Wie motiviere ich Kinder zum Wandern und Reisen?Von der kleinen Belohnung zwischendurch über die Beteiligung an der Planung bis zu dauerhaft motivierenden Erinnerungen.
|
Allgemeines & Spezielles |
Wandern mit Kindern kann eine gute Möglichkeit sein, gemeinsam Zeit in der Natur zu verbringen. Allerdings haben Kinder meist andere Vorstellungen davon, was eine interessante Wanderung ausmacht, als Erwachsene. Ein Aussichtsgipfel, eine lange Höhenwanderung oder eine besonders schöne Landschaft sind für Erwachsene oft ausreichende Gründe, mehrere Stunden unterwegs zu sein. Für ein Kind kann dagegen schon der Weg dorthin sehr langweilig werden. Ähnlich ist es auf Reisen. Eine lange Autofahrt, eine Besichtigungstour oder ein ganzer Tag in einer fremden Stadt sind für Kinder nicht automatisch interessant, nur weil die Erwachsenen das Reiseziel spannend finden. Sie haben andere Kriterien. Die Motivation lässt sich allerdings beeinflussen. Entscheidend ist weniger, Kinder ständig zu belohnen oder zu beschäftigen. Viel wichtiger sind eine passende Planung, erreichbare Zwischenziele und die Erfahrung, dass Wandern und Reisen tatsächlich etwas Spannendes zu bieten haben. |
Kinder an der Planung beteiligen |
Die Motivation für eine Wanderung beginnt bereits vor dem ersten Schritt. Kinder sollten deshalb, soweit es das Alter erlaubt, an der Planung beteiligt werden. Das muss nicht bedeuten, dass sie die gesamte Route bestimmen. Schon die Auswahl eines interessanten Zwischenziels kann ausreichen. Vielleicht gibt es unterwegs einen Bach, eine Burgruine, einen Aussichtspunkt oder eine Stelle, an der man gut eine Pause machen kann. Bei älteren Kindern kann man gemeinsam die Karte anschauen und die geplante Strecke besprechen. Sie können beispielsweise entscheiden, welche von zwei möglichen Routen genommen wird. Bei jüngeren Kindern reicht es häufig, ihnen zu erzählen, was auf der Wanderung zu erwarten ist. Wichtig ist dabei, nicht schon vor Beginn eine Wanderung als große sportliche Leistung darzustellen. Wenn ein Kind hört, dass heute zehn Kilometer und 500 Höhenmeter bewältigt werden müssen, dürfte das für die Motivation kaum hilfreich sein. Interessanter ist die Frage, was es unterwegs zu sehen und zu erleben gibt. |
Die Wanderung in Abschnitte einteilen |
Eine Wanderung von mehreren Stunden lässt sich für Kinder leichter bewältigen, wenn sie nicht als eine einzige lange Strecke betrachtet wird. Ein Ziel wie „Wir wandern heute zum Gipfel“ kann für ein Kind weit entfernt sein. Mehrere kleine Ziele sind überschaubarer. Zunächst geht es vielleicht bis zu einer bestimmten Hütte, danach zu einem Aussichtspunkt und anschließend zum geplanten Rastplatz. Dabei sollte man nicht ständig mit Kilometerangaben arbeiten. „Noch vier Kilometer“ sagt einem jüngeren Kind wenig. „Bis zum Bach sind es noch ungefähr zehn Minuten“ ist wesentlich anschaulicher.
Auch die Dramaturgie der Strecke spielt eine Rolle. Ein schöner Abschnitt sollte nicht unbedingt erst nach mehreren Stunden kommen. Wenn am Anfang bereits etwas Interessantes zu sehen ist, fällt der Einstieg leichter und dann lassen sich auch langweiligere Passagen leichter überbrücken. Danach können weitere Höhepunkte folgen. Das kann eine spektakuläre Aussicht sein, muss es aber nicht. Ein schmaler Steig, ein Wasserfall, ein interessanter Felsen oder eine Hängebrücke können für Kinder genauso interessant sein.
