3.
Ressourcen und touristische
Potentiale für den Wandertourismus
3.1 Naturräumliche
Ressourcen und Potenziale
Die Ressourcen
und touristischen Potentiale der Bergregion Serra de Tramuntana für den
Wandertourismus können nicht losgelöst von den naturräumlichen Ressourcen und
Potentialen der Insel Mallorca insgesamt betrachtet werden.
In der
Bergregion Serra de Tramuntana ist das Mittelmeer auf fast allen Wanderungen
präsent. Zu den visuellen Aspekten, die die Ressource Meer ausmacht, kommt das
reizstarke Bioklima (gesteigert durch die Höhenlage der Serra de Tramuntana).
Nach Becker tragen zur Attraktivität einer Landschaft insbesondere Elemente
bei, die einen Kontrast zu den städtischen Wohngebieten bilden[60].
Mallorcas Bergwelt hat zahlreiche dieser Elemente zu bieten. Die Gipfel
erreichen Höhen von über 1.400 Metern. Die hohe Reliefenergie, starke
Zergliederung, markante Gebirgskämme, dazwischen liegende Längstäler und
Karstbecken, tiefeingeschnittene Schluchten und geschützte kleine Badebuchten
gestalten das Landschaftsbild abwechslungsreich und attraktiv für Wanderer.
3.1.1 Klima
Ein wichtiger
touristischer Standortfaktor für den Tourismus insgesamt ist das typisch
mediterrane Klima Mallorcas mit angenehmen Temperaturen in den
Frühjahrsmonaten, ausgeprägter Sommertrockenheit und milden feuchten Herbst-
und Wintermonaten. Im Jahresmittel ist es in Palma 16,9° Celsius warm (im
Vergleich dazu: Berlin 8,8° Celsius)[61].
Für Wanderer
stellen das Frühjahr und der Herbst die Hauptreisezeit dar, da sich die Temperaturen
dann für körperliche Aktivitäten meist in einem angenehmen Rahmen bewegen. In
den Sommermonaten Juli und August lassen grosse Hitze ausgedehnte Wanderungen
kaum zu; im Winter ist es oftmals kühl und feucht. So können an der Station
Lluc (825 m) Fröste von November bis April mit einem absoluten Minmum von -10°
Celsius auftreten[62].
Das
Niederschlagsregime ist von einem Maximum im Herbst mit einer Konzentration der
Niederschläge im Oktober gekennzeichnet. So kann es während eines
Wanderaufenthaltes in dieser Zeit zu starken Niederschlägen kommen, die meist
als Starkregen niedergehen und überwiegend auf wenige Tage aggregiert sind[63].
Mit Regen müssen Wanderer auch deshalb rechnen, weil das Niederschlagsniveau in
der Serra de Tramuntana insgesamt wesentlich höher liegt als im Rest Mallorcas,
da der Gebirgswall die mit hoher Feuchtigkeit geladenen Luftmassen aus dem
Norden abfängt und diese sich über dem Gebirge abregnen (mittlerer jährlicher
Niederschlag in Lluc: 1265 mm, in Palma Hafen: 415 mm, in Manacor 525 mm[64]).
3.1.2 Flora
und Fauna
Insgesamt
verfügt die Insel über eine reichhaltige Flora. Die Vegetation formt in ihren
unterschiedlichen Erscheinungsformen das landschaftliche Erscheinungsbild
wesentlich mit. Das ursprüngliche Vegetationsbild hat sich jedoch im Laufe der
Zeit durch Einfluß des Menschen weitgehend verändert. So mußten auf Mallorca
viele Waldgebiete der Gewinnung von Kulturland oder dem Holzeinschlag für den
Schiffsbau weichen. Der ursprünglich dichte Waldbestand ist durch Abholzung, durch
Köhlerei, Überweidung und verheerende Waldbrände zum Teil stark dezimiert. Den
weitaus größten Teil der verbliebenen Forste dominieren heute die aus dem
östlichen Mittelmeerraum stammenden Aleppokiefern. Insbesondere die
Steineichenwälder der Bergregion sind größtenteils unter Naturschutz gestellt.
