Island: Geschichte

Islands Geschichte für Wander- Reiseleitungen und interessierte Reisende.

Haus Island

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Allgemeines & Spezielles

Die Geschichte Islands beginnt nicht erst mit der Landnahme durch die Wikinger. Aber die isländische Identität schon. Genau so herb wie das Land ist auch seine Geschichte.

Sagen, Mythen und Geschichte sind in Island nicht so scharf voneinander getrennt wie andernorts. Die Sagas haben oft reale Kerne. Und viele historische Begebenheiten klingen wie eine Heldensaga. Und selten genug waren die Isländer wirklich unabhängig.

Mehrfach gab es Pläne (von fremden Herrschern), die karge Insel im Nordatlantik mit seinen - nach den regelmäßig auftretenden Naturkatastrophen - halbverhungerten Gestalten zu evakuieren. Doch die stolzen Nordmänner und -frauen ließen sich nicht unterkriegen - und leben heute im Wohlstand als selbstständige Nation mit einer Bevölkerung die kleiner ist, als die der meisten deutschen Großstädte.

Geschichte Islands

Hier gibt es eine relativ kurze Abhandlung. Für intensivere Informationen siehe unten: > Zeittafel Island

Den schriftlichen Quellen nach wurde Island im späten 9. und frühen 10. Jahrhundert durch Auswanderer aus Norwegen und anderen skandinavischen Ländern sowie durch keltische Siedler bevölkert. Es handelt sich dabei aber offenbar um einen Gründungsmythos, denn archäologisch ist eine frühere Besiedlung nachweisbar. Auf den Westmännerinseln wurden die Grundmauern eines typisch norwegischen Langhauses unterhalb einer Lavaschicht aus dem 7. Jahrhundert entdeckt.

Die Besiedlung Islands findet gleichzeitig mit anderen Expansionen der Wikinger statt. In England (865 - 954, York = Jórvík, Danelag), Schottland und Irland (Dublin) gab es schon viele von Wikingern beherrschte Regionen, genauso im Osten im heutigen Russland und der Ukraine.

Während in Mitteleuropa die Königtümer um die Kaiserwürde wetteiferten, steht am Anfang der isländischen Geschichte die einzigartige Entwicklung eines oligarchischen Gesellschaftssystems. Das Althing als Versammlung gleichgestellter Goden ist damit zusammen mit dem färöischen Løgting eines der ersten parlamentarischen Systeme in Europa überhaupt (nach der Demokratie im Griechenland des Altertums).

Die sowohl gesetzgebende als auch rechtsprechende Versammlung trat alljährlich in Þingvellir zusammen. Im Jahre 1000 beschlossen die Isländer durch das Althing in Þingvellir die Annahme des Christentums. Eigentliches Entscheidungsorgan war dabei die Lögrétta, die Versammlung der Goden, zunächst 36 an der Zahl, dann 39, zu denen seit der Ernennung von Bischöfen für Island (1056) auch diese hinzu traten. Die Goden wurden bei den Diskussionen und Verhandlungen, die der Entscheidungsfindung voran gingen, von je zwei Assistenten unterstützt, und waren auch auf die Unterstützung ihres Gefolges freier Männer angewiesen. Zu bedenken ist jedoch, dass der Großteil der Bevölkerung damals nicht frei und/oder nicht männlich war.

Das Godentum, welches sich im Anschluss an die Landnahme durch 400 norwegische Familien entwickelt hatte, überdauerte fast 300 Jahre. Innere Fehden zwischen den machthungrigen Goden und das Streben nach Vorherrschaft über alle anderen führte zu blutigen Auseinandersetzungen, die die Isländer an den Rand des Untergangs brachten. Dass die Isländer kriegerisch erzogen wurden und Ehre, Macht und Ruhm als besonders erstrebenswert galten, hat die Demokratie nicht gerade unterstützt.

