1.       Gegenstand und Konzeption der Arbeit

 

1.1       Einleitung

 

Seit den 1960er Jahren hat sich die Baleareninsel Mallorca zu einem der beliebtesten Zielgebiete im Mittelmeerraum und sogar weltweit entwickelt. Wie kaum eine andere Destination wurde und wird Mallorca mit den Begriffen Pauschalreisetourismus und Massentourismus in Verbindung gebracht. Durch die touristische Entwicklung entlang der Küstenlinie entstanden große Feriengebiete, in denen die Gäste ihren Urlaub zumeist zu Erholungszwecken am Strand verbringen. Dies ging einher mit einer starken Saisonalität zugunsten der Monate Juni bis September. Der Erfolg der Destination Mallorca erreichte im Jahr 2000 einen Höhepunkt mit über 11 Millionen Touristen im Jahr[1].

Dem ökonomischen Erfolg der Insel werden jedoch zunehmend die negativen Folgen gegenüber gestellt. Häufig gilt Mallorca als Paradebeispiel für Fehler, die in der Tourismusentwicklung einer Destination begangen wurden. So kam es durch Planungsmängel in der Vergangenheit zu gravierenden Veränderungen der ökologischen Umwelt wie einem drastischen Flächen- und Wasserverbrauch, Zersiedelung der Landschaft, irreversiblen Umweltveränderungen und zu Zerstörung naturnaher Lebensräume[2]. Auch die soziokulturellen Veränderungen die durch den Massentourismus ausgelöst wurden werden zunehmend thematisiert. So verzeichnet Mallorca in manchen Orten über 100 Übernachtungen von Ausländern pro Einwohner[3]. Dies führt zu zum Teil gravierenden Veränderungen in der Ortsstruktur, in der Beschäftigung, im Einkommen und im gesellschaftlichen Miteinander insgesamt.

In der jüngeren Vergangenheit ist die Tourismuspolitik dazu übergegangen, eine Neuorientierung des Tourismus anzustreben und zu betreiben, weg vom Image des billigen Massentourismus-Zieles, hin zu einem Image als Ziel des gehobenen Qualitätstourismus[4]. Der Tourismusminister der Balearen Celestí Alomar fordert dazu unter anderem die Schaffung relevanter Infrastruktur, den Erhalt der ländlichen Gebiete und eine Diversifizierung des Tourismus[5]. “Wichtige Säulen dieser Diversifizierungsstrategie sind zum einen die Errichtung von Golfplätzen, die zusammen mit entsprechenden Golfhotels Mallorca wieder attraktiver für eine kaufkräftigere Klientel machen sollen. Als zweite Säule der Diversifizierung wird die Förderung des Wandertourismus angesehen”[6].

Der Wandertourismus gilt deshalb als besonders interessante Alternative zum bisher vor allem stattfindenden Massentourismus an der Küste, da er bei Nutzung der bereits vorhandenen Infrastruktur (Unterkünfte, Verkehrswege, Ortstrukturen) die angestrebten Ziele (siehe Kapitel 4.1) mit verwirklichen könnte. Der ländliche Raum bietet dabei den weitgehend noch unverbrauchten Rahmen, um ein (Wander-)Publikum zu interessieren. Derzeit können bei den mitteleuropäischen Urlaubsreisenden verschiedene aktuelle Trends festgestellt werden. Zum Beispiel nimmt der Wunsch nach Naturerlebnissen im Urlaub zu. Dieser Wunsch zählt heute zu den wichtigsten Reisemotiven[7]. Davon ausgehend entwickeln sich neue Urlaubsstile[8]. Steinecke nennt dies auch “Trend zum Urlaubserleben in intakter Landschaft”[9]. Das Wandern nimmt bei den Freizeitaktivitäten in der Natur und auch insgesamt eine Spitzenposition ein: “Im Urlaub ist in den letzten Jahren nahezu jeder zweite deutsche Reisende “häufig” oder “sehr häufig” gewandert”[10]. Ausgelöst durch die Etablierung neuer Reisestile und der Potentiale, die Mallorcas Bergwelt dafür bietet, wurde “klammheimlich das Wandern in der Serra de Tramuntana zu einem neuen Urlaubsschlager”[11]. Diese Reiseform soll nun weiter entwickelt werden. Die Art und Intensität des Tourismus haben dabei Auswirkungen auf das ökonomische, soziokulturelle und ökologische  Gefüge der Zielregion. “Im Vergleich zu ökologischen Problemen, die durch den Fremdenverkehr entstehen, sind soziokulturelle Belastungen schwieriger zu erfassen”[12]. Dieser Fragestellung gilt dennoch das Hauptaugenmerk vorliegender Arbeit.