In Gebieten mit starker Entwaldung entstand die Macchia, ein immergrüner, 2 bis
5 m hoher dichter Buschwald mit genügsamen Hartlaubgewächsen wie Erdbeerbäumen,
Mastix, Wacholder oder Zwergpalmen. Wo auch diese Pflanzen durch Übernutzung
(z.B. Viehverbiß) zerstört sind, breitet sich die Garrigue mit anspruchslosen
Dornensträuchern und Kräutern aus. Dem Wanderer begegnen in den verschiedenen
Höhenstufen und ausgelöst durch oben beschriebene Entwicklungen unterschiedlichste
Vegetationsformen. Insgesamt bietet die Serra de Tramuntana dadurch dem
Wanderer ein abwechslungsreiches Bild auf engem Raum.
Die Fauna
Mallorcas nimmt sich gegenüber der Flora bescheidener aus. Für Wanderer tragen
die freilaufenden Schafe, Esel und Ziegen aus der landwirtschaftlichen
Tierhaltung zu einem abwechslungsreichen Bild bei.
3.2 Kulturräumliche
Ressourcen und Potentiale
Als wichtiges
Element, das nach Christoph Becker maßgeblich zur Attraktivität einer
Landschaft beiträgt, ist die Besiedlung und ihre Einbindung in die Landschaft
zu nennen[65].
Es finden sich viele Fincas (Bauernhöfe) und große Gutshöfe in der Bergregion
Serra de Tramuntana (siehe Kapitel 3.2.2), zahlreiche kleine Dörfer mit
Bevölkerungsstärken um 500 Einwohner (z.B. Galilea, Estellencs, Fornalutx),
einige Kleinstädte mit bis zu 8.500 Einwohnern (z.B. Andratx, Bunyola) und
wenige größere Städte (Sóller, Pollenca und Calviá) mit bis zu 30.000
Einwohnern. Die Besiedlung ist überwiegend
aus gewachsenen Strukturen hervorgegangen und bindet sich zum Großteil seit
jeher in die Landschaft ein. Bis auf wenige Ausnahmen ist die ursprüngliche
äußerliche Gestalt und die Struktur innerhalb der Dörfer und Städte weitgehend
erhalten geblieben.
3.2.1 Landwirtschaftliche
Nutzung
Seit jeher war
die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen in der Serra de Tramuntana mit
besonderen Schwierigkeiten verbunden. Die landschaftlichen Gegebenheiten wie
steile Hänge und starke Zergliederung lassen keine extensive
Feldbewirtschaftung zu und stellen durch lange und mühselige Wege
Verkehrshindernisse für den Absatz der landwirtschaftlichen Produkte dar. Für
den Wandertourismus stellt jedoch die an die Gegebenheiten angepaßte
Landwirtschaft ein reizvolles Bild dar. In manchen Regionen, wie rund um Banyalbufar,
findet man z.B. kleinräumige Terrassenkulturen, die aus der Zeit der arabischen
Besiedlung stammen. Das traditionelle Landschaftsbild ist geprägt von
Trockenfeldbau mit Getreide und von Fruchtbaumkulturen. Zu einem attraktiven
Landschaftsbild tragen neben der kleinräumig strukturierten Nutzfläche
insbesondere die zahlreichen Oliven-, Orangen- und Mandelbäume bei, vor allem
während der Blütezeit im Frühjahr. Traditionell ist auch die extensive
Beweidung durch Kleinvieh (Ziegen, Schafe, Schweine), die zum Teil bis heute
erhalten ist.
Vielerorts
wurde die Landwirtschaft aufgegeben (siehe auch Kapitel 2.4). Zu einer
Umstellung der landwirtschaftlichen Betriebe zu moderneren Betriebseinheiten
mit veränderten Produktionsformen kam es in der Serra de Tramuntana kaum, da
die Flächenstruktur hierfür nicht geeignet sind. Die Aufgabe von Höfen führte
und führt zu weitreichenden Veränderungen im Landschaftsbild, da beispielsweise
Trockensteinmauern, die bei Terrassenkulturen traditionell anzutreffen sind, verfallen.
Foto 2: Verfall der traditionellen
Trockensteinmauern

Das Foto stellt den Verfall
traditioneller Trockensteinmauern dar,
der zum Teil von Wanderern durch Begehung
beschleunigt wird.
Schmitt
rechnet damit, daß der Verlust an traditionellem Kulturland in der Zukunft
“spektakuläre Ausmaße” annehmen wird[66].
Wie in Kapitel 9.1.3 gezeigt werden wird, kann der Wandertourismus zu einer
Entschärfung dieser Gefahr beitragen.
