3.       Ressourcen und touristische Potentiale für den Wandertourismus

 

3.1       Naturräumliche Ressourcen und Potenziale

 

Die Ressourcen und touristischen Potentiale der Bergregion Serra de Tramuntana für den Wandertourismus können nicht losgelöst von den naturräumlichen Ressourcen und Potentialen der Insel Mallorca insgesamt betrachtet werden.

In der Bergregion Serra de Tramuntana ist das Mittelmeer auf fast allen Wanderungen präsent. Zu den visuellen Aspekten, die die Ressource Meer ausmacht, kommt das reizstarke Bioklima (gesteigert durch die Höhenlage der Serra de Tramuntana). Nach Becker tragen zur Attraktivität einer Landschaft insbesondere Elemente bei, die einen Kontrast zu den städtischen Wohngebieten bilden[60]. Mallorcas Bergwelt hat zahlreiche dieser Elemente zu bieten. Die Gipfel erreichen Höhen von über 1.400 Metern. Die hohe Reliefenergie, starke Zergliederung, markante Gebirgskämme, dazwischen liegende Längstäler und Karstbecken, tiefeingeschnittene Schluchten und geschützte kleine Badebuchten gestalten das Landschaftsbild abwechslungsreich und attraktiv für Wanderer.

 

 

3.1.1    Klima

 

Ein wichtiger touristischer Standortfaktor für den Tourismus insgesamt ist das typisch mediterrane Klima Mallorcas mit angenehmen Temperaturen in den Frühjahrsmonaten, ausgeprägter Sommertrockenheit und milden feuchten Herbst- und Wintermonaten. Im Jahresmittel ist es in Palma 16,9° Celsius warm (im Vergleich dazu: Berlin 8,8° Celsius)[61].

Für Wanderer stellen das Frühjahr und der Herbst die Hauptreisezeit dar, da sich die Temperaturen dann für körperliche Aktivitäten meist in einem angenehmen Rahmen bewegen. In den Sommermonaten Juli und August lassen grosse Hitze ausgedehnte Wanderungen kaum zu; im Winter ist es oftmals kühl und feucht. So können an der Station Lluc (825 m) Fröste von November bis April mit einem absoluten Minmum von -10° Celsius auftreten[62].

Das Niederschlagsregime ist von einem Maximum im Herbst mit einer Konzentration der Niederschläge im Oktober gekennzeichnet. So kann es während eines Wanderaufenthaltes in dieser Zeit zu starken Niederschlägen kommen, die meist als Starkregen niedergehen und überwiegend auf wenige Tage aggregiert sind[63]. Mit Regen müssen Wanderer auch deshalb rechnen, weil das Niederschlagsniveau in der Serra de Tramuntana insgesamt wesentlich höher liegt als im Rest Mallorcas, da der Gebirgswall die mit hoher Feuchtigkeit geladenen Luftmassen aus dem Norden abfängt und diese sich über dem Gebirge abregnen (mittlerer jährlicher Niederschlag in Lluc: 1265 mm, in Palma Hafen: 415 mm, in Manacor 525 mm[64]).

 

 

3.1.2    Flora und Fauna

 

Insgesamt verfügt die Insel über eine reichhaltige Flora. Die Vegetation formt in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen das landschaftliche Erscheinungsbild wesentlich mit. Das ursprüngliche Vegetationsbild hat sich jedoch im Laufe der Zeit durch Einfluß des Menschen weitgehend verändert. So mußten auf Mallorca viele Waldgebiete der Gewinnung von Kulturland oder dem Holzeinschlag für den Schiffsbau weichen. Der ursprünglich dichte Waldbestand ist durch Abholzung, durch Köhlerei, Überweidung und verheerende Waldbrände zum Teil stark dezimiert. Den weitaus größten Teil der verbliebenen Forste dominieren heute die aus dem östlichen Mittelmeerraum stammenden Aleppokiefern. Insbesondere die Steineichenwälder der Bergregion sind größtenteils unter Naturschutz gestellt. In Gebieten mit starker Entwaldung entstand die Macchia, ein immergrüner, 2 bis 5 m hoher dichter Buschwald mit genügsamen Hartlaubgewächsen wie Erdbeerbäumen, Mastix, Wacholder oder Zwergpalmen. Wo auch diese Pflanzen durch Übernutzung (z.B. Viehverbiß) zerstört sind, breitet sich die Garrigue mit anspruchslosen Dornensträuchern und Kräutern aus. Dem Wanderer begegnen in den verschiedenen Höhenstufen und ausgelöst durch oben beschriebene Entwicklungen unterschiedlichste Vegetationsformen. Insgesamt bietet die Serra de Tramuntana dadurch dem Wanderer ein abwechslungsreiches Bild auf engem Raum.

