Erreichbar bleiben auf Fernreisen: Warum eine Reise-eSIM oft nicht genügt

Was unterscheidet eine Reise-eSIM von einer eSIM mit eigener Telefonnummer und wofür brauche ich welche?

Arches National Park

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Allgemeines & Spezielles

Reise-eSIMs haben die mobile Internetnutzung im Ausland erheblich vereinfacht. Noch vor einigen Jahren gehörte es bei einer Fernreise fast zum Standardprogramm, nach der Ankunft am Flughafen oder in der nächsten größeren Stadt einen Mobilfunkladen aufzusuchen, den Reisepass vorzulegen und eine lokale SIM-Karte zu kaufen. Manchmal - so wie einst in Ladakh - brauchte man sogar noch ein Empfehlungsschreiben von einer "zuverlässigen Person" (der örtliche Apotheker war so nett ...).

Heute lässt sich ein Datenpaket - z.B. für Nepal, Peru, Namibia oder die Mongolei - häufig schon zu Hause installieren. Nach der Landung schaltet man die eSIM ein und ist im Idealfall innerhalb weniger Minuten online.

Für Navigation, Busverbindungen, E-Mail, Wetterberichte oder Messenger-Dienste ist das ausgesprochen praktisch. Auf Reisen haben sich solche eSIMs auch deshalb bewährt, weil man nicht erst einen passenden Mobilfunkladen suchen und sich mit unterschiedlichen Tarifen auseinandersetzen muss. Gerade wenn man nach einem langen Flug ankommt und anschließend direkt weiterfahren möchte, ist eine bereits installierte eSIM angenehm. Also sollte man schon zu hause tätig werden ...

Surfer

Allerdings gibt es einen Punkt, der bei den Angeboten leicht übersehen wird: Die meisten klassischen Reise-eSIMs sind reine Daten-eSIMs. Man bekommt damit einen mobilen Internetzugang, aber keine vollwertige Mobilfunknummer, über die man z.B. angerufen werden oder SMS empfangen kann. Ich lasse z.B. die Anrufe auf mein Festnetztelefon gern auf die Reise-eSIM umleiten. Aber dazu brauche ich natürlich eine eSIM mit eigener Telefonnummer.

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Die Reise-eSIM ist meist eine reine Daten-eSIM - aber nicht immer

Zunächst sollte man zwei Begriffe auseinanderhalten. Eine eSIM ist lediglich eine elektronische Variante der klassischen SIM-Karte. Technisch spricht nichts dagegen, über eine eSIM einen vollständigen Mobilfunkvertrag mit Telefonie, SMS und Daten abzuwickeln.

Eine Reise-eSIM ist dagegen ein Produkt, das speziell für die Nutzung im Ausland verkauft wird. Bei diesen Angeboten steht meist die Datenverbindung im Mittelpunkt.

Viele Anbieter verkaufen Pakete mit bestimmten Datenvolumen für einen bestimmten Zeitraum. Telefonieren kann man dann lediglich über WhatsApp, Signal, Sipgate oder andere Internetdienste. Klassische Mobilfunkgespräche und SMS sind dagegen oft nicht vorgesehen.

Es gibt allerdings Ausnahmen. Einige Anbieter haben auch eine Reise-eSIM mit echter Rufnummer im Programm. Damit sind je nach Tarif zusätzlich klassische Telefonate und SMS möglich. Vor dem Kauf lohnt sich also ein Blick in die Tarifdetails.

Für Navigation, Orga, Social Media, Messenger & Co reicht eine Daten-eSIM meist aus, aber ...

Für viele typische Anwendungen benötigt man keine klassische Telefonnummer. Die klassischen Apps und der Zugriff auf Webseiten funktionieren mit einer Datenverbindung. Es gibt also kein Problem mit E-Mails, Wetter-Apps, Bahn-Apps, Hotelbuchungsportalen oder der Suche nach Restaurants und Sehenswürdigkeiten.