3.2.2 Siedlungsgeschichtliche
Elemente
Wie in Kapitel
2.3 beschrieben, entstanden die Großgrundbesitze auf Mallorca im 13.
Jahrhundert. Die Besitzer errichteten auf ihren Latifundien festungsartige
Fincas (Bauernhöfe) und Gutshöfe mit eigenen Kapellen (Balitx d´Abaix, Höfe im
Ternellestal). Heute gibt es ca. 12.000 Fincas auf Mallorca – davon ein
Großteil in der Serra de Tramuntana gelegen - von denen sich nur ca. 10% nicht
in Familienbesitz befinden. Das Erscheinungsbild der Höfe und die
Produktionsweisen sind zum großen Teil erhalten geblieben, da sie von keiner
Agrarreform oder Flurbereinigung beeinflußt wurden[67].
Auf zahlreichen Wanderungen passiert man diese Gutshöfe, einige sind sogar für
Besucher zugänglich, wie die Finca Balitx d´Abaix aus dem späten Mittelalter.
In abgelegenen
Bergdörfern wie Fornalutx blieb sogar nahezu die gesamte ursprüngliche
Dorfstruktur mit ihren Kleingehöften erhalten. Fornalutx gewann zweimal den
Preis “Schönstes Dorf in Spanien”, was in zahlreichen (Wander-) Reiseführern
erwähnt wird. Fornalutx wird von vielen Wanderern aufgesucht.
Traditionell
werden aus vielerlei Gründen (zur Grundsstücksabgrenzung, als Schutz vor
Erdrutsch, als Windschutz, als Barrieren für Vieh) Steinmauern, die sogenannten
“marges” gebaut. Seit 1998 sind mit Mitteln der Europäischen Union 10.000
Quadratmeter Steinmauern in der Serra de Tramuntana ausgebessert worden[68].
Das traditionelle Bild der Kulturlandschaft Mallorcas soll so, insbesondere in
der Bergregion, erhalten werden.
Eine
traditionelle Nutzungsform der vorindustriellen Zeit war die Köhlerei. Aus
dieser Zeit stammen die degradierten Steineichen-Bestände und die zum Teil
erhalten gebliebenen dazugehörigen Köhlerplätze. In der Serra de Tramuntana
trifft man zudem immer wieder auf die Reste alter Kalköfen, die z.T. bis in die
Mitte des 20. Jahrhunderts in Betrieb waren. Einzelne ehemalige Köhlerwege
dienen heute als Wanderwege, so z.B. Teile des Wanderweges im Gemeindewald von
Bunyola.
Die
zahlreichen siedlungsgeschichtlichen Elemente tragen zu dem abwechslungsreichen
Landschaftsbild in Mallorcas Bergregion bei.
3.2.3 Alte
Pilgerstrecken, Köhler- und Karrenwege
Ein weites
Netz früherer Pilgerstrecken, Köhler- und Karrenwege umspannt die gebirgigen
Regionen der Serra de Tramuntana. Viele der heutigen Wanderwege dienten früher
als Karrenwege zu Köhlerplätzen, Kalköfen oder Wachtürmen. Einige Pfade waren
ursprünglich dazu angelegt mit Karawanen von Maultieren die Ernte abgelegener
Bauernhöfe ins Tal zu bringen[69].
Rund um das Kloster Lluc, das zu bestimmten Anlässen auch heute noch ein
Pilgerzentrum für die einheimische Bevölkerung (und andere Pilger) darstellt,
finden sich zahlreiche ehemalige Pilgerpfade. Diese führen aus verschiedenen
Orten und von zahlreichen Ausgangspunkten auf das Kloster zu. Auch zu anderen
Klöstern und Wallfahrtsstätten führen ehemalige und teilweise auch heute noch
dieser Nutzung unterliegende Wege.
Die
Inselregierung läßt derzeit einen Katalog erstellen, in dem alle (ehemaligen)
Pilgerstrecken, Köhler- und Karrenwege aufgenommen werden sollen. Grundlage des
Katalogs ist der bereits vorhandene “Catáleg dels antics Camins de la Serra de
Tramuntana” (Katalog der alten Wege der Serra de Tramuntana), der jedoch keine
Aufschlüsse über öffentliche oder private Nutzung gibt[70].
