Thorsmörk

Island: Mythologie und Sagenwelt
Wandern - Trekking - Radfahren - Kanutouren

 

Autor: Lutz Berger.
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Begriffe

Asgard: Reich der Asen

Bifröst: Regenbogenbrücke

Bragi: Mann von Iduna

Einherier: Krieger der Asen

Eugel: Schwarzalbenkönig

Fenriswolf: Lokis Sohn

Forseti: Ase

Freki & Geri: Odins Wölfe, die er als Welpen aufgezogen hat

Freya: Wanin. Mutter von Sonne und Mond

Freyr: Wane. Bruder von Freya

Garm: Wächter des Totenreiches

Geri & Freki: Odins Wölfe

Gjallahorn: Horn Heimdalls, ruft zur letzten Schlacht

Gladsheim: Odins Burg

Gungnir: Odins Speer des Krieges

Hagal: Rune des Schicksals

Heimdall: Ase

Hel: Göttin des Totenreiches

Himminbjorg: Heimdalls Burg am Ende von Bifröst

Höder: Ase, blind

Hugin und Munin: Odins Raben

Hwergelmir: Kessel in der Unterwelt

Iduna: gibt den Göttern die Unsterblichkeit

Jörmungander: Midgardschlange, Lokis Tochter

Jötunheim: Heimat guter Riesen

Lif und Lifthrasil: Brüderpaar, das die Schlacht zwischen Asen und Riesen entscheidet

Loki: Ase, mit Riesin Sygin verheiratet. War früher fast so mächtig wie Odin. Gott des Unheils.

Midgardschlange: Lokis Tochter

Mjöllnir: Hammer Thors

Modgruder:

Muspelheim. Reich der bösen Feuerriesen

Nagelfar: schwarzes Schiff

Nari & Narwi: Söhne von Loki und Sygin

Niflheim:

Nidhögger: Drache in der Unterwelt

Njörd: Wane. Vater von Freya und Freyr

Nornen: spinnen den Schicksalsfaden

Ragnarök: Götterdämmerung, letzte Schlacht

Skuld: Norne

Sleipnir: Odins Hengst

Surtur: Feuerriese

Swadilfar: Pferd von Thrym = Winter

Sygin: Riesin, Lokis Frau

Thrym: Eisriese, hat seine Seele an den Winter verpfändet

Tyr: Ase

Uller: Ase

Urd: Norne

Urdsee, Urdbrunnen: gibt Antwort auf alle Fragen

Walhalla: Halle in Odins Burg

Wali:

Wanen: keine Asen, aber ihnen ähnlich

Wanenheim: Wohnort der Wanen

Werdani: Norne

Widar: Herr der Urwälder und Haine

Wigrid: Schlachtfeld der letzten Schlacht

Ydalir: Ullers Waldburg

Yggdrasil: Weltesche

Mythologie und Sagenwelt

1. Einleitung                                                                                                                                         

2. Die Sagas                                                                                                                                        

  • 2.1. Einführung                                                                                                                               
  • 2.2. "Landnámabók" und "Íslendingabók"                                                                                   

3. Die Edda                                                                                                                                         

  • 3.1. Die Lieder Edda (Codex Regius)                                                                                    
  • 3.2. Die Snorra Edda (Prosaedda)                                                                                         
  • 3.2.1. Snorri Sturluson                                                                                                           

4. Die Nordische Mythologie - Ein Umriss der altnordischen Mythologie nach der Lieder-Edda                

5. Das "verborgene Volk" - von Elfen, Trollen und Riesen                                                                  

6. Legenden und ihre Schauplätze                                                                                                    

  • 6.1. Reykjanes                                                                                                                              
  • 6.2. Der Südwesten                                                                                                                  
  • 6.3. Der Südosten                                                                                                                    
  • 6.4. Die Halbinsel Snaefellsnes                                                                                                   
  • 6.5. Die Westfjorde                                                                                                                 
  • 6.6. Húnaflói und Skagafjördur                                                                                                   
  • 6.7. Akureyri                                                                                                                                 
  • 6.8. Der Mývatn                                                                                                          
  • 6.9. Der Nordosten                                                                                                                  
  • 6.10. Die Ostfjorde                                                                                                              
  • 6.11. Kjölur                                                                                                                         
  • 6.12. Sprengisandur und Landmannalaugar                                                                               
  • 6.13. Askjá                                                                                                                         

7. Auf den Spuren ausgewählter Sagen                                                                                                 

8. Weitere Legenden - Amüsantes und Interessantes                                                                          

9. Und zum Schluss noch eine Trollgeschichte   

"Eine harte, grausame Landschaft ist Island, an die sich das Leben in einer pathetischen Leidenschaft anklammert. Dem Isländer, in welche beliebige Richtung er auch sieht, bedeutet Island eine ununterbrochene Landschaft der Saga: jedes Bergtal, die Berge mit ihren Pässen, die Flüsse, die Lavafelder und Sande, sogar das Moor und die Heide, die Fjorde mit ihren Inselchen und nicht zu vergessen: alles ist mit der Saga verbunden, man bewegt sich im Sagaraum, das ganze Land bebt von der literarischen Überlieferung. Nach einem tausendjährigen Zusammenleben mit epischen Menschen ist die ganze Landschaft von Literatur durchdrungen."

Halldór Laxness

1. Einleitung

Asatru, der Glaube an die nordische Mythologie mit den Göttern Odin und Thor an der Spitze, ist in Island durchaus noch präsent.

Die Isländer feierten zwar im Jahr 2000 das 1000-jährige Jubiläum der Christianisierung, im Grunde ist es aber nur ein Teilerfolg, der hier zelebriert wird.

Das historische Geschehnis hatte sich recht atypisch vollzogen - friedlich und in einer Art Kompromiss: offiziell trat man zum Christentum über, privat blieb es aber gestattet, der alten Mythologie weiterhin nachzuhängen.

Obwohl das Christentum (96% christlich, die meisten evangelisch) nominell die dominierende Religion ist, so sind doch noch weit mehr als nur Reste des Glaubens an die nordische Mythologie vorhanden.

Es ist auch kein Wunder, die wild-romantische Landschaft Islands mit den Sümpfen und Geysiren lässt sehr viel Spielraum für mythologische Wesen wie Elfen, Trolle und Kobolde, was die Geschichten, Legenden und Traditionen am Leben erhält.

Die mittelalterliche volkssprachliche Literatur Islands ist ungeheuer umfangreich und vielfältig und in den meisten Texten lassen sich Spuren von volkstümlichen Überlieferungen finden: die Lieder-Edda, die Snorra-Edda oder das Landnahmebuch - Werke der weit zurückreichenden literarischen Tradition der Isländer - sowie die zahlreichen Untergattungen der Saga-Literatur legen alle Zeugnis davon ab, dass in Island schon zur damaligen Zeit ein reicher Schatz an Sagen und Märchen bekannt war.

2. Die Sagas

2.1. Einführung

Saga f. (Isl. Sögur) hat die Grundbedeutung "etwas Erzähltes", bezeichnet aber schon seit dem 12. Jh. vor allem längere schriftliche Erzählungen und kann sich sowohl auf originale literarische oder historische Werke als auch auf Übersetzungen beziehen. Heute verwendet man den Begriff nur für Werke von mindestens 5.000 Wörtern, während kürzere Erzählungen als Þættir (Sg. Þáttr) bezeichnet werden. Die Länge der mittelalterlichen Sögur schwankt stark, bei den Isländersagas ist die Njáls saga mit 97.000 Wörtern die längste, die Hrafnkels saga mit 10.000 Wörtern eine der kürzesten.

Der Beginn der Saga-Schreibung fällt schon ins 12. Jh., die Blüte erlebte sie jedoch im 13. Jh., als die meisten Isländersagas und die wichtigsten Konungasögur verfasst wurden; den Höhepunkt der Saga-Schreibung setzt man üblicherweise mit der um 1285 entstandenen Njáls Saga an, andere bedeutende Isländersagas wie die Grettissaga entstanden aber noch im 14. Jh.

Zur Unterteilung der Saga als literarische Gattung hält man sich an Herkunft und Stand des Helden sowie an den zeitlichen und räumlichen Abstand der Handlung vom Verfasser des Werkes; mit Hilfe dieser Kategorien kommt man zu folgenden Saga-Genres:

  1. Íslendigasögur (Isländersagas), die eigenständigste und bedeutendste Gruppe mittelalterlichen Sagas, spielen vor allem in Norwegen und Island.
  2. Samtíðarsögur (Gegenwartssagas) handeln von für den Verfasser mehr oder weniger zeitgenössischen Personen.
  3. Biskupasögur (Bischofssaga) sind Biographien isländischer Bischöfe vom 11. bis ins 14. Jh.
  4. Konungasögur (Königssagas) sind Sagas über skandinavische Könige oder Fürsten, deren Handlung in der Zeit zwischen dem 9. und dem 13. Jh. angesiedelt ist.
  5. Fornaldarsögur (Vorzeitsagas) sind heroische oder phantastische Abenteuergeschichten, die in Skandinavien (nie in Island) handeln.
  6. Riddarasögur (Rittersagas) sind entweder norwegische Übersetzungen ausländischer höfischer Epen oder isländische Imitationen solcher Werke.
  7. Märchensagas sind den Volksmärchen nahestehende phantasievolle Erzählungen.
  8. Heilagra manna sögur (Heiligensagas) sind vorwiegend Übersetzungen und Übertragungen lateinischer Heiligenleben.
  9. Weltlich historische Übersetzungsliteratur nach lateinischen Vorlagen, wozu die Trójumanna saga, die Alexanders saga, die Gyðinga saga, Rómverja saga, Breta sögur und Veraldar saga zählen.

Besonders wichtig sind die Gattungen Isländersagas, Vorzeitsagas, Königssagas und die Märchensagas. Die klassische Familiensaga, die Isländersaga, kann als die Saga schlechthin bezeichnet werden.

Die Handlung einer Saga kurz zusammenzufassen ist unmöglich. Sie überspannen oft mehrere Generationen mit Dutzenden von Charakteren und Nebenhandlungen. Unter dem ironischen Schlagwort "Bauern im Faustkampf" fasste ein isländischer Gelehrter des 18. Jh. Sie treffend zusammen. Tatsächlich konzentriert sich ein Großteil der Handlung auf Konflikte und Morde.

Die Sagas wurden auf Pergament geschrieben und zu Büchern gebunden. Im Gegensatz zu den mittelalterlichen Pergamentschriften anderer Länder sind die isländischen Handschriften wesentlich weniger ausgeschmückt und weisen starke Benutzungsspuren auf da sie Gebrauchsgegenstände und keine Schmuckstücke waren. Heute sind deshalb nur noch vergleichsweise wenige Schriften erhalten, die seit ihrer Rückgabe aus dänischem Besitz in isländischen Museen aufbewahrt werden.

2.2. "Landnámabók" und "Íslendingabók" (Historische Sagas)

Das "Landnámabók" ("Book of Settlements") und das "Islendingabók" ("Book of the Icelanders") bilden die zentralen Dokumente für die Geschichte Islands von der Besiedlung der Insel durch Ingólfur Árnarson im Jahre 874 bis circa 1130.