Auch WhatsApp funktioniert grundsätzlich über eine Daten-eSIM. Ein bereits eingerichtetes WhatsApp-Konto bleibt normalerweise mit der bisherigen Telefonnummer verbunden. Man muss WhatsApp also nicht neu registrieren, nur weil man beispielsweise in Peru die deutsche SIM deaktiviert und für die Internetverbindung eine Reise-eSIM verwendet. Aber ...

Problematisch kann es werden, wenn WhatsApp (oder eine andere App) aus irgendeinem Grund eine erneute Verifizierung der Telefonnummer verlangt, beispielsweise nach einer Neuinstallation oder einem Gerätewechsel. Dann muss man wieder Zugriff auf die dort registrierte Telefonnummer haben.

Wohnmobil in den USA

Besonders wichtig ist eine Reise-eSIM mit eigener Telefonnummer, wenn man z.B. von der Reiseagentur, dem Trekkingunternehmen oder sonst wem angerufen oder zurückgerufen werden will. Ebenso bei Banken und vielen anderen Diensten, die Sicherheits- oder Bestätigungscodes per SMS verschicken. Voraussetzung ist die eigene eSIM-Nummer auch, wenn man Anrufe von seinen heimischen Anschlüssen auf das Netz im Reiseland umleiten will.

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Das Problem: SMS oder Anrufe an die heimische Nummer

Angenommen, man steht in Kathmandu und möchte eine Zahlung durchführen. Die Internetverbindung über die Reise-eSIM funktioniert hervorragend. Die Webseite oder App der Bank lässt sich aufrufen und die Überweisung oder Kreditkartenzahlung kann gestartet werden.

Dann verlangt die Bank einen Sicherheitscode, der per SMS an die hinterlegte deutsche Mobilfunknummer geschickt wird.

Eine reine Daten-eSIM hilft in diesem Moment nicht. Die Frage ist dann aber nicht nur: Habe ich im Reiseland eine Telefonnummer? Sondern auch: An welche Telefonnummer schickt die Bank den Code?

Eine neue nepalesische oder thailändische Nummer hilft zunächst wenig, wenn die Bank ihren Sicherheitscode weiterhin an die hinterlegte deutsche Nummer sendet.

Das Problem gilt nicht nur für Banken. Auch Kreditkartenunternehmen, Buchungsplattformen und andere Online-Dienste verwenden SMS zur Identitätsprüfung. Gerade auf Fernreisen kann das unerwartet auftreten, etwa wenn eine ungewöhnliche Zahlung zusätzlich bestätigt werden muss, die App einen ungewöhnlichen Standort feststellt oder ein Update installiert wurde.

Wie kann eine Lösung dieses Problems aussehen?

Lösung 1: Die Kombination aus SIM und Reise-eSIM

Dieses Problem lässt sich mit einem Dual-SIM-Smartphone lösen. Die deutsche SIM oder eSIM bleibt im Telefon aktiv und behält ihre bisherige Rufnummer. Zusätzlich installiert man eine Reise-eSIM und verwendet diese für mobile Daten.

Das Smartphone hat damit praktisch zwei Mobilfunkanschlüsse gleichzeitig. Die deutsche SIM ist für die eigene Telefonnummer, eingehende SMS und gegebenenfalls Anrufe zuständig. Über die Reise-eSIM läuft dagegen der Datenverkehr.

Dabei muss man allerdings die Roamingkosten im Blick behalten. Insbesondere außerhalb der EU können mobile Daten über einen deutschen Vertrag ausgesprochen teuer sein. In den Einstellungen sollte deshalb eindeutig festgelegt werden, welche SIM für mobile Daten verwendet wird. Datenroaming auf der deutschen SIM kann man gegebenenfalls vollständig abschalten.

Der Empfang einer SMS im Ausland auf der heimischen Nummer ist oft kostenlos. Aber bei Telefonaten außerhalb von EU- und EWR-Roaminggebieten - auch wenn ich angerufen werde - können hohe Kosten entstehen.

Übrigens ...

