Wanderstöcke (= Trekkingstöcke, = Teleskopstöcke) sind mittlerweile sehr verbreitet. Die einen schwören drauf, die anderen hassen sie. Wie so viele Ausrüstungsgegenstände haben sie Vorteile und Nachteile.
Für und Wider von Wanderstöcken Vorteile:
- Beim Aufstieg kann man sich hochdrücken oder an ihnen hochziehen, was einen Teil des Kraftaufwandes von den Beinen auf die Arme verlagert. Das steigert die Ausdauer.
- Beim Abstieg entlasten sie die Beine, und damit die Kniegelenke. Dies ist besonders wertvoll bei langen Abstiegen, und /oder Abstiegen mit schwerem Rucksack. Für Leute mit Knieproblemen sind Wanderstöcke Gold wert!!!
- Auf ausgesetzten Steigen, schmalen Brücken, Firnfeldern oder bei Flußdurchquerungen helfen sie dem Wanderer, im Gleichgewicht zu bleiben.
- Verbesserte Atmung durch aufrechtere Haltung
- Vermeidung von Schulterschmerzen (vor allem beim Tragen von Rucksäcken) durch ständige Bewegung im Schulterbereich
- besonders Teleskopstöcke eignen sich im Notfall auch gut zum Schienen von Brüchen.
Nachteile:
- Erst nach längerem Training bringen die Stöcke einen Gewinn. Vorher verursachen sie mehr Stolpereien, als sie an Stabilität bringen.
- Wenn man zum Festhalten oder Klettern die Hände braucht, stören die Stöcke nur.
- Wer ständig mit Stöcken geht, schwächt sein Gleichgewichtsgefühl, da sich die Sinne nach einiger Zeit auf die Stöcke verlassen.
- Bei Sürzen verhindern Stöcke oft ein sauberes Abfangen. Auch Luxationen (Ausrenken) der Daumen kommen dann oft vor. Daher bei Sturzgefahr die Hände aus den Schlaufen nehmen!
- Risiko: die Stöcke können sich bei hoher Belastung plötzlich zusammenschieben. Das passiert vor allem in Momenten, wo man es am wenigsten gebrauchen kann. Es sind dadurch schon schwere Unfälle Vorgekommen! Es gibt Modelle mit Klickverschlüssen, die diese Gefahr minimieren (z.B. der Komperdell Contour Titanal II ).
Fazit: Wanderstöcke können sehr sinnvoll sein, besonders bei Touren mit schwerem Rucksack im Gebirge. Aber:
- sie sollten nicht permanent eingesetzt werden (Teleskopstöcke lassen sich leicht verstauen)
- man muss immer mit dem Zusammeschieben rechnen!
- man sollte das Gehen mit Stöcken in sicherem Gelände üben (Stöcke immer nahe bei den Füßen aufsetzen)
- die Stöcke sollten die richtige Höhe haben (Aufstieg = kurz, Abstieg = lang: ausprobieren!)
- immer 2 Stöcke benutzen (habe mir selbst mal für Jahre mein linkes Knie ramponiert, weil ich einen Stock verliehen hatte)
- um richtigen Halt zu haben greift man von unten durch die Schlaufen und umfaßt dann den Griff, so daß die Enden zwischen Daumen und Zeigefinger nach oben zur Griffkante laufen, und der Handballen in der Schlaufe aufliegt.
Die medizinische Kommission der UIAA empfiehlt die Verwendung von Bergstöcken
- im hohen Alter
- bei massivem Übergewicht
- bei Wirbelsäulenschäden und Gelenkschäden an den Beinen
- beim Tragen schwerer Rucksäcke
- bei Schnee, Nässe und Dunkelheit.
Weiteres, auch zum Gehen mit Stöcken siehe unter Gehtechnik  Die richtige Wahl
Welche Stöcke soll man auf Tour mitnehmen? Die Zahl der Modelle ist stark gestiegen, seit die ersten Wanderer sich mit Teleskop-Skistöcken von Tourenskifahrern in die Berge begaben. Wirklicher Fortschritt ist m. M. n. jedoch nicht dabei herausgekommen. Auf jeden Fall sollte man aber stabile Teleskopstöcke benutzen. Je leichter diese sind, desto besser, falls man sie auch mal tragen muss (Kletterstellen etc.). Eingebaute Stoßdämpfer sind nicht nötig. Für Schnee sollte der Teller ausreichend groß sein (wie bei Skistöcken), für andere Strecken kann man diesen abnehmen oder kleinere Teller anbringen.