 

 

 

 

 

 

 

1.2       Problemstellung

 

Auf Mallorca sind die ländlichen Gebiete strukturell benachteiligt. Dies gilt auch für die Bergregion Serra de Tramuntana. Insbesondere für jüngere einheimische Generationen ist dieser Raum unattraktiv geworden. Hierfür sind verschiedene Faktoren verantwortlich: es stehen wenig Arbeitsplätze zur Verfügung, die geomorphologischen Verhältnisse (z.B. steile Bergflanken) gestalten ein Auskommen durch landwirtschaftliche Nutzung der Flächen in Zeiten globalisierter Märkte schwierig, die infrastrukturelle Ausstattung ist häufig schlecht. Auf der anderen Seite hat sich der Lebensstil verändert und die Küstenregionen bieten vielfältigere Arbeitsplätze, Freizeitmöglichkeiten und Infrastruktur. So ist der ländliche Raum der Bergregion Mallorcas durch naturräumliche und sozio-kulturelle Gründe von Abwanderung gekennzeichnet. Der Wandertourismus kann hier neue Möglichkeiten der Beschäftigung bieten, zu Einkommen führen und insgesamt die Probleme des ländlichen Raumes mildern. Bei der angestrebten Förderung und Entwicklung des Wandertourismus in diesem Raum tauchen jedoch (mallorca-spezifische) Probleme auf, die ein hohes Konfliktpotential aufweisen.

Historisch bedingt führen die Wanderwege Mallorcas fast ausnahmslos über Privatbesitz. Bei der Mehrzahl der Wege handelt es sich um alte Pilger-, Karren- und  Köhlerwege, für die sich traditionell ein Wegerecht entwickelt hat. In den letzten Jahren hat der Wandertourismus auf diesen Wegen stark zugenommen. Von dieser Entwicklung fühlen sich “... immer mehr Finca-Eigentümer ... buchstäblich übergangen”[13]. Es kommt vermehrt zu Konflikten mit betroffenen Grundstücksbesitzern. Als Folge dieser Konflikte sind Wanderwege gesperrt worden, auf einigen Wegen kam es zu der Einführung einer Art Wegezoll und auf anderen zu Zugangsbeschränkungen auf bestimmte Tage[14]. Von Seiten der Grundstücksbesitzer wird damit argumentiert, daß es durch Wanderer zu Verwüstungen komme, daß Tore offen gelassen werden und so Vieh entweichen könne, daß Feuer entfacht würde, Mauern und Zäune beschädigt würden und Unrat hinterlassen werde. Aus der Sicht der Reisenden stellen sich diese Widerstände wie folgt dar: “Früher konnte man die Insel mit einem Rucksack durchwandern, und heute sind (...) Wege gesperrt”[15].

Wie in Kapitel 4.3.1 beschrieben wird, besteht bei Urlaubsreisenden ein zunehmendes Interesse an der Reiseform Wandern insgesamt und im speziellen für Mallorcas Bergwelt. Dementsprechend haben Reiseveranstalter mit Angeboten reagiert. Die zunehmende Intensität des Tourismus sorgt im Gebiet jedoch für eine weitere ablehnende Haltung einzelner Grundstücksbesitzer, die mit weiteren Sperrungen reagieren. Die Sperrung von Wegen erzeugt bei den Touristen wiederum Unmut, was den Interessenskonflikt weiter verschärft, da kein Verständnis für die Reaktion der Grundstücksbesitzer aufgebracht wird. Das wirtschaftspolitische Interesse der Regierung kann zu einer weiteren Verschärfung des Konfliktes beitragen.

