9.
Relevanz der Ergebnisse für die
Regional- und Tourismusplanung
9.1 Implikationen
für die Regional- und Tourismusplanung
Bisher
erfolgte die Entwicklung des Wandertourismus in der Serra de Tramuntana vor
allem nach den Interessen der gesamtwirtschaftlichen Strategie. Die Strategie
der Entwicklung von “Qualitätstourismus” beinhaltet u.a. die Entzerrung der
ausgeprägten Saisonzeiten und die Schaffung von attraktiven Angeboten für ein
“neues” Mallorca-Publikum. Die bisher in der Region geschaffenen Strukturen
(Ausschilderung, bewirtschaftete Hütten, Restaurierung alter Pfade) sind daher
nahezu ausschließlich auf die (vermeintlichen) Wert- und Freizeitvorstellungen
der Wandertouristen ausgerichtet. Die Einbeziehung und die Befriedigung
regionaler Bedürfnisse kam bisher zu kurz. Den dadurch entstandenen
Problemsituationen nachzuspüren und die Meinungen der einheimischen Bevölkerung
einzuholen war ein zentrales Anliegen vorliegender Arbeit. Diese
Forschungsarbeit bietet einen Einblick in die Interessen der ortsansässigen
Bevölkerung, der bei der weiteren Regional- und Tourismusplanung berücksichtigt
werden sollte.
Um ein
zielgruppengerechtes und damit erfolgreiches Produkt am Markt entwickeln zu
können, sollten neben den Wünschen der lokalen Bevölkerung die Ansprüche und
Erwartungen an das touristische Produkt von seiten der Reisenden bekannt sein.
Die Relevanz dieser Kenntnis unterstreicht Felicitas Romeiss-Stracke: “Leider
werden Flops selten darauf zurückgeführt, daß die Grundlage der
Kundenorientierung, die Kenntnis der Kunden, fehlte”[182].
Diesen Bereich deckt die Arbeit durch die breit angelegte Befragung von
Wandertouristen ab.
Die
Forschungsarbeit liefert zudem Ergebnisse über Ressourcen, Potenzial und
Angebot der Region für den Wandertourismus.
Die vorliegende
Arbeit bietet somit für die Regional- und Tourismusplanung Ergebnisse und
Hilfestellung bezüglich der weiteren Planung der touristischen Entwicklung in
der Serra de Tramuntana. Konkrete Maßnahmen werden im folgenden Kapitel
vorgeschlagen.
“”Qualität”
ist zu einer Art Zauberformel für den Tourismus in allen klassischen
Reiseländern Europas geworden; nicht nur in Deutschland,..., schon länger in
Mallorca”[183].
Steinbach geht davon aus, daß der Übergang vom Massen- zum Qualitätstourismus
“nur in Regionen Chancen hat, die sich durch besondere natur- oder
kulturräumliche Attraktionen auszeichnen”[184].
Wie gezeigt, ist mit der Region Serra de Tramuntana das Potential für die
Entwicklung zum Qualitätstourismus vorhanden. Basis für die weitere
Tourismusentwicklung in diesem Raum sollten die vorhandenen natur- und
kulturräumlichen Strukturen und Ressourcen sein.
In diesem
Kapitel sollen Implikationen gegeben werden, wie diese vorhandenen Strukturen
und Ressourcen möglichst nachhaltig genutzt und entwickelt werden können. Die
dabei angesprochene Institution ist vor allem die unter Kapitel 4.1 definierte
Tourismuspolitik. Ohne Frage ist eine Überschneidung von Kompetenzen mit
anderen Bereichen der Politik unausweichlich. Diese intern zu klärende Thematik
soll jedoch nicht Kern der folgenden Ausführungen sein.
Das Gesamtziel
der Tourismuspolitik sollte analog zu den bisherigen Ausführungen drei Teilziele enthalten, welche die
tourismuspolitisch bedeutsamen Aspekte in den Bereichen Ökonomie, Gesellschaft
und Ökologie abdecken.
Das empfohlene
Gesamtziel an die Tourismuspolitik kann somit lauten:
Gesamtziel:
Ziel der Tourismuspolitik Mallorcas sollte ein weiteres qualitatives
Wachstum unter Gewährleistung einer optimalen Befriedigung der Bedürfnisse
der Touristen im Rahmen leistungsfähiger touristischer Einrichtungen und einer
intakten Umwelt unter Berücksichtigung der Interessen der einheimischen
Bevölkerung sein.
Die aus dem
Gesamtziel abgeleiteten Teilziele für die Entwicklung des Wandertourismus in
der Region Serra de Tramuntana sollten wiederum die Bereiche Ökonomie,
Gesellschaft und Ökologie berücksichtigen.
Teilziel im Bereich Ökonomie:
Anzustreben ist eine regionalwirtschaftliche Strategie zur
Stärkung einer differenzierten, eigenständigen Regionalentwicklung zum Nutzen
möglichst breiter Teile der gesamten Volkswirtschaft.
Teilziel im Bereich Gesellschaft:
Anzustreben ist die Beteiligung der einheimischen
Bevölkerung an Entscheidungsprozessen zur Entwicklung des Tourismus und die
Verbesserung (bzw. wo gewünscht die Erhaltung) ihrer Lebensumstände.
Teilziel im Bereich Ökologie:
Anzustreben ist die Erhaltung von Umwelt, Natur und
Landschaft unter Berücksichtigung der ökologischen Tragfähigkeit der Region.
Der
Tourismuspolitik stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, auf die
Entwicklung des Wandertourismus Einfluß zu nehmen. Dazu gehören
Informationsmaßnahmen, Förderungsmaßnahmen, Sanktionsmaßnahmen und
Rechtserlasse, jedoch auch die Bereitstellung entsprechender Angebote und die
Bewerbung bestimmter Zielgruppen. Bisher wurde in dieser Arbeit durchgängig in
die Bereiche Ökonomie, Gesellschaft und Ökologie untergliedert. Im Folgenden
werden jedoch die empfohlenen Maßnahmen zur besseren Umsetzbarkeit entsprechend
ihrer Art aufgeführt (Rechtliche Maßnahmen, Infrastrukturelle Maßnahmen,
Veranstalterorientierte Maßnahmen, Besucherorientierte Maßnahmen,
Bevölkerungsorientierte Maßnahmen, Ökologische Maßnahmen).