Das "Islendingabók" wurde in der Zeit von 1122-33 vom Priester Ari Þorgilsson im Auftrage der Bischöfe Thorlak und Ketil geschrieben. Es umfasst, nach heutigem Maß, lediglich 15 bis 20 gedruckte Seiten und beschreibt ausgewählte Ereignisse der isländischen Geschichte wie zum Beispiel die Besiedlung der Insel, die Annahme von mündlichen Gesetzen, die Gründung des Althing im Jahre 930, die Annahme des Christentums um die Jahrtausendwende und die Entwicklung der Kirchenstruktur. Das Bemerkenswerte an diesem Werk ist, dass Ari auf geradezu moderne Weise diese Auftragsarbeit umsetzte: Denn anstatt einfach nur die Ereignisse aufzuzählen in der Weise, wie sie geschehen sein könnten oder mündlich überliefert wurden, nennt er seine Quellen und verlangt von jedermann, der es besser wisse, ihn zu korrigieren. Auch wenn Aris Chronologie in den letzten Jahren von der modernen Archäologie in manchen Punkten angezweifelt wurde (zum Beispiel wurde der Beginn der Besiedlung von Ari auf das Jahr 874 datiert, während Historiker auf Grund von Ascheschichten diesen um das Jahr 871 vermuten) und es sich beim "Islendingabók" um eine für Bischöfe verfasste Auftragsarbeit handelt, die keinerlei Ereignisse beinhaltet, die der Kirchenhierarchie unpassend erschienen, sowie in ihm die norwegische Abstammung der ersten Siedler übermäßig betont wird, kann der Stellenwert dieses Dokumentes nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Den selben historischen Rang kann auch das "Landnámabók" für sich in Anspruch nehmen. Bei diesem Werk handelt es sich um ein Buch, das je nach Version zwischen 100 und 200 gedruckte Seiten umfasst. Von diesem Werk waren mehrere Versionen ("Sturlubök", um 1280; "Hauksbök", um 1300; "Melabök", um 1300) im Umlauf und sind in Manuskripten und späteren Abschriften bis heute erhalten, wohingegen die ursprüngliche Version aus dem 12. Jahrhundert nicht mehr existiert. Es wird vermutet, dass Ari auch an diesem Werk zumindest beteiligt gewesen ist, da die Sammlung und Niederschrift der Informationen in seiner Zeit stattgefunden haben muss.

Das Buch nennt über 400 Siedler, die mit ihren Familien und ihrem Gefolge in der "Landnahmezeit" von 874 bis 930 nach Island kamen. Insgesamt erwähnt es über 3.500 Personen und 1.500 Farmen namentlich, wobei die Landnahme nach Inselteilen aufgeteilt erzählt wird. Eine typische Passage aus dem Buch lautet: "Finn the Wealthy son of Halldor Hognason took Possession of land between Lax River in the south and Kaimans River, and lived at Midfell. His son was Thórgeir, father of Jostein, father of Thorunn, mother of Gudrun, mother of Sæmund, father of Bishop Brand."

Diese mittelalterlichen Werke sind einzigartige literarische und historische Hinterlassenschaften, die es in dieser Form wohl nur auf Island gibt. Anzumerken sei noch, dass es heute noch viele Farmen gibt, die schon im "Landnámabók" erwähnt wurden.

3. Die Edda

Edda ist der Name für zwei Werke in altisländischer Sprache. Über den Namen "Edda" ist viel spekuliert worden. Oft wird er in Beziehung zu ódr gesetzt, was 'Dichtung, Poetik' bedeutet. Weiterhin ist auf den Hof Oddi verwiesen worden. Saemund "der Gelehrte" lebte 1056 bis 1133 als Herr dieses Hofes im südwestlichen Island. Snorri verbrachte auf diesem Hof als Pflegesohn von Saemunds Enkel Jon Loptsson den größten Teil seiner Jugend bis zu seinem 19. Lebensjahr.

Mit dieser These hängt die zusammen, die Edda(-saga) als Urgroßmutter liest, womit die Lieder dann die Erzählungen der Urgroßmutter sind (= aus alter Zeit). Faulkes weist noch darauf hin, dass Snorri den Begriff als Ableitung vom lateinischen 'edo' (ich dichte) erfunden haben könnte.

Am 21. April 1971 lief ein dänisches Kriegsschiff mit einer Abordnung dänischer Regierungsmitglieder im Hafen von Reykjavik, Island, ein, wo es von einer vieltausendköpfigen Menschenmenge und fast der ganzen isländischen Regierung erwartet wurde. Der Empfang galt aber nicht so sehr der dänischen Abordnung selbst, sondern zwei Pergamenthandschriften, die mit diesem Kriegsschiff unter besonderen Sicherheitsmassnahmen von Kopenhagen unter offiziellem Geleit dänischer Vertreter nach Island gebracht worden waren. Eine der beiden Handschriften war ein großer, mit prachtvollen Bildern verzierter Codex mit Sagas aus dem Ende des 14. Jahrhunderts, die andere aber war ein kleines, unscheinbares und fast schmuckloses Manuskript: Die Haupthandschrift der Lieder-Edda.

Für ganz Island, keineswegs nur wissenschaftliche, literarische oder heidnische Kreise, war dieser Tag ein besonderer Festtag, und der Zug, der sich mit den beiden Handschriften vom Hafen zur Universität bewegte, wurde in den Strassen überall bejubelt. Jahrzehnte hindurch hatte sich Island bemüht, die frühen isländischen Handschriften, die zumeist seit dem 17. oder 18. Jahrhundert in Kopenhagener Bibliotheken lagen, als kostbarsten kulturellen Besitz zurück zu erhalten. Mit diesen beiden Handschriften war der Anfang gemacht, und in den Jahren danach kamen noch hunderte weiterer isländischer Manuskripte aus Dänemark in das vor allem der Forschung gewidmete isländische Handschrifteninstitut.

3.1. Die Lieder Edda (Codex Regius)

Dieses auch Ältere Edda genannte Werk ist als 'Codex Regius' und in einigen weiteren Manuskripten bzw. Fragmenten aus der Zeit um 1260 erhalten. Als man den Text im 17. Jahrhundert fand, wurde er Sämund dem Weisen zugeschrieben und erhielt den Titel: Edda des Sämund. Tatsächlich ist der Autor unbekannt. Im Gegensatz zur Snorra-Edda besteht diese Edda aus 29 poetischen Liedern über Götter und Helden sowie der Spruchweisheit, Havamal. Bei einigen Liedern nimmt man ein sehr hohes Alter an, was bedeutet, dass sie weit vor dem Jahr 1000 u.Z. entstanden sein können, andere sind vermutlich erst kurz vor dem Aufzeichnen des Codex Regius entstanden. Immerhin zitieren schon norwegische Skaldenlieder aus dem 9. Jhd. u.Z. die Havamal und das Hamdismal. Ebenso unterschiedlich ist die vermutete Herkunft. Neben Liedern aus - vor allem - Island und Norwegen stehen einige, die in Irland oder auf Grönland, den Färöern oder den Orkneys entstanden sein könnten.

Der bekannteste Teil der Liederedda dürfte neben den Havamal (mit Odins Runenlied) die Völuspa sein, 'Einer Seherin Gesicht'.

Insgesamt gesehen ist die "Ältere Edda" das Schlüsseldokument, wenn es um altnordische Mythologie und Magie geht, denn obwohl erst in christlicher Zeit in Island niedergeschrieben, beinhaltet sie das umfangreichste Material über die alt-nordischen Götter, deren Konflikte untereinander und die Erschaffung der Erde nach heidnisch-nordischer Vorstellung.

3.2. Die Snorra Edda (Prosaedda)

Die Snorra-Edda besteht aus vier Teilen: Prolog, Gylfaginning (die Verblendung des Gylfis), Skáldskaparmál (dichterische Ausdrucksweise) und Háttatal (Typen des Versmaßes). Háttatal ist ein Lobgedicht auf König Hákon Hákonarson und seines Grafen Skúli. Es ist  insgesamt eine beeindruckende Demonstration der metrischen Regeln der alten skaldischen Dichtkunst. Der Teil Skáldskaparmál beschreibt die Ausdrucksweise der skaldischen Dichtung. Durch die schwierigen Regeln der Dichtung wird ein immenser Wortschatz benötigt.

Die Prosaedda wird auch Jüngere Edda genannt, ist aber tatsächlich das ältere der beiden Werke - was das Quellenalter angeht. Snorris Absicht war, ein Skaldenlehrbuch zu erstellen, das die Nachwuchsdichter an die poetischen Formen der jüngsten, heidnischen Vergangenheit heranführen sollte. Aus diesem Grund werden Versarten vorgestellt, für viele Gottheiten alternative Namen genannt und auch die sogenannten Kenningar an praktischen Beispielen erklärt. Kenningar sind poetische Umschreibungen, z.B. Wogenhengst für Schiff.

Wichtigster Teil ist die Gylfaginning, König Gylfis Betörung, in der besagter König verkleidet und unter falschem Namen nach Asgard reist, um dort von drei Gottheiten (der Hohe, der Gleichhohe, der Dritte) mehr über die Götterwelt zu erfahren.

Wie auch in der "Poetic Edda" kann man in Snorris Edda viel über die altnordischen Göttergeschlechter der Asen und Wanen erfahren, an deren Spitze offiziell Óðinn herrschte. Ein speziell isländisches Charakteristikum ist aber, dass die heidnischen Isländer in ihrer rauen Umwelt vornehmlich Þór anbeten, den kraftvollen Verteidiger der göttlichen Welt und Gott der Seefahrer sowie Bauern, und nicht Óðinn, der als Beschützer der vornehmeren Könige und Poeten galt. Dieses zeigt sich besonders in der Namensgebung in Island, denn wie in dem Auszug aus dem "Landnámabók" gezeigt, beginnen viele Orts- und Personennamen mit "Thor" (Thorolf, Thorbrand, Thorleif, Thorodd, Thorfinn und Thormond).

In der Analyse der "Prosa Edda" muss aber zwangsläufig berücksichtigt werden, dass Snorri als Christ über einen heidnischen Glauben schrieb, der zur Entstehungszeit des Lehrbuchs bereits seit über zwei Jahrhundert offiziell abgeschafft war. Wenn Snorri zum Beispiel zwölf Götter und zwölf Göttinnen ausmacht, liegt die Vermutung nahe, dass er die Zahl aus der Anzahl der Apostel im Neuen Testament abgeleitet hat.

3.2.1. Snorri Sturluson

Wer war dieser Snorri Sturluson? Er wurde im Jahre 1178 zu Hjardaholt auf West-Island geboren und stammte väterlicherseits von dem durch eine eigene Saga bekannten Goden Snorri (gestorben 1031), mütterlicherseits durch Gudny, der "gepriesenen Sturlungenmutter", von dem gleichfalls durch eine eigene Saga verherrlichten größten Skalden Islands, Egil Skallagrimsson, ab. Erzogen wurde er von 1181 bis 1197 auf dem Hof Oddi, der als "Schule" bezeichnet werden kann.

Nachdem er infolge seines Ansehens, das er durch erfolgreiche Fehden gemehrt hatte vier Jahre lang oberster Gesetzessprecher der Insel gewesen war, zog er mit dreißig Jahren an die Höfe König Hakons und Jarls Skule nach Norwegen, wo er sich zehn Jahre lang als deren Gefolgsmann aufhielt. Heimgekehrt, wurde Snorri abermals als Gesetzessprecher zehn Jahre lang der einflussreichste Mann Islands. Nun entstanden außer der Egilssaga die beiden Hauptwerke Snorris, die Heimskringla und die Edda, die er seinen Schreibern in die Feder sagte. Die letzten Lebensjahre Snorris waren erfüllt von zahlreichen Fehden und Zerwürfnissen, teilweise mit politischem Hintergrund, da König Hakon von Norwegen nunmehr die Unabhängigkeit des isländischen Freistaates antastete. Ein letzter kurzer Besuch, der Snorri nach Norwegen führte, galt nur noch dem Jarl Skurle. Bald nach seiner Heimkehr überfiel auf Befehl König Hakons dessen isländischer Parteigänger Gissur Snorri in Reykjaholt und tötete ihn (1241).

4 Die Nordische Mythologie - Ein Umriss der altnordischen Mythologie nach der Lieder-Edda

Wie entstand die Welt?

Am Anfang waren Kälte und Hitze. Auf der einen Seite die Gegend Niflheim (Nebelheim) mit Frost und Nebel. Auf der anderen Seite Muspellsheim, ein Meer von lodernden Flammen. Zwischen ihnen war nur eine große, gähnende Schlucht, Ginnungagap. Hier in dieser gewaltigen Leere mitten zwischen Licht und Dunkel sollte alles Leben seinen Anfang nehmen. In der Begegnung zwischen Eis und Feuer.

Denn langsam begann der Schnee zu schmelzen, und geformt von der Kälte, aber von der Hitze zum Leben erweckt, entstand ein seltsames Wesen der Frostriese Ymir.

Da, wo das Eis schmolz, formten die Tropfen auch ein anderes Wesen, eins mit Euter und Hörnern, eine riesige Kuh. Sie hieß Audhumla. Ihre überreichliche Milch floss in mächtigen Strömen aus ihren gewaltigen Zitzen. Auf diese Weise fand Ymir Nahrung.