Eine der wichtigsten Persönlichkeiten in diesem Zusammenhang war der zuletzt in Reykholt beheimatete Gode Snorri Sturluson (1179–1241), der mit seinen Werken (z.B. Prosa Edda) viel Wissen über die nordische Mythologie überlieferte. Er gilt als der bedeutendste Schriftsteller, Historiker und Politiker des mittelalterlichen Islands. Im Machtkampf zwischen isländischen Häuptlingen und dem norwegischen König wurde er 1241 in seinem Haus in Reykholt ermordet.

Die bürgerkriegsähnlichen Zustände endeten erst mit der mehr oder weniger freiwilligen Unterwerfung unter die Norweger im Jahre 1262.

1262 kam Island unter norwegische Herrschaft. 1380 kam Norwegen mit Island durch Erbe unter dänische Herrschaft. Der dänische König Waldemar IV. hatte keinen überlebenden Sohn. Seine Tochter Margarete war mit dem norwegischen König Håkon VI. verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn Olav Håkonsson wurde in Personalunion König von Dänemark und König von Norwegen. Das politische Zentrum beider Königreiche wurde Kopenhagen.

1397 entstand die Kalmarer Union und Island wurde mit Norwegen auch offiziell unter dänischer Krone regiert. Dänemark setzte sich gegen Norwegen durch, denn es war mächtiger, bevölkerungsreicher und wohlhabender. Der König von Dänemark und Norwegen saß schon in Kopenhagen und Norwegen war durch Pest, Bevölkerungsrückgang und den Niedergang seines einheimischen Adels geschwächt.

Im Jahre 1552 wurde in Island auf Anordnung und unter Druck des dänischen Königs Christians III. die Reformation eingeführt.

Leuchtturm

Handelsmonopole, erst norwegische, später dänische, blockierten über lange Zeit die Entwicklung Islands. Der Frieden von Kiel 1814 besiegelte noch einmal die dänische Oberhoheit, während das alte Mutterland Norwegen zwar zuerst an Schweden fiel, sich dann aber auf den Weg in die Unabhängigkeit machen konnte.

Mit einer Rückbesinnung auf die alten Traditionen, dem Wiederaufleben des Althings und dem Durchbrechen der Handelsbeschränkungen beging Island 1874 mit einer Verfassung und der Finanzautonomie die Tausendjahrfeier der Landnahme. 1904 gewährte Dänemark den Isländern eine gewisse Autonomie (nach dem Vorbild des irischen Home Rule).

Im Dezember 1918 erlangte Island offiziell die Souveränität. Der dänische König Christian X. blieb aber bis zur Gründung der Republik im Juni 1944 das isländische Staatsoberhaupt und viele Regierungsbereiche wurden weiter von Dänemark abgewickelt. Daher haben Mitglieder des dänischen Königshauses, die vor Juni 1944 geboren sind, auch einen isländischen Vornamen, wie Königin Margrethe II., die den Vornamen Þórhildur trägt.

1944, mitten im 2. Weltkrieg, kann weder das englisch und später us-amerikanisch besetzte Island, noch das deutsch besetzte Dänemark die ausgelaufenen Verträge verlängern. Dieses Vakuum nutzen die Isländer für die Erklärung der vollen Unabhängigkeit und Island wird Republik.

In der isländischen Politik herrscht von Anfang an keine klare Position zu einem EU-Beitritt des Landes. Als problematisch für Island wird vor allem der Status der isländischen Fischereirechte angesehen, da Island wie kein anderes Land auf diese angewiesen ist.

Nachdem infolge der in Island besonders heftigen Finanzkrise die konservative Regierung zurückgetreten war, kündigte die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurðardóttir eine Initiative zum EU-Beitritt Islands an. Das isländische Parlament bestätigte ihren politischen Kurs, somit wurde 2009 ein Beitrittsgesuch gestellt, der mittlerweile aber von Folgeregierungen wieder zurückgezogen wurde.

Zeittafel Island

Vor 20 Mio. Jahren tauchte Island aus dem Meer auf.