Um das
Gesamtziel und die abgeleiteten Teilziele zu erreichen sind Konzepte des
Nachhaltigen Tourismus geeignet.
9.1.1 Konzepte
des Nachhaltigen Tourismus
Das Prinzip
der “Nachhaltigkeit” stammt aus der Forstwirtschaft und kennzeichnet eine Art
der Waldbewirtschaftung, bei der die Produktionskraft des Waldes und die
jeweilige Holzernte so miteinander in Einklang gebracht werden, daß langfristig
ein hoher Holzertrag gewährleistet ist, Boden und Standort jedoch nicht
beeinträchtigt werden[185].
Der Begriff wird mittlerweile in zahlreichen anderen Zusammenhängen, u.a. in
der Tourismusentwicklung verwendet. Gegenwärtig zirkulieren “über 70
verschiedene Definitionen” des Begriffes Nachhaltigkeit in der einschlägigen
Literatur[186].
Weiterführende Literatur findet sich u.a. bei Becker 1997, Forum Umwelt &
Entwicklung (Hrsg.) 1998, Pils 1998[187].
In der Regel
wird bei allen Definitionen das Nebeneinander von ökonomischen, sozialen und
ökologischen Parametern angeführt. Konzepte des Nachhaltigen Tourismus
beinhalten demnach die Dimensionen “Sozio-ökonomische Nachhaltigkeit”,
“Sozio-kulturelle Nachhaltigkeit” und “Sozio-ökologische Nachhaltigkeit”. Diese
Dimensionen sind unabdingbar miteinander verküpft, so bewirkt die ökonomische
Sicherung der materiellen Grundbedürfnisse der einheimischen Bevölkerung die
Sicherung soziokultureller und ökologischer Ressourcen durch Motivation, die
wiederum die Sicherung eines touristisch attraktiven Raumes ermöglichen.
Folgende
Strategien sind zur Erreichung der oben angesprochenen Ziele unter
Berücksichtigung der Konzepte des Nachhaltigen Tourismus für die
Untersuchungsregion relevant:
ð
“Sozio-ökonomische
Nachhaltigkeit”:
Schaffung von
Arbeitsplätzen, Erhöhung von Einkommen, verstärkte Teilhabe der einheimischen
Bevölkerung an touristischen Unternehmen, Stärkung der Verflechtung der
touristischen Nachfrage mit regionalen Produkten
ð
“Sozio-kulturelle
Nachhaltigkeit”:
Schaffung
bestmöglicher gesellschaftlicher Voraussetzungen für Touristen und
Einheimische, Partizipation der einheimischen Bevölkerung an
tourismusrelevanten Entscheidungen, Sicherung der traditionellen Kultur-,
Wirtschafts- und Lebensweise, Förderung traditionellen Handwerks, Förderung
kultureller Einrichtungen, Ausbau der Qualifikationsmöglichkeiten für
Tätigkeiten im Tourismus, Errichtung lokaltypischer Unterkünfte für Touristen,
Kommunikationsforen zwischen Touristen und Einheimischen schaffen
ð
“Sozioökologische
Nachhaltigkeit”:
Schutzmaßnahmen
für Flora, Fauna, Boden und Ökosysteme, räumliche Lenkung der touristischen
Nachfrage, Förderung des Umweltbewußtseins bei Touristen und einheimischer
Bevölkerung
“Das Konzept
der Nachhaltigkeit, das als Prozeß zu sehen ist, (kann) nur längerfristig
durchgesetzt werden”[188]. Deshalb gilt es, den bereits bestehenden
Problemen von heute und möglichen Konflikten der Zukunft mit
tourismuspolitischen Maßnahmen entgegenzutreten. Ökonomische und soziale
Gerechtigkeit und Schutz der natürlichen Umwelt sind wesentliche Pfeiler zum
Aufbau eines tragfähigen Tourismus in einer Region. Das Gesamtziel der
Tourismuspolitik für das Untersuchungsgebiet und die dafür angewandten
Strategien und Maßnahmen sollten deshalb die Konzepte der Nachhaltigkeit
verfolgen. Auch und gerade deswegen, damit man sich nicht um die letzten
naturnahen und soziokulturell erhalten gebliebenen Ressourcen bringt und die
Basis für zukünftige Generationen (Einheimische wie Touristen) erhält.
9.1.2 Rechtliche
Maßnahmen
Tourismusrelevante
Erlasse anderer Politikbereiche bestimmen und fördern tourismuspolitische
Maßnahmen. Für die Untersuchungsregion beeinflußt z.B. die
Raumordnungs-Gesetzgebung die Tourismuspolitik maßgeblich (durch Ausweisung von
Schutzgebieten, etc.). Zwischen den beteiligten Bereichen ist eine engere
Kooperation vonnöten als dies bisher der Fall war.
Katalogisierung
und Regelung bezüglicher öffentlicher Wege
Wie bereits
beschrieben, wird die Politik Mallorcas teilweise durch die Eigeninteressen
einzelner Politiker und Lobbyisten in ihren Strategien und Maßnahmen gelähmt.
Im Bereich der Serra de Tramuntana betrifft dies z.B. den Interessenskonflikt
von Politikern, die Grundstückseigentümer in der Bergregion sind (siehe Kapitel
4.2.1.2). Diese Personen haben kein Interesse an der Ausweisung der Serra de
Tramuntana als Naturpark oder der Katalogisierung öffentlicher Wege. Trotz
Widerstand aus den eigenen Reihen ist von der Politik dennoch dringend eine
einheitliche Regelung hinsichtlich der Feststellung öffentlicher Wege zu
erreichen um die Beschränkung von Wanderwegen und den daraus resultierenden
Imageschaden abzuwenden. Insbesondere traditionelle Hauptverbindungswege
sollten durch klare rechtliche Festschreibung der öffentlichen Nutzung
zugeschrieben werden. Die Ausweisung der Serra de Tramuntana als
Naturschutzpark würde die Maßnahme erleichtern und fördern.