Sie beleckte die in ihrer Umgebung umherliegenden Eisblöcke, die salzig waren. Dann aber geschah etwas Merkwürdiges: Als sie die Blöcke beleckte, kam aus einem von ihnen plötzlich langes Menschenhaar hervor! Am nächsten Tag kamen ein Kopf mit einem Gesicht hervor! Und am dritten Tag legte sie beim Lecken den ganzen Körper frei... Es war ein Mann. Er war hochgewachsen und schön. Buri war sein Name - und von ihm stammen die Götter ab, die wir Asen nennen.

Der Riese Ymir bekam Kinder mit sich selbst. Als er schlief, fing er an zu schwitzen... und da wuchs ihm unter seinem linken Arm Mann und Weib. Ymirs Beine wollten seinen Armen offensichtlich in nichts nachstehen... seine Füße paarten sich, und ein Sohn mit sechs Köpfen wurde geboren. Das ist der Ursprung der Trolle und Riesen nennen können, die wir jedoch auch unter dem Namen Jöten kennen.

Odin , der später aller Götter Oberhaupt wurde ist der Sohn der Riesen-Tochter Bestla und von Bur, dem Sohn von Buri.

Und eines Tages üben Odin und seine Brüder Wili und We den Aufstand gegen Ymir und sein Geschlecht. Es kommt zu einem schweren Kampf; Odin und seine Brüder aber siegen. Sie töten Ymir und aus seinen Wunden ergießen sich Ströme von Blut über die Feinde der Asen, in denen sie nahezu alle ertrinken... alle, bis auf zwei.

Von diesem Riesen-Paar, das in die Nebelwelt flüchtet und sich dort versteckt, stammen alle späteren Geschlechter ab.

Die Asen schleppen den toten Ymir bis in die Mitte der Schlucht Ginnungagap in die große Leere. Dort legen sie ihn wie einen Deckel über den Abgrund.

Hier erschaffen sie die Welt - aus der Leiche des Riesen.

Sein Blut wird zum Meer. Sein Fleisch zur Erde. Seine Gebeine werden zu Gebirgen und Klippen. Die Zähne und zersplitterte Knochenreste werden zu Steinen und Geröll. Die Haare zu Bäumen und Gras. Sein Gehirn werfen die Götter hoch in die Luft. Auf diese Weise entstehen die Wolken. Und der Himmel? Er entsteht aus seiner Schädeldecke..., die sie wie ein Gewölbe, eine Kuppel über alles Erschaffene stülpen. Danach fangen die Götter Funken aus dem heißen Muspellsheim ein und setzen sie an den Himmel. Dort hängen sie jetzt und funkeln. Auf der Innenseite dessen, was einst des Riesen Ymir Schädel war. So wurden die Sterne erschaffen.

Aus Ymirs Leiche kriechen kleine Würmer. Sie sind der Ursprung der Zwerge, der Unterirdischen, die in Grotten und Höhlen leben.

Die Asen wählen vier von ihnen, die das Himmelsgewölbe tragen, die vier Ecken der Welt bewachen sollen. Diese Zwerge heißen: Osten, Westen, Norden und Süden.

Wie wurde der Mensch erschaffen?

Als Odin und seine Brüder Wili und We einmal am Meeresstrand entlanggehen, finden sie zwei an Land gespülte Baumstämme.

Sie nehmen die Stämme und schaffen Menschen daraus.

Odin ist es, der ihnen Leben einhaucht, so dass sie selbst atmen und leben können. Wili gibt ihnen Verstand und Bewegung. We gibt ihnen Antlitz, Sprache, Gehör und Gesicht. Sie geben ihnen Wärme und Farbe.

Die Asen geben dem Mann den Namen Ask ("Esche") und der Frau den Namen Embla (vielleicht "Ulme" oder "Rebe"). Von ihnen stammen alle Menschen ab.

Wie entstand die Zeit?

Am Anfang gab es keine Zeit. Alles steht seltsam still.

Aber die Asen geben der Riesen-Frau Nacht und ihrem Sohn Tag jeweils ein Pferd und einen Wagen und setzen sie an den Himmel, so dass sie jeden Tag und jede Nacht um die Welt fahren können. Nacht fährt vorweg. Ihr Pferd heißt Rimfakse. Es hat Rauhreif in der Mähne, und der Tau, der sich jeden Morgen auf Felder und Wiesen senkt, sind Schaumtropfen aus seinem Zaumzeug. Hinter ihr fährt ihr Sohn Tag. Sein Pferd heißt Skinfakse, denn aus der Mähne des Pferdes strahlt und leuchtet es...

Auch die Sonne ist jetzt erschaffen aus Funken aus Muspellsheim, und der Mond hat seine richtige Bahn bekommen. Auch ihnen hat man je ihren Himmelswagen gegeben. Zwei Kinder haben die Aufgabe, darauf zu achten, dass Sonne und Mond nicht von ihren Wagen fallen und die schnellen Pferde zu lenken. Und hier ist Tempo die Devise! Zwei riesige Wölfe sind ihnen ständig auf den Fersen; sie schnappen nach der Sonne, dem Mond und wollen sie verschlingen!

Wo in der Welt wohnen die Asen - und wo wohnen wir?

Midgard nannten sie die Wohnstätte der Menschen, da sie mitten in der Welt liegt.

Und im Zentrum von Midgard bauten die Götter damit die Menschen sich nicht allein und verlassen fühlen sollten für sich selbst einen gewaltigen Wohnsitz: Asgard eine mächtige Götterburg, beschützt von dicken Mauern. Um dorthin zu gelangen, muss man über den Regenbogen reiten eine Brücke aus loderndem Feuer.

Auch um Midgard herum wurde ein Schutzwall angelegt - denn draußen, im Wilden und Unbekannten, herrschen Dunkelheit und unheimliche Kräfte. Hier in Utgard und Riesenheim (Jötunheim) wohnen Riesen (Jöten) und Trolle. So hat alles seine Ordnung wie die Jahresringe eines Baums. Und ganz weit draußen an allen Kanten wogt das große Weltmeer.

Aber gibt es nicht auch Zwerge und Elfen auf der Welt?

Und ob! Auch Zwerge und Elfen haben ihre Wohnstätte.

Die Zwerge hausen gewöhnlich in Felswänden und zwischen Felsblöcken, häufig auch im Innern der Erde. An versteckten Orten in Midgard und Utgard. Sie sind tüchtige Schmiede, wobei man ihnen jedoch nie ganz trauen kann...

Die Elfen demgegenüber sind sowohl Göttern als Menschen freundlich gesinnt. Alfenheim wird ihr Land genannt. Einige meinen, Alfenheim liege innerhalb der Mauern von Asgard; andere meinen, es sei in Midgard zu finden.

Über Zwerge und Elfen herrscht große Unsicherheit. Einige meinen sogar, sie gehören zu ein und demselben Geschlecht und sollten "Lichtalfen" und "Schwarzalfen" genannt werden.

Hat die Welt ein Zentrum?

Mitten in Midgard liegt Asgard - und mitten in Asgard haben die Götter einen "Hofbaum" gepflanzt, eine riesige Esche, genannt Yggdrasil. Eine ihrer Wurzeln liegt in Asgard, eine weitere in Riesenheim und eine dritte in Niflheim. Ihre Zweige ragen so weit, dass sie die ganze Welt überschatten. Yggdrasil ist das Zentrum der Welt  und solange der Baum grün ist und fruchtbar und neue Triebe trägt so lange wird die Welt bestehen.

Wie heißen die wichtigsten Götter?

Odin ist der wichtigste unter den Asen. Er ist weise und des Zauberns mächtig; er ist der König der Götter. Der Mittwoch ist sein Tag (norw. onsdag - Odins Tag).

Seine Frau heißt Frigg, und ihr Tag ist der Freitag (norw. fredag - Friggs Tag).

Sein Pferd heißt Sleipnir. Es hat acht Beine.

Odin besitzt zwei Raben - Huginn und Muninn. Jeden Morgen fliegen sie über die Welt, um zu sehen und zu hören, und am Abend kommen sie heim, um Odin alle Neuigkeiten zuzutragen.

Odins Sohn Thor ist der zweit mächtigste der Götter. Der Donnerstag (norw. torsdag  Thors Tag) ist sein Tag. Thor ist stark und hitzig - und geht nie der Möglichkeit aus dem Weg, mit Riesen oder Trollen einen Kampf auszufechten. Sein Hammer Mjöllnir  ist die gefährlichste Waffe im Himmel und auf Erden. Thor kann ihn so klein oder so groß machen, wie es ihm gefällt. Wirft er den Hammer, trifft dieser alles, was der Gott anvisiert und  kehrt immer in seine Hand zurück. Wenn Thor sich auf Reisen begibt, spannt er Böcke statt Pferde vor seinen Wagen. Selbst wenn die Böcke am Abend geschlachtet werden, sind sie am nächsten Morgen wieder quicklebendig  vorausgesetzt, man achtet genau darauf, beim Essen keinen einzigen ihrer Knochen zu brechen und alle Reste zu sammeln und sie nach Beendigung der Mahlzeit wieder fein säuberlich in ihr Fell zurückzulegen.

Wenn Thors Wagen am Firmament entlangfährt, haben wir Gewitter  (Thor = Donar = Donner).

Jeder, der in Herzensangelegenheiten Rat und Trost sucht, wendet sich an Freyja, aber sie kann nicht helfen, hat die Liebesgöttin selbst doch einen für Zeit und Ewigkeit währenden Liebeskummer

Freyjas Bruder heißt Frey. Der Name bedeutet "der Herr" oder "der Vornehmste". Er ist der Gott der Fruchtbarkeit. Frey besitzt den phantastischen Eber mit den goldenen Borsten, Gullinborsti - das Schwein, das sich zu Lande, zu Wasser und in der Luft gleich gut bewegen kann! Und er besitzt das magische Schiff Skidbladnir, das immer nur in achterlichem Wind segelt und das man nach Verwendung wie ein Tischtuch zusammenfalten und in einen Beutel stecken kann.

Odin hat viele Söhne. Es hat keinen Sinn, sie alle zu nennen. An Heimdall kommen wir jedoch nicht vorbei. Er wurde vor Urzeiten auf wunderbare Weise von neun (!) Riesen-Mädchen geboren und ist der Wächter der Götter. Er wohnt am Himmelsberg und bewacht die nach Asgard führende Regenbogenbrücke Bifröst. Heimdall braucht weniger Schlaf als ein Vogel; er sieht nachts ebenso gut wie am Tage und kann das Gras wachsen hören... Heimdall besitzt das Horn Gjallarhorn, in das er am letzten Tag blasen soll, um die Asen zum letzten großen Kampf gegen Trolle und dunkle Mächte zu den Waffen zu rufen.

Balder ist der Sohn von Odin und Frigg. Er ist bekannt für seine Freundlichkeit, Milde und Klugheit. Balder hat schlechte Träume und fürchtet sich davor, zu sterben; aber dank seiner Mutter die mächtigste aller Göttinnen von Asgard schwören alle belebten Wesen und unbelebten Dinge, dass sie ihm niemals etwas antun werden. Der Intrigant Loki jedoch stachelt mit List den blinden Höd dazu an, Balder zu erschießen. Die Asen senden berittene Boten ins Totenreich, damit sie um Balders Rückkehr bitten. Hel, die Königin des Totenreichs sagt, wenn die ganze Welt um Balder weine, solle er wieder lebendig werden. Und alle Dinge und alle Wesen selbst Steine und Bäume versuchen (vergeblich), den Toten ins Leben zurückzuweinen.

Wer sind die Feinde der Götter und dabei Feinde der Menschen?

Man kann sie Trolle und Riesen (Jöten) nennen. Sie wohnen in Utgard und Riesenheim (Jötunheim) - in der Einöde und im rauen Gebirge. Sie sind die Chaoskräfte, häufig große und starke Kerle. Der einzige unter den Asen, der ihnen wirklich gewachsen ist, ist der Donnergott Thor.