Tertiär: Das warm gemäßigte Klima mit reichem Baumbestand reicht bis in die heutigen Polargebiete

Quartär, Pleistozän ab vor 2,6 Mio Jahren: Der Wechsel von Eis- und Warmzeiten beginnt.
10.000 v. Chr.: Die letzte Eiszeit geht (vorerst? endgültig?) zu Ende.
8.000 - 5.000 Jahre v.Chr.: Atlankikum, auf der Nordhalbkugel wärmste Zeit nach der Eiszeit mit Temperaturen wie heute. Grund: Änderungen der Erdbahn. Auf Island kaum Gletscher, viel Birkenwald.

6.-7. Jh.: Irische Mönche gründen kleine Siedlungen auf Island um dort als Eremiten zu leben und zu beten.

793: Erster Überfall der Wikinger auf das Kloster auf der heiligen Insel Lindisfarne, England. Beginn der Wikinger-Raubzüge in Mittel- und Westeuropa.  Allerdings wurden von dem Nordmännern auch vorher schon in kleinerem Umfang Überfälle begangen. Etwas später Beginn der Landnahmen. Die ersten Ziele für Landnahmen waren die gesamten Britischen Inseln. Oft lief das nach dem Muster: Erkundung und Handel > kleinere Überfälle > regelmäßige saisonale Raubzüge > Winterlager > dauerhafte Stützpunkte (Handel) > Besiedlung (Bauern) und Herrschaft der Region. Die Gründe für die Expansion waren vielfältig.

  • Nach einer klimatisch katastrophalen Zeit (Zusammenhang mit dem Mythos des Fimbulwinters?) in Folge von Vulkanausbrüchen (536 mglw. Island und 540 mglw. Indonesien) wurde in Skandinavien anschließend das Klima günstiger. Die vorher geschrumpfte Bevölkerung wuchs wieder. Brauchbare Flächen wie Weiden waren in Norwegen aber begrenzt und nur ein Sohn konnte den Hof erben. Das war ein Impuls dafür, dass viele Wikinger ihre angestammten Regionen verließen und auf Beutezüge gingen, vor allem aber auch auf die Suche nach neuem Land. Mildere nordatlantische Bedingungen erleichterten die Besiedlung der Färöer, Islands und Grönlands.
  • Grund für die geringe Hemmschwelle vor kriegerischen Auseinandersetzungen war die Sozialisierung der skandinavischen Bevölkerung. Die kriegerischen nordischen Götter (Walhalla) als Vorbilder, wurde schon jeder kleine Junge und auch viele Mädchen frühzeitig an das Kämpfen gewöhnt. Nur wer im Kampf starb, zog in Walhalla ein. Kämpfen bedeutet Behauptung und Ehre, wer nicht kämpfen konnte oder wollte galt schnell als Feigling. Außerdem konnte ein erfolgreicher Beutezug einem jungen Mann in wenigen Wochen mehr Reichtum und Ansehen einbringen als jahrelange Landwirtschaft. In der skandinavischen Gesellschaft, die von Häuptlingen geführt wurde, waren Reichtum und Großzügigkeit zentrale Voraussetzungen politischer Macht. Ein Anführer musste seine Gefolgsleute mit z.B. Silber, Waffen und Sklaven belohnen, um seine Macht zu erhalten. Junge Männer benötigten außerdem Landbesitz, um einen eigenen Hof zu gründen und eine vorteilhafte Ehe einzugehen.
  • Die spätere Reichsbildung Norwegens durch Harald Schönhaar verstärkte zusätzlich die Auswanderung der Familien, die mit der Zentralmacht in Konflikt standen.
  • Fortschritte im Schiffbau: Norwegische Seefahrer verfügten jetzt über leichte, schnelle und hochseetüchtige Schiffe. Sie konnten offene See überqueren, flache Flüsse und Buchten befahren, an Stränden landen sowie rasch angreifen und wieder verschwinden (Schiffe mussten nicht gewendet werden). Ebenso wichtig war das nach und nach akkumulierte Wissen über Strömungen, Inselketten, Küsten und sichere Ankerplätze. Frühe Handelsfahrten lieferten Informationen über lohnende und schlecht geschützte Ziele, die spätere Raubzüge und Landnahmen erleichterten.