Ein klare
Richtlinie sollte auch beinhalten, wie bei Sperrungen verfahren wird. Wo ein
traditioneller Weg direkt an Wohnstätten vorbeiführt, müßten Umleitungen
geschaffen werden. Um negativen Einstellungen derjenigen Grundstücksbesitzer
vorzubeugen, die keinen Nutzen aus den touristischen Aktivitäten auf ihrem
Besitz ziehen, sollte über die Zahlung von Entschädigungen nachgedacht werden,
bzw. könnte diesen Finca-Besitzern das Recht zur Erhebung einer Wegebühr
eingeräumt werden[189].
9.1.3 Infrastrukturelle
Maßnahmen
Insgesamt hat
die Befragung der Wandertouristen gezeigt, daß die Wünsche und Erwartungen im
infrastrukturellen Bereich der Region Serra de Tramuntana zum Teil unzureichend
befriedigt werden. Die Kundenorientierung ist jedoch für ein ganzheitliches
Qualitätsmanagement von größter Wichtigkeit. Insbesondere bei der geplanten
Entwicklung des Tourismus hin zum Qualitätstourismus ist der teilweise Ausbau
und die Verbesserung der Infrastruktur unter Einbeziehung von Konzepten des
Nachhaltigen Tourismus nötig, um die gewünschte Zielgruppe zufriedenzustellen.
Förderung
von Unterkünften in einheimischer Hand
Anhand der
Ergebnisse eigener Beobachtung und Analyse der Angebote des Agroturisme in der
Serra de Tramuntana kann festgestellt werden, daß sich die Unterkünfte und
gastronomischen Betriebe fast ausnahmslos in einheimischer Hand befinden.
Ausländische Investoren spielen bisher so gut wie keine Rolle. Diese Situation
gilt es zu fördern, um den strukturell benachteiligten Raum zu stärken. Bisher
benötigen Privatbetriebe, die Unterkünfte für Touristen auf dem Land oder in
Dörfern anbieten möchten, jedoch eine Agroturisme-Lizenz[190].
Die Zuerkennung dieser Lizenz macht Umstrukturierungsmaßnahmen an den Gebäuden
und damit große Investitionen nötig, da bestimmte Standards gefordert werden[191].
Vielen Finca-Besitzern mangelt es an den nötigen finanziellen Mitteln.
Die Einrichtung
von Unterkunftseinheiten kann in der Serra de Tramuntana jedoch zusätzliche
Arbeitsplätze schaffen und eine Stärkung der Einkommen und damit der
Landwirtschaft erreichen. Kleine Unterkunftseinheiten dienen zudem der
Förderung des kulturellen Austausches zwischen Wanderern und lokaler
Bevölkerung. Somit ist eine wichtige politische Maßnahme der Abbau
erschwerender Kriterien zum Ausbau von Privatunterkünften. Nach Ansicht der
Autorin sollte die Einrichtung von Unterkünften auf traditionellen Betrieben sogar
finanziell gefördert werden, z.B. durch zinslose Kredite oder
Steuererleichterungen.
Hier wäre eine
pragmatische Politik wünschenswert, die Finca-Besitzern, die Unterkünfte
anbieten wollen, dies auch ermöglicht. Denn zu einer Stärkung der Einkommen landwirtschaftlicher
Betriebe kommt eine positive Einstellung der Beteiligten. Die Motivation könnte
durch Wettbewerbe, z.B. “Umweltfreundlicher Finca-Betrieb” erhöht werden, was
auch einer Imageverbesserung der Destination Mallorca insgesamt zuträglich wäre.
Insgesamt beinhalten kleine Unterkunftseinheiten in traditionellen Gebäuden bei
Privatanbietern zahlreiche Elemente der Konzepte des Nachhaltigen Tourismus und
somit auch eine hohe “Qualität”. Die politische Förderung dieser Strukturen
vereinbart sich deshalb gut mit dem gesamtpolitischen Ziel, der Entwicklung von
“Qualitätstourismus”. Die besondere Herausstellung der nachhaltigen Elemente
dieses Angebotes verspricht wirtschaftlichen Erfolg, da die umweltbewußten
Touristen bereit sind, für Qualität einen angemessenen Preis zu bezahlen.
Ausbau des
öffentlichen Nahverkehrs
Wie von
zahlreichen Wandertouristen angeregt, ist der Ausbau des öffentlichen
Nahverkehrs auf die Bedürfnisse der Urlauber sinnvoll. Der Ausbau des
öffentlichen Nahverkehrs mit abgestimmten Angeboten sollte den Wanderern (und
Ausflugstouristen) eine attraktive Alternative zum (Miet-)Wagen bieten. Bisher
ist kaum zusätzlicher Nahverkehr in der Hauptreisezeit des Wandertourismus
eingerichtet. Manche Strecken werden z.B. erst ab dem 01. April bedient (siehe
auch Kapitel 3.3.2). Eine Ausweitung des Busnetzes auf bisher nicht per
öffentlichem Nahverkehr erreichbare Ausgangspunkte von Wanderungen könnte zudem
eine Entzerrung der stark frequentierten Wege bewirken.
Verbesserung
der Ausschilderung
Die
Inselregierung hat bereits damit begonnen, die Ausschilderung der Wanderwege zu
verbessern. Um eine Entzerrung der bereits als überlastet anzusehenden
Hauptwanderrouten zu erreichen, ist jedoch vor allem die Beschilderung bislang
wenig benutzter Wege angezeigt. Die Verbesserung der Ausschilderung sollte
analog zu dem Folgenden eine zusätzliche Beschriftung mit der Klassifizierung
des jeweiligen Weges beinhalten.
Klassifizierung
der Wanderwege
Da die
verschiedenen Wanderwege unterschiedliche Anforderungen an die Wanderer
stellen, ist eine Klassifizierung der Untersuchungsregion sinnvoll. Dies ist in
Form von verschiedenen Schwierigkeitsgraden für die einzelnen Wanderrouten
denkbar: z.B. Klassifizierung in “leichte Wanderungen”, “mittelschwere Wanderungen”
und “schwere Wanderungen”[192].
Die Klassifizierung sollte auf die bereits vorhandene Ausschilderung zugefügt
werden (z.B. durch verschiedenfarbige Symbole) und in Informationsbroschüren
erläutert werden. So kann zum einen eine Kanalisierung der Besucher erreicht
werden, die unerfahrene Wanderer von schwierigen Wanderungen abhält und so vor
Gefahren schützt. Zum anderen kann enttäuschten Erwartungen der Gäste
vorgegriffen werden. Enttäuschte Erwartungen zahlreicher Gäste bedeuten häufig
einen Imageschaden für eine Region, da negative Erlebnisse weitergetragen
werden.