Die Riesen aber sind wie niemand sonst der Zauberkünste mächtig. Einmal zum Beispiel schufen sie aus Lehm einen mächtigen Raufbold ein künstliches lebendes Wesen mit furchterregendem Aussehen neunzig Meilen groß und mit dreißig Meilen Brustumfang!

Die Jötun-Frauen werden Riesinnen genannt. Ihre Reittiere sind Wölfe, deren Zaumzeug aus Kreuzottern besteht. Sie können hässlich sein wie die Nacht und echte Monstren, aber sie können auch unglaublich schön sein... und so herrlich, dass selbst Odin sich mehr als einmal zur Brautwerbung und wilden Liebesabenteuern hat verlocken lassen.

Eigentlich aber sind wohl Loki und seine Kinder weit gefährlicher?

Loki ist der Unruhestifter und Intrigant. Ursprünglich ein Riese, hat er jedoch in jungen Jahren sein Blut mit dem Odins vermischt und wurde deshalb in den Kreis der Asen aufgenommen.

Loki ist ein Spaßvogel, mit dem es am Ende jedoch aus und vorbei ist. Er verrät die Asen und ist die Ursache für Balders Tod. Dafür wird er bestraft, indem er gefesselt wird - mit einer Schlange über sich, die giftigen und ätzenden Eiter auf sein Gesicht tröpfelt. Seine Frau Sigyn demgegenüber ist treu. Geduldig steht sie neben ihm, eine große Schüssel haltend, die den tödlichen Eiter auffangen soll. Ab und zu aber muss sie sich entfernen, um die Schüssel zu leeren. Dann tropft der Eiter direkt auf Lokis Gesicht, und er schüttelt den Kopf so stark, dass die ganze Erde bebt. Das ist es, was man Erdbeben nennt.

Loki hat Kinder in Asgard. Außerdem aber hat er andere und dabei seltsamere Sprösslinge. Mit der Riesin Angrboda ist er Vater des Fenriswolfs, der Midgardschlange Jörmundgand und der Hel, der Göttin des Totenreichs. Und mit dem Hengst Swadilfari wurde er Mutter (!) des Pferdes Sleipnir.

Der Fenriswolf ist ein regelrechtes Monstrum von einem Wolf. Er wuchs in Asgard auf, wurde aber sehr bald riesengroß, wild und wahnsinnig, so dass nur der Gott Tyr es wagte, ihm Futter zu geben. Den Asen gelang es, die Zwerge zu beauftragen, gleichsam in Maßarbeit eine Fessel herzustellen, wobei sechs Bestandteile Verwendung finden sollten: der Schall des Katzentritts, der Bart der Frauen, die Wurzeln der Berge, die Sehnen der Bären, der Atem der Fische und der Speichel der Vögel (deshalb haben die Katzentritte keinen Schall mehr, die Frauen keinen Bart usw.). Und mit List gelang es ihnen, den Wolf so fest zu fesseln, dass er sich kaum rühren konnte, und es wurde ihm ein Schwert in den Rachen geklemmt, so dass er nur bewegungslos dasteht mit weit geöffnetem Rachen, ohne zubeißen zu können. Erst am Weltenende wird er sich endlich losreißen...

Das zweite Kind, das Loki mit der Riesen-Frau Angrboda bekam, war eine Schlange. Die Asen warfen sie ins Meer, wo sie mit der Zeit so unbeschreiblich groß wurde, dass man sie von da an Midgardschlange nannte da sie die ganze Menschenwelt umgibt und sich selbst in den Schwanz beißt.

Dennoch fragt es sich, ob nicht das letzte der drei Kinder von Loki und Angrboda Asen und Menschen den größten Kummer bereitet hat. Es handelt sich um ein unheimliches Mädchen  halb weiß, halb blauschwarz. Sie wurde aus Asgard verwiesen und ließ sich hoch im Norden nieder. Hier schuf sie ein unterirdisches Totenreich  eine graue, kalte, feuchte Welt. Hel heißt sie, und Hel ist auch der Name ihres Königinnen/Totenreichs. Nach Hel kommen alle, die an Krankheit oder Altersschwäche sterben. Hier "leben" sie ein geborgenes "Schattendasein". Die Todeskönigin selbst erinnert an einen Kadaver, und all ihr Hab und Gut trägt Namen, die an das kalte "Leben" im Grab denken lassen. Wenn man in alten Zeiten meinte, "Wiedergänger" gingen um, hieß es häufig: "Die Pforte zur Hel (Hölle) ist offen." Am letzten Tag werden Hel und ihr Heer von Toten gegen die Asen kämpfen.

Können wir nach dem Tod auch an andere Orte kommen?

Diejenigen, die sich auf dem Schlachtfeld tapfer schlagen, kommen nach dem Tod zu Odin oder Freyja. Walküren oder "Kampfjungfrauen" werden die mit Brünnen bekleideten Frauen genannt, die der Götterkönig entsendet, um solche gefallenen Helden zu holen. Die Walküren sind bewaffnet und können durch die Luft reiten. In Asgard teilen Odin und Freyja den Kriegerhaufen unter sich auf. Die eine Hälfte kommt zu Odin nach Walhall und die andere Hälfte zu Freyja nach Volkwang.

Über das Dasein in Walhall aber gibt es viele Berichte. Auf dem Festungswall dieser riesigen "Soldatenkaserne" dürfen die Helden sich den ganzen Tag lang nach Lust und Laune schlagen, und es spielt keine Rolle, ob sie einen Arm oder zwei verlieren, denn am Abend erheben sie sich wieder unversehrt und im Besitz aller ihrer Glieder. Als Freunde und in gütlichem Einvernehmen ziehen sie in den mächtigen Festsaal ein, wo schöne Walküren ihnen Met einschenken und gekochtes Schwein servieren. Und das Schwein selbst, das sie verzehren, ist ziemlich einmalig. Sährimnir heißt es. Jeden Tag wird es geschlachtet und verspeist, aber am Abend ist es wieder quicklebendig.

Wie wird die Welt enden?

Gegen Ende der Zeit werden Mangel und Unfrieden herrschen.

Diese Zeit nennt sich Ragnarok oder "Weltuntergang" "Götterdämmerung" - das heißt, "die Zeit, in der sich alle Mächte auflösen".

Danach werden drei Jahre kommen, die nur ein einziger langer Winter sind, genannt Fimbul. Gebirge stürzen ein, und alle Fesseln werden reißen. Anschließend werden die Himmel-Wölfe Sonne und Mond verschlingen. Dabei wird auch der Fenriswolf endlich loskommen. Er wird mit weit aufgesperrtem Rachen durch die ganze Welt laufen. Dabei berührt sein Unterkiefer die Erde, sein Oberkiefer den Himmel. In seinen Augen brennt Feuer, und aus seinen Nasenlöchern züngeln Flammen. Auch Loki wird freikommen. Er wird ein unheimliches Schiff auftakeln, Naglfar, das Schiff, das aus den ungeschnittenen Nägeln toter Menschen gebaut ist. Mit zerfetzten Segeln und einer Besatzung aus verwesten Leichen wird Loki mit diesem Schiff das Totenreich seiner Tochter verlassen. Und die Midgardschlange wird sich aufs Land wälzen. Sie wird sich über Felder und Wiesen vorwärtsschlängeln. Im Süden birst der Himmel. Und aus Muspellsheim kommt ein gewaltiges Heer von glänzenden Reitern. Sie tragen Flammenschwerter in ihren Händen. Überall da, wo sie heranstürmen, wird alles in Brand gesetzt. Und die große Regenbogenbrücke stürzt ein unter ihrem Gewicht. An der Stelle, die Wigrid-Wall heißt (hundert Meilen breit und hundert Meilen lang) wird die letzte entscheidende und blutige Schlacht stattfinden. Odin wird vom Fenriswolf verschlungen. Thor und die Midgardschlange bringen einander um. Heimdall und Loki ebenso. Die ganze Welt brennt. Selbst Yggdrasil  der große Weltenbaum steht in Flammen. Wenn der Feuersturm sich ausgetobt hat, ist die ganze Welt eine qualmende Brandstätte. Die verbrannten Reste versinken im Meer und verschwinden.

Und das ist das Ende?

Nein. Aus dem Meer wird sich eine neue Erde erheben, grün und wunderbar. Fruchtbar wie ein Traum. Mit Feldern, die ungesät Früchte tragen. Mit Fisch und Wild im Überfluss. Niemand soll mehr hungern. Denn siehe! Die Sonne hat eine Tochter geboren. Alles Übel hat ein Ende genommen! Die Erde ist reingewaschen. Ein neues Leben kann beginnen! Asgard ist verschwunden. Die alte Götterburg ist dem Erdboden gleichgemacht. Trotzdem versuchen sie, hierher zurückzukommen die Asen, die im letzten großen Kampf nicht fielen.

Es gibt also Überlebende?

Die Zufälligen, diejenigen, die die Erde erben sollen.

Ein einziges Menschenpaar hat überlebt. Sie heißen Liv und Livtrase. Sie suchten Zuflucht an einem Ort, an dem der Feuersturm vorbeiraste, ohne sie aufzuspüren. Und das Meer gab sie lebend zurück. Lange Zeit hatten sie sich nur vom Morgentau genährt. Von diesen beiden wird ein neues Menschengeschlecht kommen...

5. Das "verborgene Volk" - von Elfen, Trollen und Riesen

Aus der heidnischen Zeit hat bis heute der Glaube an das sog. "verborgene Volk" nicht nur überlebt, sondern das kulturelle Leben der Isländer nachhaltig beeinflusst. Wahrscheinlich liegen in dem Angesicht einer ebenso überwältigend schönen wie furchteinflößenden, urgewaltigen Natur zwischen tausend Grüntönen und grotesken Lavagesteinen die Wurzeln für den Glauben an übernatürliche Wesen, den über die Hälfte der Isländer nach wie vor teilt.

Für die rund 270.000 Einwohner der Insel schließen sich Kirchgang und Rücksichtnahme auf Elfen ("álfar"), die in manchem für uns unscheinbar wirkenden Stein am Wegesrand hausen, nicht aus. Während die Kirche den scheinbar harmlosen Aberglauben belächelt, belächeln wiederum manche Isländer die Kirche, deren Lehre für Troll- und Elfengläubige fremdartig bzw. unnatürlich bleibt.

Nach dem offiziellen Handbuch der isländischen Trolle, dem "Vae Hartal" haben rund 40 Prozent der Befragten schon mit Toten Kontakt gehabt. Gestorbene Menschen, die nach ihrem Tod keine Ruhe finden, treiben als "Afturganga" (Wiedergänger) ihr schreckliches Unwesen und töten andere Menschen oder verschleppen sie der Sage nach durch offene Gräber in die Hölle. Die Geister verraten sich allerdings dadurch, dass sie sich ständig wiederholen und dass sie nicht den Namen Gottes, "Gud", aussprechen können. Wie der volkskundliche Atlas "Vae Hartal" informiert, treiben neben Trollen und Afturganga auch hunderte von "Guhlen", leichenfressenden Dämonen, ihr Unwesen.

Mit dem Bewusstsein, dass die meist unsichtbaren Mitbewohner der Insel rücksichtslosen Raubbau an der Natur vergelten können, bemühen sich die Isländer um ein freundliches Auskommen mit ihren übernatürlichen Nachbarn.

Dem Glauben an Elfen, Feen, Trollen, Gnome und "Huldufolks" wird selbst von offizieller Seite Rechnung getragen: Erla Stefánsdóttier hat als Elfenbeauftragte Islands die Wesen kategorisiert und ihre Wohnsitze und Wege in einer "Landkarte der verborgenen Welt" markiert. Um Konflikten mit dem meist unsichtbaren Volk aus dem Weg zu gehen, wird Stefánsdóttier bei Bauvorhaben von offizieller und privater Seite zu Rate gezogen. So ist es keine Seltenheit, dass eine schon geplante Straße in ihrer Wegführung bei Besichtigung des Geländes noch einmal in ihrem Verlauf neu geplant wird, um nicht die Wohnsitze von Elfen oder Feen zu zerstören. Wege, auf denen mehrere Unfälle passierten, hinter denen man die verborgenen Wesen vermutete, wurden in ihrem Verlauf noch einmal geändert.