Mitte 9. Jh.: Die Siedlungspläne des Norwegers Hrafna-Flóki werden durch schlechtes Wetter durchkreuzt. Er nennt das Land als erster Island (Eisland), vorher Snæland (Schneeland).

um 870: Als erster (vorübergehender) Siedler Islands gilt der schwedische Wikinger Gardar Svavarsson, der um 870 vom Kurs abkam und in Húsavík in Nordisland überwinterte. Nach dem Winter segelte er jedoch zurück nach Skandinavien. Ein Begleiter Garðars soll nach den isländischen Sagas zusammen mit zwei Sklaven zurückgeblieben sein.

872 Harald Schönhaar macht sich zum König von Norwegen und unterdrückt unbeugsame andere Adelige, die deswegen zum Teil das Land verlassen.

874 Der norwegische Gode Ingolfur Arnarson - nach einer Blutfehde verbannt - wirft vor der Küste seine Hochsitzsäulen über Bord. 3 Jahre später werden sie in der Bucht von Reykjavik gefunden und - nach diesem Hinweis der Götter - wird die ursprüngliche Siedlung dorthin verlegt.

Um 900 erfolgt eine systematische Besiedlung. Immer mehr Siedler kamen aus Norwegen, oft über die britischen Inseln.

930: Gründung des Allthing, der Versammlung der Goden und freien Männer im Thingvellir. Jetzt gibt es auf Island schon 25.000 Einwohner.

982 und 985: Erik der Rote besiedelt nach einem Streit und darauffolgender Ächtung Grönland. Nach häufiger Darstellung entdeckte Erik der Rote im Jahr 982 n. Chr. von Island aus Grönland. In Wirklichkeit war der erste Seefahrer, der nach Ostgrönland segelte, Gunnbjörn Úlfsson und kurz danach Snæbjörn Galti, der dort sein Winterquartier aufschlug. Erik der Rote umrundete aber die Südspitze und kam an die Westküste, wo das beste Siedlungsland Grönlands zu finden war.

984: Die Christianisierung durch Thorvaldur Kodránsson erfolgt mit Hilfe und unter Druck des norwegischen Königs.

Thingvellir

1000: Im Thingvellir kommt es beim Disput zwischen Christen und Anhängern des alten Glaubens zum Allthing-Kompromiss. Das Christentum wird offizielle Religion Islands, anfangs gibt es aber umfangreiche Sonderrechte für traditionelle Kulte.

Im Jahre 1000 landet der Isländer Leifur Eiríksson an der Nordspitze von Neufundland und gründete dort eine - nicht dauerhafte - Ansiedlung: L'Anse aux Meadows. Entdeckt hatte den neuen Kontinent schon etwas früher Bjarni Herjúlfsson, der sich verirrt hatte. Es sah die amerikanische Küste, landete aber nicht, sondern kehrte um und fuhr nach Grönland zurück.

1163: Der "Sommer des Steinewerfens" erlebt rabiate Konflikte zwischen den isländischen Clans.

12. und 13. Jh.: Island leidet unter immer stärkeren inneren Konflikten. Es erfolgt eine Machtkonzentration auf immer weniger Goden. In den Streitigkeiten kommt es immer wieder zur Einbeziehung des norwegischen Königs durch unterschiedliche Allianzen.

1262: Nach Hungersnöten und bürgerkriegsähnlichen Zuständen unterwerfen sich die Isländer als einzigen Weg des Überlebens unter die norwegische Krone. Der norwegische König verpflichtet sich zur Versorgung Islands in Krisenzeiten. Man verabredet ein Handelsmonopol für Norwegen, das von da an die Isländer knebelt, ohne seinen Verpflichtungen gerecht zu werden.

1380 kommt Norwegen mit Island durch Erbe unter dänische Herrschaft. Die Situation der Isländer verbessert sich dadurch nicht.

1389 Hekla-Ausbruch: Es kommt zur Vernichtung der Ernte und vieler Tiere, Island ist von Asche bedeckt. Danach folgt die Pest und weitere schwere Epedemien, denen die geschwächten Menschen wenig entgegen zu setzen haben. Ca. 10 % der Bevölkerung sterben.

