Deutschland: Bismarcktürme
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Besonders in den deutschen Mittegebirgen trifft man immer wieder auf Aussichtstürme, die den Namen Otto von Bismarcks tragen. Sie sind heute oft attraktive Wanderziele, da sie in ihrer Architektur an mittelalterliche Baustile erinnern und damit ein romantisches Bild abgeben. Die Aussicht ist teilweise überwältigend und oft gibt es auch eine Ausflugsgaststätte in der Nähe.

Bismarckturm Bad Lauterberg, Harz

Allgemeines & Spezielles
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Bismarckdenkmäler wurden seit 1868 zu Ehren des langjährigen preußischen Ministerpräsidenten und ersten deutschen Reichskanzlers Fürst Otto von Bismarck an vielen Orten des damaligen Deutschlands (heute teilweise Dänemark, Frankreich, Polen und Russland), in den ehemaligen Kolonien sowie auch auf anderen Kontinenten errichtet.

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen war von 1862 bis 1890, mit einer kurzen Unterbrechung im Jahr 1873, Ministerpräsident von Preußen und zugleich von 1867 bis 1871 Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes sowie von 1871 bis 1890 erster Reichskanzler des Deutschen Reiches, dessen Gründung er maßgeblich vorangetrieben hatte.

Als Politiker machte sich Bismarck im preußischen Staat zunächst als Vertreter der Interessen der Junker im Kreis der Konservativen einen Namen und war während der Reaktionsära Diplomat (1851-1862). 1862 wurde er zum preußischen Ministerpräsidenten berufen. Im preußischen Verfassungskonflikt kämpfte er gegen die Liberalen für den Primat der Monarchie. Als Außenminister setzte er im Deutsch-Dänischen Krieg und im Deutschen Krieg zwischen 1864 und 1866 die politische Vorherrschaft Preußens in Deutschland durch. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 war er als treibende Kraft an der Lösung der deutschen Frage im kleindeutschen Sinn und an der Gründung des Deutschen Reiches beteiligt. Die Politik des neu geschaffenen Reiches bestimmte er als Kanzler und als preußischer Ministerpräsident entscheidend mit. Er setzte außenpolitisch auf einen Ausgleich der Mächte (europäisches Gleichgewicht, siehe Bündnispolitik Otto von Bismarcks).

Ein Bismarckturm ist eine besondere Form des Bismarckdenkmals. Von 240 Bismarcktürmen sind heute noch 173 vorhanden. In der Bundesrepublik Deutschland sind noch 146 von ehemals 184 Türmen erhalten. Einige, u. a. alle 47 Türme nach dem Entwurf "Götterdämmerung" von Wilhelm Kreis, wurden als sogenannte Bismarcksäulen errichtet. Diese Bezeichnung ist auf den 1899 ausgeschriebenen Wettbewerb der Studentenschaft zurückzuführen, der die Errichtung möglichst vieler Feuer säulen (und nicht Aussichtstürme) anregen sollte. Doch auch andere Bismarcktürme, z. B. die reinen Feuersäulen ohne Aussichtsfunktion, werden vielfach als Bismarcksäule bezeichnet.

Bedeutung

Die Bismarckdenkmäler waren sichtbarster und dauerhaftester Ausdruck der Bismarckverehrung bzw. des Bismarck- Kults im Kaiserreich. Größe und Aufwand der realisierten Denkmäler reicht von Gedenktafeln bis hin zu ausgedehnten Anlagen mit mehreren Figurengruppen wie dem Bismarck-Nationaldenkmal in Berlin. Die Flut von Bismarck-Monumenten aller Art war die dritte große Denkmälerwelle des deutschen Kaiserreichs nach den Krieger- und Siegesdenkmälern für die sogenannten " Einigungskriege " von 1864, 1866 und 1870/71 und den Kaiser Wilhelm-Denkmälern.

Bismarckturm Bad LauterbergDenkmäler vor 1871

Bereits vor der Reichsgründung, noch zu Zeiten des Norddeutschen Bundes wurden zu Ehren Bismarcks Denkmäler errichtet. Das erste Bismarckdenkmal, ein 12 m hoher Obelisk, stand seit 1868 in Groß Peterwitz in Schlesien. Ein Jahr später wurde in Ober-Johnsdorf in Schlesien ein Bismarckturm als Aussichtsturm eingeweiht. Beide Denkmäler entstanden aufgrund privater Initiativen.