|
Pausen nicht erst bei völliger Erschöpfung |
Wenn Kinder auf einer Wanderung plötzlich keine Lust mehr haben, steckt nicht immer mangelnde Motivation dahinter. Hunger - manchmal gepaart mit Unterzuckerung - Durst oder Müdigkeit machen sich bei Kindern häufig schneller bemerkbar als bei Erwachsenen. Und sie reagieren darauf unmittelbar. Regelmäßige Pausen sind deshalb sinnvoll. Dabei muss nicht jede Pause eine halbe Stunde dauern. Oft reichen einige Minuten zum Trinken, ein kleiner Snack und die Möglichkeit, sich kurz hinzusetzen. Auch der Ort der Pause kann zur Planung gehören. Eine Mahlzeit schmeckt auf einer Wiese mit Aussicht oder an einem Bach häufig besser als irdendwo am Wegesrand. Ein Picknick kann zu einem kleinen Höhepunkt der Wanderung werden. Und das kann man geschickt bereichern: Eine schöne Picknickdecke kann dafür beispielsweise als eigenes Ausrüstungsstück der Familie dienen - auch über personalisierte Decken kann man mal nachdenken. Sie sind natürlich kein Ersatz für einen interessanten Weg. Die eigene Picknickdecke kann aber dazu beitragen, dass das gemeinsame Picknick eine individuelle Note bekommt und zu einem festen Bestandteil von Wanderungen und Ausflügen wird. |
Kleine Belohnungen sind möglich |
Gegen kleine Belohnungen spricht grundsätzlich nichts. Sie sollten aber nicht zum eigentlichen Zweck der Wanderung werden und daher nicht übertrieben ausfallen. Ein Eis nach der Tour, ein besonderer Snack unterwegs, alle paar hunder Meter ein Gummibärchen auf einem Stein oder ein Besuch auf einem Spielplatz können eine Wanderung auflockern. Problematisch wird es eher, wenn für jeden zurückgelegten Kilometer eine materielle Belohnung versprochen wird. Dann steht schnell nicht mehr das Erlebnis im Mittelpunkt, sondern die Frage, wann es die nächste Belohnung gibt. Interessanter sind Belohnungen, die mit der Unternehmung selbst zu tun haben. Nach einem längeren Anstieg kann beispielsweise eine längere Pause an einem schönen Platz folgen. Oder nach der Wanderung wird gemeinsam ein Restaurant - vielleicht mit Soielplatz oder Forellenteich - ausgesucht. Auch kleine Rituale können sich entwickeln. Bei jeder Wanderung wird vielleicht an einem bestimmten Punkt ein Foto gemacht oder am Ende gemeinsam überlegt, was an diesem Tag besonders interessant war. Dabei kann man auch die Kinder selbst forografieren lassen. Sie haben oft einen anderen Blick auf die Dinge. |
Das richtige Maß an Herausforderung |
Eine Wanderung sollte Kinder durchaus etwas fordern. Wenn eine Tour jedoch deutlich über ihrer Leistungsfähigkeit liegt, entsteht schnell Frust. Das gilt insbesondere für Höhenmeter. Erwachsene unterschätzen gelegentlich, wie anstrengend ein längerer Anstieg für ein Kind sein kann. Eine Route, die auf dem Papier problemlos aussieht, kann bei Hitze oder mit einem schweren Rucksack erheblich schwieriger werden. Dabei ist zu beachten, dass man mit Kindern kein optimiertes ökonomisches Gehen hin bekommt. Kinder geben gern am Anfang richtig Gas, um dann irgendwann ausgepowert zu sein. Die gute Nachricht ist: Nach einer relativ kurzen Ruhepause sind sie schnell wieder fit. Es ist deshalb sinnvoll, die Länge der Strecke und den Höhenunterschied an Alter und Erfahrung der Kinder anzupassen. Mit zunehmender Erfahrung können die Touren langsam anspruchsvoller werden. Dabei ist es nicht notwendig, jede Wanderung erfolgreich bis zum geplanten Endpunkt durchzuführen. Eine abgebrochene oder verkürzte Tour kann trotzdem ein guter Ausflug gewesen sein. |
Kinder sollten nicht ständig zum Weitergehen gedrängt werden |
Sätze wie „Jetzt stell dich nicht so an“ oder „Wir sind doch gleich da“ sind verständlich, helfen aber meistens wenig. Wenn ein Kind tatsächlich müde ist, wird die Wanderung dadurch oft anstrengend. Besser ist es, zunächst herauszufinden, warum die Motivation gerade nachlässt. Ist das Kind hungrig? Braucht es eine Pause? Ist der Weg langweilig? Oder ist das Tagesziel tatsächlich zu weit entfernt? Manchmal genügt eine kurze Pause. In anderen Fällen ist es sinnvoll, die Route abzukürzen. Das kann langfristig sogar die bessere Entscheidung sein. Wenn eine Wanderung regelmäßig in Überforderung und Streit endet, wird das Kind den Begriff „Wandern“ irgendwann mit genau diesen Erfahrungen verbinden. Eine etwas kürzere Tour, die allen Spaß macht, ist daher langfristig erfolgreicher für die Wandermotivation als eine ehrgeizige Route, die nur mit viel Druck beendet werden kann. |
Auf Reisen für Abwechslung sorgen |
Auch bei längeren Reisen ist Abwechslung wichtig. Ein ganzer Tag mit Besichtigungen kann für Erwachsene interessant sein, für Kinder aber schnell anstrengend werden.
