6.       Ergebnisse der Grundstückseigentümerbefragung

 

6.1       Befragungsmethodik

 

Im zentralen Interesse dieser Studie stand die Fragestellung, inwieweit sich die derzeitige Situation und die geplante Entwicklung des Wandertourismus mit den Wünschen und Vorstellungen der einheimischen Bevölkerung deckt. Direkt vom Wandertourismus betroffen sind die Grundstückseigentümer, über deren Grundstück ein Wanderweg verläuft oder deren Grundstücke an einem Wanderweg liegen. Um deren Meinung einzuholen, wurde ein standardisierter Fragebogen entwickelt und in das Spanische übersetzt.

Durch einen mehrjährigen Aufenthalt auf der Insel war der Autorin bekannt, daß die Auskunftsbereitschaft der Mallorquiner gegenüber “Fremden” zum Teil begrenzt ist. Deshalb wurden in dem Fragebogen keine direkten Fragen zu Einkommen, Erwerbsmöglichkeiten durch den Wandertourismus oder Schulbildung gestellt. Die Untersuchung sollte dennoch über diese Themen Aufschluss  geben, z.B. welchen Stellenwert der Wandertourismus im Erwerbsleben hat. Aus diesem Grund wurden die Fragen hierzu sehr allgemein gehalten und einfach formuliert.

Der in Deutschland ausgearbeitete Fragebogen (siehe Anhang II, im Original und deutscher Übersetzung) wurde mit der Besitzerin einer Finca, die Agroturisme anbietet, einem Pre-Test unterworfen. Die Auswahl der zu interviewenden Grundstücksbesitzer erfolgte nach Karten und Reiseführer-Beschreibungen, in denen Anwesen verzeichnet waren, die an einem Wanderweg lagen. Ausgewählt wurden schließlich 21 Fincas, die jeweils an mehr oder weniger stark frequentierten Wanderwegen liegen[162]. Von den ausgewählten Fincas und Höfen waren an 13 Orten Interviews möglich. Die übrigen 8 im Vorfeld ausgewählten Grundstücksbesitzer waren persönlich nicht erreichbar (da die Grundstücke verschlossen waren, keine Klingel vorhanden und somit kein Zugang möglich war). Bei 6 von diesen Grundstücksbesitzern handelt es sich um solche, die ihre Grundstücke für Wanderer gesperrt haben. Man kann davon ausgehen, daß diese Personen dem Wandertourismus negativ gegenüber stehen.

Bei den tatsächlich befragten Grundstücksbesitzern wurde ausnahmslos bereitwillig ein Interview gegeben. Lediglich in einem Fall war es nötig, aus Terminknappheit der zu interviewenden Person, das Interview auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Zu Beginn jeder Befragung wurde darauf hingewiesen, daß der Fragebogen anonym behandelt wird. Dennoch wurden einzelne Fragen (z.B. nach Alter und Beruf) häufig nicht beantwortet. Durch gezielte Nachfragen nach dem offiziellen Interview ergaben sich zum Teil noch wichtige Informationen, speziell zu dem Themenkomplex “Subjektive Wahrnehmungen”. 

 

 

6.2       Betriebsstruktur

 

Die ersten Fragen des Fragebogens dienten dazu, die Struktur der Anwesen zu beleuchten, die entlang der jeweiligen Wanderwege liegen. Es sollten so Erkenntnisse gewonnen werden über mögliche Zusammenhänge zwischen Betriebsstruktur und Aufnahme von infrastrukturellen Einrichtungen für die Wandertouristen. Da die Landwirtschaft in weiten Teilen der Serra de Tramuntana nicht mehr rentabel ist (siehe Kapitel 1.1 und 2.3), lag die Vermutung nahe, daß sich in Betrieb befindliche Höfe auf den Wandertourismus einstellen, da er ein zusätzliches Einkommen sichern könnte. Bei Anwesen, die keiner landwirtschaftlichen Nutzung unterlagen, sollte die Vermutung verifiziert werden, daß sie nicht auf den Wandertourismus eingestellt sind, und somit nicht von ihm partizipieren.

