1. Gegenstand und
Konzeption der Arbeit
1.1 Einleitung
Seit den
1960er Jahren hat sich die Baleareninsel Mallorca zu einem der beliebtesten
Zielgebiete im Mittelmeerraum und sogar weltweit entwickelt. Wie kaum eine
andere Destination wurde und wird Mallorca mit den Begriffen
Pauschalreisetourismus und Massentourismus in Verbindung gebracht. Durch die
touristische Entwicklung entlang der Küstenlinie entstanden große
Feriengebiete, in denen die Gäste ihren Urlaub zumeist zu Erholungszwecken am
Strand verbringen. Dies ging einher mit einer starken Saisonalität zugunsten
der Monate Juni bis September. Der Erfolg der Destination Mallorca erreichte im
Jahr 2000 einen Höhepunkt mit über 11 Millionen Touristen im Jahr[1].
Dem
ökonomischen Erfolg der Insel werden jedoch zunehmend die negativen Folgen
gegenüber gestellt. Häufig gilt Mallorca als Paradebeispiel für Fehler, die in
der Tourismusentwicklung einer Destination begangen wurden. So kam es durch
Planungsmängel in der Vergangenheit zu gravierenden Veränderungen der
ökologischen Umwelt wie einem drastischen Flächen- und Wasserverbrauch,
Zersiedelung der Landschaft, irreversiblen Umweltveränderungen und zu
Zerstörung naturnaher Lebensräume[2].
Auch die soziokulturellen Veränderungen die durch den Massentourismus ausgelöst
wurden werden zunehmend thematisiert. So verzeichnet Mallorca in manchen Orten
über 100 Übernachtungen von Ausländern pro Einwohner[3].
Dies führt zu zum Teil gravierenden Veränderungen in der Ortsstruktur, in der
Beschäftigung, im Einkommen und im gesellschaftlichen Miteinander insgesamt.
In der
jüngeren Vergangenheit ist die Tourismuspolitik dazu übergegangen, eine
Neuorientierung des Tourismus anzustreben und zu betreiben, weg vom Image des
billigen Massentourismus-Zieles, hin zu einem Image als Ziel des gehobenen
Qualitätstourismus[4]. Der
Tourismusminister der Balearen Celestí Alomar fordert dazu unter anderem die
Schaffung relevanter Infrastruktur, den Erhalt der ländlichen Gebiete und eine
Diversifizierung des Tourismus[5].
“Wichtige Säulen dieser Diversifizierungsstrategie sind zum einen die
Errichtung von Golfplätzen, die zusammen mit entsprechenden Golfhotels Mallorca
wieder attraktiver für eine kaufkräftigere Klientel machen sollen. Als zweite
Säule der Diversifizierung wird die Förderung des Wandertourismus angesehen”[6].
Der
Wandertourismus gilt deshalb als besonders interessante Alternative zum bisher
vor allem stattfindenden Massentourismus an der Küste, da er bei Nutzung der
bereits vorhandenen Infrastruktur (Unterkünfte, Verkehrswege, Ortstrukturen)
die angestrebten Ziele (siehe Kapitel 4.1) mit verwirklichen könnte. Der
ländliche Raum bietet dabei den weitgehend noch unverbrauchten Rahmen, um ein
(Wander-)Publikum zu interessieren. Derzeit können bei den mitteleuropäischen
Urlaubsreisenden verschiedene aktuelle Trends festgestellt werden. Zum Beispiel
nimmt der Wunsch nach Naturerlebnissen im Urlaub zu. Dieser Wunsch zählt heute
zu den wichtigsten Reisemotiven[7].
Davon ausgehend entwickeln sich neue Urlaubsstile[8].
Steinecke nennt dies auch “Trend zum Urlaubserleben in intakter Landschaft”[9].
Das Wandern nimmt bei den Freizeitaktivitäten in der Natur und auch insgesamt
eine Spitzenposition ein: “Im Urlaub ist in den letzten Jahren nahezu jeder
zweite deutsche Reisende “häufig” oder “sehr häufig” gewandert”[10].
Ausgelöst durch die Etablierung neuer Reisestile und der Potentiale, die
Mallorcas Bergwelt dafür bietet, wurde “klammheimlich das Wandern in der Serra
de Tramuntana zu einem neuen Urlaubsschlager”[11].