Schaffung
alternativer Strecken für Nicht-Wanderer
Zusätzlich zu
den Wanderwegen sollten ortsnahe, leicht zu bewältigende Wege ausgebaut werden,
um Spaziergänger und Gelegenheitswanderer zu bedienen. Dies kann zu einer
weiteren Entzerrung stark frequentierter Wanderwege beitragen und schützt die
Touristen vor nicht bekannten Gefahren der Berge.
Schaffung
öffentlicher Gebiete
Eine
Entzerrung stark frequentierter Wanderwege befördert auch die Maßnahme der
Inselregierung, des Landes und der Gemeinden, Gebiete aufzukaufen und diese
öffentlich zugänglich zu machen. Mit der Maßnahme der Schaffung öffentlicher
Gebiete steigen die Möglichkeiten der Handhabe der Tourismuspolitik (zum Ausbau
von Infrastruktur, Ausweisung von Schutzgebieten, etc.) gegenüber denen bei
privatem Gelände. Dies dient der Imagepflege der Region und entschärft den
Imageschaden, der durch die Verärgerung bei Wanderern durch Beschränkung von
Wanderwegen entsteht. Eine Ausweitung dieser Maßnahme ist also sinnvoll.
Einrichtung
von Gepäcktransport
Die
Einrichtung von Gepäcktransport insbesondere bei dem in Planung befindlichen
Weitwanderweg “Cami de pedras en sec” würde eine Bereicherung des touristischen
Angebotes darstellen. Zu denken ist dabei an Transport des Gepäcks der Wanderer
vom jeweiligen Ausgangspunkt der Wanderung zum nächsten Zielpunkt. Das
zusätzliche Angebot kann neben Erträgen auch Arbeitsplätze schaffen.
9.1.4 Veranstalterorientierte
Maßnahmen
Die
Reiseunternehmen müssen in Zukunft – nicht nur zur Sicherung ihrer eigenen
Existenz – die Tourismusentwicklung mitverantwortlich gestalten. Es gilt, den
Reiseveranstalter diese Mitverantwortung aufzuzeigen und Anreize hierfür zu
schaffen.
Es sollte
deutlich werden, daß den Reiseunternehmen eine besondere Verantwortung zukommt,
da sie mit mehr oder weniger großen Gruppen in der Serra de Tramuntana als dünn
besiedeltem Raum unterwegs sind und so insbesondere sozio-kulturelle Konflikte
potenziert werden können. Als positives Beispiel kann der Reiseveranstalter TUI
angeführt werden, der die Umweltorganisation GOB finanziell bei Projekten im
Naturschutzgebiet La Trapa unterstützen wird. Die finanzielle Unterstützung
wird unter anderem in Aufforstungsprogramme, Restaurierungsprojekte und
Umwelterziehung investiert.[193]
Erstellung
eines Newsletters
Die Erstellung
eines regelmäßig erscheinenden Newsletter könnte Informationen, die die
Tourismuspolitik den Reiseveranstaltern vermitteln will, verbinden mit solchen,
die für die Veranstalter interessant und nötig sind. Zu denken ist z.B an einen
Newsletter, der per Internet oder in der Art der Symphatie-Magazine des
Studienkreises für Tourismus[194]
an die Reiseveranstalter geschickt wird. Diese Newsletter könnten Information
zu aktuellen Beschränkungen von Wanderwegen sowie die neuesten Maßnahmen der
Tourismuspolitik enthalten, z.B. Stand des Ausbaus des “Cami de pedras en sec”,
außerdem Informationen zu kulturellen Veranstaltungen in der Serra de
Tramuntana, örtliche Museen und sonstige Besonderheiten (spezielle
Gastronomiebetriebe, Besichtigungsmöglichkeiten einheimischen Handwerks,
Sonderaktionen etc.). Neben diesen informativen Aspekten sollte der Newsletter
Aspekte zu Belangen der Umwelt und Gesellschaft enthalten, um ein Bewußtsein für
die Problematiken in der Region zu schaffen.
Fortbildung
der Reiseleiter
Die
Reiseveranstalter sollten die Verantwortung auch an ihre Reiseleiter
weitergeben, die mit der Progagierung eines Nachhaltigen Tourismus zu
Multiplikatoren werden. Für die Reiseleiter könnte eine Fortbildung vor Ort
angedacht werden. Dabei sollte eine enge Kooperation mit dem Wanderführerverein
GEM gesucht werden, da dieser Verein über das entsprechende knowhow verfügt und
für dessen Mitglieder bereits solche Fortbildungen (und Ausbildungen zum
Wanderführer) angeboten werden. Eine breitere Information der Reiseleiter
verschafft diesen und damit den Wanderern eine bessere Kenntnis der
spezifischen Probleme der Region und sensibilisiert vor allem hinsichtlich der
gesellschaftlichen Belange.
9.1.5 Besucherorientierte
Maßnahmen
Die
Urlaubsentscheidung fällt in der Regel nach einem Vergleich verschiedener
Angebote aus. Die Sensibilisierung der (potentiellen) Mallorca-Wanderer und
Werbung mit generellen Zielen der Nachhaltigkeit in der Region kann Solidarität
beim Reisenden schaffen. Dabei sind bestimmte Zielgruppen sicherlich leichter
zu solidarisieren als andere. Unter den befragten Wanderern waren vor allem die
älteren Wanderer, die Mallorca schon häufig besucht haben und hier bereits
häufig gewandert sind, am zufriedensten mit der Reise insgesamt und der
Qualität der Wanderwege. Zufriedenheit ist eine gute Basis für die Schaffung
solidarischer Gäste.