 

In Betrieb befindliche landwirtschaftliche Betriebe (Frage 1.1)

Von den 13 befragten Grundstücksbesitzer gaben 6 an, daß es sich bei Ihrem Anwesen um einen landwirtschaftlichen Betrieb handelt, die restlichen 7 Personen verneinten diese Frage. Annähernd die Hälfte der Betriebe, wo Interviews geführt wurden, sind also landwirtschaftliche Betriebe. Dies trifft eigenen Beobachtungen nach auf die gesamte Region zu. Diese hohe Zahl in Betrieb befindlicher Höfe mag angesicht des niedrigen Anteils der Landwirtschaft an den Wirtschaftssektoren insgesamt verwundern. Viele der Höfe werden jedoch anscheindend als Nebenerwerbs-Betriebe oder als Subsistenz-Höfe geführt. Durch Direktvermarktung der eigenen Produkte tauchen die Umsätze und Beschäftigungsverhältnisse auch nicht unbedingt in Statistiken auf.

 


Grundstücksgröße (Fragen 1.2 )

Von 8 Probanden wurde die Frage nach der Grundstücksgröße nicht beantwortet. Die übrigen Probanden gaben an, daß es sich bei ihren Grundstücken um Größen von 17 ha, 70 ha, 73 ha, 100 ha und 240 ha handelt. Es handelt sich bei diesen Betrieben also in der Regel um Betriebe mit beträchtlichen Größen. Nach eigener Beobachtung haben die Betriebe, für die die Grundstücksgrößen nicht genannt wurden, ebenfalls ähnliche Größen.

 

Besitzverhältnisse (Frage 1.3)

Von einer Person wurde die Frage nach den Besitzverhältnissen nicht beantwortet. 11 Personen gaben an, daß der Betrieb ein Familienbetrieb ist. Lediglich eine Person verneinte dies. Bei der konkretisierenden Frage, seit wann sich der Betrieb in Familienbesitz befindet, gaben 4 Personen keine weitergehende Antwort. Die übrigen Antworten lauteten: seit “200 Jahren”, seit “360 Jahren”, seit “dem Erzherzog”, seit “dem 13. Jahrhundert”, seit “dem 17. Jahrhundert” und seit “1901”. Man kann also davon ausgehen, daß der Anteil der Betriebe in Familienbesitz entlang der Wanderrouten Mallorcas bei über 80% liegt. Dies deckt sich mit der Aussage in Kapitel 3.2.2, nach der sich nur ca. 10% der Höfe in der Serra de Tramuntana nicht in Familienbesitz befinden.

Ausgehend von den Ergebnissen durch die konkretisierende Nachfrage kann festgestellt werden, daß es sich bei mindestens sechs traditionellen Familienbetrieben um solche von einheimischen Mallorquinern handelt, die vor Einsetzen des Tourismus in Familienbesitz kamen. Grundbesitz hat in der mallorquinischen Gesellschaft (insbesondere der ländlichen) einen äußerst hohen Stellenwert. Der Erhalt der Anwesen stellt jedoch oft ein erhebliches Problem dar. Vielen Grundstücksbesitzern ist “der Besitz heilig”[163]. Mit den psychologischen Konflikte zwischen Stolz der einheimischen lokalen Bevölkerung (auf ihre Anwesen) und der Hinwendung zu neuen Möglichkeiten des Erhaltes der Betriebe hat sich u.a. Llano auseinandergesetzt[164].