Denkmäler 1871 bis 1890

Schon kurz nach der Reichsgründung 1871 wurde Bismarck denkmalwürdig. Häufig wurde Bismarck nicht allein mit einem Denkmal geehrt, sondern zusammen mit anderen an den Kriegen 1866 und 1870/71 und der Reichsgründung beteiligten Personen.

Die ersten öffentlichen Bismarck-Standbilder entstanden ab 1877 (indirekte Darstellung auf der Canossa-Säule bei Bad Harzburg). Das erste Denkmal, das Bismarck in ganzer Größe zeigt, war das 1877 aufgestellte Bismarck-Denkmal in Bad Kissingen (Ortsteil Hausen). Am häufigsten anzutreffen waren anfangs bronzene Büsten oder Standbilder. Zumeist zeigten sie auf einem hohen Sockel die überlebensgroße gegossene Gestalt Bismarcks als Militär in Kürassieruniform nach dem Vorbild des zweiten, 1879 enthüllten Bismarck-Standbilds in Köln. Geschmückt wurden mit diesen Denkmälern in der Regel zentrale Plätze von Städten. Zudem wurden über dreißig Bismarck-Brunnen gebaut. Bismarck-Denkmäler wurden auf allen Kontinenten errichtet, meist in den deutschen Kolonien, aber auch in Ländern mit deutschen Auswanderern wie USA und Brasilien.

Denkmäler 1890 bis 1898

Unmittelbar nach Bismarcks Entlassung 1890 gründeten sich in mehreren Orten Komitees, die die Errichtung repräsentativer Denkmäler planten. Die Zahl der Denkmalsetzungen stieg nun allmählich an. Gleichzeitig wurden auch neue Denkmalformen konzipiert. Wenige Denkmäler zeigen Bismarck als private Person.

Mehr und mehr wurden statt der konventionellen Büsten oder Standbilder Bismarcktürme im mittelalterlichen Stil gebaut. Diese wurden im Gegensatz zu den figürlichen Denkmälern außerorts auf erhöhten Punkten errichtet.

Denkmäler und Bismarck-Türme nach 1898

Nach seinem Tod 1898 nahm Bismarcks ohnehin schon enorme Popularität noch einmal zu und damit auch die Zahl der Denkmalprojekte. Auch gestalterisch bedeutete das Jahr 1898 einen Einschnitt. Mehrfach wurde die Figur Bismarcks statt in der bisher üblichen zeitgenössischen Tracht in einer mittelalterlich anmutenden Rüstung dargestellt. Die Formensprache der Denkmäler wurde vielfach archaischer und es wurden wesentlich mehr architektonische Monumente erbaut.

Der Architekt Wilhelm Kreis schuf 1899 (also ein Jahr nach Bismarcks Tod) für einen Wettbewerb der "Deutschen Studentenschaft" einen grundlegenden Musterentwurf "Götterdämmerung" in Form einer wuchtigen Feuersäule, der von der Jury mit dem 1. Preis prämiert wurde. Dieser Musterentwurf wurde bis 1911 47 mal mit individuellen Unterschieden ausgeführt und kommt damit einem Typenbau nahe. In vielen Orten lehnte man aber einen Bau nach diesem Einheitsentwurf ab. Unabhängig von der architektonischen Gestaltung sollten nach der Idee der Studentenschaft auf allen Bismarcksäulen auf dem Turmkopf Feuerschalen installiert werden, die an bestimmten Tagen zu Ehren des ehemaligen Reichskanzlers - gleich einem Netzwerk in ganz Deutschland - brennen sollten. Auf 167 Bismarcktürmen wurden tatsächlich Befeuerungsvorrichtungen für unterschiedliche Brennstoffe angebracht. Da man sich nicht auf einen gemeinsamen Tag der Befeuerung einigen konnte (Bismarcks Geburtstag am 1. April lag in den Semesterferien), setzte sich diese Netzwerk-Idee nicht durch. Finanziert wurden die Bismarcksäulen meist durch Spenden (vor allem aus dem Bürgertum). Als Baumaterial sollte jeweils Gestein der näheren Umgebung (möglichst Granit oder Sandstein) verwendet werden. Insgesamt 240 Bismarcktürme wurden als Aussichtstürme bzw. Feuersäulen errichtet.