Bewerbung
bestimmter Zielgruppen
Bei der
Bewerbung bestimmter Zielgruppen sollte die Regional- und Tourismusplanung vor
allem die oben beschriebenen Stammkunden Mallorcas erreichen. Man kann davon
ausgehen, daß es preiswerter ist, alte Stammkunden zufriedenzustellen, als neue
zu akquirieren. Die beschriebene Zielgruppe zeichnet sich durch hohe
Zufriedenheit, aber auch durch ein hohes Maß an formaler Bildung und ein eher
hohes Einkommen aus. Damit entspricht diese Zielgruppe weitgehend den von der
Tourismuspolitik erwünschten “Qualitätstouristen”. Will man die Zielgruppe
entsprechend den Ausführungen in Kapitel 4.3.2 weiter differenzieren, so ist
der wohlsituierte Komfortwanderer mit traditionellen Motiven als Kulturwanderer
und Naturgenießer speziell in Blick zu nehmen. Bezüglich der Reiseform stellen
die Individualreisenden als erfahrene Mallorca-Urlauber und -Wanderer eine
besonders attraktive Zielgruppe dar, da sie insgesamt zufriedener mit der
Destination sind, dazu neigen auf der Insel einen längeren und vielfältigeren
Wanderurlaub zu verbringen und eher als die Pauschalreisenden in alternativen
Unterkunftsformen (wie z.B. Agroturisme) übernachten.
Geworben
werden sollte mit den unter “Infrastrukturelle Maßnahmen” (siehe Kapitel 9.1.3)
aufgeführten Verbesserungen der Infrastruktur (Unterkünfte in privaten
Betrieben, Möglichkeit zu Kultur- und Themenwanderungen, etc). Geeignete Medien
stellen die einschlägigen Wandermagazine und überregionale Tageszeitungen dar,
in denen die Region mit Anzeigen und redaktionellen Beiträgen vorgestellt
werden kann.
Solidarische
Gäste
Insgesamt sind
Wanderer wahrscheinlich leichter zu solidarisieren als andere Urlaubergruppen.
Viele der Wandertouristen möchten sich durch die Art ihres Urlaubes explizit
von den Massentouristen absetzen, bei ihnen steht der Wunsch nach Naturerlebnis
im Vordergrund. Diese Aspekte sollten bei der Solidarisierung genutzt werden.
Den Wanderern kann verdeutlicht werden, daß sie sich durch Solidarität mit der
Umwelt und der Gesellschaft des Urlaubszieles von den “Anderen” Touristen
abheben, die die Destination lediglich “benutzen”. Es sollte herausgestellt
werden, daß Solidarität mit der Umwelt und der Gesellschaft die Region zudem
für zukünftige weitere Wanderurlaube erhält. Die Schaffung von solidarischen
Gästen kann durch verschiedene Maßnahmen erreicht werden. So können unten
beschriebene Informationsmaßnahmen (über kulturelle Eigenart der Region,
landwirtschaftliche Nutzung, Natur- und Landschaftsschutz) ein Verständnis für
die Probleme der Region wecken. Konkrete Handlungsvorschläge können dann zu
solidarischen Aktionen der Reisenden führen. Seit Jahren werden z.B. auf
Mallorca (initiiert z.B. von der Naturschutzorganisation GOB)
Müllsammel-Aktionen an Stränden durchgeführt, an der sich Touristen beteiligen
können. Ähnliche Aktionen könnten entlang der Wanderwege stattfinden.
Solidarität
kann auch durch verstärkten Kontakt mit der lokalen Bevölkerung erreicht
werden, z.B. durch Übernachtung der Wanderer in Privatquartieren. Zu denken ist
dabei besonders an kleine Unterkunftseinheiten, wie sie in Kapitel 9.1.3
beschrieben werden. Bei solchen Einheiten kommt es zu einem verstärkten
kulturellen Austausch zwischen Touristen und einheimischer Bevölkerung.
Solidarität bedeutet so Stärkung der Landwirtschaft, der Einkommen in der
Region und Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze. Aus genannten Gründen sollten
vor allem touristische Produkte in der Region, die umweltfreundlich und
sozialverträglich sind, gekennzeichnet und speziell beworben werden.
Informationsmaßnahmen
Wie die
Ergebnisse der Befragung zeigten, sind viele Wanderer über sozio-kulturelle und
ökologische Gegebenheiten in der Serra de Tramuntana unaufgeklärt.
Informationsmaßnahmen sollten diesen Umstand ändern. Eine breite Aufklärung und
Information der Wandertouristen über freizeitbedingte Umwelt- und
Gesellschaftsbelastungen aus falschem Verhalten könnte mithilfe von Broschüren,
die in den Unterkünften bereitliegen oder anhand von Stellwänden und
Hinweistafeln an den Eingängen der Wanderwege gewährleistet werden.
Foto 8: Informationstafel am Tossals
Verds

Die Informationsmaßnahmen
für Besucher sollten beinhalten:
ð
Informationen
über die Gefahren der Berge
ð
Informationen
über die kulturelle Eigenart der Region
ð
Informationen
über die landwirtschaftliche Nutzung und damit verbundenes Verhalten
ð
Informationen
über den Natur- und Landschaftschutz.
Insbesondere
zum Thema Natur- und Umweltschutz liegen bereits zahlreiche Publikationen der
Naturschutzorganisation GOB vorwiegend in mallorquinischer Sprache vor[195],
so daß hier zum Teil keine Neuerstellung nötig ist, sondern lediglich eine
Übersetzung.
Die
Informationsmaßnahmen werden notwendigerweise Regeln enthalten, die beim
Wandern beachtet werden sollen. Es ist auf eine gelungene Mischung von
Information, Motivation, Aufklärung und Reglementierung zu achten, die die
Akzeptanz der Reisenden fördert, ohne daß deren Wünsche nach Genuß,
Wohlbefinden und Freisein von Zwängen eingeschränkt werden.
Ein mögliches
Beispiel:
Lieber Wanderer,
bestimmt sind Sie ein
Wanderer, dem folgende Punkte schon geläufig sind.
Wir möchten Sie Ihnen dennoch
noch einmal an ihr Herz legen.
Bitte verhalten Sie sich rücksichtsvoll
gegenüber den Grundstücksbesitzern
Bitte begehen Sie Privatgelände nur nach
vorheriger Absprache mit den Besitzern
Bitte belassen sie Tore und Zäune wie
vorgefunden (entweder geöffnet oder geschlossen)
Bitte benutzen Sie die Wege
Bitte hinterlassen Sie keinen Abfall
Bitte verschrecken Sie keine Schafe, Hunde und
andere Haustiere
Bitte entzünden Sie kein Feuer
Erweiterbar
sind diese Informationsmaßnahmen beliebig, z.B. um folgende “Regeln”:
Quellen
sauberhalten, keine Pflanzen sammeln, umweltfreundliche Verkehrsmittel
benutzen, Informationen einholen (über Schutzzonen, gefährdete Bereiche,
Zustand des Wegenetzes), Hinweisschilder beachten, Lärm vermeiden, Obst nicht
ohne Genehmigung pflücken, Tiere nur aus der Entfernung beobachten,
Rücksichtnahme und Streßvermeidung gegenüber sich selbst und anderen.
