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Ein paar kulturelle Eindrücke des vielseitigen Landes im Himalaja in Form eines Interviews. Teil 1.

Wie nähert man sich einem vielschichtigen Land wie Nepal und seinen sympathischen Bewohnern? Wie beleuchtet man die komplexe kulturelle Situation, ohne dicke Bücher zu füllen? Vielleicht über Fragen (die ich mir selbst gestellt habe) und Antworten (die ich mir selbst gegeben habe), die ein paar Blitzlichter auf eins der interessantesten Länder unserer Erde werfen.

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An was denkst Du als Erstes beim Thema Kultur Nepals?

Beeindruckend ist die große Bandbreite an Kulturen, die in Nepal zusammen leben. Hier verläuft die Grenze zwischen indogermanischem und sinotibetischem Sprachraum. Ein Teil der Bevölkerung hat zentralasiatische Wurzeln, andere sind Nachkommen indisch-europäischer Einwanderer. Und hier treffen die beiden großen Religionen Asiens aufeinander: Der Buddhismus und der Hinduismus. Trotzdem . oder vielleicht gerade deshalb . strahlt das Land eine große Harmonie aus. Wobei diese im Verkehrschaos Kathmandus auch leicht mal übersehen werden kann.

Eine Sache finde ich in Nepal besonders faszinierend: Man könnte sie betiteln mit "Nichts funktioniert, aber alles geht!". Auch, wenn vieles nicht so durchorganisiert ist wie in Mitteleuropa, wenn der Reisende oft und viel Geduld braucht, wenn man selten klare und zuverlässige Aussagen von offiziellen Stellen bekommt . am Ende klappt es dann doch! Mit Freundlichkeit, Gelassenheit und bestimmter Höflichkeit spricht man das Thema an. Dann sorgt fast immer ein gastfreundlicher und hilfsbereiter Nepali für eine Lösung.

Wandern zum SeitenanfangGibt es eine typisch nepalische Kultur und Identität?

Man kann sich schon fragen, ob es eine gemeinsame Kultur und Identität aller Nepali gibt. So vielseitig wie die Geographie des Landes ist, so variantenreich ist die ethnologische Landkarte. Immerhin leben in den Mittel- und Hochgebirgslandschaften des Himalaja und in den Tiefebenen an der indischen Grenze über hundert verschiedene Völker, mit verschiedenen Sprachen, verschiedenen Schriften und sehr unterschiedlichem Aussehen, die von der Geschichte irgendwie zusammen gebracht wurden, die sich aber teilweise noch immer fremd sind.

Ein Sherpa aus der Umgebung des Mount Everest hat mit einem Tharu aus dem subtropischen Tiefland Nepals kulturell weniger gemein, als der Durchschnittsnorweger mit dem Sizilianer. Trotzdem würde ich sagen, dass es kulturelle Gemeinsamkeiten gibt, die typisch sind und für ganz Nepal gelten.

Was wir heute als nepalisch wahrnehmen, ist sehr von den Machtverhältnissen vergangener Jahrhunderte geprägt. Im Kathmandutal hat sich aus dem lokalen Volk der Newari, den Herrschern aus Gorkha und mächtigen indischen Einflüssen eine Kultur entwickelt, die immer weitere Teile des Landes beeinflusste. So wurde der vorherrschende Buddhismus nach und nach zugunsten des Hinduismus zurück gedrängt. Der Kult um Brahma, Shiva und Vischnu war die Religion der königlichen Herrscher Nepals und ist heute noch prägend für Politik und Gesellschaft. Nach offiziellen Zahlen bekennen sich etwa 80 % der Bevölkerung zum Hinduismus. Die buddhistische Philosophie dominiert heute nur noch abgelegenere Regionen des nepalesischen Himalaja. Die gegenseitige Beeinflussung der beiden Weltreligionen ist aber in Nepal überall präsent.

Für viele Reisende erstaunlich ist, dass die Wurzeln der indoarischen Bevölkerung Nepals im gleichen Boden gewachsen sind wie die unsrigen. Grundsätzliche religiöse Vorstellungen wurden vor Jahrtausenden mit den Völkerwanderungen aus dem Osten Europas mitgebracht. Nicht von ungefähr erinnert die Götterwelt der Hindus an das Pantheon der alten Griechen.

Und wo wir schon bei den Vergleichen sind: Sprachlich ist das Nepali enger mit dem Deutschen verwandt als mit dem Tibetischen (das auch innerhalb Nepals gesprochen wird). Vielleicht wirkt Nepal für den Mitteleuropäer deshalb zwar einerseits fremd, gleichzeitig aber auch irgendwie heimisch und vertraut.

Wie treten Nepali den Reisenden aus dem Westen entgegen?

Wiederaufbau NepalTrotz aller Schwierigkeiten, die das Land und seine Bewohner zu bewältigen haben, strahlen die meisten Nepali eine Freundlichkeit und Lebensfreude aus, die ansteckend wirkt. Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft sind herzerwärmend. Die Menschen sind offen und zugewandt, aber nicht aufdringlich. Selten wird eine Bitte abschlägig beschieden. Und wenn doch, dann sagt man niemals nein, denn das wäre sehr unhöflich. Statt dessen gibt es ja so elegante Umschreibungen wie "May be later .".

Wie verständigt man sich in Nepal?

WerbeplakatEs ist für Deutsche nicht schwer, ein paar Brocken Nepali zu lernen. Da Nepali auch für die Mehrzahl der Einwohner Nepals nicht die erste Muttersprache ist, kann man sich schon mit wenigen Worten ganz gut ausdrücken. Selbst wenn man nur ein paar Begriffe wie den Gruß "Namasté" oder Vokabeln wie "Chai" (Tee), "Dudh" (Milch), "Chini" (Zucker) oder "Paisa linnus" (bezahlen bitte) benutzt, fühlt sich der Gesprächspartner respektiert und wird es mit einem Lächeln honorieren. Das Wort für Danke ("Dhanyabad") wird übrigens kaum genutzt. Nepali geben und nehmen viel selbstverständlicher als wir.

Sehr viele Nepali sprechen auch Englisch. Es ist nicht immer unbedingt das Englisch, dass man in Oxford oder New York sprechen würde . von daher haben auch weniger gut englisch sprechende Deutsche oft geringere Verständigungsprobleme als Engländer oder Amerikaner. Wie würde der Nepali zu seinem Englisch sagen? "Same, same . but different!".

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