Hochwertige Sonnen­brillen selbst reparieren

Eine hilfreiche Anleitung zum Thema: So reparierst und wartest du deine Lieblings-Sonnenbrille.

Auf dieser Seite:

Auf separaten Seiten:

Allgemeines & Spezielles

Du bist an einem strahlenden Sonnentag auf Bergtour, Trekkingtour oder Radtour unterwegs. Gegen die Sonne trägst Du Deine Lieblingsbrille auf der Nase … doch plötzlich lockert sich eine Schraube oder ein Bügel bricht. Was ist nun zu tun? Habt Ihr auch schon mal versucht, mit Pflaster und Draht eine Brille provisorisch zu reparieren? Für ein paar Stunden kann das halten, um den Weg zur Hütte oder zum Hotel zu überbrücken.

In solchen Situationen zahlt es sich aus, wenn du weißt, wie du deine Sonnenbrille mit einfachen Mitteln selbst reparieren kannst. Vieles kannst Du schon auf der Tour tun.

Aber wie sieht die langfistige Lösung aus? Wer teure Designer- oder Sportsonnenbrillen trägt, möchte wegen einem kleinen Schaden keine neue Brille kaufen. Aber wenn der Optiker einen dreistelligen Betrag für eine scheinbar kleine Reparatur oder Ray-Ban Ersatzgläser verlangt?

Mit etwas handwerklichem Geschick kannst Du fast jede gängige Beschädigung Deiner Sonnenbrille selbst reparieren – nur mit etwas Werkzeug, ein paar Ersatzteilen und ohne Spezialwerkstatt.

Hier ein kleiner Leitfaden zum Reparieren von Brillen. Er zeigt Dir, wie du Ersatzteile findest, welches Werkzeug du brauchst und worauf du beim Aus-‑ und Einbau achten musst, damit deine Brille wieder aussieht und sitzt wie neu.

Sonnenbrille reparieren und Brillenteile austauschen

 Vorbereitung: Erst mal eine korrekte Diagnose stellen

Bevor du den Schraubenzieher und die Zange zückst, nimm dir ein paar Minuten Zeit zum systematischen Check. Dabei hilft ggf. eine (andere) Brille oder eine Lupe.

  1. Rahmen inspizieren: Prüfe auf Haarrisse im Nasensteg, an den Scharnieren und entlang der Scheibenfassung. Ein kleiner Riss lässt sich oft kleben oder verschweißen, ein tieferer Sprung erfordert meist Ersatzteile.
  2. Scharniere und Bügel: Lassen sich die Scharniere (Hinges) noch bewegen? Federn sie sauber zurück oder klemmen sie? Brüche an Federschanieren erkennt man z.B. an herausstehenden kleinen Stiften.
  3. Oberfläche des Brillenglases: Suche nach Kratzern, delaminierender Verspiegelung oder Spannungsrissen (Spinnwebenmuster). Leichte Mikrokratzer kann man ggf. polieren, tiefe Kratzer brauchen einen kompletten Linsentausch.
  4. Schraubverbindungen: Sind sie locker? Hast Du Schrauben verloren? Prüfe auch verdeckte Gewindehülsen, die gerade bei randlosen Modellen nicht leicht aufzuspüren sind.
  5. Passform des Gestells: Drückt die Fassung? Ist sie verzogen?

Mit dieser Diagnose weißt du, was Du reparieren und welche Ersatzteile du beschaffen musst. Und du vermeidest, nur auf Verdacht loszuschrauben und mit der auseinandergebauten Brille auf Ersatzteile zu warten.

 Werkzeug besorgen und Arbeitsplatz einrichten

Was muss ich denn alles anschaffen, um meine Brille zu warten und zu reparieren? Nicht viel ...

Ein gut beleuchteter Tisch, ein stabiles Tablett und ein sauberes Mikrofasertuch (fängt rollende Minischaruben) als Unterlage dienen als Arbeitsfläche.

Dazu brauchst Du eine sinnvolle Grundausstattung :

  • Präzisions-‑Schraubendreher, sog. Uhrmacherwerkzeug, als Kreuzschlitz mit den Größen PH00 und PH000 und als Schlitzschraubendreher (1,2  mm)
  • Torx T4–T6 für manche Designerfassungen
  • Pinzetten mit abgerundeter Spitze, damit sie nichts verkratzen
  • Optiker-‑Zangen: flach, rund und mit Federscharnier, gut wären auch Nylonbacken
  • Heißluftföhn bis 80 ° C, um Acetatbügel geschmeidig zu biegen
  • Epoxidkleber, speziell für transparente Reparaturen
  • Warmes Seifenwasser und eine weiche Zahnbürste zur Reinigung

Du soltest Dir vor der Reparatur die Hände waschen. Fettfreie Finger verhindern Schlieren auf den neuen Linsen.

 Ersatzteile besorgen: Originalteile oder preiswert und kompatibel?