Zusätzlich zu den Touristen haben auch andere Akteure ein gesteigertes Interesse an der Bergregion für Wander-, Pilger- und Erholungszwecke. So sind einheimische Verbände, wie der mallorquinische Wanderführer-Verband GEM (“Grup Exkursionista de Mallorca”) und Einzelpersonen, wie der Prior des größten Klosters der Insel Lluc, der Meinung, daß die Natur entlang der Wanderwege für jedermann frei zugänglich sein- bzw. bleiben soll[16].

Die aktuellen tourismuspolitischen Entwicklungen und Tendenzen auf Mallorca spiegeln gesamtgesellschaftliche Strömungen wieder. So entspricht die Nachfrage nach Reisen außerhalb von massentouristischen Zentren dem gesteigerten Umweltbewußtsein der nord- und mitteleuropäischen Urlauber. Die Freizeitaktivität Wandern erlebt nicht nur auf Mallorca einen wahren Boom. Dabei steht die Entwicklung eines bisher vom Tourismus wenig beeinflußten Raumes an, was Fragen nach in den letzten Jahren vieldiskutierten Schlagworten des “sanften” oder “nachhaltigen Tourismus” aufwirft. Auf Mallorca kommt es bereits zu Konflikten in der Region durch die gesteigerte Nachfrage. Das Thema “Wandertourismus auf Mallorca” bietet somit ein besonders interessantes und aktuelles Forschungsfeld, da es verschiedene derzeit aktuell diskutierte Themen vereinigt.

Ausgeprägte Ortskenntnis durch einen mehrjährigen Aufenthalt, viele Jahre Berufserfahrung im Tourismus, Kontakte zur einheimischen Bevölkerung und die Kenntnis der spanischen Sprache motivierten die Autorin zur Bearbeitung dieses Themenkomplexes.

 

 

 

 


1.3       Fragestellung

 

Die zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit gilt der derzeitigen Situation und den Entwicklungsmöglichkeiten des Wandertourismus in der Bergregion Mallorcas “Serra de Tramuntana”.

Der Wandertourismus wird als eine Form des angestrebten “Qualitätstourismus” von der Balearenregierung seit Beginn der 90er Jahre gefördert. Die konkrete Förderung beinhaltet unter anderem die Aufstellung von Wegweisern und Markierungen, die Instandsetzung und Bewirtschaftung von Berghütten, die Restaurierung von alten Pfaden als Wanderwege und den Kauf von Grundstücken, um sie als Wandergebiet jedermann zugänglich zu machen. Außerdem soll bis zum Jahre 2008 mit dem “Camí de pedras en sec” (Weg der Natursteine) ein fast 90 Kilometer langer Wanderweg geschaffen werden, der dem Wanderer die gesamte Länge der Serra de Tramuntana vom Südwesten der Insel bis in den Norden erschließen soll.

Die sukzessive Einbindung einzelner Teile der Bevölkerung der Bergregion in diese Entwicklung stellt einen Prozeß dar, an deren Entscheidung die Mehrheit der lokalen Bevölkerung bisher nicht beteiligt war. Die Entwicklung der ehemaligen Pilger-, Karren- und Köhlerwege zu Wanderwegen verlief weitgehend selbständig.

Ein Strang der vorliegenden Forschungsarbeit gilt der Frage, inwieweit sich die bisherige Entwicklung des Wandertourismus mit den Wünschen und Vorstellungen der einheimischen lokalen Bevölkerung deckt. Zudem sollte geklärt werden, wie sich die Zielgruppe der Wanderer darstellt und welche Erwartungen sie mitbringt.  Ob die Wünsche, Erwartungen und Interessen der jeweiligen Parteien miteinander in Einklang zu bringen sind und inwieweit die Maßnahmen, die die Regierung zur Förderung des Wandertourismus ergreift, geeignet sind, in einem bis vor einigen Jahren noch relativ unerschlossenen Teil Mallorcas Tourismus zu etablieren, ist Thema dieser Arbeit.

