, weil die Meisten im Lauf der Zeit zerstört wurden.

Nachdem wir unseren Ausflug in die Geschichte des Bielsteins beendet haben, geht es wieder hinunter zu unserem Hauptwanderweg. Wir folgen dem Weg weiter südwestlich in unserer ursprünglich eingeschlagenen Richtung.

Km 5

Bald erblicken wir die ersten Häuser des Dörfchens "Mariaspring". Wir kommen vom Bielstein und befinden uns demzufolge zunächst im "Bielsteinweg". Von dort biegen wir links in die Straße "Rauschenwasser" ein. Von dort aus wieder links in den "Kalkmühlengraben".

Links von der Straße liegt die Quelle "Mariaspring", von der der kleine Ort seinen Namen hat. Die großen Wassermengen, die die Quelle abgibt, fallen heute leider kaum mehr auf, da die Quelle durch eine Mauer umfasst wurde und das Wasser zu einem kleinen Teich angestaut wurde. Früher konnte man das Wasser direkt aus dem Fels sprudeln sehen. Die Quelle wird gespeist durch die Niederschläge, die auf die etwa 150 - 200 m höher gelegenen Kalkgesteine des Plessegebietes fallen. Unterirdisch verläuft an dieser Stelle eine geologische Verwerfung, der sog. "Northeimer Sprung". Er ist dafür verantwortlich, dass nun hier die gesammelten Niederschlagswasser auf undurchlässige Tonschichten stoßen und hier an die Oberfläche kommen.

Wir laufen weiter, bis wir die Bundesstraße erreichen.

Km 5,4

Wir folgen links dem Radweg entlang der Hauptstraße und erreichen schon nach wenigen Minuten die Ortschaft Eddigehausen. Den ersten Abzweig an der Informationstafel lassen wir jedoch "rechts liegen" und wandern weiter bis

Km 6,3

Dort, an der Verkehrsinsel, biegen wir nun rechts in die Ortschaft ein.

Unser Weg führt uns an der hübschen kleinen Dorfkirche vorbei. An ihrer Stelle stand einstmals eine Vorgängerkirche, die 1354 erbaut wurde. Der alte Spolienstein dieser Kirche ist über dem Portal des heutigen Baus eingemauert worden. Nach dem 30-jährigen Krieg war das Gebäude jedoch so baufällig geworden, das sich der Kirchenrat 1770 dazu entschloß Planungen für einen Neubau zu beginnen. Ein Architekt namens Beckmann empfahl, sich die Kosten für das Abfahren des Schutts der alten Kirche zu sparen und für den Neubau die alten Fundamente zu nutzen und die alten Steine (samt Schutt) für das neue Mauerwerk zu verwenden. Am Ende des Jahres 1786 wurde die neue Kirche erstmals in Gebrauch genommen. Eine neue Orgel gab es jedoch erst ab 1861. Sie wurde von der Firma Heyder aus Heiligenstadt gebaut und kostete 396 Taler.

Rechts kommen wir außerdem an der 1905 erbauten Dorfschule vorbei, die noch heute mahnend den in Sandstein gravierten Satz "Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir" in ihrem Gemäuer trägt.

Der Ort Eddigehausen diente außerdem als Hauptstandort für die Versorgung der Plesseburg, die wir ja bald erreichen werden. Noch heute gehen viele Wirtschaftsgebäude des Ortes auf die Versorgung der Burg zurück.

Km 6,6

Ab jetzt ist immer wieder unser "pfadfinderisches Geschick" gefragt und wird nun erstmals auf die Probe gestellt: Wir suchen die Hausnummern 33 und 35 der Straße auf der wir gerade sind. Links sehen wir eine apart in blauen und fliederfarbenen Streifen gestrichene Garagentür. Daneben führt ein kleiner Weg den Berg hinauf. Dieser Weg ist leicht zu übersehen, halten Sie also ihre Augen offen! Wir folgen dem Pfad auf den Berg. Der Aufstieg wird uns schon kurze Zeit später durch Treppenstufen erleichtert.

Km 6,8

Viele Meter haben wir nicht zurückgelegt, dafür sind wir nun ein ganzes Stück höher gekommen und befinden uns auf einer Querstraße. Lassen Sie sich nicht von der irreführenden Wegmarkierung in Form einer Burg nach links leiten, denn hier gehen wir kurz rechts und sehen nach wenigen Metern links einen Trampelpfad, der den Berg hinauf führt.

Km 6,8

Wir folgen dem Trampelpfad, der zwar sehr steil ist, aber auch nur etwa 100m lang. Gleich wird es wieder angenehmer!

Km 6,9

Das steilste Stück liegt hinter uns. Ab jetzt ist die Wanderung wieder ein Vergnügen. Wir folgen dem befestigten Wanderweg auf den wir stoßen nach links. Während wir ein paar Meter wandern, sieht es so aus, als würde der Weg den Berg wieder hinab führen. Lassen Sie sich nicht davon beirren.