Mit Hilfe von Historikern und Geographen soll geklärt werden, welche der Wege
ehemals einer öffentlichen Nutzung unterlagen. Diese Wege sollen dann auf Dauer
für die Öffentlichkeit freigehalten werden, so wie es bei Wegen, die vom und
zum Meer führen, bereits heute der Fall ist (siehe auch Kapitel 4.2.1). Durch
diese Maßnahme kann sich für Wanderer das Potenzial an Wanderwegen erhöhen, da
die Sperrung einiger Wege aufgehoben werden würde.
3.3 Infrastrukturelle
Potentiale
Der Begriff
“Infrastruktur” wird in dieser Arbeit sowohl für die touristische
Infrastruktur, die ausschließlich von Feriengästen in Anspruch genommen wird,
verwendet als auch für die allgemeine technische Infrastruktur. In diesem
Kapitel bezieht sich der Begriff jedoch nur auf die touristische Infrastruktur.
3.3.1 Unterkünfte und Gastronomie
Mallorca hat
viele verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten. Neben den klassischen
Unterkünften an der Küste (Hotels, Hostals, Appartments, Ferienwohnungen und
-häuser) gibt es die Möglichkeit, in einem der Stadthotels von Palma zu
übernachten, in Klöstern (z.B. im Kloster Lluc, im Kloster Sant Salvador bei
Felanitx, im Kloster Puig Maria bei Pollenca, in den Klöstern von Montuiri und
Porreres) oder auf renovierten Fincas im Landesinneren.
Das für
Wanderer in Frage kommende Potenzial an Übernachtungsangeboten befindet sich in
und in der Nähe der Serra de Tramuntana. Hier befinden sich sowohl die
entsprechenden Unterkunftsformen der Küstenorte (in Port de Andratx, Sant Elm,
Port de Sóller), als auch die anderen oben beschriebenen Varianten (Kloster
Lluc, Kloster Puig Maria, Fincas u.a. in Deià, Valldemossa, Sóller). Für Wanderer mit niedrigem Urlaubsbudget
kommen ausserdem die Übernachtung im Refugio Tossals Verds und Castell d´Alaró
(einfache Gasthäuser mit Übernachtungsmöglichkeit), die Jugendherberge bei
Alcúdia oder der Zeltplatz bei Alcúdia und beim Kloster Lluc in Frage.
Anders als in
vielen anderen Wanderdestinationen kann der Wanderer auf Mallorca aus einem
großen Angebot an Unterkunftsmöglichkeiten in relativer Nähe zur Wanderregion
wählen. Das Angebot an Unterkünften direkt im Gebiet ist jedoch begrenzt (siehe
auch Kapitel 4.2.2). Mehrtägige Wanderungen von Ort zu Ort mit täglichem
Quartierwechsel sind daher nur schwer zu organisieren, zumal einige Unterkünfte
häufig ausgebucht sind. Die von der Inselregierung geplante Bereitstellung von
bewirtschafteten Hütten entlang des Weitwanderweges “Camí de pedras en sec”
wird jedoch ein weiteres Potenzial an Unterkünften in der Region bieten.
Ein weiterer
Standortfaktor ist die Gastronomie, die abwechslungsreiche und vielfältige
Speisen und Getränke bereitstellt. Besonders vielfältig und zahlreich ist das
Angebot an Gastronomie in den Ortschaften der Region (z.B. in Sóller,
Valldemossa oder Andratx). Entlang der Wanderwege gibt es jedoch bislang wenig
Offerten. Mit einigen Fincas und deren Produkten aus der eigenen Landwirtschaft
steht jedoch ein Potenzial zur Verfügung, welches entwickelt werden könnte.
3.3.2 Verkehrswege
und -anbindung
Ein
Standortfaktor Mallorcas ist die gute Erreichbarkeit von fast allen deutschen
Flughäfen. Zahlreiche Charterfluggesellschaften (LTU, Hapag Lloyd, Condor,
etc.) bieten regelmäßige und preiswerte Fluganbindungen an. Die
Fluggesellschaft Air Berlin offeriert derzeit 142 Mal die Woche tägliche
Shuttleflüge nach Palma von verschiedenen deutschen Flughäfen aus.
Vor Ort hat
sich ein gut ausgebautes Netz von Verkehrsmitteln entwickelt. Es stehen
öffentliche Busse zur Verfügung, die nahezu die ganze Insel erschliessen.