Die Fauna Mallorcas nimmt sich gegenüber der Flora bescheidener aus. Für Wanderer tragen die freilaufenden Schafe, Esel und Ziegen aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung zu einem abwechslungsreichen Bild bei.

3.2       Kulturräumliche Ressourcen und Potentiale

 

Als wichtiges Element, das nach Christoph Becker maßgeblich zur Attraktivität einer Landschaft beiträgt, ist die Besiedlung und ihre Einbindung in die Landschaft zu nennen[65]. Es finden sich viele Fincas (Bauernhöfe) und große Gutshöfe in der Bergregion Serra de Tramuntana (siehe Kapitel 3.2.2), zahlreiche kleine Dörfer mit Bevölkerungsstärken um 500 Einwohner (z.B. Galilea, Estellencs, Fornalutx), einige Kleinstädte mit bis zu 8.500 Einwohnern (z.B. Andratx, Bunyola) und wenige größere Städte (Sóller, Pollenca und Calviá) mit bis zu 30.000 Einwohnern.  Die Besiedlung ist überwiegend aus gewachsenen Strukturen hervorgegangen und bindet sich zum Großteil seit jeher in die Landschaft ein. Bis auf wenige Ausnahmen ist die ursprüngliche äußerliche Gestalt und die Struktur innerhalb der Dörfer und Städte weitgehend erhalten geblieben.

 

 

3.2.1    Landwirtschaftliche Nutzung

 

Seit jeher war die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen in der Serra de Tramuntana mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Die landschaftlichen Gegebenheiten wie steile Hänge und starke Zergliederung lassen keine extensive Feldbewirtschaftung zu und stellen durch lange und mühselige Wege Verkehrshindernisse für den Absatz der landwirtschaftlichen Produkte dar. Für den Wandertourismus stellt jedoch die an die Gegebenheiten angepaßte Landwirtschaft ein reizvolles Bild dar. In manchen Regionen, wie rund um Banyalbufar, findet man z.B. kleinräumige Terrassenkulturen, die aus der Zeit der arabischen Besiedlung stammen. Das traditionelle Landschaftsbild ist geprägt von Trockenfeldbau mit Getreide und von Fruchtbaumkulturen. Zu einem attraktiven Landschaftsbild tragen neben der kleinräumig strukturierten Nutzfläche insbesondere die zahlreichen Oliven-, Orangen- und Mandelbäume bei, vor allem während der Blütezeit im Frühjahr. Traditionell ist auch die extensive Beweidung durch Kleinvieh (Ziegen, Schafe, Schweine), die zum Teil bis heute erhalten ist. 

Vielerorts wurde die Landwirtschaft aufgegeben (siehe auch Kapitel 2.4). Zu einer Umstellung der landwirtschaftlichen Betriebe zu moderneren Betriebseinheiten mit veränderten Produktionsformen kam es in der Serra de Tramuntana kaum, da die Flächenstruktur hierfür nicht geeignet sind. Die Aufgabe von Höfen führte und führt zu weitreichenden Veränderungen im Landschaftsbild, da beispielsweise Trockensteinmauern, die bei Terrassenkulturen traditionell anzutreffen sind, verfallen.

 

Foto 2: Verfall der traditionellen Trockensteinmauern

 

Das Foto stellt den Verfall traditioneller Trockensteinmauern dar,

der zum Teil von Wanderern durch Begehung beschleunigt wird.

 

Schmitt rechnet damit, daß der Verlust an traditionellem Kulturland in der Zukunft “spektakuläre Ausmaße” annehmen wird[66]. Wie in Kapitel 9.1.3 gezeigt werden wird, kann der Wandertourismus zu einer Entschärfung dieser Gefahr beitragen.