Krönender Höhepunkt aller Bismarck-Monumente sollte eigentlich das sogenannte Bismarck-National-Denkmal auf der Elisenhöhe bei Bingerbrück werden, das anlässlich der Jahrhundertfeier am 1. April 1915 eingeweiht werden sollte. Seit 1907 war man mit Planungen beschäftigt und 1910 wurde ein allgemeiner Wettbewerb durchgeführt. Das Projekt wurde aber - bedingt durch die ausufernden, stark kontroversen Diskussionen um das Wettbewerbsergebnis und den Ausbruch des Ersten Weltkriegs  - nie ausgeführt.

Viele Bismarckdenkmäler haben den Zweiten Weltkrieg und die anschließenden politischen Veränderungen nicht überdauert, Sie wurden für die Rüstungsproduktion eingeschmolzen, bei Bombardierungen vernichtet oder nach 1945 entfernt. Heute gibt es vielerorts Vereine, die vorhandene Bismarcktürme und Bismarcksäulen pflegen beziehungsweise Geldmittel für eine Sanierung sammeln.

Literatur
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Reinhard Alings: Monument und Nation. Das Bild vom Nationalstaat im Medium Denkmal. Zum Verhältnis von Nation und Staat im deutschen Kaiserreich 1871-1918. (= Beiträge zur Kommunikationsgeschichte , Band 4.) Berlin / New York 1996.

Thomas Gräfe: Der Bismarck-Mythos in der politischen Kultur des Wilhelminischen Kaiserreichs. München 2002.

Werner Greiling: Der Bismarckturm. Bürgerschaftliches Engagement und nationale Denkmalkultur. Hain, Weimar / Jena 2003.. (über den Bismarckturm in Neustadt an der Orla )

Hans-Walter Hedinger: Bismarck-Denkmäler und Bismarck-Verehrung. In: Ekkehard Mai / Stephan Waetzoldt (Hrsg.): Kunstverwaltung, Bau- und Denkmal-Politik im Kaiserreich. Berlin 1981, S. 277-314.

Kai Krauskopf: Bismarckdenkmäler. Ein bizarrer Aufbruch in die Moderne. Hamburg 2002.

Andreas Leutzsch: Bismarck? Von dem haben wir Korn, und der ist gut. In: Andreas Leutzsch (Hrsg.): Nomaden. Interdisziplinäre Wanderungen im Feld der Formulare und Mythen. Festschrift für Jürgen Frese. transcript, Bielefeld 2003, S. 64-88.

Michael C. Q. McGuire: Bismarck in Walhalla. The cult of Bismarck and the politics of national identity in Imperial Germany 1890-1915. Ann Arbor 1993.

Dirk Reinartz, Christian Graf von Krockow: Bismarck. Vom Verrat der Denkmäler. Steidl-Verlag, Göttingen 1998. (Bild- und Textband zum Thema Bismarckdenkmale und -türme).

Sieglinde Seele , Günter Kloss: Bismarck-Türme und Bismarck-Säulen. Eine Bestandsaufnahme . Michael Imhof Verlag, Petersberg 1997.

Sieglinde Seele: Lexikon der Bismarck-Denkmäler. Türme, Standbilder, Büsten, Gedenksteine und andere Ehrungen. Eine Bestandsaufnahme in Wort und Bild. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2005.

Links
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Bismarcktürme bei Wikipedia: Textinhalte ähnlich, aber viele interessante Fotos!

Commons: Bismarckstatuen - Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Liste von Bismarckturm-Vereinen

Jakob Hort: Bismarckdenkmäler. In: Historisches Lexikon Bayerns. 25. März 2011.

Commons: Bismarcktürme  - Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

www.bismarcktuerme.de - Informationsportal zu Bismarcktürmen und Bismarcksäulen

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Letzte Änderung: 06.03.2014