 

Infrastruktur für Wanderer (Frage 1.4)

Von den insgesamt 13 Betrieben bieten 10 Betriebe Infrastruktur für Wanderer an, 3 Betriebe nicht. Von den Betrieben, die Infrastruktur für Wanderer anbieten, offerieren 4 Unterkunft, 5 Restaurant, Bar und/oder Café und 5 Betriebe anderes, wie Ausschank von frischgepreßtem Orangensaft. Einige Betriebe bieten gleichzeitig verschiedene Infrastrukturen an. Besonders häufig wurde der Ausschank von Orangensaft betrieben, vor allem rund um Sóller. Die Früchte stammten zumeist aus eigenem Anbau, auch bei nicht-landwirtschaftlichen Betrieben. Rund um Sóller nimmt der Anbau von Orangen aufgrund der klimatischen und räumlichen Gunst  einen großen Raum ein.

Aus Gesprächen mit Wanderreiseleitern und eigener Beobachtung konnte festgestellt werden, daß einige Fincas insbesondere von der Kooperation mit Pauschalreise-Veranstaltern profitieren. So werden z.B. Mahlzeiten im Vorfeld gebucht oder Gruppen von den Wanderreiseleitern zur Verköstigung von Orangensaft angekündigt.

Von den 6 Betrieben, die keine Landwirtschaft betreiben, sind 5 intensiv auf den Wandertourismus eingestellt sind. Es handelt sich dabei um Unterkünfte des Agroturisme und Restaurationsbetriebe. Die eingangs aufgestellte Vermutung, daß Anwesen, die keiner landwirtschaftlichen Nutzung (mehr) unterliegen, sich eher nicht dem Wandertourismus zuwenden, konnte somit nicht bestätigt werden. Relativierend läßt sich aber feststellen, daß die Betriebe, die Beschränkungen für Wanderer unterliegen, genau dieser Vermutung entsprechen. Nach eigener Beobachtung und Aussage in Sekundärquellen handelt es sich bei diesen Anwesen größtenteils um nicht mehr in landwirtschaftlichem Betrieb befindliche Fincas (z.B. Besitze der  Bankiersfamilie March oder Finca von F. Fortuny).

Von den insgesamt 7 landwirtschaftlichen Betrieben haben sich 5 auf den Wandertourismus eingestellt haben, und zwar mit Vermietung und Restauration. 2 landwirtschaftliche Betriebe bieten keinerlei Infrastruktur für Wanderer an. Ein besonders positives Beispiel stellt die Finca Balitx d´Avall dar. Als Betrieb des Agroturisme haben Wanderer die Möglichkeit hier zu übernachten. Tagsüber können sich pausierende Wanderer mit Getränken und Speisen versorgen. Die Produkte aus der eigenen Landwirtschaft (Orangen, Mandeln, Honig, Wein, Marmeladen, Oliven) werden zudem als Mitbringsel verkauft. Die Bereitstellung der Infrastruktur wird von den Grundstücksbesitzern und deren Familie selbst getätigt und zeichnet sich durch eine warme Atmosphäre aus.

 

Ausbau der Infrastruktur (Frage 1.5 und 1.7)

Diese Frage wurde von 7 Befragten nicht beantwortet. Bei denjenigen, die sie beantworteten, läßt sich feststellen, daß die Infrastrukturen zu sehr verschiedenen Zeitpunkten ausgebaut wurden: “vor 4 Jahren” antworteten 2 Personen; “vor 6 Jahren”, “vor 40 Jahren” “vor 68 Jahren” und “vor 100 Jahren” antworteten jeweils eine Person.

In 3 Fällen wurden die Infrastrukturen bereits vor Einsetzen der Entwicklung des Wandertourismus eingerichtet, beziehen sich also wahrscheinlich auf Betriebe, die nicht ausschließlich auf Wanderer ausgelegt sind (sondern z.B. auch auf Ausflügler)

Lediglich für einen Betrieb ist der (weitere) Ausbau von Infrastruktur geplant. Für 10 Betriebe ist kein Ausbau oder eine Neueinrichtung von Infrastruktur geplant. Eine Person antwortete mit “weiß nicht”, und eine Person beantwortete diese Frage nicht.