Km 7,1

Nachdem wir um eine langgezogene Kurve gebogen sind, sehen wir rechts vom Weg einen kleineren gut erkennbaren Pfad abzweigen. Wir folgen diesem Pfad, der uns schon bald an unser Ziel bringen wird. Rechts vom Weg gelegen ist die Burg Plesse, die uns schon sehr nah erscheint.

Km 7,3

Leider bleibt der Pfad nicht so gut erkennbar, wie er begonnen hat. Sie benötigen wieder Ihr Pfadfinderkönnen. Nachdem es ein bisschen so aussah, als würden wir uns wieder leicht von der Burg entfernen, stoßen wir auf alte Treppenstufen aus Kalkstein, die uns auf die Hauptstraße bringen. Nun gehen wir noch ein paar Meter entlang der Hauptstraße und sehen schon nach ein bis zwei Minuten das Schild der Burggaststätte "Uhlendorff" rechts vom Weg. Dort befindet sich auch der Hauptzugang zur Burg Plesse. Wir haben unser Ziel erreicht.

Km 7,4

Während Sie sich vielleicht nun im Innenhof des Burggemäuers ein kühles Getränk gönnen, möchten wir Ihnen nun ein bisschen Wissenswertes über die Burg Plesse vermitteln:

Haben Sie bisher immer von der "Plesseburg" gesprochen? Das ist eigentlich eine falsche Bezeichnung. Die Burg Plesse, so der offizielle Name, hat ihren Namen nämlich von dem Berg auf dem sie erbaut wurde. Der helle Kalksteinberg wurde von Alters her als "die Plesse" bezeichnet. Das Wort "Plesse" soll eine vorgermanische Bezeichnung für das heutige Wort "Blesse" sein, welches den weißen Fleck auf der Stirn eines Pferdes bezeichnet. Kurz gesagt, könnte man "Plesse" also mit "weißer Berg" übersetzen. Der Sporn des Burgberges war bis zur Errichtung der Burg Plesse unbewaldet und mit seiner hellen Farbe weithin sichtbar.

Ein genaues Gründungsdatum der Burg Plesse ist nicht überliefert. Die Geschichtsgelehrten glauben jedoch aufgrund von umfangreichen Quellenstudien die Burg in die zweite Hälfte des elften Jahrhunderts datieren zu können. Demnach wäre das Gemäuer ungefähr 900 Jahre alt.

Tatsache ist jedenfalls, dass im Jahre 1138 ein Burggraf Robert die Burg bewohnte, der offenbar eine Burgbesatzung befehligte. Er ist der früheste urkundlich erwähnte Burgherr auf der Plesse.

Die Burg bot den Bewohnern durch die schwierige Erreichbarkeit optimalen Schutz, doch es gab einen entscheidenden Nachteil: Die Wasserversorgung. Vom Burgberg aus gesehen stößt man erst in etwa 100m Tiefe auf ergiebige Wasseradern. "Die Bewohner", das waren übrigens eine Adelsfamilie, die sich die Burg zum privaten Schutz auserkoren hatte. Der Adel von damals war oft in Zwistigkeiten untereinander verwickelt und wer eben konnte, baute sich eine Burg. Somit hatte man die Gewissheit, im Falle eines Falles seine Familie (und einige auserwählte Untertanen) wirkungsvoll schützen zu können. Doch wer gründete nun die Burg Plesse?

Die Plesse war der äußerste Randbezirk des Besitzes des Erzbistums Paderborn. Nachdem nun der Erzbischof von Mainz unweit in Hardenberg zur selben Zeit eine Burg errichten ließ, liegt die Vermutung nahe, dass der Paderborner Erzbischof die Burg Plesse errichtete und einen Adligen mit dem Schutz des Besitzes der Paderborner Kirche beauftragte.

Die bewegte Geschichte der Burg Plesse ist ausführlich in dem "kleinen Plesseführer" nachzulesen, bei der Northeim Touristik oder beim Verein "Freunde der Burg Plesse e.V", Rathausplatz1, 37120 Bovenden (Tel.: 0551/8201170; Fax.: 0551/83691) zu beziehen ist.

Übrigens: 1801 besuchte Johann Wolfgang von Goethe die Burg Plesse und schrieb dort diese wehmütigen Zeilen:

Auf diesen Trümmern hab ich auch gesessen,
Vergnügt getrunken und gegessen,
Und in die Welt hinausgeschaut:
War aber wenig nur erbaut.
Kein liebes Kind gedachte meiner,
Und ich fürwahr gehörte keiner;
So war die ganze Welt umgraut.
Ihr wißt ja selbst, was sie erheitert,
Die Horizonte stufenklar erweitert.

Eine Busverbindung nach Northeim besteht an der Abzweigung nach Eddigehausen. Von dort fährt die Buslinie 201 nach Northeim oder Nörten-Hardenberg zurück.

Herausgeber
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