Deshalb sollte man bei der Reiseplanung unterschiedliche Aktivitäten miteinander verbinden. Nach einem Museum - möglichst mit Stationen zum mitmachen - kann beispielsweise ein Spielplatz folgen, nach einer längeren Wanderung ein Badetag oder nach einer langen Autofahrt ein für Kinder interessanter Zwischenstopp. Dabei muss nicht jede Aktivität speziell für Kinder geplant sein. Entscheidend ist vielmehr, dass nicht mehrere für Kinder anstrengende Programmpunkte unmittelbar aufeinander folgen. Die Kinder können auch bei der Auswahl beteiligt werden. Vielleicht darf jedes Familienmitglied für einen Tag oder einen Ausflug ein Ziel vorschlagen? Dadurch entsteht eine Mischung aus den Interessen der Erwachsenen und denen der Kinder. |
Positive Erinnerungen sind wichtiger als zurückgelegte Kilometer |
Ob Kinder später gerne wandern oder reisen, hängt auch davon ab, welche Erinnerungen aus Ihrer Kindheit sie damit verbinden. Die Zahl der zurückgelegten Kilometer wird dabei kaum entscheidend sein. Viel eher bleiben einzelne Erlebnisse im Gedächtnis: Ein Gewitter, das man gemeinsam in einer Hütte abgewartet hat, ein Tier am Wegesrand, ein besonders schöner See oder ein Eis nach einer langen Wanderung. Deshalb lohnt es sich, solche Erlebnisse nicht nur als Nebensache zu betrachten. Sie sind für Kinder ein wesentlicher Teil einer gelungenen Wanderung. Fotos können dabei helfen, Erinnerungen später wieder aufzugreifen. Bei älteren Kindern kann man sie auch selbst fotografieren lassen. So entsteht nach und nach eine persönliche Sammlung von Reise- und Wandererlebnissen. Kleine persönliche Gegenstände können ebenfalls eine Verbindung zu einer Reise herstellen. Personalisierte Schlüsselanhänger mit dem eigenen Namen oder einem Bezug zu einem Urlaubsort können beispielsweise später an eine gemeinsame Reise erinnern. |
Kindern Verantwortung übertragen |
Mit zunehmendem Alter können Kinder auch einzelne Aufgaben übernehmen. Sie können auf der Karte verfolgen, wo sich die Familie befindet, den nächsten Wegweiser suchen oder bei einer Pause darauf achten, dass niemand seine Trinkflasche liegen lässt. Auch beim Packen können sie Verantwortung übernehmen. Ein eigener Rucksack oder eine eigene kleine Reisetasche macht deutlich, dass das Kind selbst Teil der Unternehmung ist. Personalisierte Gepäckanhänger können dabei eine praktische Ergänzung sein. Gerade bei mehreren ähnlichen Taschen lässt sich damit das eigene Gepäck leichter erkennen ind das Kind identifiziert sich mit seiner Reisetasche.
Solche Dinge sollten allerdings nicht künstlich als Motivation verkauft werden. Es geht vielmehr darum, Kindern zunehmend Eigenständigkeit und Selbstwirksamkeit zu ermöglichen. |
Vorfreude aufbauen |
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vorfreude. Wer bereits einige Tage vor einer Wanderung gemeinsam die Route anschaut, Fotos vom Ziel betrachtet oder überlegt, was unterwegs interessant sein könnte, schafft einen persönlichen Bezug zur geplanten Tour. Bei einer Reise kann man beispielsweise gemeinsam überlegen, welche Orte man besuchen möchte. Ein Kind, das weiß, dass während einer Reise auch ein von ihm ausgesuchtes Ziel auf dem Programm steht, wird die Reise möglicherweise anders wahrnehmen als ein Kind, das lediglich ein fertiges Programm vorgesetzt bekommt. Dabei sollte man allerdings nicht zu viel versprechen. Wenn die Aussicht auf einen Wasserfall, eine bestimmte Sehenswürdigkeit oder eine besondere Aktivität zum Hauptgrund für die Wanderung gemacht wird und das Ziel dann enttäuscht, kann auch die Motivation langfristig darunter leiden. |
Fazit: Motivation wächst mit guten Erfahrungen |
Kinder dauerhaft für das Wandern und Reisen zu begeistern, funktioniert selten durch eine einzelne Maßnahme. Entscheidend ist vielmehr die Summe der Erfahrungen. Eine gut ausgewählte Route, ausreichend Pausen, interessante Zwischenziele und ein Tempo, das zum Kind passt, sind wichtige Voraussetzungen. Ebenso wichtig ist die Möglichkeit, eigene Wünsche einzubringen und unterwegs auch einmal spontan von der ursprünglichen Planung abzuweichen. Vor allem sollte Wandern nicht grundsätzlich mit Leistung verbunden werden. Es muss nicht immer ein Gipfel erreicht, eine bestimmte Kilometerzahl geschafft oder eine Route vollständig absolviert werden. Wenn Kinder erleben, dass Wandern bedeutet, draußen unterwegs zu sein, Neues zu entdecken und gemeinsam etwas zu unternehmen, entsteht die Motivation häufig von selbst. Mit zunehmendem Alter können dann auch längere und anspruchsvollere Touren interessant werden. Das gleiche Prinzip gilt für Reisen. Nicht ein möglichst dichtes Programm sorgt dafür, dass Kinder einen Urlaub in guter Erinnerung behalten. Entscheidend sind die gemeinsamen Erlebnisse. Wer dabei die Interessen der Kinder berücksichtigt, ihnen eigene Entscheidungen ermöglicht und ihnen ausreichend Zeit für Pausen und spontane Entdeckungen lässt, schafft gute Voraussetzungen dafür, dass sie auch bei der nächsten Wanderung oder Reise wieder gerne dabei sind. |
Weiterführende Seiten |
|