Nach Erla Stefánsdóttier gibt es in Island heute noch zahlreiche Energielinien, wie sie auch in China oder bei den australischen Aborigines bekannt sind. Diese Linien treten in unterschiedlichen Farbtönen auf und erstrecken sich über weite Landstriche. Berggeister senden blitzende Energielinien in tiefen Farben aus. Blaue Linien, die von Steinhaufen in eine Richtung weisen, markieren alte Pfade, die heute überwuchert sind. "Wenn wir uns selbst in einen harmonischen Zustand versetzen und für einen Moment eine Pause von der Hektik des modernen Lebens einlegen wollen, dann müssen wir versuchen, die Tür zu unseren Seelen zu öffnen und die universelle Kraft des Lebens (...) betrachten, das Bewusstsein, welches in allen Dingen ruht." Dann, so Stefánsdóttier, würde der Mensch sich "mit allen lebenden und natürlichen Wesen in Einklang befinden und Energie, Licht und Freude für sein Leben gewinnen."

Auch wenn scheinbar die Hälfte aller Isländer das verborgene Volk achtet, so glauben nach Arni Björnsson, einem einheimischen Volkskundler und Elfenkenner, nur wenige an die tatsächliche Existenz. "Die meisten von uns sind nicht wirklich davon überzeugt, dass es sie gibt, andererseits wollen wir die Möglichkeit ihrer Existenz nicht leugnen. Eigentlich ist es eine Art Skepsis. Wir leben in einem höchst unberechenbaren Land - was heute Gras und Wiese ist, kann morgen Lava und Asche sein. Daraus haben wir gelernt, uns nicht zu sehr auf den Augenschein zu verlassen.

Elfen

Die Elfen treten in sehr unterschiedlichen Gestalten und Größen auf, einige von ihnen sind lang und dünn, andere wiederum machen einen wohlgenährten Eindruck und sind von kleiner Statur.

Elfen-Genesis

Einmal kam Gott der Allmächtige zu Adam und Eva. Sie begrüßten ihn herzlich und zeigten ihm alles, was sie in ihrem Haus hatten. Sie zeigten ihm auch ihre Kinder und er fand sie sehr vielversprechend. Er fragte Eva, ob sie nicht mehr Kinder hätten als die, die sie ihm gezeigt hatte. Sie sagte nein. Es war aber so, dass Eva einige der Kinder noch nicht gewaschen hatte und sich deshalb schämte und nicht wollte, dass Gott sie sähe, und aus dem Grund versteckte sie sie. Das wusste Gott und er sagte: "Was vor mir verborgen wird, soll den Menschen verborgen sein." Diese Kinder wurden jetzt unsichtbar für die Menschen und wohnten in Bergen und Hügeln, Felsen und Steinen. Von ihnen stammen die Elfen ab, die Menschen aber stammen von den Kindern Evas ab, die sie Gott zeigte. Die Menschen können nie die Elfen sehen, es sei denn, diese wollen es selber, denn sie können die Menschen sehen und sich den Menschen sichtbar machen.

Trolle

Trolle sind riesenhafte, den Menschen in der Regel feindlich gesinnte Kreaturen, die unterirdischen hausen. Sie haben eine lederähnliche Haut und ihre Bewegungen sind plump und schwerfällig. Sie verfügen zudem über geringe magische Fähigkeiten, ihre Sprache ist sehr rau und auf einfache Worte beschränkt. Da Trolle manchmal auch Menschenfleischessen, entführen sie gerne Reisende, die sich nach Einbruch der Dunkelheit in die Nähe ihrer Behausungen wagen. Tagsüber ist gegen eine Wanderung in den Bergen jedoch nichts einzuwenden. Sie sind düstere Wesen der Nacht und hassen das Sonnenlicht. Sie setzen sich ihm niemals freiwillig aus, da sie die besondere Eigenart haben, bei Kontakt damit, zu versteinern. Sollte man tatsächlich in die Gewalt eines Trolls geraten, muss man diesen lediglich hinhalten, bis die Sonne aufgeht. Dann lockt man ihn aus seiner Höhle, sobald er zu Stein erstarrt ist, steht einererfolgreichen Flucht nichts mehr im Wege.

Die isländische Landschaft ist regelrecht übersät mit unvorsichtigen Trollen, die über ihrem Treiben die Zeit vergessen haben. Besonders beeindruckend ist die große Trollkuh Hvitserkur, die beim Trinken an der Nordküste Islands vom Tageslicht überrascht wurde.

Wiedergänger (Afturganga)

Dies sind besonders unangenehme Zeitgenossen unter den Geistern.

Es handelt sich um Tote, die aus den verschiedensten Gründen keine Ruhe finden und ihr Unwesen treiben. Sie töten oft Menschen oder verschleppen Sie durch offene Gräber in

die Hölle. Oft treten Menschen schon als Afturganga in Erscheinung, wenn ihr Tod noch gar

nicht bekannt ist. Zum Glück für die Isländer gibt es verschiedene Erkennungszeichen, die einen Afturganga verraten.

Ein schönes Beispiel ist die Geschichte vom Knecht Sigurd und der Magd Gudrun. Gudrun erkennt den Afturganga  Sigurd an zwei Hinweisen. Geister wiederholen sich ständig und sie können den Namen "Gott" nicht aussprechen. "Gud" bedeutet aber im isländischen "Gott" und deshalb konnte das Gespenst in der Geschichte Gudruns Namen nicht aussprechen und musste sich mit "Garun" behelfen.

Zwerge

Als schwer einschätzbar gelten die isländischen Zwerge ("dvergar"), die ungefähr so groß werden wie drei bis fünf Jahre alte Kinder. Ihnen wird eine farbenreiche Aura und manchen ein temperamentvolles Wesen nachgesagt, doch während einige von ihnen durchaus freundliche Umgangsformen pflegen, gelten andere wiederum als unhöflich oder kühl.
Die Nachtzwerge entstanden aus Maden im verwesenden Fleisch des erschlagenen Riesen Ymir. Die Götter fanden sie jedoch zu hässlich, um gesehen zu werden, und verbannten sie zu einem Leben unter der Erde. Sie verwandelten sich wie die Riesen bei Tageslicht zu Stein, was die vielen kleineren Felsen und Steine erklärt, die überall in der nordischen Landschaft zu finden sind.

Die Fels-und Sturmriesen personifizierten die riesigen Gebirge und Gewitterwolken. Da sie an Dunst und Nebel gewöhnt waren, verwandelten sie sich wie die Zwerge in Stein, wenn sie hellem Tageslicht ausgesetzt wurden. Dies erklärt die Entstehung von fantastischen Felsformationen, wie z.b. dem  Riesengebirge, das aus Riesen geformt wurde, die so dumm waren, sich bei Sonnenaufgang im Freien aufzuhalten.

6. Legenden und ihre Schauplätze

6.1. Reykjanes

Die Standortwahl Reykjaviks

Ingolfur Arnason, der erste isländische Siedler, seinen Hochsitz als traditionelles Symbol der heimischen Parzelle mitgebracht. Nach Wikingerbrauch warf er die Säulen des Hochsitzes über Bord. Wo sie an Land trieben, sollte er nach dem Willen der Götter leben. Nach über drei Jahren fanden seine Sklaven die Säulen an der Küste der heutigen isländischen Hauptstadt.

Die Elfenschule in Reykjavik

Seit 1994 gibt es hier eine Elfenschule, in der man das wichtigste über Elfen und das "verborgene Volk" in 4 Stunden erlernen kann. Im Anschluss erhält man ein "Diplom".

Hafnarfjörður: Stadt der Elfen

Nach Ansicht vieler ist die Lava in und um Hafnarfjörður voller Leben. Seit jeher glaubt man daran, dass in diesen Felsen Elfen wohnen, Zwerge und andere verborgene Wesen, die in friedlicher Gemeinschaft mit den Menschen leben. Viele sind davon überzeugt, jene weißgekleidete Frau mit dem Silbergürtel gesehen oder gespürt zu haben, die im Elfenschloss Hamarinn leben soll, dem felsigen Hügel, der die Stadt überragt. Eine Frau, die lange dort in der Nähe wohnte, träumte davon, dass sie in diesen Felsen eingeladen wurde. Die weißgekleidete Frau führte sie durch die herrlichen Säle des Schlosses. Bei ihrem Gang durch diese Räumlichkeiten sah die Frau viele eigenartig und bunt angezogene Leute, die sich vor der Elfenfrau verneigten. Dieser Traum spricht für die Theorie, dass dort Elfen aus königlichem Geschlecht wohnen.
Es gibt viele Beispiele dafür, dass in Island Straßen verlegt wurden, weil dort wiederholt Unfälle passierten, von denen man glaubte, sie seien das Werk unsichtbarer Wesen, die gegen die Lage der Straße protestierten. In Hafnarfjörður verengt sich die Merkurgata an einem bis auf die Straße hinausragenden Elfenfelsen. Es gibt sogar einen Stadtplan der verborgenen Welt in Hafnarfjörður, auf der die Wohnorte der unsichtbaren Wesen eingezeichnet sind. Er wurde den Hinweisen der mit seherischen Fähigkeiten begabten Erla Stefánsdóttir erstellt. Dort heißt es:
"Hafnarfjörður ist die Stadt der Menschen und der Verborgenen Wesen. Sobald man die Verborgenen Wesen wahrnimmt, die in jedem Vorgarten hausen, wird die Lava auf ganz besondere Art lebendig."
Die Karte über die Verborgenen Welten Von Hafnarfjörður ist in den Informationszentren von Hafnarfjörður und Reykjavík erhältlich.

zwischen Rejkjavík und Kópavogur

Die "Alfholsvegur" ("Elfenhügelstraße") zwischen Rejkjavík und Kópavogur führt tatsächlich um einen Hügel herum, in dem angeblich Elfen hausen. In der Stadt Grundafjördur steht an der Hauptstraße zwischen den Häusern Nr. 82 und Nr. 86 ein Felsen: Nr. 84 wird von Elfen bewohnt.

6.2. Der Südwesten

Hveragerdi

Nördlich der Stadt sprudeln die heißen Quellen von Grýla, benannt nach einer Trollfrau mit Heißhunger auf kleine Kinder.

Thingvellir

1. Auswahl des Thingplatzes und "Axtfluß"

Der Legende nach lebte auf dem Hengill (Berg südl. des Thingvallavatn) in der Nähe von Nesja  eine böse Riesin, Jorunn. Die Felsenschlucht bei Nesja heißt noch heute Jorukleif (Joru-Schlucht), weil die Riesin dort gerne auf Reisende lauerte, um sie auszurauben und zu töten. Nach vielen erfolglosen Versuchen Joru zu töten fand sich ein junger Mann, der als Seemann nach Norwegen kam und dort den König um Rat fragte. Dieser gab dem Mann eine Axt und sagte:" Zu Pfingsten - denn da schläft jeder Riese - sollst du der Riesin diese Axt zwischen die Schulterblätter schlagen. Joru wird in den See hinunterrollen. Die Schneide der Axt wird dann in dem Fluss angeschwemmt werden, der nach ihr benannt werden wird (Öxara, Axtfluß), dort werden die Isländer später ihren Thingplatz wählen.

(Jora in der Jorukleif)

Öxara

Früher glaubten die Leute der Fluss würde in jedem Jahr für eine Stunde (gegen Mitternacht in der Neujahrsnacht) zu Wein. Wenn es im Frühjahr allerdings viele Tote auf dem Althing geben wird, so wird die Oxara zu Blut.

Berg Hestfjall

Der Volkssage nach führt durch den Berg Hestfjall ein langer Höhlengang, der gänzlich von einem riesigen Lindwurm ausgefüllt wird. Hin und wieder verlässt er den Berg woraufhin die den Berg umrundende Hvita ihr Flussbett links liegenläßt und durch den Berg fließen soll. Dann trocknet die Gegend südlich des Hestfjalls aus.

Hekla

Der Hekla ist kein klassischer Vulkankegel, sondern Teil einer Bergkette, über der meist eine dichte Wolkendecke liegt (Hekla=verhüllt). Der Hekla galt im mittelalterlichen Europa als einer der beiden Eingänge zur Hölle. Letzter Ausbruch 1991.

Beim Ausbruch 1510 wurde ein Mann in Skalholt 45 km von der Ausbruchsstelle von einem Felsbrocken erschlagen.