 

Es wurden folgende forschungsleitenden Thesen entwickelt:

1. These: “Wandertourismus auf Mallorca ist eine qualitativ hochwertigere Alternative zum bisher vor allem stattfindenden Massentourismus”

2. These: “Durch den Wandertourismus partizipieren Gebiete vom Tourismus, die ansonsten strukturell benachteiligt sind”

3. These: “Der Wandertourismus blockiert sich selber, da durch ein zu hohes Nachfrageverhalten immer mehr Wanderwege gesperrt werden”

4. These: “Die mangelnde Einbeziehung der Bevölkerung in die Planung behindert die Entwicklung des Wandertourismus”.

 

Ziel der Forschungsarbeit war die Betrachtung des “Wandertourismus auf Mallorca” in einer möglichst breitgefächerten und anschaulichen Darstellung, die naturwissenschaftliche, ökologische, wirtschaftliche, politische, psychologische und gesellschaftliche Dimensionen miteinbezieht. Im Rahmen dieser Arbeit kann nicht die gesamte Komplexität des Themas erfaßt - und alle Dimensionen berücksichtigt werden, jedoch wurden die für das Erkenntnisinteresse relevanten Aspekte einbezogen.

 

 

1.4       Methodik der Arbeit

 

Das Untersuchungsgebiet vorliegender Arbeit liegt in der Bergregion Mallorcas, der “Serra de Tramuntana” (siehe Karte 1 im Anhang I). Hier befindet sich das Hauptzielgebiet des Wandertourismus auf Mallorca. Die Systeme, auf die der Wandertourismus Einfluß nimmt, setzen sich aus vier verschiedenen Bereichen zusammen: der Gesellschaft mit ihren Wertehaltungen (soziokulturelles System), der Wirtschaft und ihrer Struktur (ökonomisches System), der Umwelt und ihren Ressourcen (ökologisches System) und dem Staat und seiner Politik (politisches System). Die vorliegende Arbeit wurde als Überblicksuntersuchung konzipiert mit dem Schwerpunkt auf dem soziokulturellen System.

Als Arbeitsmethoden wurden Gespräche mit Beteiligten am Tourismus in der Region, Expertengespräche mit und ohne Leitfaden, Befragungen mit standardisierten Fragebögen sowie die teilnehmende Beobachtung angewandt. Der Inhalt dieser Arbeit wird vervollständigt durch die Auswertung statistischer Daten, Presseberichte und andere Publikationen sowie der Sekundäranalyse. 

Nach eingehender Literaturanalyse wurden Vertreter der am Wandertourismus beteiligten Gruppen persönlich befragt. Es fielen darunter Wandertouristen, Vertreter von Reiseveranstaltern, Wanderführer, Vertreter des Wanderführerverbandes GEM und nicht zuletzt die einheimische Bevölkerung. Da, je nach Personengruppe, unterschiedliche Methoden der Befragung notwendig waren, wurden Experten-Interviews geführt, schriftliche Anfragen versandt und Fragebögen für mündliche Befragungen erstellt. Die Fragebögen für Wandertouristen einerseits und betroffene Grundstückseigentümer andererseits wurden im Vorfeld der Forschungsaufenthalte, die vom 03. - 31. März und 05. – 27. Juni 2001 stattfanden, erstellt. Einzelne Expertengespräche wurden im Zeitraum vor den Forschungsaufenthalten geführt, so mit Andreas Koch, Umweltbeauftragter Spanien bei der Touristik Union International GmbH & Co KG (TUI), und mit Hilla Wessel, Wanderführerin auf Mallorca beim Reiseveranstalter Kölner Club. Weitere Expertengespräche, u.a. mit verschiedenen Wanderführern, Politikern, einem Autor diverser Wanderreiseführer und einem Vertreter des Wanderführerverbandes GEM wurden während der Forschungsaufenthalte vor Ort geführt.

Bei der Zielgruppenanalyse der Wandertouristen Mallorcas standen vor allem das Profil und die Erwartungen im Interesse, daher wurde ein standardisierter Fragebogen entwickelt (siehe Fragebogen 1 im Anhang II). Dieser Fragebogen enthielt neben geschlossenen Fragen zum Profil der befragten Gruppe auch halboffene oder offene Fragen zu Wünschen und Erwartungen.

Der standardisierte Fragebogen, der für die betroffenen Grundstückseigentümer ausgearbeitet wurde (siehe Fragebogen 2 im Anhang II), enthielt zunehmend halboffene und offene Fragen, da es bei dieser Gruppe weniger auf das Profil der Gruppe als Gesamtheit, als auf die persönlichen Einstellungen zum Thema ankam.