... habe ich mal auf der griechischen Insel Korfu gestaunt, wie oft und wie lange ich im albanischen Netz eingeloggt war. Albanien ist von Korfu nur 2 km über eine Meerenge entfernt. Hätte ich dann ein eingehendes Gespräch angenommen, wäre das teuer geworden. Das gleiche passiert mir auch oft im Grenzgebiet zur Schweiz.

Lösung 2: Reise-eSIM mit echter Rufnummer

Eine weitere Möglichkeit sind Reise-eSIMs, bei denen tatsächlich eine Mobilfunknummer zum Tarif gehört. Ein Beispiel dafür ist der Anbieter Simbye, der Reise-eSIM-Tarife mit und ohne eigene Nummer anbietet. Dort werden z.B. Reise-eSIMs mit Telefonnummern aus vier verschiedenen Nummernbereichen angeboten: USA (+1), Großbritannien (+44), Thailand (+66) und Frankreich/Europa mit Gültigkeit in der EU und im Schengenraum (+33).

Bryce Canyon, USA

Der wesentliche Vorteil besteht darin, dass die Telefonnummer auf dem eSIM-Profil selbst liegt. Man telefoniert deshalb über die normale Telefon-App des Smartphones und empfängt SMS über die normale Nachrichten-App. Eine zusätzliche VoIP- oder Telefonie-App ist dafür nicht notwendig.

Das macht eine solche Reise-eSIM mit echter Rufnummer besonders für Reisen innerhalb der EU und des Schengen-Raums sowie nach Großbritannien, in die USA und nach Thailand interessant, denn dort telefoniert man dann wie ein Einheimischer.

Für die USA gibt es beispielsweise eine +1-Rufnummer mit mobilen Daten sowie Telefonie und SMS innerhalb der USA. Für Großbritannien erhält man eine britische +44-Nummer usw. Die Europa-Variante verwendet eine französische +33-Rufnummer und umfasst neben Daten auch Telefonie und SMS innerhalb der EU. Je nach Tarif sind außerdem Minuten für internationale Gespräche enthalten.

Mit der eSIM-Nummer hat man dann die Möglichkeit, die Telefonate von seiner heimischen Telefonnummer auf die eSIM umzuleiten. Das sollte man am besten schon bei Abreise zu hause einleiten.

Die Tarife und Preise können sich natürlich ändern. Zum Zeitpunkt der Recherche lagen die Einstiegspreise je nach Region zwischen 20 und 30 US-Dollar. Wer sich dafür interessiert, sollte vor der Reise die aktuellen Leistungen, Laufzeiten und Preise direkt beim Anbieter prüfen.

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SMS und Anrufe auf die Reiseziel-Telefonnummer?

Eine Reise-eSIM mit echter Rufnummer ist nicht nur für umgeleitete Telefonate aus der Heimat interessant. Man kann einem Hotel, einer Autovermietung, einer Trekkingagentur oder einem Fahrer eine Telefonnummer nennen, unter der man tatsächlich erreichbar ist.

Gerade bei individuell organisierten Reisen ist das praktisch. Vieles läuft heute über WhatsApp, aber längst nicht jeder Kontakt verwendet ausschließlich Messenger. Wenn ein Fahrer kurzfristig anrufen möchte oder eine Unterkunft eine Rückfrage hat, ist eine normale Mobilfunknummer immer noch hilfreich. Das gleiche gilt für den SMS-Empfang.

Auch bei eigenen Anrufen im Reiseland hat das Vorteile, weil Empfänger bei Sichtung einer ausländischen Nummer im Display das Telefonat oft nicht annehmen.

Empfang von Sicherheits- und Bestätigungscodes per SMS

Verwendet die eigene Bank SMS-TANs oder andere Sicherheits- und Bestätigungscodes per SMS, kann man bei manchen Banken die hinterlegte Mobilfunknummer ändern. Akzeptiert die Bank eine ausländische Nummer, könnte man vor der Reise beispielsweise die +1-, +44-, +66- oder +33-Nummer der Reise-eSIM hinterlegen. Die Bank-SMS würde dann direkt auf dieser eSIM ankommen.