Saemundur der Gelehrte versprach einst einer Hexe in Sachsen die Ehe, was er jedoch nicht einhielt. Um sich zu rächen schickte die Hexe ihm ein vergoldetes Kästchen nach Island. Da Saemundur aber die Absicht der Hexe ahnte, ritt er mit dem Kästchen auf den Gipfel der Hekla und warf es dort in eine Felsspalte, und es heißt, von dort habe das Feuer der Hekla seinen Ursprung.

Gullfoss

Am Anfang des Fußweges zum Wasserfall steht ein Gedenkstein für die Bauerntochter Sigridur Tomasdottir. Im Jahr 1907 verhinderte diese hier den Bau eines Wasserkraftwerks.

Oddi

War die Heimat von Islands gelehrtesten Sagaverfassern. Saemundur der Gelehrte lebte hier und auch Snorri Sturluson verbrachte viel Zeit hier.

Der Legende nach fiel ein riesiger Speer vom Himmel und bohrte sich dort in die Erde, wo heute Oddis Kirche Steht. Saemundur, der gerade in Paris die "Schule der schwarzen Magie" absolviert hatte, erfuhr, dass die Pfarrei Oddi vakant war und dem zugesprochen werden sollte, der am schnellsten dorthin gelangen konnte. Saemundur bot daraufhin dem Teufel seine Seele an, wenn dieser ihn trockenen Fußes nach Island zurück bringe. Der Satan verwandelte sich in eine riesige Seerobbe und durchschwamm mit Saemundur auf dem Rücken den Atlantik. Als sie in Reichweite der Küste kamen, schlug ihm Saemundur ein Gebetbuch über den Schädel, schwamm zur Küste und behielt, weil er durchnässt war, seine Seele.

Vor der Uni in Reykjavik steht die Skulptur "Saemundur auf dem Seehundsrücken".

Njáls Saga, In der Region um Oddi spielt diese wohl berühmteste isländische Saga.

Die Katla im Mýrdalsjökull

Katla heißt übersetzt eigentlich Kessel doch die Legende weiß anderes zu berichten: In der Nähe des Vulkans lebte ein Mädchen namens Katla, die Hosen besaß indenen man des Laufens niemals müde wurde. Als ein junger Hirte eines Tages nicht alle seine Schafe wiederfand, beschloss er um dem Zorn seines Herren zu entgehen diese Hose zu stehlen und so seine Schafe wiederzufinden. Katla bemerkte die Sache jedoch und tötete den Hirten. Ihre Tat wurde jedoch entdeckt und so floh sie in ihren Hosen, rannte in den Krater und wurde nie mehr gesehen. Man spürt ihre Kräfte noch, wenn sie Feuer und Eiswasser über das Land ausschüttet.

Skógafoss

Thrasi, der erste Siedler dieser Gegend lagerte seinerzeit eine Kiste mit Gold hinter dem Wasserfall. Lange Zeit später erschien Thrasi einer schwangeren Frau in Skogar und gab ihr den Auftrag ihr Kind Thrasi zu nennen und es 12 Jahre nur mit Schafs- und Pferdemilch zu ernähren. Nach Ablauf der 12 Jahre würde das Kind dann den Schatz erhalten. Es kam jedoch, dass das Kind etwas zu früh erschien, um den Schatz zu holen und bekam nur den goldenen Ring der Truhe zu fassen. Die Kiste aber liegt heute noch hinter dem Fall. Der Ring liegt im Heimatmuseum.

6.3. Der Südosten

Kirkjubaejarklaustur (kurz:Kirkja)

Gild als das Tor zum Süden. Es wurde zunächst von Irischen Mönchen besiedelt. Als diese vor den Wikingern flohen belegten sie den Ort mit einem Fluch, damit kein Nichtgläubiger hier leben sollte. Tatsächlich soll der Wikinger Hildir Eysteinsson beim Anblick seines künftigen Wohnsitzes tot umgefallen sein.            siehe auch "Das Kloster" S. 96 ,in:  Sagen und Märchen aus Island

Bjarnanes (nahe Höfn)

Eine Farm, von der eine Trollfrau namens Ketillaug einen goldenen Kessel zu dem vielfarbigen Schwemmkegel Ketillaugarfjall hinaufgetragen haben soll. An einem bestimmten Tag im Jahr können die Menschen versuchen ihr den Kessel wieder zu entwinden, werden dabei jedoch von Halluzinationen heimgesucht. Dann sehen sie die unterhalb liegende Farm in Flammen stehen und kehren zurück , um Alarm zu schlagen

6.4. Die Halbinsel Snaefellsnes

Borganes (Borg)

In der Nähe von Borganes liegt der kleine Ort Borg, der Platz, wo der Sagahelt Egill Skallagrímsson im 10. Jh. Lebte. In Borg steht auch die gleichnamige Skulptur von Egill.    

Reykjaholt

Hier lebte Egills Nachfahre Snorri Sturluson. Sein Hof existiert nicht mehr aber ein Heißwasserbecken, in dem er gebadet haben soll, ist erhalten.

Kerlingarskard (K.-Pass  311m)

Hier gibt es viele Erzählungen von Geistererscheinungen. U. a. berichten Reisende beim Überqueren des Passes von dem schaurigen Gefühl einen "unsichtbaren Passagier" im Auto zu haben.

Dritvík

An der Küste von Dritvík nach Djúpalón liegen seit Urzeiten vier Steine, die die Starken von den Schwachen trennen sollen. Wer Bootsmann in Dritvík werden wollte, musste zumindest den 140 kg Stein heben können.

Helgafell (heiliger Berg)

Einer Legende zufolge werden dem, der dem Helgafell besteigt drei Wünsche erfüllt - allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Man darf auf dem Weg nicht zurückschauen und nicht reden; der Wunsch muss nach Osten gewendet werden und geheim bleiben

Laugar

Hier ist das Laxadalur (Lachsflußtal), ein Sagaland, indem fast jeder Ortsname Assoziationen wachruft. Im Tal Haukadalur (südlich) liegt der Hof Eriksstadir, wo Leifur Eriksson (Entdecker Amerikas) geboren wurde.

Laxdaela Saga, Die Geschichte von den Leuten aus dem Lachswassertal

Erics Saga, Die Geschichte von Eric dem Roten

am Fuße des Snaefellsjökulls

Erreichen die Trolle ihre unterirdischen Behausungen nicht vor Tagesanbruch, werden sie von der Sonne an Ort und Stelle zu Stein verwandelt. Dieses Schicksal ereilte zahlreiche Trolle, darunter eine riesenhafte Erscheinung, die heute noch am Fuße des Snaefellsjökulls steht. Bei Jules Vernes ist der Snaefelsjökull der Eingang zum Mittelpunkt der Erde.

6.5. Die Westfjorde

zwischen Gilsfjördur und Bitrufjördur

Der Übergang, der die Westfjorde mit dem Rest Islands verbindet ist an einem Punkt nur 7 km breit (zwischen Gilsfjördur und Bitrufjördur). Der Volkssage nach haben Trolle hier beschlossen einen Kanal zu graben, und wetteiferten darin mit dem Aushubmaterial so viele Inseln wie möglich zu schaffen. Der Troll im Westteil hatte Glück und legte in den seichten Gewässern des Breidafjords Hunderte von Inseln an. Wegen tieferer Gewässer war der Troll im Norden nicht so erfolgreich, riss vor Wut einen großen Brocken aus einem Berg am Steingrimsfjördur und warf ihn in den Ozean. So entstand die Insel Grímsey.

Thingeyri

Schauplatz der tragischen Ereignisse aus der Saga von Gísli Súrsson. Gísli war wegen eines angeblichen Fememords 13 Jahre auf der Flucht , bevor man ihn aufspürte und niedermetzelte. Seine Gehöfte waren in Hol und Sabol (8km von Thingeri entfernt).          

6.6. Húnaflói und Skagafjördur

Bucht von Húnafjördur

Hier erheben sich im Wasser mehrere ausgewaschene und überflutete Basaltsäulen. Der Sage nach war die erste, die 15 Meter hohe Säule mit Namen Hvítserkur, einst ein Troll, der im Sonnenlicht zu Stein erstarrte. In ihrer Basis ist ein Loch.

Drangey

Diese Insel ist angeblich die Kuh zweier Trolle, die mit ihr bei der Durchquerung des Fjords von der Sonne überrascht wurden und erstarrten.

Die Koexistenz von christlichem und heidnischem Glauben wurzelt in einer Gelassenheit der Isländer, die sich auch in ihren Erzählungen finden lässt. So sagt man dem im Mittelalter lebenden Bischof Gudmundur dem Guten eine tiefe Gemütsruhe nach. Der Geistliche wollte die im Norden liegende Insel Drangey weihen, um die bösen Trolle und Dämonen zu vertreiben, die den Inselbewohnern Schaden zufügten. Als er die Zeremonie beinahe beendet hatte, erklang im Felsen eine Stimme, die Gudmundur bat, auch dem Bösen einen Ort zum Leben zu lassen. Der Überlieferung nach zeigte der Bischof Verständnis für die Bitte der Geister und vollendete die Weihung nicht.
Grettis Saga, Diese Insel war ein Versteck für Geächtete wie dem Sagahelden Grettir dem Starken.

6.7. Akureyri

Kristnes

Der erste Siedler der Region von Eyafjördur war der Norweger Helgi der Magere (er bekam von seinen Stiefeltern zu wenig zu essen). Nach heidnischer Tradition warf auch er die Säulen seines Hochsitzes ins Meer und überließ es Thor den Ort seines Wohnsitzes zu wählen. Um auch den christlichen Gott nicht zu verstimmen nannte er dann sein Gehöft Krisnes (Halbinsel Christi)(7 km südl. von Akureyri).

Akureyri allgemein

Die Wikinger in dieser Region waren friedfertig, was man aus der Tatsache schließen kann, dass sie in den Sagas selten Erwähnung fanden.

Ein isländisches Scherzwort besagt, man könne keinen Bewohner Akureyris kennen lernen, wenn man nicht selbst dort geboren und aufgewachsen sei.

Godafoss (Götterfall)

Thorgei, Gode und Gesetzessprecher entledigte sich hier im Zuge der Christianisierung seiner Götterbilder.

6.8. Der Mývatn

Dimmuborgir (düstere Felsen)

In Dimmuborgir sollen Trolle ihr Unwesen treiben. Dabei handelt es sich um eine bizarre Lavaformation mit vielen kleinen Höhlen und Bögen. Einige besonders bizarre Gebilde tragen auch Namen. So gibt es Kirchen und Burgen. Die einzelnen Namen sind auch ausgeschildert. Das Gebiet ist hervorragend durch Wanderwege erschlossen, sehr einfach über einen Rundweg zu begehen und über Parkplätze an der Seeseite zu erreichen.

Eldhraun (Feuerlava)

Diese Landschaft (nordwestlich von Reykjahlid) lässt an die Mondoberfläche denken. In den 60er Jahren des 20. Jhs. Schickte die NASA die Mannschaft von Apollo 11 zu Trainingseinsätzen hierher.

6.9. Der Nordosten

Canyon von Asbyrgi

Im Zentrum des Nationalparks Jökulsárgljúfur ist der große Canyon von Asbirgi, der an einen gigantischen Hufabdruck erinnert. Die ersten Siedler glaubten der Canyon sei von Sleipnir, dem geflügelten achtfüßigen Pferd Odins, geschaffen wurden, dass hier seinen riesigen Huf in die Erde grub.

Lavafelder entlang der Laxá

Der Knecht eines Wikingers machte sich im Auftrag dessen daran, den Ursprung der Laxá ausfindig zu machen. Überraschend schnell kam er mit der Nachricht zurück, dass der Fluss in einem See entspringt (dem Myvatn). Da der Knecht so schnell zurückgekehrt war, glaubte ihm der Wikinger nicht und bezichtigte ihn der Faulheit. Der beleidigte Knecht wünschte sich aus seinen Fußspuren solle Feuer ausbrechen. Die Krater am See und die Lavafelder entlang der Laxa entstanden.

6.10. Die Ostfjorde

Adalból

Im Jökuldalur zwischen Myvatn und Egilstadir liegt Adalból (südlich, Route 923) und die Schauplätze der Hrafnkels Saga .