Diese Reiseform soll nun weiter entwickelt werden. Die Art und Intensität des
Tourismus haben dabei Auswirkungen auf das ökonomische, soziokulturelle und
ökologische Gefüge der Zielregion. “Im
Vergleich zu ökologischen Problemen, die durch den Fremdenverkehr entstehen,
sind soziokulturelle Belastungen schwieriger zu erfassen”[12].
Dieser Fragestellung gilt dennoch das Hauptaugenmerk vorliegender Arbeit.
1.2 Problemstellung
Auf Mallorca
sind die ländlichen Gebiete strukturell benachteiligt. Dies gilt auch für die
Bergregion Serra de Tramuntana. Insbesondere für jüngere einheimische
Generationen ist dieser Raum unattraktiv geworden. Hierfür sind verschiedene
Faktoren verantwortlich: es stehen wenig Arbeitsplätze zur Verfügung, die
geomorphologischen Verhältnisse (z.B. steile Bergflanken) gestalten ein
Auskommen durch landwirtschaftliche Nutzung der Flächen in Zeiten
globalisierter Märkte schwierig, die infrastrukturelle Ausstattung ist häufig
schlecht. Auf der anderen Seite hat sich der Lebensstil verändert und die
Küstenregionen bieten vielfältigere Arbeitsplätze, Freizeitmöglichkeiten und
Infrastruktur. So ist der ländliche Raum der Bergregion Mallorcas durch
naturräumliche und sozio-kulturelle Gründe von Abwanderung gekennzeichnet. Der
Wandertourismus kann hier neue Möglichkeiten der Beschäftigung bieten, zu
Einkommen führen und insgesamt die Probleme des ländlichen Raumes mildern. Bei
der angestrebten Förderung und Entwicklung des Wandertourismus in diesem Raum
tauchen jedoch (mallorca-spezifische) Probleme auf, die ein hohes
Konfliktpotential aufweisen.
Historisch
bedingt führen die Wanderwege Mallorcas fast ausnahmslos über Privatbesitz. Bei
der Mehrzahl der Wege handelt es sich um alte Pilger-, Karren- und Köhlerwege, für die sich traditionell ein
Wegerecht entwickelt hat. In den letzten Jahren hat der Wandertourismus auf
diesen Wegen stark zugenommen. Von dieser Entwicklung fühlen sich “... immer
mehr Finca-Eigentümer ... buchstäblich übergangen”[13].
Es kommt vermehrt zu Konflikten mit betroffenen Grundstücksbesitzern. Als Folge
dieser Konflikte sind Wanderwege gesperrt worden, auf einigen Wegen kam es zu
der Einführung einer Art Wegezoll und auf anderen zu Zugangsbeschränkungen auf
bestimmte Tage[14]. Von Seiten
der Grundstücksbesitzer wird damit argumentiert, daß es durch Wanderer zu
Verwüstungen komme, daß Tore offen gelassen werden und so Vieh entweichen
könne, daß Feuer entfacht würde, Mauern und Zäune beschädigt würden und Unrat
hinterlassen werde. Aus der Sicht der Reisenden stellen sich diese Widerstände
wie folgt dar: “Früher konnte man die Insel mit einem Rucksack durchwandern,
und heute sind (...) Wege gesperrt”[15].
Wie in Kapitel
4.3.1 beschrieben wird, besteht bei Urlaubsreisenden ein zunehmendes Interesse
an der Reiseform Wandern insgesamt und im speziellen für Mallorcas Bergwelt.
Dementsprechend haben Reiseveranstalter mit Angeboten reagiert. Die zunehmende
Intensität des Tourismus sorgt im Gebiet jedoch für eine weitere ablehnende
Haltung einzelner Grundstücksbesitzer, die mit weiteren Sperrungen reagieren.
Die Sperrung von Wegen erzeugt bei den Touristen wiederum Unmut, was den
Interessenskonflikt weiter verschärft, da kein Verständnis für die Reaktion der
Grundstücksbesitzer aufgebracht wird. Das wirtschaftspolitische Interesse der
Regierung kann zu einer weiteren Verschärfung des Konfliktes beitragen.