1397 In der Kalmarer Union geraten Norwegen, Schweden und Dänemark unter eine - die dänische - Krone. Die Kontrolle über Island wird von den Dänen übernommen.

1402-1404: Fast 50 % der Isländer sterben infolge der Pest.

1469 Nach verschiedenen Versuchen der Engländer und Isländer, das Handelsmonopol zu unterlaufen (Stockfisch aus Island gegen Getreide aus England), kommt es zum Krieg England gegen Dänemark wegen "illegalem" Islandhandel der Engländer. Der Konflikt ist eingebettet in den größeren Konflikt der Hanse und Dänemarks gegen England, in dem es ebenfalls um Handelsinteressen (Ostsee) geht. Die Engländer unterliegen (Frieden von Utrecht 1474) und der Status Quo mit den Handelshemmnissen für Island wird erneut festgeschrieben. Nun handelt aber die Hanse (unter dänischer Kontrolle) vermehrt mit Island.

1494-1495: Zweite Pestwelle, ca. 50 % der Bevölkerung sterben.

1548: Bischof Jón widersetzt sich den dänischen Protestanten und zettelt eine Rebellion an. Er wird 1550 enthauptet. Island wird 1552 auf Druck des dänischen Königs protestantisch.

1662: Verschärfung der Handelshemmnisse. Islands wird in 4 Wirtschaftsdistrikte aufgeteilt, die nicht untereinander handeln dürfen. Alles geht über Dänemark, mit entsprechenden Steuern und weiteren Kosten.

Anfang des 18. Jh. fallen ca. 18.000 Menschen, rund 30 % der Bevölkerung, den Schwarzen Blattern (Pocken) zum Opfer.

1783-84 Ausbruch der Laki in Südisland mit verheerenden Folgen. Dörfer, Viehweiden und Fischgründe werden zerstört, giftige Wolken töten Mensch und Tier, es kommt wieder mal zu einer Hungersnot. Am Ende gibt es 10.000 Opfer der Katastrophe, fast 25 % der Bevölkerung.

1800: Abschaffung des Althing durch den dänischen König.

1809: Jorge Jorgensen, ein Däne in Diensten der Engländer, versucht auf eigene Faust, Island zu befreien. Das schlägt fehl. Aber nach und nach gewinnen die Isländer etwas mehr Einfluss auf ihr Schicksal.

1843: Das Althing wird wieder eingesetzt. Jón Sigurdson führt eine Unabhängigkeitsbewegung an.

1854: Das Ende des dänischen Handelsmonopols wird ausgehandelt.

1874: Island erreicht eine Autonomie für innere Angelegenheiten, allerdings mit einem Vetorecht Dänemarks.

1875 kommt es zum Ausbruch der Askja: starke Bims- und Ascheausschüttungen bedecken die Insel großräumig.

1904 mündet die Autonomie in die Selbstverwaltung.

1909 beginnt die Prohibition von Alkohol.

1911 wird die Universität Island gegründet.

1915 wird das Frauenwahlrecht eingeführt.

1918 schließt Island einen Unionsvertrag mit Dänemark: Island wird ein souveräner Staat mit eigener Flagge, aber mit dem dänischem König als Staatsoberhaupt. Im selben Jahr kommt es zum Ausbruch der Katla mit starken Bimsstein- und Ascheauswürfen.

1940 besetzten britische Truppen Island unter Verletzung seiner Neutralität, um einer möglichen Invasion durch NS-Deutschland zuvor zu kommen. Im gleichen Jahr läuft der Unionsvertrag mit Dänemark aus. Eine Verlängerung ist nicht möglich, da Dänemark deutsch und Island britisch besetzt ist.

Ab 1941 werden britische Besatzungstruppen durch US-amerikanischen Truppen verstärkt und größtenteils ersetzt.

Husavik

1944: Am 7. Juni wird Island selbständige Republik mit eigener Verfassung.

1946: Island wird Mitglied der Vereinten Nationen.

1949: Gründung der NATO mit Island als Mitglied.

1951: Island wird Luftwaffenstützpunkt der USA.