Lögurinn

In diesem 100 m tiefen See südlich von Egilstadir soll der Legende nach die Schlange Lagarfljót hausen, sie seit dem 14. Jh. Immer wieder in unterschiedlicher Gestalt als Drache, Schlange, Seehund, Pferd, ja sogar als Haus (!) aufgetaucht sein soll.

Am südlichen Ende des Sees liegt der Hof Hrafnkelstadir, wohin sich Hrafnkel zurückgezogen hatte.

Thóroddsstadir

Auch der Hof Þóroddsstaðir war in der Grettir Saga Schauplatz eines Kampfes zwischen Grettir und Þorbjörn Öxnamegin, der Grettir unterlag und von ihm getötet wurde. Beim Kampf verlor Grettir seine Speerspitze...erst Jahrhunderte später wurde sie im "Speermoor" (Spjótsmýri) wiedergefunden.

Egilsstadir nach Bogafjördur-Eystri

Auf dieser Strasse erinnert ein Holzkreuz daran, dass sie einst von Gespenstern heimgesucht wurde. Ein Geist namens Naddi, sollte für die häufigen tödlichen Unfälle verantwortlich sein.

Bogafjördur-Eystri

Gegenüber der Kirche steht ein kleiner Steinhügel namens Álfaborg (Elfenhügel), in dem Elfen hausen sollen.

6.11. Kjölur

Das Hochland

Der Volksglaube besagt, dass Trolle, Elfen und Unholde im Hochland leben und Reisende mit beginn der Dämmerung verzaubern.

Hveravellir

Hier gibt es heiße Teiche, u.a. einen mit dem Namen Eyvindarhver, der den Namen des Diebes Fjalla-Eyvindur trägt, der im 18. Jh. Gelebt haben soll.

Eyvindur lebte als Sohn Jons und Margrets in Hlid im Arnesbezirk. Später bewirtschaftete er einen Hof in Tradaholt im Floi. Wegen verschiedener Diebereien musste er jedoch von dort weggehen und fortan verließ ihn diese Schwäche nicht mehr. Es heißt er habe einer alten Landstreicherin Käse gestohlen, die ihn dafür mit einem Fluch belegte. Niemehr sollte er aufhören können zu stehlen. Nachdem sie sich eine zeitlang in den Westfjorden niedergelassen hatten, mussten sie auch von dort fliehen (wegen eines Verbrechens seiner Frau) und lebten danach zwanzig Jahre als Gesetzlose im unbesiedelten Hochland.

Zunächst ließen sie sich in Hveravellir nieder, wo Evindur eine Hütte baute und eine Quelle einfasste, die heute noch seinen Namen trägt. In der Quelle kochten sie ihr Essen.

Es heißt Eyvindur sei nie festgenommen worden und konnte sich stets durch schnelles Radschlagen in Sicherheit bringen. Das Paar soll glücklich alt geworden sein.

6.12. Sprengisandur und Landmannalaugar

Sprengisandur

Bei Nebel und Dämmerung machen Elfen und Trolle dieses Hochland unsicher. Von panischer Angst verfolgt "sprengten" die Reiter um ihr Leben.

Torfajökull

Der Torfa-Gletscher ist nach Torfi Jonsson benannt, der zur Pestzeit um 1493 mit seinem gesamten Haushalt auf die Landmannahochweide zog.

6.13. Askja

Herðubreið

Hier, zu Füßen des Herðubreið, gibt es zwei Hütten. Neben den landschaftlichen Reizen und den Wandermöglichkeiten ist ein kleiner Steinhaufen in der Nähe der Hütte interessant. Dort hat sich 1773 - 1774 Evindur (ein Geächteter, siehe Hveravellir) einen Winter lang vor seinen Verfolgern versteckt. Dazu hatte er sich ein Lager in einem Erdloch bereitet, die Vorderseite mit einem Steinwall verschlossen und das Dach aus dem Gerippe seines verendeten Pferdes gedeckt. Ernährt hat er sich von den Überresten des Pferdes und einigen Pflanzen in der Umgebung. Aufgrund der Angst vor seinen Verfolgern hat er es nicht gewagt ein Feuer zu machen. Wochenlang hat er dieses Erdloch nicht verlassen. Wasser erhielt er durch ein kleines Rinnsal, welches durch seinen Unterschlupf floss. Schließlich wurde er doch gefasst und später begnadigt. Deshalb ist diese Begebenheit auch überliefert. Der Geächtete wurde rehabilitiert und gab seine Erlebnisse zu Protokoll. Es grenzt an ein Wunder, dass ein einzelner Mensch, ohne Ausrüstung und Feuer hier in der Einsamkeit überlebte.

Ódádahraun (Lavafeld der Missetäter)

Dieses Lavafeld liegt nördlich des Askja, mit 3000m2 das größte der Welt. Die Ödnis gilt als besonders geheimnisvoll und legendenumwoben.

Viele Geächtete flohen hierher, da sie hier vor Verfolgung sicher waren, allerdings auch nicht lange überlebten.

7. Auf den Spuren ausgewählter Sagen

Für ein Land mit einer überaus reichen Geschichte hat Island wenige archäologische Funde und Baudenkmäler vorzuweisen. An ihrer statt gibt es die Sagas, literarische Denkmäler, in denen alle Flüsse, Berge, Ebenen und Hügel des Landes verewigt sind.

Njáls Saga

Verfasst im 13 Jh. Ist die Njáls Saga die Geschichte einer 50 Jahre währenden Blutsfehde.

Njál Thorgeirsson ist der fähigste Rechtskundige des Landes und genieß hohes Ansehen. Der erste Teil der Saga handelt von Njáls Freundschaft mit Gunnar, des größten Kriegers des Landes. Gunnars Hof Hlidarendi liegt oberhalb der sumpfigen Rangá Ebene an der Route 261 östlich von Hvolsvöllur.

Gunnar, obwohl ein talentierter Kämpfer, war freundlichen Gemüts und ging Ärger lieber aus dem Weg. Die Schwierigkeiten begannen jedoch, als er die intrigante Hallgerdur heiratete, die bereits 2 Ehemänner wegen einer Ohrfeige ins jenseits befördert hatte. Hallgerdur begann eine Fehde mit Njáls Frau Bergthora. Gegenseitig ließen sie ihre Sklaven ermorden. Gunnar wurde beim Althing der Ermordung einiger Angreifer in Notwehr angeklagt und zu drei Jahren Verbannung verurteilt. Nach Gunnars Rückkehr ging das Blutvergießen weiter. Südlich von Hildarendi, auf halben Weg zwischen Gunnars und Njáls Haus auf der Route 250 liegt inmitten der Ebene der Hügel Stóra Dimon. Hier erwarteten die drei Söhne NjálsThrain Sigfusson, einem Spießgesellen Gunnars. Thrain wurde im Kampf getötet. Njál war entsetzt über die Nachricht der Ermordung, organisierte jedoch eine Schlichtungsverhandlung am Althing und adoptierte sogar Thrains Sohn Höskuld und gab ihm den Hof Ossabaer. Angestachelt vom diabolischen Mördur Valgardsson und aus Eifersucht ermordeten die drei Söhne Njáls Höskuld. Diese wurden daraufhin im Althing verurteilt. Seinen blutrünstigen Söhnen treu bis in den Tod verschanzte sich Njál mit seinen Getreuen im Hof (der stand in Bergthorshvoll, an der Route 252). Als eine Hundertschaft auf den Hof anrückte, gab er die vieldiskutierte Anweisung nicht zu kämpfen, woraufhin ihr Hof angezündet wurde und Njáls Familie in den Flammen starben. Tatsächlich haben Archäologen bei Ausgrabungen bei Bergthorshvoll im 20. Jh. Spuren eines Brandes aus der Zeit der Saga (etwa 1101) zutage gefördert.

Hrafnkels Saga

Hrafnkels Hof Adalbol liegt im Hrafnkesldalur einem kleinem Arm der Jökuldalur zwischen Myvatn und Egilstadir (Route 923).

Hrafnkel war der Häuptling beider genannter Täler und Gode der Siedler in diesem Gebiet.  Keinen Gott liebte Hrafnkel mehr als Frey und ihm schenkte er von allen seinen besten Besitzstücken die Hälfte. Daher bekam er den Namen Freys-Priester.  Auch von seinem Lieblingspferd einem grauem Hengst schenkte er Frey die Hälfte und nannte es Freyfaxi. Er schwor einen Eid, wer ihn ritte ohne seinen Willen, den wolle er totschlagen.

Einar, der Sohn des Thorbjörn, jedoch, der als Hirte bei Hrafnkel arbeitete missachtete die Warnung und ritt den Hengst um verlorene Schafe zurückzuholen. Verschwitzt und schmutzig kehrte der Hengst zu Hrafnkel zurück, der daraufhin Einar erschlug. (sein Grabhügel heißt Einarswarte)

Thorbjörn wollte Vergeltung für die Ermordung seines Sohns und erreichte mit Hilfe von Samur, dem Sohn seines Bruders eine Verurteilung Hrafnkels auf dem nächsten Althing. Zusammen vollstreckten Samur und Thorbjörn das Urteil, übernahmen Hrafnkels Besitztümer aber anstatt ihn zu töten schickten sie ihn in die Verbannung. Freyfaxi stießen sie von einem Felsen in den Fluss und ertränkten ihn. (der Felsen heiß ab da Freyfaxifelsen).

Hrafnkel aber gelang es sich in Hrafnkelstadir im Fljot-Tal (am südende des Lögurinn Sees) neu anzusiedeln und allmählich seinen Wohlstand und Einfluss wieder zu gewinnen. Natürlich konnte er die Schmach seiner Vertreibung von Adalbol nicht vergessen und es gelang ihm Samurs Bruder zu töten, Samur von Adalbol zu vertreiben und selbst wieder dort einzuziehen.

Hrafnkel konnte dort lange seine Stellung behaupten und starb eines natürlichen Todes.

Leif Erikson

Christopher Columbus war nicht der erste Europäer der Amerika entdeckte! Er erreichte die Neue Welt nicht vor 1492, 500 nach Leif Erikson's Ankunft in 1001 AD.

Aber aus unbekannten Gründen unternahmen die Wikinger nur wenige Reisen nach Amerika nach Leif.

Leif wurde in Island um 960 AD als Sohn Eriks des Roten. Wie bei den Wikinger üblich wuchs Leif nicht bei seiner Familie auf sondern bei einem Mann namens Thyrker. Thyrker war aus Deutschland, von wo ihn Erik nach Island brachte, jedoch nicht versklavte.

Mit 12 galt Leif als Mann und zog zurück zum Anwesen seines Vaters. Es kam jedoch, dass Erik wegen eines Totschlags vom Thing für drei Jahre in die Verbannung geschickt wurde. Da Erik nicht nach Norwegen zurück konnte (auch von dort wurde er verbannt), entschloss sich Erik den Gerüchten nachzugehen, nach denen im Westen neues Land sein solle.

So entdeckte Erik Grönland. Auf dieser Reise lernte Leif ein guter Segler und Navigator zu sein.

Nach Ablauf der dreijährigen Verbannung reiste Erik mit seiner Familie zurück nach Island, wo sie jedoch schnell den Entschluss fassten nach Grönland zurück zu kehren. In Island standen die Dinge nicht gut - eine Hungersnot hatte das Land heimgesucht, die Wiesen waren überweidet und die Wälder abgeholzt.

Eines Tages sah Leif das Schiff des Bjarni Hergelfson in den Hafen einlaufen, das über ein Jahr fortgewesen war. Bjarni erzählte Leif von einem Land, dass nicht Grönland war, dessen Küsten nicht von Gletschern überzogen war und grün von Wald war. An Land gingen sie jedoch nicht.

Nachdem Leif einige Jahre in Norwegen verbracht und sich dort auch zum Christentum bekannte, kehrte er zu seiner Familie nach Grönland zurück und nahm auch einen Priester mit, um dort den Christlichen Glauben zu verbreiten.

Doch in Grönland packte Leif die Ruhelosigkeit und er beschloss nach dem Land zu suchen, von dem ihm Bjarni einst erzählte. Also kaufte er Bjarni's Schiff und stach mit Thyrker und einigen Männern in See.