 

 

3.2.2    Siedlungsgeschichtliche Elemente

 

Wie in Kapitel 2.3 beschrieben, entstanden die Großgrundbesitze auf Mallorca im 13. Jahrhundert. Die Besitzer errichteten auf ihren Latifundien festungsartige Fincas (Bauernhöfe) und Gutshöfe mit eigenen Kapellen (Balitx d´Abaix, Höfe im Ternellestal). Heute gibt es ca. 12.000 Fincas auf Mallorca – davon ein Großteil in der Serra de Tramuntana gelegen - von denen sich nur ca. 10% nicht in Familienbesitz befinden. Das Erscheinungsbild der Höfe und die Produktionsweisen sind zum großen Teil erhalten geblieben, da sie von keiner Agrarreform oder Flurbereinigung beeinflußt wurden[67]. Auf zahlreichen Wanderungen passiert man diese Gutshöfe, einige sind sogar für Besucher zugänglich, wie die Finca Balitx d´Abaix aus dem späten Mittelalter.

In abgelegenen Bergdörfern wie Fornalutx blieb sogar nahezu die gesamte ursprüngliche Dorfstruktur mit ihren Kleingehöften erhalten. Fornalutx gewann zweimal den Preis “Schönstes Dorf in Spanien”, was in zahlreichen (Wander-) Reiseführern erwähnt wird. Fornalutx wird von vielen Wanderern aufgesucht.

Traditionell werden aus vielerlei Gründen (zur Grundsstücksabgrenzung, als Schutz vor Erdrutsch, als Windschutz, als Barrieren für Vieh) Steinmauern, die sogenannten “marges” gebaut. Seit 1998 sind mit Mitteln der Europäischen Union 10.000 Quadratmeter Steinmauern in der Serra de Tramuntana ausgebessert worden[68]. Das traditionelle Bild der Kulturlandschaft Mallorcas soll so, insbesondere in der Bergregion, erhalten werden.

Eine traditionelle Nutzungsform der vorindustriellen Zeit war die Köhlerei. Aus dieser Zeit stammen die degradierten Steineichen-Bestände und die zum Teil erhalten gebliebenen dazugehörigen Köhlerplätze. In der Serra de Tramuntana trifft man zudem immer wieder auf die Reste alter Kalköfen, die z.T. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts in Betrieb waren. Einzelne ehemalige Köhlerwege dienen heute als Wanderwege, so z.B. Teile des Wanderweges im Gemeindewald von Bunyola.

Die zahlreichen siedlungsgeschichtlichen Elemente tragen zu dem abwechslungsreichen Landschaftsbild in Mallorcas Bergregion bei.

 

 

3.2.3    Alte Pilgerstrecken, Köhler- und Karrenwege

 

Ein weites Netz früherer Pilgerstrecken, Köhler- und Karrenwege umspannt die gebirgigen Regionen der Serra de Tramuntana. Viele der heutigen Wanderwege dienten früher als Karrenwege zu Köhlerplätzen, Kalköfen oder Wachtürmen. Einige Pfade waren ursprünglich dazu angelegt mit Karawanen von Maultieren die Ernte abgelegener Bauernhöfe ins Tal zu bringen[69]. Rund um das Kloster Lluc, das zu bestimmten Anlässen auch heute noch ein Pilgerzentrum für die einheimische Bevölkerung (und andere Pilger) darstellt, finden sich zahlreiche ehemalige Pilgerpfade. Diese führen aus verschiedenen Orten und von zahlreichen Ausgangspunkten auf das Kloster zu. Auch zu anderen Klöstern und Wallfahrtsstätten führen ehemalige und teilweise auch heute noch dieser Nutzung unterliegende Wege.

Die Inselregierung läßt derzeit einen Katalog erstellen, in dem alle (ehemaligen) Pilgerstrecken, Köhler- und Karrenwege aufgenommen werden sollen. Grundlage des Katalogs ist der bereits vorhandene “Catáleg dels antics Camins de la Serra de Tramuntana” (Katalog der alten Wege der Serra de Tramuntana), der jedoch keine Aufschlüsse über öffentliche oder private Nutzung gibt[70]. Mit Hilfe von Historikern und Geographen soll geklärt werden, welche der Wege ehemals einer öffentlichen Nutzung unterlagen. Diese Wege sollen dann auf Dauer für die Öffentlichkeit freigehalten werden, so wie es bei Wegen, die vom und zum Meer führen, bereits heute der Fall ist (siehe auch Kapitel 4.2.1). Durch diese Maßnahme kann sich für Wanderer das Potenzial an Wanderwegen erhöhen, da die Sperrung einiger Wege aufgehoben werden würde.

