Geschichte Klosters & Davos

Abriss über die Geschichte des Prättigau und des Landwassertals seit der Besiedlung durch die Räter.

Steinbock Wappen Graubünden auf Fels gemalt

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Allgemeines & Spezielles

Die Geschichte des Prättigau mit Klosters und des Landwassertals mit Davos bettet sich in die Geschichte Graubündens und der Alpen ein. Räter, Romanen, Franken und Walser prägten die Region bis heute. Handel und alpine Landwirtschaft waren lange die Grundlage des wirtschaftlichen (Über-)Lebens.

Die Eingliederung in die Schweiz und der aufkommende Tourismus formten das politische und wirtschaftliche BIld, das wir heute kennen. Davos steht dabei für Konferenzen, Kurbetrieb und Skivergnügen, während es in Klosters noch etwas ruhiger zur Sache geht.

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FRühgeschichte & Antike

um 200 v. Chr.: Räter

Der Raum von Davos und Klosters war bereits in der rätischen Zeit besiedelt. Rätische Stämme lebten in den Hochtälern der Alpen und nutzten die Gebirgspässe für Handel und Viehzucht. Diese frühe Besiedlung legte den Grundstein für die späteren Siedlungen und ihre Integration in transalpine Handelsnetzwerke.

15 v. Chr.: Römer

Mit der Eingliederung Rätiens in das Römische Reich wurden die Täler systematisch erschlossen. Römer errichteten Straßen, die vor allem den Handel zwischen Oberitalien (Mailand, Como, Trient) und den nördlichen Regionen wie Augsburg und Regensburg erleichterten. Die Region war strategisch wichtig als Durchgangsgebiet für den Austausch von Waren wie Salz, Wein und Tuch.

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Mittelalter

6.–8. Jh.: Franken

Nach dem Zerfall des Weströmischen Reichs kam die Region unter fränkische Herrschaft. Die Christianisierung der Täler erfolgte in dieser Zeit, und Klöster begannen, in den Alpen kulturelle und wirtschaftliche Zentren zu bilden. Diese Entwicklungen führten zu einer stärkeren Integration in die frühmittelalterliche Ordnung Mitteleuropas.

9. Jh.: Klostergründungen

In Klosters wurde ein Benediktinerkloster gegründet, das als Katalysator für Rodungen, landwirtschaftliche Erschließung und Bildung diente. Das Kloster spielte eine zentrale Rolle für die frühe Siedlungsstruktur und die landwirtschaftliche Nutzung der hochgelegenen Täler.

um 1200: Walser

Davos wurde von Walsern besiedelt, die aus dem Oberwallis in die Hochtäler der Alpen zogen. Diese Binnenkolonisation ermöglichte die Nutzung von Alpweiden und die Gründung dauerhafter Siedlungen in Höhenlagen, die zuvor kaum bewohnt waren. Die Walser brachten spezifische Siedlungs- und Rechtsformen mit, die bis heute Spuren in der lokalen Selbstverwaltung hinterlassen haben.

1289: Erste Erwähnung von Davos

Der erste urkundliche Nachweis von Davos zeigt, dass die Siedlung bereits eine gewisse Eigenständigkeit besaß, unter anderem durch besondere Freiheitsrechte der Walser. Gleichzeitig wurden die Täler in den transalpinen Handel eingebunden. Die wichtigsten Handelsrouten führten etwa von Como und Mailand über den Septimer- oder Albula-Pass nach Chur und weiter nach Augsburg oder Nürnberg, womit die Täler eine bedeutende Rolle als Zwischenstation spielten.

13.–14. Jh.: Blüte des Handels

Die Entwicklung der Saum- und Passwege intensivierte den Handel zwischen Italien und dem nördlichen Europa. Kaufleute transportierten Waren wie Salz, Wein, Textilien und Luxusgüter von Städten wie Venedig oder Mailand über den Julier-, Septimer- oder Flüelapass nach Chur, Davos und Klosters und weiter Richtung Ulm, Augsburg und Regensburg. Dies machte die Hochtäler zu strategisch wichtigen Punkten entlang der transalpinen Handelsachsen.

ab 1367: Die Bünde

Davos und Klosters traten dem Gotteshausbund bei, einem Zusammenschluss der Bündner Täler zur Wahrung von Freiheit und Recht. Diese Organisation legte den Grundstein für die spätere Integration in die Drei Bünde, die de facto als unabhängiger Staat innerhalb der Alpen fungierten.

1471: De facto Unabhängigkeit

Die Drei Bünde erreichten de facto Unabhängigkeit vom Heiligen Römischen Reich. Die Täler profitierten von der republikanischen Struktur, die lokale Selbstverwaltung, Rechtssicherheit und wirtschaftliche Freiheit garantierte. Davos und Klosters entwickelten sich in dieser Zeit als stabile Siedlungen inmitten der Alpen.