Wo bekomme ich Oakley Ersatzgläser? Wer besorgt mir Ray-Ban Ersatzbügel? Oder soll ich meine edle Brille mit NoName-Ersatzteilen wieder fit machen?

Bei Premium-Brillen lohnt es sich, nach Originalersatzteilen zu schauen. Marken wie Ray‑Ban, Oakley, Persol oder Maui Jim bieten Linsen‑ und Bügelsets zum Austausch auch farblich passend an. Online-Shops liefern die Teile oft innerhalb von 24  h.

Auch günstigere Austauschsets aus optischen Polycarbonaten oder CR‑39-Gläsern können gute Qualität liefern. Dabei ist aber zu beachten:

  • Linsen: Achte auf UV‑400-Schutz der Gläser, präzise Achslage bei polarisierenden Varianten und auf die Basiskurve
  • Bügel: Wichtig ist die Scharnier-Breite (z. B. 3,0  mm Standard, 5,0  mm Heavy Duty) und die Winkel‑Geometrie. Ein falscher Bügelwinkel kann später nicht mehr korrigiert werden.
  • Schrauben und Hülsen: Setze auf VA- oder Messingschrauben. Billige Stahlschrauben rosten durch den Schweiß sehr schnell.
  • Nasenpads und ggf. Endtips (Gummikappen an den Bügelenden): Silikon-Pads gibt es in unterschiedlichen Härtegraden. Weichere Varianten haften besser auf der Haut. Auf Lösungsmittelbeständigkeit achten.

Viele Hersteller veröffentlichen Explosionszeichnungen oder Ersatzteillisten auf ihren Websites. Beachte genau die Modellnummer, den Farbcode und die Linsengröße, um Fehlbestellungen zu vermeiden.

 Brillengläser austauschen

Am einfachsten geht der Austausch bei gerahmten Vollrand-Modellen aus Kunststoff oder Metall, die ja auch die Mehrzahl der Brillen und Sonnenbrillen ausmachen, und bei rahmenlosen Brillen..

Linsentausch gerahmte Vollrand-Modelle

  1. Neue Linse im Kühlschrank vorkühlen. Durch die Kälte schrumpft sie minimal und schnappt später beim Eindrücken leichter ein.
  2. Fassung auf  ca. 60 ° C erwärmen, bis sie auf sanften Druck leicht nachgibt.
  3. Mit Daumen den Glasrand von innen nach außen drücken. Vorsichtig an verschiedenen Punkten drücken, damit das Glas gleichmäßig herausspringt.
  4. Neue kalte Gläser vorsichtig eindrücken.
  5. Fassung sofort nach Eindrücken im kalten Wasserbad fixieren.

Linsentausch bei Halbrand-Nylor-Fassungen

Hier halten sog. Nylor-Fäden (0,6–0,9  mm) die Linse in einem halben Rahmen (Nylor = Nylon + Rahmen).

Schneide den alten Faden durch, fädle einen neuen mithilfe einer dünnen Nadel in die Nut der Linse. Dann spanne ihn gleichmäßig in die Kerben der Fassung. Achte strikt auf gleichmäßige feste Spannung, sonst dreht sich die Linse später und die Durchblicksebene kippt.

Linsentausch bei randlosen Modellen

Bei der randlosen Brille wird die Linse direkt mit dem Gestell verschraubt.

Entferne zunächst Ringe, Schraube und Hülse. Wichtig: Das Drehmoment muss sehr moderat sein, ca.  0,2  Nm.

Drehe die Schrauben über Kreuz: erst oben/ ↔ unten, dann links ↔ /rechts, um Spannungen, die Risse verursachen können, zu vermeiden. Füge auch die in den Reparatursets oft mitgelieferten klaren ‑Scheiben zwischen Glas und Metall ein, um Mikro-Abplatzungen zu vermeiden.

Bügel reparieren oder tauschen

Notiere dir, wie weit du Bügel oder Nasenpads nach dem Tausch justieren musst.

Schraube löst sich

Löst sich nur eine Schraube und das ist das Problem, brauchst Du natürlich keine neuen Bügel. Meist reicht ein Tropfen Schraubensicherung mittelfest (z. B. Loctite 243). Danach Schraube anziehen, bis der Bügel mit einem sanften Ruck sitzt. Ziehe nicht zu fest an, sonst zerstörst Du das Gewinde.

Tipp: Stecke Schraubenfang-Hülsen (winzige O-Ringe) auf das Gewinde, bevor du sie wieder eindrehst. Sie wirken wie eine Feder und verhindern selbstständiges Lösen.

Abgebrochener Bügelsteg (aus Kunststoff)

Ein Bügel aus Acetat lässt sich mit Heißluft etwas weich machen und verschweißen: Dazu musst Du die beiden Seiten der Bruchstelle va. 30  sec erwärmen, schnell zusammenpressen und mindestens 2  min zitterfrei halten. Anschließend kannst Du überschüssiges Material an der Klebestelle mit 800er Nassschleifpapier entfernen und den Bügel polieren. Das ist dann kein neuer Bügel, sollte aber eine Weile halten.

