DAUNENJACKEN
Wandern

... für Outdoor, Wandern, Trekking, Bergsteigen. Nutzen, Einsatzgebiete sowie Vorteile und Nachteile einer Daunenjacke.

Gokyo Peak, Nepal

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Allgemeines & Spezielles

Die Daunenjacke ist ein Klassiker in der Outdoorbekleidung. Es gab sie schon lange, bevor das Wort Gore-Tex überhaupt nur erfunden war. Bergsteiger, Bergwanderer und Expeditionsteilnehmer wissen schon seit vielen Jahrzehnten die Vorteile von Daune zu schätzen.

Und trotz aller Forschung und Entwicklung im Bereich der Füllungen und Fütterungen für Kleidung ist die Daune unter bestimmten Bedingungen nach wie vor unschlagbar. Keine Kunstfaser bietet eine so günstige Kombination aus Isolationsvermögen und Gewicht. Und daher ist die Daune auf den Gebieten immer noch erste Wahl, wo man seine Kleidung selbst durch die Berge oder Kältezonen dieser Erde tragen muss.

Daune ist aber nicht gleichen Daune, und ein Teil der Füllung in der Daunenjacke besteht noch nicht einmal aus Daunen, sondern aus Federn. Das ist aber nicht unbedingt ein Nachteil.

Die Federn sorgen dafür, dass innerhalb der Daunenfüllung eine gewisse Stabilität entsteht. Würde man eine Jacke nur mit Daunen füllen, dann würde sie sich bald nicht mehr gut aufbauschen, nachdem man sie aus dem Rucksack gezogen hat. Die Federn mit ihren flexiblen, aber stabilen Kielen spreizen die daunengefüllten Kammern, so dass sich auch die Daunen wieder entfalten können.

Ist der Anteil von Federn in der Daunenjacke aber zu hoch, dann geht das auf Kosten der Isolationsfähigkeit. Da Federn in der Regel deutlich günstiger sind als Daunen, ist der Federanteil in preisgünstigen Daunenjacken häufig höher als in teuren Exemplaren. Das macht die Jacke bei höherem Gewicht (durch die Federn) weniger warm, den Federn isolieren weniger gut als Daunen. Ganz auf Federn zu verzichten können sich aber auch teure Daunenjacken nicht leisten, da die Daunen sonst zu schnell klumpen.

Viele nutzen die Daunenjacke vor allem nach den Touren, wenn es abends kalt wird im Camp oder in der Hütte. Auch bei der Gipfelpause gibt es nichts besseres, wenn der kalte Wind den Körper schnell auskühlt. Ich nehme sie gern als Sicherheitsreserve im Rucksack mit, ziehe sie aber meist nur in der Pause über. Während des Wanderns ist sie mir i.d.R. zu warm.

Daunen-Jacken

Daunenjacken sollen leicht sein und wärmen, und zu diesem Zweck sind sie sehr gut. Kein anderes Kleidungsstück hält den Wanderer oder Bergsteiger so warm bei so geringem Gewicht. Und das zahlt sich natürlich besonders bei Trekkingtouren oder Expeditionen aus, bei denen man sein Gepäck selber tragen muss und es abends vor dem Zelt oder auf der Hüttenterrasse sehr kalt wird.

Früher weiter verbreitet, wurde die Daunenjacke im Outdoor-Bereich von den > Funktionsjacken und den > Fleece-Jacken etwas verdrängt. Trotzdem hat sie noch immer ihre Berechtigung und spielt die Vorteile bei niedrigen Temperaturen in kalten und/oder trockenen Regionen voll aus.

Leichtigkeit bei hohem Isoliervermögen stehen auf der Habenseite, Nässeempfindlichkeit ist der Nachteil der Daunenjacke.

Gerade in den letzten Jahren sind viele Daunenjacken auf den Markt gekommen, die deutlich dünner sind als die früheren Modelle. Das macht auch im Outdoor-Bereich Sinn, weil die veritable Expeditionsdaunenjacke viel zu warm und viel zu schwer für die meisten Touren ist. Außerdem lässt sie sich viel besser als Element im Zwiebelsystem bzw. der Zwiebeltechnik einsetzen.

Wanden & Trekking. Konstruktion, Schnitt, Verarbeitung

Dabei sollte der Outdoor-Freund aber auf einen Schnitt und eine Verarbeitung achten, die den isolierenden Effekt der Daune und das leichte Gewicht voll zum Tragen kommen lässt. Das bedeutet z.B., dass das Obermaterial der Jacke möglichst leicht (feines Kunststoffgewebe) und dicht sein muss. Dicht deshalb, damit weder der Wind durch die Jacke blasen kann, noch feine Daunen den Weg nach außen finden. Letzteres passiert oft an den Nähten, wenn diese nicht gut genug verarbeitet sind. Man kann sich in solchen Fällen zur Not mit Nahtdichter helfen, den man mit einem Pinsel aufträgt. Dicht auch deshalb, um in Kombination mit einer Imprägnierung leichten Nieselregen ertragen zu können, ohne dass die Daunen nass werden und verklumpen.