Die Komplexität des Themas erforderte die Anwendung von qualitativen und quantitativen Erhebungsmethoden. Der Arbeit liegt eine qualitative Studie zugrunde mit 143 Einzelexplorationen. Befragt wurden 121 Wandertouristen, 13 Grundstücksbesitzer über deren Privatbesitz ein Wanderweg verläuft und 9 Experten aus verschiedenen Bereichen.

Der Aktualitätsbezug der Arbeit brachte es mit sich, daß als Quellen häufig Direktauskünfte (z.B. bei Touristeninformationen) und Zeitungs- und Zeitschriftenartikel verwendet wurden. Besonders ergiebig war dabei die Einsicht in das Archiv der Zeitung “Mallorca Magazin”[17].

Ein wichtiges Moment bei der Konzeption und Methodik vorliegender Arbeit war die teilnehmende Beobachtung und die Begehung der relevanten Wanderwege vor Ort.

 

 

 

1.5       Einordnung des Themas in die bestehende Forschung

 

In Deutschland gibt es ein beträchtliches Interesse an Mallorca und der Tourismuspolitik der Insel. Dies zeigte sich beispielsweise in der Diskussion um einen Artikel des Nachrichtenmagazins Focus anlässlich eines Interviews mit dem balearischen Tourismusminister Celestí Alomar i Mateu[18]. Das breite Interesse zeigt sich auch an der häufigen Präsenz des Themas in Reisezeitschriften, Nachrichtenmagazinen und Tageszeitungen[19].

Trotz des großen Interesses besteht ein Defizit an wissenschaftlichen Forschungsarbeiten und - Literatur in englischer und deutscher Sprache. In kleineren und größeren Artikeln der verschiedenen geographischen Zeitschriften taucht Mallorca zwar immer wieder im Vergleich zu anderen Regionen als schlechtes Beispiel, bzw. als abschreckende Entwicklungsperspektive (z.B. bei Popp und Kagermeier 2000) auf, aber eine breite Forschungsbasis fehlt.

Die Recherche an der Universität Palma de Mallorca (u.a. am Institut für Tourismus) lieferte zwar Publikationen der verschiedenen Ministerien (Ministerium für Tourismus, Ministerium für Bildung und Kultur, Ministerium für Wirtschaft und Handel, siehe Literaturverzeichnis) zum gesamtmallorquinischen Tourismus, jedoch nicht zum eigentlichen Thema. Zum Thema “Wandertourismus auf Mallorca” gab es zum Zeitpunkt der Recherche keine wissenschaftliche Literatur. Auch zu anderen Themenbereichen über Mallorca stehen in spanischer Sprache recht wenige Werke zur Verfügung; auf Mallorquí[20] haben einige Autoren zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten (Ökologie, Ökonomie, Soziologie) publiziert. Diese Literatur ist jedoch aufgrund der Sprache nur bedingt nutzbar gewesen.

Von der balearischen Behörde für die Tourismuswerbung Ibatur werden verschiedene Daten bezüglich der Touristen erhoben, unter anderem über die Ausgaben von Wandertouristen im Vergleich zu anderen Reiseformen. Die Daten waren jedoch nur bedingt zu verwenden, da sie sich auf die gesamten Balearen bezogen und der Informationsgehalt meist gering war.

In der deutschen wissenschaftlichen Forschung hat sich vor allem Prof. Dr. Thomas Schmitt dezidierter mit Mallorca beschäftigt[21]. Sein Forschungsgegenstand ist dabei der Landschafts- und Umweltschutz. Eine seiner Veröffentlichungen in der "Geographischen Zeitung"  beschäftigt sich mit dem Thema ”Qualitätstourismus”[22], doch stehen auch hier Umweltbelange im Vordergrund. Auf die Reiseform des “Wandertourismus” wird nur am Rande eingegangen.