Eisenbahnlinien gibt es lediglich zwei. Einige Orte sind per
Schiffsverbindungen zu erreichen. Besonders groß ist das Angebot an Mietwagen.
Das bisherige
Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ist für den Wandertourismus als
eingeschränkt zu bezeichnen. In der Hauptreisezeit des Wandertourismus
(Frühjahr und Herbst) ist kaum zusätzlicher Verkehr auf den relevanten Strecken
eingerichtet. Manche Strecken werden z.B. erst ab dem 01. April bedient. Einige
Ausgangspunkte für Wanderungen sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gar nicht
zu erreichen. Vor Ort kommt es durch starke Nachfrage zu Engpässen bei der
Beförderung, wodurch zahlreiche Wanderer auch schon nicht befördert wurden.
Diese Umstände sorgen dafür, daß viele Wanderer auf Mietwagen ausweichen, um
die Ausgangspunkte ihrer Wanderungen zu erreichen. Im Bereich des öffentlichen
Nahverkehrs gibt es jedoch Potenziale zur Entwicklung (z.B. Erweiterung des
Busfahrplanes auf die Hauptsaisonzeiten des Wandertourismus), da die
Infrastruktur bereits bereitsteht.
Ein besonderer
touristischer Faktor für Wanderer auf Mallorca, der so in den meisten
Wanderregionen weltweit nicht gegeben ist, ist die öffentliche
Verkehrserschließung einiger Wanderrouten durch Bahn und Schiff, wie die
Verbindung Port de Sóller - Torrent de Pareis per Schiff, oder die Fahrt per
nostalgischer Eisenbahn (der sogenannte “Rote Blitz”, eine Original Eisenbahn
von 1912) von Palma über Bunyola nach Sóller. Ein Potenzial zur weiteren
Entwicklung des Angotes ist hier jedoch nicht gegeben, da insbesondere die
Eisenbahnverbindung nach und von Sóller ausgelastet ist.
3.3.3 Reiseführer
und andere Informationsquellen
Im Vergleich
zu anderen Reiseziele ist die Informationsinfrastruktur für Mallorca extrem
vielfältig. Dies gilt besonders für deutsche Publikationen. Insgesamt erleben
in Deutschland “gedruckte Reise- und Wanderführer, die sich zunehmend auf
spezifische Interessengruppen konzentrieren (...) einen wahren Boom”[71].
Im Jahre 1993 lagen ca. 50 Reiseführer deutscher Verlage für Mallorca vor.
Neben klassischen Reiseführern, die sämtliche touristische Aspekte der Insel
umfassen, fanden sich eine Reihe von Publikationen für spezielle touristische
Zielgruppen: u.a. Ausflugsführer, Radwanderführer, naturkundliche Führer,
Führer für Familien und auch zahlreiche Wanderführer.[72]
Damit ist die Quantität der vorliegenden Reiseführer für die Destination
Mallorca wesentlich höher als für andere (hinsichtlich der Wandermöglichkeiten
weitgehend vergleichbare) Destinationen (für Kreta wurden von der Verfasserin
z.B. 19 Reiseführer gezählt[73]).
Die Qualität
der Reiseführer, und im speziellen der Wanderreiseführer, ist sehr
unterschiedlich. Teilweise sind die Informationen, die einzelne
Wanderreiseführer bereithalten, wie Begehbarkeit von Wanderwegen, bereits im
Erscheinungsjahr veraltet. Wie in Kapitel 4.2.1.2 gezeigt werden wird, ist es
unerläßlich, Wanderführer für Mallorca jährlich zu aktualisieren, da es jedes
Jahr zu neuen Beschränkungen von Wanderwegen kommt. Für den (insbesondere
erstmaligen) Besucher der Wanderregion Mallorcas scheint das Angebot an
Wanderführern vielfältig und groß, wodurch der Eindruck entstehen kann, daß
Wandern auf Mallorca ohne Probleme zu bewerkstelligen sei. Dies ist jedoch eine
zum Teil fatale Fehleinschätzung. Wie in Kapitel 4.2.1 gezeigt werden wird, ist
das Gefahrenpotenzial Mallorcas Bergregion mit dem teilweise hochalpinen
Charakter nicht zu unterschätzen. Zudem können falsche Angaben zu einem
Imageschaden von Mallorca als Wanderregion führen. Einige der Wanderführer sind
nach eigener Erfahrung als schlecht zu bezeichnen, z.B. das “Outdoor Handbuch
2000 Serra de Tramuntana”, in dem der Wanderweg zum Castell del Rei als
generell begehbar beschrieben wird, was seit Jahren nicht mehr der Fall ist
(siehe Kapitel 4.2.1.2).