Je nach
Informationsbedarf der Touristen sollte man über die wichtigsten
Informationsmaßnahmen hinaus weitere Broschüren anfertigen und zur Verfügung
stellen, nach Möglichkeit mit Erklärungen zu den einzelnen Regeln. Die
Broschüren sollten insbesondere in den bewirtschafteten Hütten ausliegen.
Weitere Orte können die örtlichen Fremdenverkehrsämter und die Unterkünfte im
Gebiet sein.
Einführung
von Kultur- und Themenwanderungen
Um ein
breiteres Verständnis der Touristen für die spezifischen Eigenarten der Region
zu erlangen und die infrastrukturelle Ausstattung der Wege zu verbessern, ist
die Einführung von Kultur- und Themenwanderungen anzudenken. Mögliche
Themenschwerpunkte könnten dabei sein:
“Auf den
Spuren der Köhler und Pilger”,
“Traditionelle
Baustile und Siedlungsformen”,
“Einheimische
Flora und Fauna”,
“Geologie
Mallorcas”,
“Traditionelle
landwirtschaftliche Produktionsformen”
“Spuren
historischer Lebens- und Wirtschaftsweisen”,
Die
entsprechenden Informationen sollten auf Stellwänden oder mithilfe von
Broschüren bereitgestellt werden. Möglich ist bei entsprechendem Interesse auch
die Begleitung eines Wanderreiseleiters, z.B. von der Organisation Mallorca
Activa, die bereits organisierte Wandertouren für Gruppen anbieten[196].
Einführung
eines Nutzungsentgeltes / Steuerausgleich
Da der
Wandertourismus in hohem Masse von landwirtschaftlicher Instandhaltung der
Region und infrastruktureller Aufwertung der Wege (durch Aufstellung von
Wegweisern, Instandhaltung der Wege, Ausbau von bewirtschafteten Hütten und
Rastplätzen, etc.) profitiert, ist zu überlegen, ob er sich als Nutzniesser
direkt an der Finanzierung beteiligen sollte. Die Umsetzung gestaltet sich
jedoch schwierig. Die Schaffung der notwendigen Infrastruktur, um eine solche
Gebühr an den Eingängen der Wanderwege zu erheben (z.B. Kassenhäuschen), würde
zusätzliche Kosten verursachen. Die Einrichtung einer solchen Infrastruktur
sollte sinnvollerweise mit zusätzlichen Informationen darüber verbunden sein,
wofür das Geld verwendet wird. Die Bereitstellung solcher Informationen würde
wiederum Kosten verursachen. Ein Finca-Eigentümer äußert in der Wochenzeitung
“Palma Kurier” seine Bedenken zu einer solchen Einführung folgendermaßen: “...
ein Urlauber, der für ein paar Kilometer Wandern zwei- oder dreitausend Pesetas
gezahlt hat, der bleibt im nächsten Jahr bestimmt zu Hause”[197].
Der Autorin scheint bei Mallorcas Wanderern die Bereitschaft zur Zahlung einer
Gebühr generell vorhanden. Denoch sprechen o.g. Kosten zur Einführung der
nötigen Infrastruktur gegen diese Maßnahme. Auch andere Modelle weisen jedoch
Nachteile auf. Die Einziehung einer “Berg-Gebühr” bei Einreise z.B. könnte nur pauschal
von jedem Mallorca-Urlauber erhoben werden, wobei mit Akzeptanzproblemen
bei Nicht-Wanderern zu rechnen wäre. Sollte die Verfassungsklage gegen die
“Ökosteuer” abgewiesen (siehe Kapitel 4.1.3) und die Steuer auf den Balearen
eingeführt werden, ist zu überlegen, ob ein Teil der Einnahmen für die
Verbesserung der Infrastruktur in der Serra de Tramuntana verwandt wird.
Praktikabler
erscheint derzeit eine Umverteilung innerhalb der Gemeinden über
Steuerausgleich. Viele Wandertouristen übernachten in Gemeinden, die außerhalb
der Serra de Tramuntana liegen. Dadurch entsteht diesen Gemeinden ein
finanzieller Nutzen durch den Wandertourismus, insbesondere durch Nutzung der
Unterkünfte zur eigentlichen Nebensaison. Die Gemeinden der Insel, insbesondere
die Nachbargemeinden, haben somit ein Interesse an der Region Serra de
Tramuntana. Sie sollten sich mithilfe eines Finanzausgleiches an der
Ressourcen-Erhaltung beteiligen, entweder direkt oder indirekt durch
Steuerausgleich.
9.1.6 Bevölkerungsorientierte
Maßnahmen
Der Tourismus
sollte im Sinne der Konzepte des Nachhaltigen Tourismus eingebettet sein in
eine regionsspezifisch vernetzte Wirtschaft. Dabei spielt in der Serra de
Tramuntana die Aufrechterhaltung der kleinstrukturierten Landwirtschaft als
Basis für regionalwirtschaftliche Innovationen sowie als Basis für integrative
touristische Projekte eine zentrale Rolle. Die lokale Bevölkerung darf zu Recht
vom Wandertourismus positive Beiträge zu Arbeits- und Lebensbedingungen
erwarten. Insgesamt wirkt sich soziale Zufriedenheit der lokalen Bevölkerung
wiederum positiv auf den Tourismus aus.