1952, 1958, 1972, 1975: Der Schutz der für Island lebenswichtigen Fischgründe führt zu den Kabeljaukriegen mit England.

1958: Island beschließt eigenmächtig die Erweiterung der Fischereizone auf 12 Seemeilen. Erster Kabeljaukrieg.

1966 - 68: Die Heringsausfuhr Islands sinkt wegen zurückgehender Bestände um 50 %.

1970 erfolgt ein erneuter Ausbruch der Hekla, 7500 Schafe sterben.

1972: Island erweitert die Fischereizone auf 50 Seemeilen. Zweiter Kabeljaukrieg. Isländer setzte Küstenwache ein. Die zerschnitten die Netze englischer und deutscher Trawler. Britische Kriegsschiffe versuchten die isländischen abzudrängen, Schiffe rammten sich gegenseitig. Viele Schiffe wurden stark beschädigt. Hin und wieder wurden auch Warnschüsse abgegeben.

1975: Erweiterung der Fischereizone auf 200 Seemeilen. Dritter Kabeljaukrieg. Island bricht 1976 vorübergehend diplomatische Beziehungen zu Großbritannien ab und droht, aus der NATO auszutreten. Das bringt die Amerikaner auf den Plan, die Druck auf England ausüben. Sie wollen ihren wichtigen Stützpunkt auf Island (Kontrolle russischer U-Boote im Nordatlantik) nicht verlieren. Letztlich setzten sich die Isländer in allen drei Konflikten durch. Ein schwerer Schlag für die britische Fischereiwirtschaft. Heute liegt die Wirtschaftszone international bei 200 sm (370 km).

1976 verzeichnet die isländische Fischerei nur noch 31.000 Tonnen Heringsfang. 1965 waren es noch 763.000 Tonnen.

1987: Aufhebung des Gesetzes zum fernsehfreien Donnerstag.

Ab 1989 wird die Prohibition gelockert. Es folgt wieder ein freier Verkauf von Bier.

Seit 1994 ist Island Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR).

2001 tritt Island - obwohl nicht in der EU - dem Schengener Abkommen bei.

2008 Bankenkrise: Nach der Privatisierung der Banken Anfang der 2000er Jahre expandierten diese aggressiv ins Ausland. Die Banken finanzierten ihr rasantes Wachstum durch Kredite und Einlagen aus dem Ausland. Nach dem Vertrauensverlust in der Finanzkrise zogen Geldgeber ihr Kapital ab – für Islands Banken der sofortige Zusammenbruch. Die kleine isländische Zentralbank konnte den Banken nicht ausreichend helfen, der Bankensektor war für das kleine Land viel zu groß. Die Isländische Krone verlor zeitweise bis zu 50 % an Wert. Dadurch verteuerten sich alle Schulden in Fremdwährungen erheblich und die Inflation stieg deutlich. Auch wachsende Arbeitslosigkeit war die Folge. Nur durch ausländische Hilfen (IWF, andere skandinavische Staaten) konnte ein Staatsbankrott verhindert werden.

2009 Nach den einschneidenden Erfahrungen der Finanzkrise wird ein Beitrittsgesuch an die EU gestellt - später aber von neuen Regierungen wieder zurückgezogen.

2009-2017: Islands Krisenbewältigung war relativ erfolgreich. Der Staat ließ die privaten Banken insolvent gehen (statt zu versuchen sie zu retten) und gründete neue Banken für das Inlandsgeschäft. Vorübergehende Kapitalverkehrskontrollen verhinderten Kapitalabfluss. Die Abwertung der Krone verbesserte die Wettbewerbsfähigkeit von Exporten und Tourismus. Die Wirtschaft wurde schrittweise stabilisiert, bevor die Kapitalverkehrskontrollen wieder aufgehoben wurden.

Literatur

Eine kleine Geschichte Islands: Eine gute und gut lesbare Lektüre zur isländischen Geschichte, von der Landnahme durch die Wikinger über die kulturelle Blüte im Mittelalter bis zur Finanzkrise.

Krieger aus Feuer und Eis: Islands Geschichte von der Entdeckung bis zur Reformation

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