Zusätzlich zu
den Touristen haben auch andere Akteure ein gesteigertes Interesse an der
Bergregion für Wander-, Pilger- und Erholungszwecke. So sind einheimische
Verbände, wie der mallorquinische Wanderführer-Verband GEM (“Grup Exkursionista
de Mallorca”) und Einzelpersonen, wie der Prior des größten Klosters der Insel
Lluc, der Meinung, daß die Natur entlang der Wanderwege für jedermann frei
zugänglich sein- bzw. bleiben soll[16].
Die aktuellen
tourismuspolitischen Entwicklungen und Tendenzen auf Mallorca spiegeln
gesamtgesellschaftliche Strömungen wieder. So entspricht die Nachfrage nach
Reisen außerhalb von massentouristischen Zentren dem gesteigerten
Umweltbewußtsein der nord- und mitteleuropäischen Urlauber. Die
Freizeitaktivität Wandern erlebt nicht nur auf Mallorca einen wahren Boom.
Dabei steht die Entwicklung eines bisher vom Tourismus wenig beeinflußten
Raumes an, was Fragen nach in den letzten Jahren vieldiskutierten Schlagworten
des “sanften” oder “nachhaltigen Tourismus” aufwirft. Auf Mallorca kommt es
bereits zu Konflikten in der Region durch die gesteigerte Nachfrage. Das Thema
“Wandertourismus auf Mallorca” bietet somit ein besonders interessantes und
aktuelles Forschungsfeld, da es verschiedene derzeit aktuell diskutierte Themen
vereinigt.
Ausgeprägte
Ortskenntnis durch einen mehrjährigen Aufenthalt, viele Jahre Berufserfahrung
im Tourismus, Kontakte zur einheimischen Bevölkerung und die Kenntnis der
spanischen Sprache motivierten die Autorin zur Bearbeitung dieses Themenkomplexes.
Die zentrale
Fragestellung der vorliegenden Arbeit gilt der derzeitigen Situation und den
Entwicklungsmöglichkeiten des Wandertourismus in der Bergregion Mallorcas
“Serra de Tramuntana”.
Der
Wandertourismus wird als eine Form des angestrebten “Qualitätstourismus” von
der Balearenregierung seit Beginn der 90er Jahre gefördert. Die konkrete
Förderung beinhaltet unter anderem die Aufstellung von Wegweisern und
Markierungen, die Instandsetzung und Bewirtschaftung von Berghütten, die
Restaurierung von alten Pfaden als Wanderwege und den Kauf von Grundstücken, um
sie als Wandergebiet jedermann zugänglich zu machen. Außerdem soll bis zum
Jahre 2008 mit dem “Camí de pedras en sec” (Weg der Natursteine) ein fast 90
Kilometer langer Wanderweg geschaffen werden, der dem Wanderer die gesamte
Länge der Serra de Tramuntana vom Südwesten der Insel bis in den Norden
erschließen soll.
Die sukzessive
Einbindung einzelner Teile der Bevölkerung der Bergregion in diese Entwicklung
stellt einen Prozeß dar, an deren Entscheidung die Mehrheit der lokalen
Bevölkerung bisher nicht beteiligt war. Die Entwicklung der ehemaligen Pilger-,
Karren- und Köhlerwege zu Wanderwegen verlief weitgehend selbständig.
Ein Strang der
vorliegenden Forschungsarbeit gilt der Frage, inwieweit sich die bisherige
Entwicklung des Wandertourismus mit den Wünschen und Vorstellungen der
einheimischen lokalen Bevölkerung deckt. Zudem sollte geklärt werden, wie sich
die Zielgruppe der Wanderer darstellt und welche Erwartungen sie mitbringt. Ob die Wünsche, Erwartungen und Interessen
der jeweiligen Parteien miteinander in Einklang zu bringen sind und inwieweit
die Maßnahmen, die die Regierung zur Förderung des Wandertourismus ergreift,
geeignet sind, in einem bis vor einigen Jahren noch relativ unerschlossenen
Teil Mallorcas Tourismus zu etablieren, ist Thema dieser Arbeit.