Sollten sich die Teleskopstöcke einmal nicht mehr fest zusammendrehen lassen, kann man sie lockern, mit einem kurzen Ruck auseinanderziehen, und das Gewinde des Schraub-Bolzens von Rückständen reinigen. Neue Spitzen oder Teller kriegt man für jeweils ca. 10 Euro.
Bekanntester Hersteller von guten Teleskopstöcken ist die Firma Leki .
Meine Empfehlungen sind:
Leki Sherpa XL Speed Lock : ... vor allem wegen dem geringen Gewicht, der soliden Bauart und dem Außenverstellsystem Speed Lock. In Kürze: höchste Haltekraft aller Außenverstell-System auf dem Markt, extrem schnelles verstellen - AERGON Thermo long Griffe, ca. 20 cm verlängerte Schaumgriffe, Look Security Strap-Schlaufe - dreiteiliges Aluminiummaterial, Ø 18/16/14 mm, verstellbar von ca. 70 - 145 cm - schwarz-weiss-rot-anthrazit - Hartmetall-Flexspitze - Tellerwechselsystem ...
LEKI Makalu Classic : Die Makalu hatte ich seit Mitte der 80er Jahre - eines der ersten Modelle auf dem Markt - und sie haben bei häufiger Nutzung bis vor kurzem gehalten. Sie sind sehr solide und es ist leicht, Ersatzteile wie Teller oder Spitzen zu bekommen.
Komperdell baut auch kompakt und leicht, u. a. auch welche, bei denen im Griff ein Gewinde zur Befestigung der Kamera eingebaut ist. So kann man den Stock als Einbeinstativ benutzen.
diese und weitere Hersteller:
- Leki (Lenhart GmbH Kirchheim): Traditionell gute solide Stöcke. Meine Leki Makalu haben 20 Jahre gehalten, habe nur ab und zu die Spitzen ersetzt.
- Exel
- Hudora
- Komperdell: gute Stöcke, allerlei Innovationen, Haltbarkeit nicht immer so toll. Ich bin mit meinen sehr leichten Carbon C3 Ultralight eigentlich sehr zufrieden, vor allem wegen des Gewichts. Allerdings musste ich auch schon mehrfach kleben (Griffe, Feststellmechanik) und nähen bzw. austauschen (Schlaufen). Weiterer Nachteil: die passenden Spitzen bekommt man nicht an jeder Ecke.
- Black Diamond
: sehr innovativ, macht auch sehr gute Stöcke !
- Fizan
Weiteres, auch zum Gehen mit Stöcken siehe unter Gehtechnik
die (selteneren) Stockspitzen für Komperdell gibt es hier: outdoortrends.de
Pete's Pole Page (engl.); Wie und warum Stöcke hilfreich sind
Umfangreicher Artikel über Wanderstöcke - Einführung, Material, Technik
Zu guter Letzt soll auch der gute alte Bergstock nicht unerwähnt bleiben. Einige Leute (wie Oli) schwören darauf. Klassischerweise ist er aus Holz und etwa 1,70 - 1,80 m lang mit metallverstärkter Spitze und entsprechend schwer. Man kann sich aber auch im Gartencenter einen stabilen aber leichten Bambusstab für wenige Mark kaufen. Auf dem Stock kann man sich gut abstützen, wenn man wenig Halt hat, kann sehr gut auf Schneefeldern abreiten und für die Flußdurchquerung taugt er auch. Die Entlastung der Gelenke funktioniert mit einem Paar Wanderstöcke allerdings besser.
Links:
Weiteres, auch zum Gehen mit Stöcken siehe unter Gehtechnik
die (selteneren) Stockspitzen für Komperdell gibt es hier: outdoortrends.de
Pete's Pole Page (engl.); Wie und warum Stöcke hilfreich sind
Umfangreicher Artikel über Wanderstöcke - Einführung, Material, Technik Literatur:
Christian Schneeweiß: Gut gestützt ist halb gewonnen. In: Bergsteiger. Das Tourenmagazin, Oktober 2004. |