Trekking in Kirgistan

Welche Tour im Tian Shan eignet sich für mich?

Outdoorland Kirgistan

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Allgemeines & Spezielles

Rund 90 Prozent Kirgistans sind Gebirge. Wer hier wandert, findet keine Hütten und keine Teehäuser wie in Nepal. Dafür gibt es Jurten von Hirten, Pferde, die das Gepäck tragen, und Täler, in denen man tagelang kaum anderen Trekkern begegnet. Dieser Überblick zeigt, welche Trekkingtour in Kirgistan zu welcher Kondition und Erfahrung passt.

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Warum Trekking in Kirgistan?

Der Tian Shan (auch Tien Shan), das »Himmelsgebirge«, zieht sich über rund 2.500 km durch Zentralasien. Seine höchsten Gipfel, der Pik Pobeda (Dschengisch Tschokusu, 7.439 m) und der Khan Tengri (7.010 m), liegen an den Grenzen Kirgistans. Für Wanderer sind vor allem die Ketten zwischen 3.000 und 4.500 m interessant: Hochweiden, Bergseen und Pässe, die man ohne Kletterei überschreitet.

Drei Dinge unterscheiden das Wandern in Kirgistan von den Alpen oder Nepal:

Keine Infrastruktur auf den Routen. Übernachtet wird im Zelt, im Jurtencamp oder bei Familien im Dorf. Das Gepäck tragen Pferde – oder man selbst.

Gelebte Nomadenkultur. Von Juni bis September ziehen Hirten mit ihren Herden auf die Sommerweiden, die Dschailoo. Wer an einer Jurte vorbeikommt, wird nicht selten zu Tee, Brot und Kumys eingeladen, der vergorenen Stutenmilch.

Nomadenland Kirgistan

Wenig Andrang. Auf dem beliebten Trek zum Ala-Kul-See ist man im Sommer nicht allein. In den meisten anderen Tälern trifft man eher Hirten als Wanderer.

Für deutsche Staatsangehörige ist die Einreise visumfrei, für bis zu 30 Tage innerhalb von 60 Tagen. Für eine zwei- bis dreiwöchige Trekkingreise reicht das.

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Die Trekkinggebiete im Überblick

Route

Dauer

Höchster Punkt

Anspruch

Geeignet für

Chon-Kemin-Tal → Issyk-Kul

4 Tage

Pass, ca. 3.350 m

mittel

Einsteiger mit guter Kondition

Kyzart → Kilemche → Song-Kul

2 Tage, ca. 30 km

Pass Tuz-Ashuu, ca. 3.400 m

leicht bis mittel

Wanderer, die Nomadenkultur erleben möchten

Karakol → Ala-Kul → Altyn-Arashan

3 Tage, ca. 50 km

Ala-Kul-Pass, ca. 3.860 m

anspruchsvoll

trittsichere Bergwanderer

Basislager Pik Lenin (Atschik-Tasch)

3–5 Tage vor Ort

Travellers Pass, ca. 4.100 m

anspruchsvoll, große Höhe

höhenerfahrene Trekker, Permit nötig

Die Angaben gelten für die Sommersaison. Schneefelder an den Pässen können die Gehzeiten deutlich verlängern.

Chon-Kemin-Tal: vom grünen Tal zum Issyk-Kul

Das Chon-Kemin-Tal liegt zwei bis drei Autostunden östlich von Bischkek und ist seit 1997 Nationalpark. Von hier führt eine viertägige Durchquerung über die Kette des Kungej-Alatau an das Nordufer des Issyk-Kul. Die Etappen sind 10 bis 14 km lang und dauern drei bis sechs Stunden; der steilste Tag bringt rund 880 Höhenmeter Aufstieg. Unterwegs liegt der Bergsee Kol-Kogur auf etwa 2.500 m, der höchste Pass misst rund 3.350 m.

Für den Einstieg eignet sich die Route, weil man langsam an Höhe gewinnt und die Pfade gut zu gehen sind. Am Ende wartet der Issyk-Kul (Yssykköl) auf 1.607 m. Der zweitgrößte Gebirgssee der Welt friert wegen seines Salzgehalts nie zu, im Sommer kann man darin baden.

Song-Kul: Wandern zwischen Jurten auf 3.016 m

Der Song-Kul (Song-Köl) liegt auf 3.016 m in einem weiten Hochtal der Region Naryn. Von Juni bis Mitte September stehen am Ufer die Jurten der Hirten und mehrere Jurtencamps für Gäste. Eine schöne Zweitagestour beginnt im Dorf Kyzart, führt durch das Kilemche-Tal und über den Pass Tuz-Ashuu (3.400 m) hinunter zum See. Viele Besucher legen die Strecke auch im Sattel zurück: Auf mehrtägigen Reittouren in Kirgistan (*) gehört sie zu den Klassikern.