Es wurden
folgende forschungsleitenden Thesen entwickelt:
1. These:
“Wandertourismus auf Mallorca ist eine qualitativ hochwertigere Alternative zum
bisher vor allem stattfindenden Massentourismus”
2. These:
“Durch den Wandertourismus partizipieren Gebiete vom Tourismus, die ansonsten
strukturell benachteiligt sind”
3. These: “Der
Wandertourismus blockiert sich selber, da durch ein zu hohes Nachfrageverhalten
immer mehr Wanderwege gesperrt werden”
4. These: “Die
mangelnde Einbeziehung der Bevölkerung in die Planung behindert die Entwicklung
des Wandertourismus”.
Ziel der
Forschungsarbeit war die Betrachtung des “Wandertourismus auf Mallorca” in
einer möglichst breitgefächerten und anschaulichen Darstellung, die
naturwissenschaftliche, ökologische, wirtschaftliche, politische,
psychologische und gesellschaftliche Dimensionen miteinbezieht. Im Rahmen
dieser Arbeit kann nicht die gesamte Komplexität des Themas erfaßt - und alle
Dimensionen berücksichtigt werden, jedoch wurden die für das
Erkenntnisinteresse relevanten Aspekte einbezogen.
1.4 Methodik
der Arbeit
Das
Untersuchungsgebiet vorliegender Arbeit liegt in der Bergregion Mallorcas, der
“Serra de Tramuntana” (siehe Karte 1 im Anhang I). Hier befindet sich das
Hauptzielgebiet des Wandertourismus auf Mallorca. Die Systeme, auf die der
Wandertourismus Einfluß nimmt, setzen sich aus vier verschiedenen Bereichen
zusammen: der Gesellschaft mit ihren Wertehaltungen (soziokulturelles System),
der Wirtschaft und ihrer Struktur (ökonomisches System), der Umwelt und ihren
Ressourcen (ökologisches System) und dem Staat und seiner Politik (politisches
System). Die vorliegende Arbeit wurde als Überblicksuntersuchung konzipiert mit
dem Schwerpunkt auf dem soziokulturellen System.
Als
Arbeitsmethoden wurden Gespräche mit Beteiligten am Tourismus in der Region,
Expertengespräche mit und ohne Leitfaden, Befragungen mit standardisierten
Fragebögen sowie die teilnehmende Beobachtung angewandt. Der Inhalt dieser
Arbeit wird vervollständigt durch die Auswertung statistischer Daten,
Presseberichte und andere Publikationen sowie der Sekundäranalyse.
Nach
eingehender Literaturanalyse wurden Vertreter der am Wandertourismus
beteiligten Gruppen persönlich befragt. Es fielen darunter Wandertouristen,
Vertreter von Reiseveranstaltern, Wanderführer, Vertreter des
Wanderführerverbandes GEM und nicht zuletzt die einheimische Bevölkerung. Da,
je nach Personengruppe, unterschiedliche Methoden der Befragung notwendig
waren, wurden Experten-Interviews geführt, schriftliche Anfragen versandt und
Fragebögen für mündliche Befragungen erstellt. Die Fragebögen für
Wandertouristen einerseits und betroffene Grundstückseigentümer andererseits
wurden im Vorfeld der Forschungsaufenthalte, die vom 03. - 31. März und 05. –
27. Juni 2001 stattfanden, erstellt. Einzelne Expertengespräche wurden im
Zeitraum vor den Forschungsaufenthalten geführt, so mit Andreas Koch,
Umweltbeauftragter Spanien bei der Touristik Union International GmbH & Co
KG (TUI), und mit Hilla Wessel, Wanderführerin auf Mallorca beim
Reiseveranstalter Kölner Club. Weitere Expertengespräche, u.a. mit
verschiedenen Wanderführern, Politikern, einem Autor diverser Wanderreiseführer
und einem Vertreter des Wanderführerverbandes GEM wurden während der
Forschungsaufenthalte vor Ort geführt.
Bei der
Zielgruppenanalyse der Wandertouristen Mallorcas standen vor allem das Profil
und die Erwartungen im Interesse, daher wurde ein standardisierter Fragebogen
entwickelt (siehe Fragebogen 1 im Anhang II). Dieser Fragebogen enthielt neben
geschlossenen Fragen zum Profil der befragten Gruppe auch halboffene oder
offene Fragen zu Wünschen und Erwartungen.
Der
standardisierte Fragebogen, der für die betroffenen Grundstückseigentümer
ausgearbeitet wurde (siehe Fragebogen 2 im Anhang II), enthielt zunehmend
halboffene und offene Fragen, da es bei dieser Gruppe weniger auf das Profil
der Gruppe als Gesamtheit, als auf die persönlichen Einstellungen zum Thema
ankam.