Chukung-Tal, Nepal

Wichtig ist bei der Konstruktion der Jacke auch, dass sich keine Kältebrücken bilden. Bei modischen Daunenjacken für die Fußgängerzone werden die Nähte meist durch die beiden Hüllen (Außenseite und Innenseite der Jacke) durchgenäht. So befinden sich hier an den Nähten keine Daunen, die sich aufplustern können, und die Kälte kann an diesen Nähten durchdringen. Man sieht den Effekt oft ganz gut, wenn man die Jacke ausbreitet und gegen das Licht hält.

Bei guten Expeditionsjacken sind die Kammern durch Stoffstreifen getrennt, die den Raum zwischen Außenseite und Innenseite überbrücken. Der Aspekt der Kältebrücken kann vernachlässigt werden, wenn man die Daunenjacke sowieso meist unter einer schützenden Außenhülle (Regenjacke, Funktionsjacke) trägt.

Bei der gewählten Konstruktion sollte die Frage geklärt sein, ob der Wanderer eine Kapuze braucht, oder nicht. Die Kapuze bedeutet mehr Gewicht, und falls man die Daunenjacke oft "drunter" trägt, kann sie auch stören. M.M.n. ergibt eine Kapuze nur Sinn, wenn man die Daunenjacke ausschließlich für extrem kalte Expeditionen oder für die Zeit im Camp nutzt. Während man in Bewegung ist, ist die eine Daunenkapuze fast immer viel zu warm.

Wenn man sich für eine Daunenjacke mit Kapuze entscheidet, dann ist auch auf den Schnitt der Kapuze zu achten. Muss sie ggf. über einen Helm passen? Bei vielen Expeditionsjacken geht das, aber wenn man die kapuze dann ohne Helm trägt, ist sie viel zu groß. Sie weht vom Kopf oder schiebt sich über die Augen. In diesen Fällen braucht die Kapuze eine Mechanik, mit der sie enger gestellt werden kann.

Die künstlichen Materialien (hier geht es um das Futter) in der modernen Outdoorbekleidung kommen an die Isolationsfähigkeit der Daune noch nicht heran. Bei gleichem Gewicht wärmt die gut konstruierte Daunenjacke wesentlich besser als ihre Konkurrenz.

Wanden & Trekking. Nässe ist ein Problem

Nässe oder Feuchtigkeit jedoch machen die guten Eigenschaften der Daune schnell zunichte. Werden die Daunen nass, verklumpen sie. Und nachlassende Bauschkraft bedeutet geringere Isolation. Sind Daunenjacken erst mal nass geworden, werden sie nur langsam wieder trocken. Dabei muss die Jacke immer wieder geschüttelt werden, damit die Daunen sich aufplustern können und so schneller trocknen und gleichmäßig in den Kammern verteilen. Die nasse Daunenjacke in den Rucksack zu stopfen wäre keine gute Idee ... aber manchmal bleibt dem Wanderer kaum etwas anderes übrig. Daher ist die Daune vor allem in eher trockenen Gebieten zu empfehlen, wenn die Jacke gut vor Nässe geschützt werden kann oder wenn es so kalt ist, daß der Niederschlag in fester Form fällt.

Wanden & Trekking. Leichte Modelle, Daunenwesten

In den letzten Jahren werden besonders leichte Daunenjacken hergestellt, die auch eine gewisse modische Beliebtheit erreicht haben. Es wundert eigentlich, dass das nicht schon früher so war. Die leichten Daunenjacken kann man auch unter die Regenjacke ziehen und hat so immer eine leichte aber wirksame Wärmereserve im Rucksack.

Daunenjacke

Daunenjacken mit abnehmbaren Ärmeln sind praktisch und variabel einsetzbar. Man kann sie als Weste oder als Jacke tragen.

Sehr gut - und bei mir häufig im > Rucksack dabei - sind auch Daunenwesten. Die wärmen das, was wichtig ist und haben ein kleines Packmaß. Die Temperaturspanne, in der man Daunen-Westen tragen kann, ist sehr groß.

Tipp: Daunenjacken oder Daunenwesten können auch prima als als Kopfkissen eingesetzt werden. Dazu stopfe ich sie in einen Schlafsackbeutel - den brauche ich nachts ja eh nicht - und bekomme so ein weiches Kissen.

Wanden & Trekking. Aufbewahrung

Die Daunen müssen gepflegt werden. Wenn sie ständig zusammengepresst sind, verlieren die Daunen ihren "Loft". Also gilt es, sie trocken und luftig aufzubewahren. In der Qualität der Daunen gibt es große Unterschiede.

Eine gute Auswahl an Daunenjacken bietet z.B. der Schweizer Ausrüster Transa.