Partizipation
der einheimischen Bevölkerung
Die auf einer
nachhaltigen Entwicklung orientierte Strategie ist nur zu realisieren, wenn die
einheimische Bevölkerung an Entscheidungsprozessen beteiligt wird und sie die
Möglichkeit einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erhält. Denn nur so
wird auch die ökologische und kulturelle Nachhaltigkeit von den Betroffenen als
Sicherung der natürlichen und kulturellen Ressourcen angestrebt. Die
ortsansässige Bevölkerung sollte bezüglich touristischer
Entwicklungsvorstellungen rechtzeitig informiert und interessiert werden. Im
Rahmen der politischen Möglichkeiten sollte sie mitwirken können. Zu diesem
Zweck sollten Meinungsbildungs-, Visions- und Planungs-Foren eingerichtet
werden, in denen die Meinung der Betroffenen eingeholt - und auf ihre
Partizipation hingearbeitet wird. Beteiligungschancen bei der Entwicklung von
Strategien und Maßnahmen werden damit ermöglicht, das Ideenpotential der
lokalen Bevölkerung kann mobilisiert werden und Kultur und Brauchtum als
wichtige Eckpunkte eingebracht werden. Beteiligte an solchen Foren sollten
außerdem Verbände des zivilen Sektors wie der Wanderführerverein GEM und die
Naturschutzorganisation GOB sein.
Initiierung
von Kooperationen
Insgesamt sind
vielfältige Kooperationen denkbar, die in den genannten Foren thematisiert
werden könnten. Denkbar sind z.B. Kooperationen zwischen Unterkunftsanbietern
untereinander, in dem für Wanderer, die Weitwanderwege benutzen, in der
jeweiligen Unterkunft Broschüren der nächstmöglichen Unterkünfte bereitgestellt
werden. Weitere Kooperationsmöglichkeiten bestehen z.B. zwischen
Unterkunftsanbietern und Wanderreiseleitern, dem Gastgewerbe oder kulturellen
Einrichtungen. Die oben genannten Foren könnten als Ideenpool dienen und bisher
kaum denkbare Kooperationen in Gang setzen, wenn die politische Seite hierfür
den Rahmen schafft. Denn mit dem Wandertourismus ist ein Potenzial für die
lokale Bevölkerung der Serra de Tramuntana gegeben, daß durch Abbau von
Konkurrenzprinzipien zugunsten von Spezialisierung (und damit sich gegenseitig
ergänzend) vielen Betrieben ein Einkommen schaffen kann.
Stärkung
regionaler Produkte, insbesondere aus der Landwirtschaft
“Positive
ökologische Folgen hat im allgemeinen ein sich langsam entwickelnder,
quantitativ begrenzter Fremdenverkehr, dessen Erträge zum guten Teil in die
örtliche Landwirtschaft fließen”[198],
da die Bauern nicht zur Umstellung oder Rationalisierung der Landwirtschaft
genötigt sind und ästhetische Gesichtspunkte im Umgang mit der Natur Bedeutung
behalten. Hierfür bietet sich auch die Versorgung der Touristen mit regional
und möglichst ökologisch produzierten Lebensmitteln an. Ein gutes Beispiel
stellt die Finca Balitx d´Avall dar, wie bereits in Kapitel 7.2 beschrieben
wurde. Ausgebaut werden könnte auf allen Fincas mit Infrastruktur für Wanderer
das Angebot an regionaltypischen Produkten und zwar sowohl als Mitbringsel
(Gläser mit Honig, Marmelade, Körbe, Holzschnitzereien), als auch für die
Selbstversorgung der Wanderer (Brote, Obst, Gemüse etc.). Diese Maßnahmen
liegen im Aktionsbereich jedes einzelnen Fincabesitzers, jedoch könnten
politische Maßnahmen unterstützend wirken. Für die verstärkte Förderung einheimischer
Produkte setzt sich die Umweltorganisation GOB bereits seit 1992 ein[199].
Die Tourismuspolitik könnte bei der Verbesserung der Vermarktungschancen der
regionalen Produkte (insbesondere aus der Landwirtschaft) durch
Steuererleichterungen tätig werden. Auch könnten Werbemaßnahmen dazu angetan
sein, regionaltypische Produkte innerhalb der Region bei Restaurants,
Lebensmittelgeschäften usw. zu bewerben. Für die Produkte der Balearen
insgesamt gibt es bereits eine derartige Kampagne unter dem Label “Producte Balear”[200].
Die Konzeption dieser Kampagne könnte für die regionaltypischen Produkte der
Serra de Tramuntana wie z.B. Oliven, Mandeln, Orangen, etc. übernommen und
spezifiziert werden.
Erhalt der
Vielfalt des Natur- und Kulturraumes
Es bedarf
raumplanerischer und politischer Maßnahmen, um die Vielfalt der Landschaft zu
erhalten. Ein Aspekt hierbei ist die Erhaltung von land- und
forstwirtschaftlichen Aktivitäten, die dementsprechend vergütet werden müssen.
Agrarpolitische Anliegen, die auf eine verbesserte Einkommenssituation der
Bergbauern, auf die Erhaltung möglichst vieler Betriebe sowie auf eine
Förderung umwelt- und landschaftsschonender Bewirtschaftungsmethoden abzielen,
sollten unterstützt werden. Wie bereits am (positiven) Beispiel der
Restaurierung der Trockensteinmauern beschrieben (siehe Kapitel 4.1.2) könnten
EU-Gelder des EFRE-Fonds zur Förderung regionaler Entwicklung, z.B. aus dem
Programm LEADER (bietet dem ländlichen Raum Unterstützung) beantragt werden.
Anträge könnten dabei z.B. für Wiedereinführung traditioneller
Bewirtschaftungsformen oder für Schaffung von Möglichkeiten der
Direktvermarktung gestellt werden.
Aus- und
Fortbildungsmaßnahmen
Zur
Professionalisierung nebenberuflicher Tätigkeit und zur Erreichung eines
befriedigenden Beschäftigungsniveaus sind Maßnahmen für die Weiterbildung der
einheimischen Bevölkerung im Umgang mit Touristen, Umwelt und Kultur
anzudenken. Die Aus- und Fortbildung sollte dabei nicht nur auf die Vermittlung
von technischem oder kaufmännischem knowhow ausgerichtet sein, sondern generalistischere Grundlagen bieten. Dazu
kann die Zusammenarbeit mit Institutionen angestrebt werden, wo dieses
Wissenspotential bereits vorhanden ist. Spezielle Schulungsprogramme mit dem
Schwerpunkt “Tourismus und Umwelt” könnten von oder mit der
Naturschutzorganisation GOB durchgeführt werden, die bereits Programme dieser
Art anbietet[201]. Der
Verein GEM wäre der richtige Ansprechpartner für Schulungen mit dem Thema
“Wandern” allgemein. Qualifikation und gesteigerte Kompetenz können insgesamt
als Potenziale für soziokulturelle Nachhaltigkeit angesehen werden und sollten
in jedem Fall gefördert werden.