Der Eindruck,
daß Wandern auf Mallorca für jedermann einfach zu bewerkstelligen sei, wird
auch durch die starke Präsenz des Themas im Internet vermittelt. Die
Suchmaschine Google führte zum Beispiel bei der Suche nach dem Begriff “Wandern
auf Mallorca” 3.800 Einträge auf (unter “Wandern auf Kreta” demgegenüber 1.610
Einträge). Zwar ist dabei zu bedenken, daß zahlreiche Einträge doppelt (und
dreifach,...) auftauchen und sich die Anzahl der Einträge durch Verlinkungen
künstlich erhöht hat, dennoch gibt diese hohe Zahl der Einträge einen Eindruck
von dem Interesse, das dieses Thema für Anbieter hat. Alle Internet-Adressen,
die “Mallorca” in den verschiedensten Variationen (www.mallorca.de,
www.mallorcawandern.de, www.infomallorca.de, etc.) im Namen tragen, haben einen
Eintrag zum Thema verzeichnet. Häufig wird auf Wanderführer und
Wanderreiseleiter verwiesen (vor Ort lebende Deutsche oder Einheimische) oder
allgemeine Informationen zur Serra de Tramuntana angeboten. Spätestens wenn in
der Linkliste der Suchmaschine auch die Adresse www.ballermann.de angegeben
wird, wird deutlich, daß das Thema “Wandern auf Mallorca” auch sehr viele
(potentielle) Mallorca-Urlauber erreicht, die sich bisher kaum oder gar nicht
für Wandern interessiert haben.
An
Wanderkarten steht erst mit der “Wanderkarte WKE 1 Mallorca Tramuntana”,
Maßstab 1:50.000 aus dem Verlag freytag & berndt eine genaue Karte für die
Wanderregion Serra de Tramuntana bereit. Andere Kartenwerke sind entweder
veraltet oder zu kleinmaßstäbig.
Insgesamt
bietet der Buch- und Internet-Markt dem potentiellen Wanderer vielfältige und
zahlreiche Informationen zum “Wandern auf Mallorca”, die jedoch qualitativ
nicht immer adäquat sind.
3.4 Zusammenfassung
Wie bereits in
Kapitel 2.2 beschrieben, spielt sich der Wandertourismus auf Mallorca zum
überwiegenden Teil in der Serra de Tramuntana ab. Durch die vielfältige
Topographie der Bergregion kann die Serra de Tramuntana nahezu alle Wünsche,
vom bequemen Picknickausflug, über Spaziergänge, Wanderungen bis zum alpinen
Bergsteigen erfüllen.
Insgesamt
bietet die Region Serra de Tramuntana hinsichtlich der natur- und kulturräumlichen
Potenziale geradezu ideale Voraussetzungen für den Wandertourismus.
Hinzu kommen die Potenziale, wie Klima, gute Erreichbarkeit und vielfältige
touristische Infrastrukturen die die ganze Insel betreffen die als weitere
Standortfaktoren Mallorca für den Wandertourismus prädestinieren.
[60] Vgl. Becker 2000a, S. 16
[61] Vgl. Beese 1995, S. 20
[62] Vgl. Schmitt
1999, S. 37
[63] Ebenda, S. 35
[64] Ebenda, S. 35
[65] Becker 2000a, S. 16
[66] Vgl. Schmitt
1999, S. 88
[67] Vgl. Merian
1998, S. 29
[68] Mallorca
Zeitung Nr. 58/2001, S. 13
[69] Vgl. Heinrich
48/2000, S.76
[70] Vgl. Heinrich
1994, S. 22
[71] Becker 2000a, S. 14
[72] Vgl.
Steinecke 1994, S. 21-23
[73] Kreta ist
aufgrund ähnlicher Voraussetzungen für den Wandertourismus hier als Vergleich
gewählt worden. Hier “... ist in den letzten
Jahren eine stetig wachsende Zahl von Urlaubern zu konstatieren, die Kreta vor
allem im Frühjahr und Herbst wegen seiner inzwischen gut ausgebauten Wanderwege
(...) besuchen” (Lehmann 2000, S. 66).