 

Wandertourismus als Einnahmequelle (Frage 1.6)

Diese Frage wurde von 2 Personen nicht beantworteten. 3 antworteten, daß der Wandertourismus “Haupteinnahmequelle” sei, für 4 Personen ist er “Nebenwerwerb”, für 2 Personen ist er “eher unwichtig” als Einnahmequelle und für weitere 2 Personen ist er “unwichtig”.

 

Abb. 6: Wandertourismus als Einnahmequelle

Entwurf: K. Bremer

Quelle: Eigene Erhebungen im März 2001

 

Unter dieser Fragestellung bleibt leider ungeklärt, ob der Wandertourismus als ganzjährige Erwerbsquelle dient. Es kann davon ausgegangen werden, daß der Wandertourismus für einzelne Betriebe nur in seiner Saison (Frühjahr und Herbst) als Einnahmequelle dient. Dies gilt insbesondere für Betriebe die in rein zu erwandernden Gebieten liegen. Es gibt jedoch auch Betriebe die, verkehrsgünstig gelegen, ganzjährig als Ausflugsziele dienen (wie z.B. Mirador Ses Barques) und damit auch andere Touristen und einheimische Ausflügler verzeichnen.

Es bleibt dennoch festzuhalten, daß der Wandertourismus für mehr als die Hälfte der Befragten eine wichtige Einnahmequelle darstellt. Es liegt die Vermutung nahe, daß diese Befragten eine positive Grundhaltung dem Wandertourismus gegenüber reflektieren. Inwieweit diese Vermutung zutreffend ist, sollen die Ergebnisse der folgenden Fragen klären.

 

 

6.3       Subjektive Wahrnehmungen

 

Unter diesem Themenkomplex sollten die subjektiven Einstellungen der befragten Grundstücksbesitzer zu den Wandertouristen thematisiert werden. Außerdem war von Interesse, ob und wenn welche Probleme im Zusammenhang mit dem Wandertourismus  erkannt wurden.

 

Schätzung des Volumens der Wandertouristen (Frage 2.1 und 2.2)

Keiner der Befragten nahm die Antwortvorgabe “1-10 Personen” in Anspruch. Eine Person gab an, daß täglich “ca. 10-50 Personen“ das Grundstück überqueren. Alle 12 anderen Grundstücke werden von “über 50 Personen” täglich passiert[165]. Auf genauere Nachfrage bei den Personen, die mit “über 50 Personen” antworteten, wurden unterschiedliche Angaben gemacht, z.B. “viel mehr”, “am Wochenende viel mehr”. Einige Probanden konnten keine genauere Schätzung abgeben.

Im Vorfeld der Forschungsreise wurde die Vermutung aufgestellt, daß im Sommer und Winter wesentlich weniger Wandertouristen die Wanderwege benutzen. Diese Vermutung wurde weitgehend von den Befragten bestätigt, jedoch ist das Aufkommen dennoch höher als anfangs vermutet wurde. Bei 3 Fincas wurde angegeben, daß auch im Sommer und Winter mehr als fünfzig Personen täglich das Grundstück überqueren. Bei allen anderen können die Antworten so zusammengefasst werden, daß weniger als fünfzig Personen täglich passieren. Kein Betrieb gab jedoch an, daß in dieser Zeit gar kein Wandertourismus über ihr Grundstück stattfindet.

 


Kontakt mit den Wandertouristen (Frage 2.3 und 2.4)

Diese Frage wurde von 8 Personen nicht beantwortet. Bei den 5 gegebenen Antworten stellte sich heraus, daß in der Regel der Interviewpartner identisch war mit der Person, die hauptsächlich Kontakt hatte mit den Wanderern. Lediglich bei einer Person wurde das Gespräch mit der Besitzerin des Anwesens geführt, die angab, daß ein Wächter hauptsächlich in Kontakt mit den Wanderern komme.