Andere Gestelle bestehen aus TR‑90 oder Nylonfaser. Kleben oder Verschweißen ist hier schwierig. Besorge lieber einen Ersatzbügel. Die Kosten (10–15  €) sind gering und der Ärger über eine Reparatur, die nicht hält, unnötig.

Wenn Du einen neuen Brillenbügel einbaust, beachte auch o.g. Hinweise zum Verschrauben. Befestige die Brille in einem kleinen Schraubstock, am besten mit Gummischutz. Löse die Schrauben und ersetze das komplette Scharnier.

  Metallbrüche löten oder kleben?

Edelstahl‑ oder Titangestelle kann man schweißen. Günstiger als die teuren Geräte ist das Einschicken an spezialisierte Labore, das kostet ca.  30 – 50  €. Für Messing‑ oder Monelrahmen genügt eine Mini-‑Lötlampe (ca. 20  €). Wenn es aber nur um einen Bügel geht, würde ich den Bügel neu kaufen.

Sonderfall Federscharniere

Federscharniere müssen winkelgenau sitzen – prüfe möglichst mit einem Geodreieck die Anschlagöffnung (meist 95°).

 Kleinteile: Nasenpads und Endtips

Nasenpads tauschen

  1. Alte Pads abschrauben oder ausklinken.
  2. Neue Silikonpads dünn z.B. mit Reinigungsalkohol abwischen. Fettfreie Pads haften länger.
  3. Pads einklinken oder vorsichtig anschrauben
  4. Biege die Pad-Arme mit einer Rundzange, bis die Linsen plan zur Augenmitte stehen (Augenmitte im Linsenzentrum).

Endtips tauschen

Lege die Bügelenden 2  min in heißes Wasser (nicht kochend). Endtip vorsichtig abziehen, neuen Tip mit einem Tropfen Spülmittel als Gleitmittel aufschieben, dann unter kaltem Wasser fixieren.

Kleben?

Tipp: Wenn Du etwas kleben willst, vermeide Universal-Sekundenkleber. Er wird mit der Zeit spröde und hinterlässt ggf. weiße Ausgasungen. Nutze lieber UV‑Epoxy, das unter der Bruchstelle transparent aushärtet. Dann mit 1200er Schleifleinen polieren und mit Klarlack versiegeln.

 Arbeiten abschließen

Bügeldruck prüfen: Klemme die Brille auf die Nasenauflage, klappe die Bügel auf. Beide Bügelenden sollten mit ihren Enden auf dem Tischliegen. Leichte Abweichungen sind OK, sonst musst Du nachbiegen. Setze die Brille auf und prüfe, ob sie drückt.

Linsenzentrierung: Stell dich vor einen Spiegel. Die Pupillen sollten horizontal mittig hinter den Linsen liegen. Kleine Schrägstellungen korrigierst du, indem du die Fassung an der gegenüberliegenden Ecke vorsichtig biegst.

Politur: Kunststoffrahmen mit Polierpaste und Baumwollpad zum Hochglanz bringen, Metallrahmen mit Polierwatte.

Eine dünne Schicht Antifog- & Hydrophob-Spray erhöht den Tragekomfort, vor allem bei Sportbrillen.

Notiere dir die Ersatzteilnummern und bewahre übriggebliebene Schrauben sorgfältig auf. So bist du beim nächsten Mal noch schneller bei der Brillenreparatur.

 Wartung: Damit die Brille lange hält

Monatlich: Schrauben nachziehen, Pads in Seifenwasser reinigen.

Halbjährlich: Bügelscharniere mit einem Tropfen säurefreiem Uhrenöl schmieren.

Jährlich: Versiegelung erneuern (Antireflex- und Hydrophob-Coating gibt es als Do‑it‑yourself-Sets).

Transport: Immer im Hartschalenetui aufbewahren, dann vermeidet man versehentliche Zerstörung. Und Achtung: Hitze, z.B. unter der Frontscheibe im Auto, kann Acetatgestelle verformen.

Fazit

Mit etwas Geduld, dem richtigen Werkzeug und passenden Ersatzteilen kannst du hochwertige Sonnenbrillen selbst reparieren – günstiger, nachhaltiger und oft genauso professionell wie der Optiker. Linsentausch, Bügel‑Swap oder Feinstjustage wirken auf den ersten Blick kompliziert, folgen aber klaren Arbeitsschritten. Und das Beste: Dein repariertes Lieblingsstück begleitet dich weiterhin durch Alltag, Urlaub oder Trail‑Run – ohne dass dein Geldbeutel oder die Umwelt übermäßig belastet werden. Viel Erfolg beim Schrauben, Löten und Polieren!

Weiterführende Seiten