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Neuzeit

1520er: Reformationszeit

Die Reformation griff auch in Graubünden um sich, was zu Spannungen zwischen katholischen und reformierten Gemeinden führte. Klosters blieb überwiegend katholisch, während Davos stark reformiert wurde. Diese religiösen Unterschiede prägten das soziale und politische Leben der Täler über Jahrhunderte.

1618–1648: Dreißigjähriger Krieg

Während des Dreißigjährigen Kriegs war Graubünden ein strategisch bedeutender Transitraum. Truppenbewegungen verliefen oft entlang der Passrouten: Söldner und Armeen zogen von italienischen Städten wie Mailand oder Trient über den Septimer- und Julierpass nach Chur und von dort weiter nach Ulm, Augsburg oder Richtung Schwarzwald. Davos und Klosters lagen auf diesen Routen, wodurch die Täler mehrfach durchziehende Truppen, Versorgungskolonnen und militärische Auseinandersetzungen erlebten.

1798: Eingliederung in die Schweiz

Mit der Auflösung der Drei Bünde und der Eingliederung in die Helvetische Republik wurden Davos und Klosters Teil des modernen Schweizer Staatswesens. Diese politische Neustrukturierung markierte den Übergang von lokalen Bündnissystemen zu einer zentralisierten Verwaltung.

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ab 1850

ab 1850: Davos als Kurort

Davos entwickelte sich zu einem internationalen Kurort, vor allem wegen seines gesunden Hochgebirgsklimas, das als Heilmittel gegen Tuberkulose galt. Die medizinische Infrastruktur zog Patienten aus ganz Europa an und verhalf der Stadt zu einem internationalen Ruf.

ab 1889: Treffpunkt Intellektueller Kreise

Der Aufenthalt von Thomas Mann in Davos, der später den Roman „Der Zauberberg“ inspiriert, unterstrich die kulturelle Bedeutung des Ortes. Davos wurde so nicht nur medizinisch, sondern auch literarisch und intellektuell wahrgenommen.

ab 1913: Eisenbahn

Klosters wurde an die Rhätische Bahn angeschlossen, wodurch die Region technisch besser erschlossen und der Tourismus gefördert wurde. Dies erleichterte die Anbindung an größere Schweizer Städte und internationale Gäste.

1914–1918 Erster Weltkrieg

Während des Ersten Weltkriegs blieb die Schweiz neutral, doch Davos und Klosters dienten als Schutzräume und Sammelplätze für Militär und Zivilbevölkerung. Die Alpenpässe wie Flüela und Julier wurden überwacht, die Täler zur Sicherung der Landesgrenzen genutzt und die Rhätische Bahn spielte eine wichtige Rolle bei der Versorgung und Mobilisierung innerhalb der Schweiz.

1918–1939 Zwischenkriegszeit

In der Zwischenkriegszeit erlebten Davos und Klosters einen wirtschaftlichen und touristischen Aufschwung, bedingt durch die steigende Nachfrage nach Kuraufenthalten, Wintersport und Erholung in den Alpen. Davos festigte seinen Ruf als internationales Heil- und Wintersportzentrum, während Klosters sich langsam als Wintersportort etablierte. Gleichzeitig war die Region von den wirtschaftlichen Turbulenzen Europas, wie der Hyperinflation in Deutschland oder der Weltwirtschaftskrise 1929, indirekt betroffen, da viele ausländische Gäste ihre Reisen einschränkten. Die Täler nutzten diese Zeit auch für den Ausbau der Infrastruktur, z. B. Straßen, Hotels und Bahnverbindungen, um langfristig den Tourismus zu sichern.

1939–1945 Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs blieben Davos und Klosters in der neutralen Schweiz zwar vom Krieg direkt verschont, doch die Täler wurden erneut als militärisch überwachte Regionen und Rückzugsräume genutzt. Grenz- und Passposten entlang Flüela-, Wolfgang- und Julierpass sicherten die Neutralität, und Flüchtlinge sowie verwundete Soldaten aus umliegenden Konfliktgebieten fanden in den Tälern zeitweise Zuflucht. Die wirtschaftliche Entwicklung stagnierte wieder, doch die touristische Infrastruktur blieb erhalten und bereitete die Nachkriegszeit vor.

20. Jh.: Wintersport und Tourismus

Beide Täler wandelten sich vom agrarisch geprägten Raum zu Zentren des Wintersports und des Tourismus. Infrastruktur, Hotellerie und Sportmöglichkeiten prägten die lokale Wirtschaft und Kultur nachhaltig.

ab 1971: Weltwirtschaftsforum

Die Gründung des World Economic Forum (WEF) in Davos machte die Stadt zu einem globalen Treffpunkt für Politik, Wirtschaft und Diplomatie. Dies verschob die Wahrnehmung von Davos von einem Kurort zu einem international bedeutsamen Standort.

21. Jh.: Tradition und moderne Herausforderungen

Heute stehen Davos und Klosters vor der Herausforderung, den Tourismus, die Umwelt und die lokale Identität in Einklang zu bringen. Die Regionen sind ein Beispiel für die Balance zwischen globaler Bedeutung und traditioneller alpiner Lebensweise.

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