Auf die Frage der Quantität des Kontaktes mit den Wandertouristen antworteten jeweils 4 Personen mit “ja, viel”, “ja, etwas” und “kaum”. Eine Person hatte gar keinen Kontakt mit Wanderern.

Mehr als die Hälfte der befragten Personen hat also nach eigenen Angaben relativ viel persönlichen Kontakt mit Wanderern.

 

Einstellung zu den Wanderern und dem Wandertourismus (Frage 2.5)

Analog zu den Kategorien, die bei der Befragung der Wandertouristen unter einer ähnlichen Fragestellung aufgestellt wurden, werden diese auch hier bei der Einordnung der gegebenen Antworten verwendet. Die qualitativen Originalzitate finden sich den Kategorien zugeordnet in Anhang II.

 

Zu diesem Punkt äußerten sich alle Befragten, 10 davon mit negativen Äußerungen. Dies macht deutlich, daß es zu Problemen mit den Wanderern kommt. Lediglich eine Person stellte fest, daß alles in Ordnung sei. Unter dieser Fragestellung wurden vor allem sozio-kulturelle Aspekte thematisiert, insbesondere wurde die Störung der Privatsphäre moniert. Zur Auswertung wurde die folgende Fragestellung hinzugezogen, da es bei den Antworten zu Überschneidungen kam.

 

Probleme (Frage 2.6)

Die Frage 2.6 wurde von 3 Personen nicht beantwortet. Die Antworten wurden analog zu der vorhergehenden Frage wiederum Kategorien zugeordnet und finden sich im Anhang II.

 

Auch unter dieser Fragestellung wurden vor allem Probleme im sozio-kulturellen Bereich geäußert.

Nimmt man beide Fragestellungen zusammen, so läßt sich folgendes feststellen:

1.) In der Kategorie “Ökonomische Aspekte” wurde von 3 Personen die Diskrepanz zwischen dem Besuch der Touristen in der Region und ihrem Ausgabeverhalten moniert (z.B. Originalzitat: “Zuviele Gruppen kommen (...), um einen großen Nutzen ohne Kosten zu haben.”).

2.) Unter “Soziokulturellen Aspekten” wurde insgesamt fünfmal die Störung der Privatsphäre genannt (z.B. Originalzitat: “Die Wanderer respektieren die Privatsphäre nicht”). Weiterhin wurde ebenfalls fünfmal auf das Mitführen von Hunden als Problem hingewiesen. Viermal wurde das “Nicht-Verschliessen von Zäunen” moniert. Eine Person findet, daß es bereits zu viele Wanderer gibt (Auszug aus Originalzitat: (...) weniger wären besser.”).

3.) Unter den “Ökologischen Aspekten” fanden sich 7 Nennungen. Es wurden vor allem Abfallprobleme thematisiert (von 5 Befragten). Zudem sind 2 Probanden der Meinung, daß Wanderer die Natur zerstören.

 

Auffällig war, daß Probleme vor allem von den Personen geäußert wurden, die keine Infrastruktur anboten. Hier kam es in drei Fällen zu Mehrfachnennungen. Die Befragten von Betrieben, die Infrastrukturen anbieten, äußerten sich eher nicht oder positiv (“Es gibt keine Probleme”) zu dieser Frage. Dies unterstützt oben angeführte Vermutung, daß Betriebe mit ökonomischem Vorteil durch den Wandertourismus eher eine positive Grundhaltung gegenüber den Wandertouristen haben. Betriebe ohne ökonomische Vorteile neigen dazu, vor allem die negativen Auswirkungen zu sehen. 

 

Konsequenzen aus den Problemen (Frage 2.8)

Diese Frage wurde von 7 Personen nicht beantwortet. Eine Person plante Konsequenzen, und zwar die Schließung des Weges über ihr Grundstück. 5 Personen hatten keine Änderungspläne.