9.1.7 Ökologische
Maßnahmen
Die Erhaltung
des Naturraumes ist, nicht nur als Selbstzweck, sondern auch als wichtigste
Ressource, unabdingbare Voraussetzung für den zukünftigen Tourismus. Dies gilt
insbesondere für Wanderregionen wie die Serra de Tramuntana. Die Erhaltung von
Vielfalt und ästhetischem Wert der Natur- und Kulturlandschaft der Serra de
Tramuntana erfordert dabei politische Strategien und Maßnahmen zur Schonung der
Ressourcen.
Ausweisung
als Naturpark und von Schutzgebieten
Um einen
rechtlichen Rahmen für gezielte Maßnahmen zu schaffen, ist die Ausweisung der
Serra de Tramuntana als Naturpark sinnvoll. Wie unter Kapitel 4.3.4 beschrieben ist mit Widerstand der
betroffenen Grundstücksbesitzer zu rechnen. Umweltbelange und die Interessen
der ausländischen und einheimischen Wanderer und Ausflügler sollten jedoch den
Einzelinteressen überstellt werden. Um besonders wertvolle Zonen von
touristischer Nutzung freizuhalten und somit Schädigungen zu vermeiden, sollten
einzelne Gebiete zusätzlich als Schutzgebiete ausgewiesen werden.
Informations-Zentren
zur Umweltbildung
Zusätzliche
Informations-Einrichtungen sollten eingerichtet werden, um die einheimische
Bevölkerung und Gäste für Naturbelange zu sensiblisieren. Ein positives
Beispiel stellt z.B. das Refugi Tossals Verds (siehe auch Kapitel 4.2.2) und
die Finca Binifaldó dar, die vom Kloster Lluc betrieben wird. Sie dient der
Unterbringung von Schulklassen und Gruppen, um Jugendliche (wieder) an den
Umgang mit der Natur heranzuführen. In der Nähe des Klosters Lluc ist dieses
Jahr außerdem mit der Finca S´Amitger ein Natur- und Umweltbildungszentrum
eingerichtet worden. In den bestehenden Zentren sollten die unter Kapitel 9.1.5
beschriebenen Informationsbroschüren für die Touristen ausliegen. Für die
einheimische Bevölkerung gibt es bereits, von der Naturschutzbehörde GOB
erstellt, zahlreiche Broschüren zum Thema “Umweltschutz” in mallorquinischer
Sprache, die ebenfalls auzulegen sind.
9.2 Zusammenfassung
Sicherlich
kann man der mallorquinischen Regierung, dem Tourismusministerium und den
Gemeinden in vielerlei Hinsicht zugute halten, daß zahlreiche Anstrengungen
unternommen wurden, um eine Entwicklung des Qualitätstourismus zu forcieren. So
wurde Calvià, eine der ältesten touristischen Gemeinden auf Mallorca, von der
Europäischen Kommission als erste Stadt im gesamten Mittelmeerraum als “Ciudad
Sostenible Europa 1997” (Nachhaltige Stadt Europas 1997) ausgezeichnet[202].
Dennoch sind die Problemlösungsansätze zum Schutz der Natur, Befriedigung der
touristischen Erwartungen und der sozialen und kulturellen Bedürfnisse der
einheimischen Bevölkerung nicht (immer) ausreichend.
Insgesamt sind
also weitere Maßnahmen der Tourismuspolitik insbesondere für den
Wandertourismus in der Region Serra de Tramuntana angezeigt:
-
Schaffung
eines rechtlichen Rahmens für die Benutzung öffentlicher Wege
-
Befriedigung
der Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen der Wandertouristen
-
Schaffung
einer positiven Einstellung der lokalen Bevölkerung zum Wandertourismus durch
Partizipation
-
Erhaltung,
Pflege und Schaffung von Kulturwerten
-
Umwelt-,
Natur- und Landschaftserhaltung.
Die Politik
sollte sicherlich nicht in alle Belange der Region Serra de Tramuntana
regulativ eingreifen. Der Selbstregulation, bzw. dem Subsidiarismus sollten
eigenständige Möglichkeiten erhalten bleiben, um ein hohes Maß an Flexibilität
zu erhalten und zu fördern.
Obwohl von
vielen befragten Wanderern infrastrukturelle Verbesserungen gewünscht wurden,
ist darauf zu achten, daß die touristischen Erschließungsmaßnahmen das
Attraktionspotenzial und die Faszination des “ursprünglichen” Raumes nicht
einschränken. Denn Wanderer sind unter anderem auch auf der Suche nach dem
Authentischen, Ursprünglichen und Natürlichem als Gegenwelt zum Alltag (siehe
dazu auch Kapitel 4.3.2). Diesen Rahmen bietet die Serra de Tramuntana bisher
als Wanderregion geradezu beispielhaft.
[182] Romeiss-Stracke 1998, S. 77
[183] Romeiss-Stracke 1998, S. 75
[184] Steinbach
1991, S. 20-21
[185] Vgl.
Baumgartner & Röhrer 1998, S. 15
[186] Ebenda, S. 17
[187] Siehe
Literaturverzeichnis
[188] Becker 2000a, S. 21
[189] Vgl. dazu
auch Serrano 1992, S. 95
[190] Es steht zu
vermuten, daß die Beschränkung der Entwicklung solcher Unterkünfte bisher durch
den Druck der starken Hotelier-Lobby erschwert, bzw. verhindert wurde.
[191] Vgl auch
Fahrun 2000, S. 8
[192] Teilweise
haben Wanderführer bereits eigene Einteilungen vorgenommen.
[193] Vgl. Mallorca
Zeitung 75/2001, S. 16
[194] Z.B. “Spanien
verstehen”, siehe Literaturverzeichnis
[195] Z.B. GOB –
“Serra de Tramuntana. Conservació i activitats recreatives”, siehe
Literaturverzeichnis
[196] Vgl.
Gyurasits 2001, S. 26
[197] John 2000, S.
13
[198] Hennig 1997,
S. 118
[199] Vgl. GOB
1992, S. 80
[200] Vgl. Fahrun
2000, S. 4
[201] Vgl. dazu GOB
1999, S. 15
[202] Vgl. Iwand
1998, S. 6