Nachdem sie 600 Meilen westlich gesegelt waren entdeckten sie ein Land mit hohen Felsen und Gletschern. Sie nannten es Helluland (Felsland) - man glaubt, dass es die Baffin Insel war.

Leif segelte weiter Richtung Süden und fand ein weiteres Land mit flachen Ständen und einigen Bäumen. Er nannte es Markland (Waldland) - wahrscheinlich die Ostküste Kanadas.

Und weiter ging die Reise in südöstliche Richtung, wo Leif letztlich Station für den Winter machte. Hier waren die Tage und Nächte fast gleichlang, es gab weite Wälder, Lachs, der größer war als sie ihn je gesehen hatten und sogar Trauben. Leif nannte dieses Land Vinland, das heutige Neufundland. Im nächsten Frühjahr segelten sie jedoch zurück nach Grönland.

Erstaunlicherweise sind sehr wenige Menschen nach Vinland zurückgekehrt - nur Leifs Schwester und eine kleine Gruppe Siedler, die später von Indianern getötet wurden.

8. Weitere Legenden - Amüsantes und Interessantes

Wie die weißen und gelben Flecke auf die Steine kommen ( Die Alte will etwas für ihre Wirtel)

Es war einmal ein alter Mann und eine Alte Frau in ihrer Hütte. Sie waren so arm, dass sie nichts von Wert besaßen außer einer goldenen Wirthel an der Spindel der Alten. Nicht weit von der Hütte war ein Hügel in dem ein Elf, Kidhus genannt, wohnte. Einmal, da die Alte draußen vor ihrer Hütte mit ihrer Spindel spann, löste sich die goldene Wirthel und rollte davon und konnte nirgends gefunden werden. Der Alte Mann sagte Kidhus habe die Wirthel genommen und schlug lange und kräftig mit einem Prügel auf den Hügel.

"Wer schlägt so heftig an mein Tor?" fragte Kidhus

"Der alte Mann, steht davor; die Alte will etwas für ihre Wirtel" antwortete der Mann.

Der Mann bat um eine Kuh die beim Melken jedes Mal 10 Liter Milch gibt und Kidhus erfüllte den Wunsch.

Nun wollte die Alte Brei kochen und schickte ihren Mann zu Kidhus um einen Sack Mehl zu erbitten. Wieder schlägt er mit dem Prügel auf den Hügel.

"Wer schlägt so heftig an mein Tor?" fragte Kidhus

"Der alte Mann, steht davor; die Alte will etwas für ihre Wirtel" antwortete der Mann.

Auch das Mehl gab Kidhus ihnen, woraufhin die beiden eine riesige Portion Brei kochten. Nachdem sie sich sattgegessen hatten wollte die Alte den Rest der Muttergottes bringen. Um da hinaufzukommen, wo sie war, würde allerdings eine lange Leiter nötig sein.

So klopfte der Alte ein drittesmal an Kidhus Hügel.

"Wer schlägt so heftig an mein Tor?" fragte Kidhus

"Der alte Mann, steht davor; die Alte will etwas für ihre Wirtel" antwortete der Mann.

Erbost gab Kidhus ihnen die Leiter auf der sich die beiden Alten mit dem Brei zur Muttergottes aufmachten. Als sie jedoch schon recht weit oben waren wurde ihnen schwindelig. Sie stürzten herab und brachen sich die Schädel. Die Hirnspritzer und die Breikleckse flogen dabei über die ganze Erde. Und dort wo die Hirnspritzer auf Steine fielen wurden daraus weiße Flecke, aus den Breiklecksen entstanden die gelben und beide sieht man heute noch auf dem Gestein.

Das Schneehuhn

Einmal ließ die Jungfrau Maria alle Vögel zu sich kommen und befahl ihnen durch ein Feuer zu gehen. Alle bis auf das Schneehuhn liefen durch das Feuer und als sie aus dem Feuer herauskamen hatten ihre Füße keine Federn mehr und waren bis auf die Haut abgesengt. So sind sie heute noch.

Nur das Schneehuhn behielt so seine Federn an den Füßen wurde aber zur Strafe zum friedlichsten und wehrlosesten aller Vögel. Maria gewährte ihm jedoch die Gnade, dass es die Farbe wechseln konnte - im Winter weiß und im Sommer graubraun, um sich besser verstecken zu können.

Die Schutzgeister und das Wappen

Im 10. Jh. Wollte der dänische Monarch Harald Blauzahn Island unterwerfen. Dieser war rasend vor Zorn, weil die Isländer Spottverse über ihn gedichtet hatten. Um Landeplätze für seine Kriegsschiffe zu erkunden, schickte er einen Zauberer, der in Gestalt eines Wals nach Island schwamm. Doch wo immer er an Land gehen wollte stießen ihn die Schutzgeister Islands zurück: im Osten ein Drache, im norden ein Geier, im Westen ein furchterregender Ochse und im Süden ein mit einem Eisenstab bewaffneter Riese. Daraufhin gab Harald Blauzahn seine Eroberungspläne wieder auf.

Die vier Schutzgeister schmücken heute das Wappen der Republik.

Der Spruch auf den Polizeiautos

Auf allen isländischen Polizeiautos steht der Spruch: "med lögun skal land byggin" - "mit Gesetzen erbauen wir unser Land".

Dies ist eine berühmte Bemerkung des Sagahelden Njall aus der Njalls Saga.

Warum der Lachs am Schwanz so schmal ist

Nachdem Loki, der listige Gott des Feuers, Baldur umbringen ließ, floh er vor dem Zorn der Götter, die sich dafür rächen wollten. Diese jedoch fanden Loki, der sich um zu entkommen in einen Lachs verwandelte und in den nahen Wasserfall Franangursfoss sprang. Thor gelang es jedoch Loki am glitschigen Schwanz zu erwischen und durch kräftiges drücken festzuhalten. Seitdem ist der Lachs am Schwanz so schmal.

Trollgehsteige

Es gibt sie wirklich, die Trollgehsteige. Die Geologie spricht zwar von "dykes" - in Gesteinsspalten geflossene und erstarrte Magma - aber wer glaubt das schon. Diese Gehsteige sind härter als ihre Umgebung und stehen deshalb oft hervor, wenn die Verwitterung ihre Umgebung abgetragen hat.

Wie Erdbeben entstehen

Loki ist die Ursache für Balders Tod. Dafür wird er bestraft, indem er gefesselt wird - mit einer Schlange über sich, die giftigen und ätzenden Eiter auf sein Gesicht tröpfelt. Seine Frau Sigyn steht geduldig neben ihm, eine große Schüssel haltend, die den tödlichen Eiter auffangen soll. Ab und zu aber muss sie sich entfernen, um die Schüssel zu leeren. Dann tropft der Eiter direkt auf Lokis Gesicht, und er schüttelt den Kopf so stark, dass die ganze Erde bebt. Das ist es, was man Erdbeben nennt.

9. Trollgeschichte:

Einst lebten in alten Tagen zwei arme Leute. Die hatten viele Kinder, und zwei der Söhne mußten im Dorf betteln. Deshalb kannten sie alle Wege und Pfade.

Einmal wollten sie im Wald hinter dem Moor Vögel fangen. Deshalb nahmen sie den Weg übers Moor. Doch der Pfad war undeutlich, und als es dunkel wurde, verloren sie ihn.

Als sie begriffen, daß sie sich verlaufen hatten, bauten sich eine Tannenhütte und machten ein Feuer, denn sie hatten die kleine Axt mitgenommen. Und dann rissen sie Heide und Moos aus, und bereiteten sich daraus ein Lager.

Eine Weile nachdem sie sich gelegt hatten, hörten sie jemanden laut schnaufen. Die Jungen spitzten die Ohren und lauschten gut ob es ein Tier oder ein Waldtroll war, den sie da hörten.

Doch da schnaufte es noch lauter und sagte:

"Hier riecht es nach Menschenblut!"

Dann hörten sie einen Schritt, so daß die Erde unter ihnen bebte, und da wußten sie, daß die Trolle unterwegs waren.

 "Gott helfe uns, was sollen wir jetzt tun?" fragte der jüngste Bub seinen Bruder.

 "Oh, du bleibst da unter der Kiefer stehen, wo du jetzt stehst, und machst dich bereit, davonzulaufen, wenn du sie kommen siehst, und ich nehme die kleine Axt", sagte der andere.

Zugleich sahen sie die Trolle dahertrotten, und die waren so groß und mächtig, daß ihre Köpfe auf einer Höhe mit den Baumkronen waren.

Doch sie hatten nur ein Auge, alle drei zusammen, und sie wechselten sich beim Gebrauch desselben ab; sie hatten ein Loch in der Stirn, wo sie es reinlegten; er, der voranging, mußte es haben, und die anderen gingen hinterher und hielten sich an ihm fest.

"Lauf", sagte der älteste Bub, "doch lauf nicht zu weit, bevor du siehtst, wie es geht; da sie das Auge so hoch tragen, sehen sie mich nicht, wenn ich von hinten komme."

Ja, der Bruder rannte, und die Trolle hinterher. Inzwischen kam der ältere Bruder von hinten und hackte dem hintersten Troll ins Fußgelenk, daß dieser einen schrecklichen Schrei ausstieß, und der erste wurde so erschreckt, daß er zusammenfuhr und das Auge fallen ließ.

Der kleinere Bruder hob es schnell auf. Es war größer als wenn man zwei Kartoffelschüsseln aufeinanderlegte, und klar war es, so klar, daß es wie leuchtender Tag wurde, als er hindurchsah, obwohl es finsere Nacht war.

Als die Trolle merkten, daß er ihnen das Auge weggenommen und einen von ihnen verwundet hatte, begannen sie zu schimpfen und mit allem Bösen zu drohen, das es nur gab, wenn er ihnen nicht sofort ihr Auge wiedergeben würde.

"Ich habe keine Angst vor Troll und Betrug", sagte der Junge. "Nun habe ich allein drei Augen, und ihr habt gar keins, und zusätzlich müssen zwei von euch den dritten tragen."

"Bekommen wir nicht auf der Stelle unser Auge zurück, sollst du zu Stock und Stein werden!" kreischten die Trolle.

Doch der Junge sagte, er fürchte sich weder vor Angeberei noch vor Trolltum (eine Art Hexerei); und ließen sie ihn nicht in Ruhe, zu würde er auf sie alle einhacken, so daß sie wie Kriech- und Krabbeltiere am Boden kreuchen müßten.

Als das die Trolle hörten, bekamen sie Angst und gaben gute Worte. Sie baten so eindringlich und versprachen ihm Gold und Silber und alles, was er haben wolle, wenn er ihnen nur das Auge wiedergeben wolle. Ja, meinte der Junge, das sei gut und schön, doch wolle er zuerst das Gold und Silber haben. Einer der Trolle solle heimgehen und so viel Gold und Silber holen, wie in seine und seines Bruders Taschen passe, so lange würde er es behalten. 

Die Trolle gebärdeten sich wild und sagten, daß keiner von ihnen gehen könne, so lange sie ihr Auge nicht dabeihätten; doch so schrie einer von ihnen nach dem Weib, denn sie hatten zusammen ein Weib. Und nach einer Weile antwortete es von Norden her. Da sagten ihr die Trolle, daß sie mit zwei Eimern voller Gold und Silber kommen solle. Und es dauerte nicht lange, bis sie kam. Und da sie sah, was geschehen war, begann auch sie, mit Trolltum zu drohen. Doch die Trolle bekamen Angst und baten sie, sich vor der kleinen Wespe vorzusehen, denn sie könne nicht sicher sein, daß er nicht auch ihr Auge auch stehle. Da warf sie die Eimer mit dem Gold und Silber und die Bögen zu ihnen hin und zog im Streit mit den Trollen heim.

Seit dem hat keiner mehr davon gehört, daß die Trolle umhergingen und nach Menschenblut geschnüffelt hätten.  

Links
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DieTrolle.de: eine etwas verspielte Seite über Trolle, aber mit brauchbaren Infos und einer Linkliste

Wandern zum Seitenanfangvon Andreas Happe

Karten: Ourfootprints.de, Open Street Map Projekte

Letzte Änderung: 12.06.2015