Unterschätzen sollte man den Song-Kul nicht. Auch im Juli fällt die Temperatur nachts oft auf den Gefrierpunkt, und es ist fast immer windig. In den Gästejurten schlafen vier bis sechs Personen, Duschen gibt es nicht, die Toiletten stehen draußen. Wer aus Bischkek (800 m) direkt mit dem Auto anreist, schläft ohne Akklimatisierung auf über 3.000 m. Kopfschmerzen in der ersten Nacht sind dann häufig.

Karakol: der Klassiker zum Ala-Kul-See

Karakol am Ostende des Issyk-Kul ist das Trekkingzentrum Kirgistans, mit Gästehäusern, Ausrüstungsverleih und Trekkingagenturen. Der bekannteste Trek führt in drei Tagen und rund 50 km durch das Karakol-Tal zum türkisfarbenen Ala-Kul-See (ca. 3.530 m), über den Ala-Kul-Pass (ca. 3.860 m) und hinunter nach Altyn-Arashan (ca. 2.600 m) mit seinen heißen Quellen.

Der Pass ist der Knackpunkt der Tour: ein steiler Anstieg über Geröll, bis Anfang Juli oft mit Schneefeldern, beim Abstieg lose Steine. Trittsicherheit und Stöcke sind Pflicht. Weniger anstrengend sind Tageswanderungen im Tal Jety-Oguz (Dscheti-Ögüz) südwestlich von Karakol, bekannt für die roten Sandsteinfelsen »Sieben Stiere«.

Pik Lenin und Khan Tengri: Trekking im Grenzgebiet

Höhenerfahrene Trekker zieht es in den Süden, zum Basislager Atschik-Tasch (3.600 m) unter dem Pik Lenin (7.134 m). Von Osch fährt man vier bis fünf Stunden ins Alai-Tal. Vom Basislager führen Wanderungen zum Bergsee Tulpar-Kul und auf den Travellers Pass (ca. 4.100 m) mit Blick auf den Gipfel.

Der Khan Tengri (7.010 m) im Osten ist dagegen Expeditionsgelände. Sein Basislager auf dem Inyltschek-Gletscher erreichen die meisten Besucher per Hubschrauber.

Beide Gebiete liegen in der Grenzzone, ebenso der Bergsee Kel-Suu nahe der chinesischen Grenze. Dafür braucht man vorab eine Grenzzonen-Genehmigung, ein sogenanntes Border Permit. Die Bearbeitung dauert 10 bis 20 Tage, am einfachsten beantragt man sie über einen örtlichen Veranstalter. Zurück zum Seitenanfang

Beste Reisezeit für Trekking in Kirgistan

Die beste Reisezeit für Kirgistan-Trekking ist Mitte Juni bis Mitte September.

Juni: Die Täler sind grün und voller Blumen, Pässe über 3.500 m oft noch verschneit. Gut für Chon-Kemin und Song-Kul.

Reiseland Kirgistan

Juli und August: das stabilste Wetter, die Pässe sind meist schneefrei. Die beste Zeit für Ala-Kul und Pik Lenin. Nachmittags gibt es häufig Gewitter.

September: klare Sicht und kalte Nächte. Ab Mitte des Monats bauen die Hirten am Song-Kul ihre Jurten ab.

Oberhalb von 3.000 m kann es auch im Hochsommer nachts frieren. Zurück zum Seitenanfang

Akklimatisierung

Ab etwa 3.000 m steigt das Risiko der Höhenkrankheit. Bewährt hat sich die Faustregel, oberhalb dieser Höhe die Schlafhöhe um höchstens 500 m pro Tag zu steigern und alle drei bis vier Tage einen Ruhetag einzuplanen. Planen Sie deshalb vor dem Song-Kul oder dem Ala-Kul-Pass einige Wandertage in mittlerer Höhe ein. Für Touren über 4.000 m, etwa am Pik Lenin, empfiehlt sich vorab eine reisemedizinische Beratung.

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Ausrüstung: Was in Kirgistan anders ist

Die Grundausrüstung entspricht einer mehrtägigen Alpentour. Zusätzlich gehören ins Gepäck:

Ein warmer Schlafsack mit einer Komforttemperatur um −5 °C, auch im Juli.