 

 

3.3       Infrastrukturelle Potentiale

 

Der Begriff “Infrastruktur” wird in dieser Arbeit sowohl für die touristische Infrastruktur, die ausschließlich von Feriengästen in Anspruch genommen wird, verwendet als auch für die allgemeine technische Infrastruktur. In diesem Kapitel bezieht sich der Begriff jedoch nur auf die touristische Infrastruktur.

 

 

3.3.1 Unterkünfte und Gastronomie

 

Mallorca hat viele verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten zu bieten. Neben den klassischen Unterkünften an der Küste (Hotels, Hostals, Appartments, Ferienwohnungen und -häuser) gibt es die Möglichkeit, in einem der Stadthotels von Palma zu übernachten, in Klöstern (z.B. im Kloster Lluc, im Kloster Sant Salvador bei Felanitx, im Kloster Puig Maria bei Pollenca, in den Klöstern von Montuiri und Porreres) oder auf renovierten Fincas im Landesinneren.

Das für Wanderer in Frage kommende Potenzial an Übernachtungsangeboten befindet sich in und in der Nähe der Serra de Tramuntana. Hier befinden sich sowohl die entsprechenden Unterkunftsformen der Küstenorte (in Port de Andratx, Sant Elm, Port de Sóller), als auch die anderen oben beschriebenen Varianten (Kloster Lluc, Kloster Puig Maria, Fincas u.a. in Deià, Valldemossa, Sóller).  Für Wanderer mit niedrigem Urlaubsbudget kommen ausserdem die Übernachtung im Refugio Tossals Verds und Castell d´Alaró (einfache Gasthäuser mit Übernachtungsmöglichkeit), die Jugendherberge bei Alcúdia oder der Zeltplatz bei Alcúdia und beim Kloster Lluc in Frage.

Anders als in vielen anderen Wanderdestinationen kann der Wanderer auf Mallorca aus einem großen Angebot an Unterkunftsmöglichkeiten in relativer Nähe zur Wanderregion wählen. Das Angebot an Unterkünften direkt im Gebiet ist jedoch begrenzt (siehe auch Kapitel 4.2.2). Mehrtägige Wanderungen von Ort zu Ort mit täglichem Quartierwechsel sind daher nur schwer zu organisieren, zumal einige Unterkünfte häufig ausgebucht sind. Die von der Inselregierung geplante Bereitstellung von bewirtschafteten Hütten entlang des Weitwanderweges “Camí de pedras en sec” wird jedoch ein weiteres Potenzial an Unterkünften in der Region bieten.

Ein weiterer Standortfaktor ist die Gastronomie, die abwechslungsreiche und vielfältige Speisen und Getränke bereitstellt. Besonders vielfältig und zahlreich ist das Angebot an Gastronomie in den Ortschaften der Region (z.B. in Sóller, Valldemossa oder Andratx). Entlang der Wanderwege gibt es jedoch bislang wenig Offerten. Mit einigen Fincas und deren Produkten aus der eigenen Landwirtschaft steht jedoch ein Potenzial zur Verfügung, welches entwickelt werden könnte.

 

 

3.3.2    Verkehrswege und -anbindung

 

Ein Standortfaktor Mallorcas ist die gute Erreichbarkeit von fast allen deutschen Flughäfen. Zahlreiche Charterfluggesellschaften (LTU, Hapag Lloyd, Condor, etc.) bieten regelmäßige und preiswerte Fluganbindungen an. Die Fluggesellschaft Air Berlin offeriert derzeit 142 Mal die Woche tägliche Shuttleflüge nach Palma von verschiedenen deutschen Flughäfen aus.

Vor Ort hat sich ein gut ausgebautes Netz von Verkehrsmitteln entwickelt. Es stehen öffentliche Busse zur Verfügung, die nahezu die ganze Insel erschliessen. Eisenbahnlinien gibt es lediglich zwei. Einige Orte sind per Schiffsverbindungen zu erreichen. Besonders groß ist das Angebot an Mietwagen.