Daß kaum Änderungspläne vorliegen, mag so zu erklären sein, daß es den Betroffenen schwierig erscheint, die Probleme im soziokulturellen Bereich zu lösen. Verbreitet scheint eine Meinung, daß man diese Probleme (z.B. Störung der Privatsphäre) in Kauf nehmen muß, wenn man Infrastruktur für Wanderer anbietet.

 

Zusammenarbeit mit anderen Personen oder Organisationen (Frage 2.9)

Die Frage wurde von 4 Personen nicht beantwortet. Die 3 Personen, die diese Frage mit “Ja” beantworteten, gaben an, mit dem Verband Agroturisme zusammenzuarbeiten. Eine Person gab zusätzlich die Zusammenarbeit mit dem Reiseveranstalter “Wikinger Reisen” an. 6 der befragten Personen praktizierten keinerlei Zusammenarbeit. Grundbesitz hat in der mallorquinischen Gesellschaft (insbesondere der ländlichen) einen äußerst hohen Stellenwert, wobei der einzelne Betrieb in der Regel autark geführt wird. Kooperationen sind wenig verbreitet und werden zum Teil durch Neid und Mißgunst erschwert[166]. Die gezielte Nachfrage, warum keine Zusammenarbeit betrieben wird, wurde z.B. mit “zu kompliziert” beantwortet. Viele Probanden konnten oder wollten auf diese Frage keine Antwort geben. Dennoch läßt sich feststellen, daß für viele Betriebe eine Zusammenarbeit mit anderen Betrieben oder mit Organisationen sinnvoll wäre. So könnten durch Zusammenarbeit mit Reiseveranstaltern Weitwanderstrecken angeboten werden, von denen Unterkunfts- und Gastronomiebetriebe entlang der Strecke profitieren würden. Die Einrichtung von Foren zum Meinungsaustausch (siehe Kapitel 9.1.6) könnten zu einem Abbau der Spannungen und Ressentiments beitragen.

 

 

6.4       Zukunftsperspektiven aus Sicht der Befragten

 

Unter diesem Fragenkomplex sollte erfragt werden, ob die Interviewten dem Wandertourismus insgesamt positv oder negativ gegenüber stehen und wie sie sich die weitere Entwicklung des Wandertourismus vorstellen können.

 

Einstellung zum Wandertourismus insgesamt (Frage 3.1)

Von 4 Personen wurde die Frage nicht beantwortet. 8 Personen gaben an, insgesamt “positiv” eingestellt zu sein, eine Person äußerte sich mit “negativ”.

Obwohl im Vorfeld Unzufriedenheiten gegenüber den Wandertouristen geäußert - und Probleme thematisiert wurden, ist die Einstellung der Mehrheit der betroffenen Finca-Eigentümer positiv. Dies hängt offensichtlich unmittelbar mit den ökonomischen Vorteilen zusammen, die der Wandertourismus bietet, denn je wichtiger der Wandertourismus als Erwerbsquelle ist, desto eher wurde ein positives Gesamturteil gefällt. Bei den Betrieben, bei denen der Wandertourismus kaum oder keine Relevanz als Erwerbsquelle hat, wurde diese Frage überwiegend nicht beantwortet. Die negative Antwort kam von einem Befragten der zwei Betriebe, bei denen der Wandertourismus gar keine ökonomische Relevanz hat.

 

Zukünftige Entwicklung des Wandertourismus (Frage 3.2)

Von 6 Personen wurde diese Frage gar nicht bzw. mit  “Ich weiß nicht” beantwortet. Ansonsten wurden folgende Antworten gegeben:

- “Die Anzahl der Wanderer einschränken. Information”

- “Vorsichtig. Nicht noch mehr”

- “Es reicht, wie es ist”

- “Zivilisierter”

- “Bildung an den einheimischen Schulen. Es sollte mehr Respekt entstehen. Die Möglichkeit für Deutsche, Fincas zu kaufen, müsste eingeschränkt werden. Hunde sollten nicht mitgebracht werden”

- “Es wäre gut, wenn das Geld auf der Insel bliebe; Zuwanderer nehmen die Arbeitsplätze weg”.