Darauf sollte man sich allerdings nicht ungeprüft verlassen. Nicht jede Bank akzeptiert ausländische Mobilfunknummern. Außerdem kann die Änderung einer für Sicherheitsverfahren hinterlegten Telefonnummer zusätzliche Bestätigungen, Wartezeiten oder andere Sicherheitsmaßnahmen erfordern.

San Francisco China Town

Wenn man diese Variante nutzen möchte sollte man deshalb vor der Abreise prüfen und praktisch ausprobieren, ob die eigene Bank die betreffende Rufnummer akzeptiert und Sicherheitscodes tatsächlich dort ankommen.

Nach der Rückkehr kann man wieder die bisherige deutsche Mobilfunknummer hinterlegen. Wer innerhalb der EU wohnt und eine europäische +33-Nummer dauerhaft verwendet, könnte diese bei einer Bank, die eine solche Nummer unterstützt, grundsätzlich auch hinterlegt lassen. Dann entfällt der Wechsel vor und nach jeder Reise. Voraussetzung ist natürlich, dass die Rufnummer dauerhaft aktiv bleibt und man zuverlässig Zugriff darauf hat.

Übrigens ...

... hatte ich in der Schweiz mal das Problem, dass die Aufladung von Datenpaketen auf meine heimische SIM nicht klappte. Letztlich - nach vielen Versuchen - gelang es, wenn ich das WLAN komplett ausschaltete und das Procedere über meine heimische Mobilnummer und das schweizer Mobilfunknetz abwickelte. Vorher gab es nur kryptische Fehlermeldungen.

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Fazit: Nur Internetzugang oder auch telefonische Erreichbarkeit?

Reise-eSIMs sind eine der angenehmsten technischen Neuerungen für Fernreisende. Besonders praktisch ist, dass man den Internetzugang schon vor der Abreise organisieren kann. Nach der Landung muss man weder einen Mobilfunkladen suchen noch eine winzige SIM-Karte wechseln. Man sollte eine Daten-eSIM aber nicht mit einem vollständigen Mobilfunkanschluss verwechseln.

Die meisten Reise-eSIM-Angebote sind in erster Linie für mobilen Datenverkehr gedacht. Für Navigation, E-Mail, WhatsApp und Internet reicht das vollkommen aus. Benötigt man dagegen eine klassische Telefonnummer für Anrufe oder SMS, muss man eine Reise-eSIM mit echter Rufnummer auswählen.

Angebote mit z.B. amerikanischer, britischer, thailändischer oder europäischer Rufnummer sind besonders interessant, wenn man unterwegs nicht nur online, sondern auch über das normale Mobilfunknetz erreichbar sein möchte. Für Bankgeschäfte kann eine solche Nummer ebenfalls eine Lösung sein, wenn die eigene Bank eine ausländische Mobilfunknummer für SMS-Bestätigungen akzeptiert. Das sollte man allerdings unbedingt vor der Abreise klären und testen.

Für einige Fernreisende bleibt die Kombination aus heimischer SIM und Reise-eSIM das Mittel der Wahl: Die heimische Nummer bleibt für wichtige Kontakte und SMS erhalten, während die Reise-eSIM den Datenverkehr übernimmt. Das kann allerdings gerade beim Telefonieren hohe Kosten verursachen. Wer dagegen eine Reise-eSIM mit echter Rufnummer verwendet und diese bei den benötigten Diensten hinterlegen kann, telefoniert deutlich günstiger im Reiseland, kann die Telefonate vom heimischen Telefon umleiten und sich Bestätigungscodes direkt auf die eSIM schicken lassen.

Vor dem Kauf einer eSIM sollte man deshalb nicht nur fragen, wie viele Gigabyte man zu welchem Preis bekommt. Die wichtigere Frage lautet oft: Bin ich damit nur online – oder bin ich auch telefonisch erreichbar?

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