Nachhaltigkeit & Tierwohl

Daunen und Federn sind Naturprodukte. Um ihre ökologische Entsorgung muss man sich daher erst mal keine großen Sorgen machen. Allerdings besteht die eigentliche Jacke meist aus Kunstfaser, da Baumwolle zu schwer ist und zu leicht Wasser aufnimmt.

In Bezug auf das Tierwohl gibt es aber schon Grund, nachzudenken. Viele Daunen werden "geerntet", indem Gänsen oder Enten bei lebendigem Leib und vollem Bewustsein die Daunen ausgerissen werden. Das geht nicht nur bis auf die Haut, sondern führt auch zu blutigen Verletzungen. Lebendrupf heißt diese Methode. Auch Daunen von Tieren, die zur Produktion von Stopfleber gemästet werden, sollten gemieden werden.

In der EU ist die Methode des Lebendrupf verboten. Mittlerweile gibt es auch einige Labels, die versprechen, dass die entsprechenden Daunen nur von toten Schlachttieren stammen, die nicht gestopft wurden. Das klingt jetzt zwar auch nicht gerade angenehm, soll aber dafür sorgen, dass die Tiere nicht nur für die Daunenproduktion gehalten werden. Ob die Enten oder Gänse vor der Schlachtung ein gutes Leben hatten, wird dabei nicht kontrolliert. Aber die Produktion von Geflügelfleisch stoppt man natürlich auch nicht, wenn man statt Daune zu Primaloft (Isoliermaterial aus Polyester) oder zu Kapok greift. Letzteres ist eine Pflanzendaune, die in Lateinamerika aus der Hohlfaser des Kapokbaums gewonnen wird.

Der sehr auf Nachhaltigkeit achtende Hersteller Patagonia garantiert mittlerweile, dass alle verwendeten Neudaunen einen Herkunftsnachweis haben: „Die von Patagonia bezogenen Daunen sind lückenlos von den Elterntierfarmen bis zur Kleidungsherstellung rückverfolgbar“.

Der Patagonia-Standard wurde von der Zertifizierungsorganisation NSF International (Sitz in den USA) genutzt, um daraus eine unabhängige Zertifizierung zu entwickeln, den "Global Traceable Down Standard" (Global TDS). Dieses System besteht aus zwei Stufen. Die anspruchsvollere stimmt mit den von Patagonia entwickelten Anforderungen überein. Auch die Elterntiere werden hier in die Kontrollen mit eingezogen.

Der Global TDS ist derzeit die strengste Zertifizierung für nachhaltige Daunen, nicht nur in der Outdoor-Branche. Auch der Deutsche Tierschutzbund empfiehlt das Label Global-TDS, weil es die "höchsten Tierschutzstandards" auf dem Markt bietet. Andere Organisationen, die auch die Fleischproduktion kritisch sehen, raten, ganz auf Daune zu verzichten.

Der "Responsible Down Standard“ (RDS) ist eine Zertifizierung, die von The North Face mitentwickelt wurde. Auch dieser Standart gehört zu den strengeren Zertifizierungen in der Outdoor-Branche. Der RDS schließt sowohl die Stopfmast (Zwangsfütterung der Gänse) aus, als auch den Lebendrupf. Es gelten auch weitere Tierwohl-Auflagen, und die gesamte Lieferkette wird nach Aussagen der Organisatoren regelmäßig und unangemeldet kontrolliert. Im Gegensatz zum Global TDS bezieht der RDS aber die Elterntiere nicht mit ein, die Beobachtung beginnt erst mit dem Schlüpfen der Daunenlieferanten.

RDS - Responsible Down Standard

Meiner Meinung nach muss man sich die Daune nicht gleich ganz verkneifen, zumal sie im Bergsport ja ihre konkurrenzlosen Vorteile hat. Ein großes Problem ist (auch bei diesem Thema) die Wegwerfmentalität der meisten Verbraucher. Man sollte darauf verzichten, Daunenkleidung als modische Kleidung zu benutzen, die man wieder entsorgt, wenn die ehemalige Modefarbe nicht mehr cool genug aussieht. Ich finde aber, wenn sich jemand eine Daunenjacke für Jahrzehnte der Nutzung anschafft (meine ist über 20 Jahre alt und noch top) und dabei auf ein gutes Label achtet, der wird seiner Verantwortung als Verbraucher gerecht.

Übrigens kann man Daune auch recyceln. Es gibt eine Menge Initiativen, die alte Daunenfüllungen aus Schlafsäcken, Bettdecken und Daunenjacken aufarbeiten und in neuen Produkten als Füllung verwenden. Wenn nach Jahren der Nutzung die Daunenjacke langsam dünner wird, kann man die Kammern auch mit diesen recycelten Daunen wieder auffüllen lassen.

Literatur-Tipp

Outdoor Basiswissen: Ausrüstung I von Kopf bis Fuß