 

Es gibt also, ähnlich wie bei der Befragung der Wandertouristen, Betroffene, die der Meinungen sind, daß eine Sättigung der Region mit Wandertouristen erreicht sei. Diese Meinung ist erwartungsgemaß dort besonders hoch, wo es sich um einen der populärsten Wanderwege handelt. Zum Teil ähneln sich die Antworten der befragten Wandertouristen und der befragten Grundstücksbesitzer nicht nur, sondern sind nahezu identisch.

 

 

6.5       Soziodemographische Daten

 

Wie bereits beschrieben, wurden die Fragen nach Alter und Beruf häufig nicht beantwortet und zwar von 7 Personen. Die anderen 6 Personen gaben folgendes Alter und Beruf an:

23 Jahre – Hausleiter

36 Jahre – Geschäftsführerin

42 Jahre – Hotelangestellte

55 Jahre – Wächter

61 Jahre – Bäuerin

66 Jahre – Rentnerin

 

Bei den befragten Personen handelte es sich insgeamt um 10 Frauen und 3 Männer. Nach eigener Einschätzung wird davon ausgegangen, daß es sich bei den Frauen um 8 Grundstückseigentümerinnen, oder Mitglieder der Familie handelt, in deren Besitz sich der Betrieb befindet. 2 Frauen waren (nach eigenen Angaben, s.o.) Angestellte. Bei den männlichen Befragten waren 2 nach eigenen Angaben (s.o.) Angestellte. Von dem Mann, der die Fragen nach Alter und Beruf nicht beantwortete war bekannt, daß er der Besitzer des Anwesens war.

6.6       Zusammenfassung

 

Bei der Mehrheit der Anwesen, über deren Grundstück ein Wanderweg führt, handelt es sich um traditionelle Familienbetriebe. Die Hälfte der Fincas führt einen landwirtschaftlichen Betrieb. 10 der insgesamt 13 Anwesen, auf denen Interviews geführt wurden, bieten Infrastruktur für Wanderer an. Der Wandertourismus stellt für mehr als die Hälfte der Betriebe eine wichtige Erwerbsquelle dar.

 

Es wurde auffallend häufig darauf hingewiesen, daß durch die Wandertouristen Probleme enstehen. Die wahrgenommenen Probleme bezogen sich dabei zum einen schwerpunktmäßig auf die mangelnde Ausgabebereitschaft der Touristen, zum anderen auf “Störung der Privatsphäre”.

 

Die meisten Grundstückseigentümer stehen dem Wandertourismus positiv gegenüber. Ein Drittel der Finca-Besitzer ist jedoch der Meinung, daß der Wandertourismus nicht weiter entwickelt werden sollte.

 

 

 

 



[162] Im Anhang I findet sich ein Verzeichnis der untersuchten Wanderwege, nebenstehend werden die Fincas und Höfe genannt, die an diesen Wanderwegen liegen. Unterstrichen sind dabei die Orte, an denen Interviews geführt wurden. Die Fincas und Höfe sind zudem in den Karten 1-6 verzeichnet  (siehe Karten im Anhang I).

 

[163] Salvá in Llano 2000, S. 110

[164] Llano 2000, S.99 ff.

[165] Hier zeigte sich eine Schwäche des Fragebogens, da im Vorfeld der Untersuchung die Quantität der Wandertouristen unterschätzt wurde. Diese Schwäche wurde auch bei dem durchgeführten Pre-Test nicht erkannt. Die Antwortvorgaben hätten erweitert sein sollen auf eine Antwortvorgabe mit “mehr als 100 Personen“.

[166] Für einen konkreten Fall lieferte ein Telefonat mit H. Heinrich (26.03.01) interessante Aufschlüsse.