Die Komplexität
des Themas erforderte die Anwendung von qualitativen und quantitativen
Erhebungsmethoden. Der Arbeit liegt eine qualitative Studie zugrunde mit 143
Einzelexplorationen. Befragt wurden 121 Wandertouristen, 13 Grundstücksbesitzer
über deren Privatbesitz ein Wanderweg verläuft und 9 Experten aus verschiedenen
Bereichen.
Der
Aktualitätsbezug der Arbeit brachte es mit sich, daß als Quellen häufig
Direktauskünfte (z.B. bei Touristeninformationen) und Zeitungs- und
Zeitschriftenartikel verwendet wurden. Besonders ergiebig war dabei die
Einsicht in das Archiv der Zeitung “Mallorca Magazin”[17].
Ein wichtiges
Moment bei der Konzeption und Methodik vorliegender Arbeit war die teilnehmende
Beobachtung und die Begehung der relevanten Wanderwege vor Ort.
1.5 Einordnung
des Themas in die bestehende Forschung
In Deutschland
gibt es ein beträchtliches Interesse an Mallorca und der Tourismuspolitik der
Insel. Dies zeigte sich beispielsweise in der Diskussion um einen Artikel des
Nachrichtenmagazins Focus anlässlich eines Interviews mit dem balearischen
Tourismusminister Celestí Alomar i Mateu[18].
Das breite Interesse zeigt sich auch an der häufigen Präsenz des Themas in
Reisezeitschriften, Nachrichtenmagazinen und Tageszeitungen[19].
Trotz des
großen Interesses besteht ein Defizit an wissenschaftlichen Forschungsarbeiten
und - Literatur in englischer und deutscher Sprache. In kleineren und größeren
Artikeln der verschiedenen geographischen Zeitschriften taucht Mallorca zwar
immer wieder im Vergleich zu anderen Regionen als schlechtes Beispiel, bzw. als
abschreckende Entwicklungsperspektive (z.B. bei Popp und Kagermeier 2000) auf,
aber eine breite Forschungsbasis fehlt.
Die Recherche
an der Universität Palma de Mallorca (u.a. am Institut für Tourismus) lieferte
zwar Publikationen der verschiedenen Ministerien (Ministerium für Tourismus,
Ministerium für Bildung und Kultur, Ministerium für Wirtschaft und Handel,
siehe Literaturverzeichnis) zum gesamtmallorquinischen Tourismus, jedoch nicht
zum eigentlichen Thema. Zum Thema “Wandertourismus auf Mallorca” gab es zum
Zeitpunkt der Recherche keine wissenschaftliche Literatur. Auch zu anderen
Themenbereichen über Mallorca stehen in spanischer Sprache recht wenige Werke
zur Verfügung; auf Mallorquí[20]
haben einige Autoren zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten (Ökologie,
Ökonomie, Soziologie) publiziert. Diese Literatur ist jedoch aufgrund der
Sprache nur bedingt nutzbar gewesen.
Von der
balearischen Behörde für die Tourismuswerbung Ibatur werden verschiedene Daten
bezüglich der Touristen erhoben, unter anderem über die Ausgaben von
Wandertouristen im Vergleich zu anderen Reiseformen. Die Daten waren jedoch nur
bedingt zu verwenden, da sie sich auf die gesamten Balearen bezogen und der
Informationsgehalt meist gering war.
In der deutschen
wissenschaftlichen Forschung hat sich vor allem Prof. Dr. Thomas Schmitt
dezidierter mit Mallorca beschäftigt[21].
Sein Forschungsgegenstand ist dabei der Landschafts- und Umweltschutz. Eine
seiner Veröffentlichungen in der "Geographischen Zeitung" beschäftigt sich mit dem Thema
”Qualitätstourismus”[22],
doch stehen auch hier Umweltbelange im Vordergrund. Auf die Reiseform des
“Wandertourismus” wird nur am Rande eingegangen.
Hervorzuheben
ist meines Erachtens nach die Dokumentation einer Tagungs- und Studienreise der
Thomas-Morus-Akademie nach Mallorca im Jahre 1992, als deren Resultat in der
Schriftenreihe der Thomas-Morus-Akademie das Bensberger Protokoll Nummer 77
erschien mit zahlreichen Beiträgen der Referenten[23].