Trekkingsandalen für Flussquerungen. Gletscherbäche führen nachmittags mehr Wasser, deshalb quert man sie am besten morgens.

Wasserfilter oder Entkeimungstabletten. Auf fast allen Weiden grasen Schafe, Pferde oder Yaks.

Sonnenschutz mit hohem LSF. Die UV-Strahlung ist auf 3.000 m deutlich stärker als im Tal.

Regenjacke und warme Mütze für Nachmittagsgewitter und kalte Abende.

Powerbank und Offline-Karten. In den Bergen gibt es meist weder Strom noch Mobilfunknetz.

Bargeld in Som. Geldautomaten finden Sie in Bischkek und Karakol, unterwegs zahlt man bar.

An den Jurten bewachen Hunde die Herden. Bleiben Sie ruhig stehen, die Hirten rufen ihre Hunde in der Regel zurück.

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Auf eigene Faust oder mit geführter Gruppe?

Den Ala-Kul-Trek gehen im Sommer viele Wanderer ohne Führer. Karakol hat Gästehäuser und Ausrüstungsverleih, und der Weg ist im Juli und August gut begangen. Für die meisten anderen Routen gilt das nicht: Es gibt keine Hütten, kaum Markierungen und keine flächendeckende Bergrettung wie in den Alpen. Das Auswärtige Amt rät, nicht ohne ortskundige Begleitung zu wandern, die Unterkunft über die geplante Route zu informieren und eine Versicherung mit Hubschrauberbergung abzuschließen.

Eine geführte Tour lohnt sich vor allem, wenn Sie mehrere Regionen verbinden möchten. Zwischen Bischkek und Karakol liegen rund 400 km, bis zum Song-Kul fährt man aus Bischkek fünf bis sechs Stunden. Transfers, Packpferde, Zelte, Verpflegung und Jurten organisiert dann der Veranstalter.

Ein Beispiel ist die 14-tägige Trekking-Gruppenreise, die wir bei Travel Land in Bischkek anbieten. Sie verbindet die viertägige Durchquerung von Chon-Kemin zum Issyk-Kul, Wanderungen in den Bergen am Südufer des Sees und die Zweitagestour zum Song-Kul. Auf der Durchquerung tragen Pferde das Gepäck, übernachtet wird im Zelt, in Jurten und Gästehäusern. Für 2027 stehen drei Termine fest: 6.–19. Juni, 11.–24. Juli und 15.–28. August, mit höchstens 12 Teilnehmern. Die Reise findet unabhängig von der Teilnehmerzahl statt. Route und Leistungen finden Sie bei unseren geführten Trekkingtouren in Kirgistan (*).

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Praktische Infos

Einreise: Für Kirgisistan, so der amtliche Name, brauchen deutsche Staatsangehörige für bis zu 30 Tage innerhalb von 60 Tagen kein Visum. Der Reisepass muss mindestens sechs Monate über die Ausreise hinaus gültig sein. Die aktuellen Regeln veröffentlicht das Auswärtige Amt in seinen Reise- und Sicherheitshinweisen zu Kirgisistan.

Sicherheit: Eine Reisewarnung für Kirgistan gibt es nicht. In den Grenzregionen rät das Auswärtige Amt zu erhöhter Vorsicht; für die Grenzgebiete zu China und Tadschikistan braucht man eine Genehmigung.

Anreise: Nach Bischkek fliegt man aus Deutschland mit einem Umstieg, zum Beispiel in Istanbul.

Geld und Telefon: Landeswährung ist der Som. Eine lokale SIM-Karte ist günstig, in den Bergen gibt es aber meist kein Netz.

Kombinieren: Wer zusätzlich Bischkek, den Burana-Turm aus dem 11. Jahrhundert oder eine Vorführung der Adlerjäger erleben möchte, kann das Trekking mit einer der Kirgistan-Rundreisen (Werbung) verbinden.

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Fazit: Welche Tour passt zu wem?

Einsteiger mit guter Kondition: die Durchquerung von Chon-Kemin zum Issyk-Kul oder die Zweitagestour zum Song-Kul.

Erfahrene Bergwanderer: der Ala-Kul-Trek bei Karakol, am besten im Juli oder August.

Höhenerfahrene: das Basislager am Pik Lenin, mit Grenzzonen-Genehmigung.

Kirgistan ist kein Ziel für Komfort-Trekking. Dafür ist es eines der wenigen großen Gebirge, in denen man tagelang mehr Pferden, Hirten und Murmeltieren begegnet als anderen Wanderern.

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