Das bisherige Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln ist für den Wandertourismus als eingeschränkt zu bezeichnen. In der Hauptreisezeit des Wandertourismus (Frühjahr und Herbst) ist kaum zusätzlicher Verkehr auf den relevanten Strecken eingerichtet. Manche Strecken werden z.B. erst ab dem 01. April bedient. Einige Ausgangspunkte für Wanderungen sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln gar nicht zu erreichen. Vor Ort kommt es durch starke Nachfrage zu Engpässen bei der Beförderung, wodurch zahlreiche Wanderer auch schon nicht befördert wurden. Diese Umstände sorgen dafür, daß viele Wanderer auf Mietwagen ausweichen, um die Ausgangspunkte ihrer Wanderungen zu erreichen. Im Bereich des öffentlichen Nahverkehrs gibt es jedoch Potenziale zur Entwicklung (z.B. Erweiterung des Busfahrplanes auf die Hauptsaisonzeiten des Wandertourismus), da die Infrastruktur bereits bereitsteht.

Ein besonderer touristischer Faktor für Wanderer auf Mallorca, der so in den meisten Wanderregionen weltweit nicht gegeben ist, ist die öffentliche Verkehrserschließung einiger Wanderrouten durch Bahn und Schiff, wie die Verbindung Port de Sóller - Torrent de Pareis per Schiff, oder die Fahrt per nostalgischer Eisenbahn (der sogenannte “Rote Blitz”, eine Original Eisenbahn von 1912) von Palma über Bunyola nach Sóller. Ein Potenzial zur weiteren Entwicklung des Angotes ist hier jedoch nicht gegeben, da insbesondere die Eisenbahnverbindung nach und von Sóller ausgelastet ist.

 

 

3.3.3    Reiseführer und andere Informationsquellen

 

Im Vergleich zu anderen Reiseziele ist die Informationsinfrastruktur für Mallorca extrem vielfältig. Dies gilt besonders für deutsche Publikationen. Insgesamt erleben in Deutschland “gedruckte Reise- und Wanderführer, die sich zunehmend auf spezifische Interessengruppen konzentrieren (...) einen wahren Boom”[71]. Im Jahre 1993 lagen ca. 50 Reiseführer deutscher Verlage für Mallorca vor. Neben klassischen Reiseführern, die sämtliche touristische Aspekte der Insel umfassen, fanden sich eine Reihe von Publikationen für spezielle touristische Zielgruppen: u.a. Ausflugsführer, Radwanderführer, naturkundliche Führer, Führer für Familien und auch zahlreiche Wanderführer.[72] Damit ist die Quantität der vorliegenden Reiseführer für die Destination Mallorca wesentlich höher als für andere (hinsichtlich der Wandermöglichkeiten weitgehend vergleichbare) Destinationen (für Kreta wurden von der Verfasserin z.B. 19 Reiseführer gezählt[73]). 

Die Qualität der Reiseführer, und im speziellen der Wanderreiseführer, ist sehr unterschiedlich. Teilweise sind die Informationen, die einzelne Wanderreiseführer bereithalten, wie Begehbarkeit von Wanderwegen, bereits im Erscheinungsjahr veraltet. Wie in Kapitel 4.2.1.2 gezeigt werden wird, ist es unerläßlich, Wanderführer für Mallorca jährlich zu aktualisieren, da es jedes Jahr zu neuen Beschränkungen von Wanderwegen kommt. Für den (insbesondere erstmaligen) Besucher der Wanderregion Mallorcas scheint das Angebot an Wanderführern vielfältig und groß, wodurch der Eindruck entstehen kann, daß Wandern auf Mallorca ohne Probleme zu bewerkstelligen sei. Dies ist jedoch eine zum Teil fatale Fehleinschätzung. Wie in Kapitel 4.2.1 gezeigt werden wird, ist das Gefahrenpotenzial Mallorcas Bergregion mit dem teilweise hochalpinen Charakter nicht zu unterschätzen. Zudem können falsche Angaben zu einem Imageschaden von Mallorca als Wanderregion führen. Einige der Wanderführer sind nach eigener Erfahrung als schlecht zu bezeichnen, z.B. das “Outdoor Handbuch 2000 Serra de Tramuntana”, in dem der Wanderweg zum Castell del Rei als generell begehbar beschrieben wird, was seit Jahren nicht mehr der Fall ist (siehe Kapitel 4.2.1.2).