Hervorzuheben ist meines Erachtens nach die Dokumentation einer Tagungs- und Studienreise der Thomas-Morus-Akademie nach Mallorca im Jahre 1992, als deren Resultat in der Schriftenreihe der Thomas-Morus-Akademie das Bensberger Protokoll Nummer 77 erschien mit zahlreichen Beiträgen der Referenten[23]. Unter dem Titel des Studienprojektes “Tourismus auf Mallorca – Bilanz, Gefahren, Rettungsversuche, Perspektiven. Zu den Grenzen touristischen Wachstums” wurden Themen angeschnitten wie “Auswirkungen des Massentourismus”, “Perspektiven der touristischen Entwicklung” oder “Wohin treibt Mallorca?”.

Hilfestellung zur Herangehensweise und zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema lieferte auch die Dissertation von Dr. Dieter Hauck[24], der die kulturgeographischen Auswirkungen des Trekkingtourismus auf die einheimische Bevölkerung in Nepal untersuchte.

Ausserhalb der wissenschaftlichen Forschung gibt es auf Mallorca und in Deutschland zahlreiche Publikationen zu Mallorca. Angefangen von allgemeinen Reiseführern, die von allen großen Verlagen aufgelegt werden, hin zu solchen mit spezieller Themensetzung wie “Das andere Mallorca”, “Urlaub mit Kindern auf Mallorca”, “Die schönsten Strände”, “Biking auf Mallorca” und nicht zuletzt zahlreichen Wanderführern[25].

Es besteht ein großes Interesse an der Destination Mallorca. Zudem eignet sich die Insel als Forschungsgebiet in vielfacher Weise (siehe Kapitel 1.3). Umso erstaunlicher ist es, daß ein großes Defizit an wissenschaftlicher Literatur besteht. Die vorliegende Arbeit stellt die erste wissenschaftliche Bearbeitung des Themas “Wandertourismus auf Mallorca” dar und ist eine der wenigen Arbeiten, der eine empirische Untersuchung der soziokulturellen Zusammenhänge zwischen Tourismus und einheimischer Bevölkerung auf Mallorca zugrunde liegt.

 

 

 

 



[1] URL http:// caib.es/ibae/reco/xif/turis5.html

[2] Vgl. Schmitt 2000, S. 53

[3] Vgl. Popp & Kagermeier 2000, S. 66

[4] Vgl. Schmitt 1999, S. 73

[5] Vgl. Breuninger 2001a, S. 6

[6] Popp 2000, S. 70

[7] Vgl. Becker 2000a, S. 14

[8] Vgl. Steinbach  1991, S. 14-15

[9] Steinecke 1994, S. 29

[10] Becker 2000b, S.88

[11] Mallorca extra 1999, S. 35

[12] Faust & Kreisel 2000, S. 130

[13] John 2000, S. 13

[14] Diese Ein- und Beschränkungen betrafen zur Zeit des Forschungsaufenthaltes im März 2001 insgesamt mindestens neun der populärsten Wanderwege.

[15] Llano 2000, S. 115

[16] Vgl. Mallorca-Magazin 1997, S. 9f.

[17] Das Mallorca Magazin erscheint wöchentlich, Erscheinungsort ist Palma de Mallorca.

[18] Alomar wurde damit zitiert, daß er die Zahl der Pauschalreisenden, insbesondere der “Ballermann”-Touristen auf einen Anteil von 20% am gesamten Tourismus senken wolle; der Minister dementierte diese Aussage.

[19] 2001 titelten “Der Spiegel”, “Focus”, “Max”, “Brigitte” und andere Zeitschriften mit Mallorca. 

[20] Mallorquí ist der heimische Dialekt des Katalanischen

[21] U.a.: ““Qualitätstourismus” – eine umweltverträgliche Alternative der touristischen Entwicklung auf Mallorca?”, siehe auch Literaturverzeichnis

[22] Schmitt 2000

[23] Die Referenten setzten sich aus verschiedenen Sparten (Politik, Journalismus, Wirtschaft, Wissenschaft, Kirche,...) und aus Deutschen, Spaniern und Mallorquinern zusammen

[24] Hauck 1996: “Trekkingtourismus in Nepal – kulturgeographische Auswirkungen entlang der Trekkingrouten im vergleichenden Überblick” 

[25] Im Literaturverzeichnis sind diejenigen Wanderführer aufgeführt, die während der Forschung zu dieser Arbeit und zur Orientierung vor Ort verwandt wurden.