Unter dem Titel des Studienprojektes “Tourismus auf Mallorca – Bilanz,
Gefahren, Rettungsversuche, Perspektiven. Zu den Grenzen touristischen
Wachstums” wurden Themen angeschnitten wie “Auswirkungen des Massentourismus”,
“Perspektiven der touristischen Entwicklung” oder “Wohin treibt Mallorca?”.
Hilfestellung
zur Herangehensweise und zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema
lieferte auch die Dissertation von Dr. Dieter Hauck[24],
der die kulturgeographischen Auswirkungen des Trekkingtourismus auf die
einheimische Bevölkerung in Nepal untersuchte.
Ausserhalb der
wissenschaftlichen Forschung gibt es auf Mallorca und in Deutschland zahlreiche
Publikationen zu Mallorca. Angefangen von allgemeinen Reiseführern, die von
allen großen Verlagen aufgelegt werden, hin zu solchen mit spezieller Themensetzung
wie “Das andere Mallorca”, “Urlaub mit Kindern auf Mallorca”, “Die schönsten
Strände”, “Biking auf Mallorca” und nicht zuletzt zahlreichen Wanderführern[25].
Es besteht ein
großes Interesse an der Destination Mallorca. Zudem eignet sich die Insel als
Forschungsgebiet in vielfacher Weise (siehe Kapitel 1.3). Umso erstaunlicher
ist es, daß ein großes Defizit an wissenschaftlicher Literatur besteht. Die
vorliegende Arbeit stellt die erste wissenschaftliche Bearbeitung des Themas
“Wandertourismus auf Mallorca” dar und ist eine der wenigen Arbeiten, der eine
empirische Untersuchung der soziokulturellen Zusammenhänge zwischen Tourismus
und einheimischer Bevölkerung auf Mallorca zugrunde liegt.
[1] URL http://
caib.es/ibae/reco/xif/turis5.html
[2] Vgl. Schmitt
2000, S. 53
[3] Vgl. Popp
& Kagermeier 2000, S. 66
[4] Vgl. Schmitt
1999, S. 73
[5] Vgl. Breuninger 2001a, S. 6
[6] Popp 2000, S. 70
[7] Vgl. Becker 2000a, S. 14
[8] Vgl.
Steinbach 1991, S. 14-15
[9] Steinecke
1994, S. 29
[10] Becker 2000b,
S.88
[11] Mallorca extra 1999, S. 35
[12] Faust & Kreisel 2000, S. 130
[13] John 2000, S. 13
[14] Diese Ein-
und Beschränkungen betrafen zur Zeit des Forschungsaufenthaltes im März 2001
insgesamt mindestens neun der populärsten Wanderwege.
[15] Llano 2000, S. 115
[16] Vgl. Mallorca-Magazin 1997, S. 9f.
[17] Das Mallorca
Magazin erscheint wöchentlich, Erscheinungsort ist Palma de Mallorca.
[18] Alomar wurde
damit zitiert, daß er die Zahl der Pauschalreisenden, insbesondere der
“Ballermann”-Touristen auf einen Anteil von 20% am gesamten Tourismus senken wolle;
der Minister dementierte diese Aussage.
[19] 2001 titelten
“Der Spiegel”, “Focus”, “Max”, “Brigitte” und andere Zeitschriften mit
Mallorca.
[20] Mallorquí ist
der heimische Dialekt des Katalanischen
[21] U.a.:
““Qualitätstourismus” – eine umweltverträgliche Alternative der touristischen
Entwicklung auf Mallorca?”, siehe auch Literaturverzeichnis
[22] Schmitt 2000
[23] Die
Referenten setzten sich aus verschiedenen Sparten (Politik, Journalismus,
Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche,...) und aus Deutschen, Spaniern und Mallorquinern
zusammen
[24] Hauck 1996:
“Trekkingtourismus in Nepal – kulturgeographische Auswirkungen entlang der
Trekkingrouten im vergleichenden Überblick”
[25] Im
Literaturverzeichnis sind diejenigen Wanderführer aufgeführt, die während der
Forschung zu dieser Arbeit und zur Orientierung vor Ort verwandt wurden.