Der Eindruck, daß Wandern auf Mallorca für jedermann einfach zu bewerkstelligen sei, wird auch durch die starke Präsenz des Themas im Internet vermittelt. Die Suchmaschine Google führte zum Beispiel bei der Suche nach dem Begriff “Wandern auf Mallorca” 3.800 Einträge auf (unter “Wandern auf Kreta” demgegenüber 1.610 Einträge). Zwar ist dabei zu bedenken, daß zahlreiche Einträge doppelt (und dreifach,...) auftauchen und sich die Anzahl der Einträge durch Verlinkungen künstlich erhöht hat, dennoch gibt diese hohe Zahl der Einträge einen Eindruck von dem Interesse, das dieses Thema für Anbieter hat. Alle Internet-Adressen, die “Mallorca” in den verschiedensten Variationen (www.mallorca.de, www.mallorcawandern.de, www.infomallorca.de, etc.) im Namen tragen, haben einen Eintrag zum Thema verzeichnet. Häufig wird auf Wanderführer und Wanderreiseleiter verwiesen (vor Ort lebende Deutsche oder Einheimische) oder allgemeine Informationen zur Serra de Tramuntana angeboten. Spätestens wenn in der Linkliste der Suchmaschine auch die Adresse www.ballermann.de angegeben wird, wird deutlich, daß das Thema “Wandern auf Mallorca” auch sehr viele (potentielle) Mallorca-Urlauber erreicht, die sich bisher kaum oder gar nicht für Wandern interessiert haben.

An Wanderkarten steht erst mit der “Wanderkarte WKE 1 Mallorca Tramuntana”, Maßstab 1:50.000 aus dem Verlag freytag & berndt eine genaue Karte für die Wanderregion Serra de Tramuntana bereit. Andere Kartenwerke sind entweder veraltet oder zu kleinmaßstäbig.

Insgesamt bietet der Buch- und Internet-Markt dem potentiellen Wanderer vielfältige und zahlreiche Informationen zum “Wandern auf Mallorca”, die jedoch qualitativ nicht immer adäquat sind.

 

 

3.4       Zusammenfassung

 

Wie bereits in Kapitel 2.2 beschrieben, spielt sich der Wandertourismus auf Mallorca zum überwiegenden Teil in der Serra de Tramuntana ab. Durch die vielfältige Topographie der Bergregion kann die Serra de Tramuntana nahezu alle Wünsche, vom bequemen Picknickausflug, über Spaziergänge, Wanderungen bis zum alpinen Bergsteigen erfüllen.

Insgesamt bietet die Region Serra de Tramuntana hinsichtlich der natur- und kulturräumlichen Potenziale geradezu ideale Voraussetzungen für den Wandertourismus. Hinzu kommen die Potenziale, wie Klima, gute Erreichbarkeit und vielfältige touristische Infrastrukturen die die ganze Insel betreffen die als weitere Standortfaktoren Mallorca für den Wandertourismus prädestinieren.

 

 



[60] Vgl. Becker 2000a, S. 16

[61] Vgl. Beese 1995, S. 20

[62] Vgl. Schmitt 1999, S. 37

[63] Ebenda, S. 35

[64] Ebenda, S. 35

[65] Becker 2000a, S. 16

[66] Vgl. Schmitt 1999, S. 88

[67] Vgl. Merian 1998, S. 29

[68] Mallorca Zeitung Nr. 58/2001, S. 13

[69] Vgl. Heinrich 48/2000, S.76

[70] Vgl. Heinrich 1994, S. 22

[71] Becker 2000a, S. 14

[72] Vgl. Steinecke 1994, S. 21-23

[73] Kreta ist aufgrund ähnlicher Voraussetzungen für den Wandertourismus hier als Vergleich gewählt worden.  Hier “... ist in den letzten Jahren eine stetig wachsende Zahl von Urlaubern zu konstatieren, die Kreta vor allem im Frühjahr und Herbst wegen seiner inzwischen gut ausgebauten Wanderwege (...) besuchen” (Lehmann 2000, S. 66).