Von Northeim über den Langfast zur Wüstung Leisenberg

In der Einsamkeit der Wälder finden wir Spuren alter Siedlungen.

Northeim - Husumer Tal - Langfast - Sudershausen - Nörten-Hardenberg - Bühle - Sudheim - Northeim

40 km / ca. 5-6 Std.

Charakterisierung

Auf größtenteils verkehrsarmen Wegen geht es eine längere Steigung mit etwa 150 Hm (Höhenmeter) hinauf ins Bergland des Langfast, vorbei an der Wüstung Leisenberg im Katlenburger Forst und durchs Bevertal hinunter zum Hardenbergschen Schloß. Die insgesamt ca. 40 km lange Strecke ist auch für Kinder ab 10 Jahren geeignet.

Kurzbeschreibung:

Von Northeim geht es auf der alten Straße nach Hammenstedt und durchs idyllische Naturschutzgebiet des Husumer Tales nach Süden. Dann erfolgt der Anstieg ins waldreiche Bergland des Langfast. Von den Resten früherer Besiedlung findet man Hügelgräber, die Kirchenruine und den Brunnen der Wüstung Leisenberg, heute ein idyllischer Rastplatz.

Dann geht es auf der Straße das Bevertal hinab Richtung Nörten-Hardenberg. Eine Kaffeepause im Restaurant "Mühle" bietet sich an.

Reizvoll ist die Fahrt unterhalb der Burgruine vom Hinterhaus des Hardenbergschen Schlosses am Schloßpark entlang zum Vorderhaus. Auf der Ostseite des Leinetals geht es hinauf nach Bühle und nach Sudheim, in dessen beheiztem Freibad man Erfrischung finden kann.

Empfohlene Radwanderkarten:

ADFC Regionalkarte Göttingen 1:75.000 (BVA 1998) Erhältlich bei der Northeim Touristik. Diese Karte umfaßt u.a. das gesamte Gebiet des Landkreises Northeim.

1:75.000 RTK "Oberharz" und "Holzminden" des Nds. Landesvermessungsamtes

Fahrradverleih ...

... am Jugendgästehaus/Jugendherberge Northeim, Brauereistr. 1. Hier startet auch die Tour. Ein Informationsblatt mit Mietpreisen gibt es bei der Northeim Touristik.

Eine Bitte:

Falls Sie an dieser Routenbeschreibung Mängel entdecken oder Verbesserungsvorschläge haben, so bitten wir Sie, uns diese mitzuteilen. Wir sind für jede Anregung dankbar.

Information:

Northeim Touristik, Am Münster 6, 37154 Northeim, Tel. 05551-913066

ADFC - Kreisverband Northeim, Fürst-Hardenberg-Str.21, 37154 Northeim , Tel. 05551-62903

Die Wüstung Leisenberg

Als Wüstungen werden Dörfer mit ihrem Ackerland (Flur) bezeichnet, die aus verschiedenen Gründen von ihren Einwohnern verlassen wurden. In der spät-mittelalterlichen Wüstungsperiode (1300-1450) ist etwa die Hälfte der Dörfer Südniedersachsens aufgegeben worden.

Vermutlich ist Leisenberg in der älteren Rodungsperiode (500-800 n.Chr.) gegründet worden, als die Bevölkerungszunahme dazu zwang auch entlegenere Gebiete mit ungünstigeren geographischen Bedingungen zu besiedeln (schlechter Böden). Bereits 1281 muß der Ort zum ersten Mal aus unbekannten Gründen verlassen worden sein. 1281 erwarb das Kloster Katlenburg das Dorf und seine Flur. Die Neugründung erfolgte 1309. Es wurde eine Kapelle errichtet und zur Pfarrkirche erhoben - die heutige Ruine. Den Kern des damaligen Dorfes bildeten 6 Höfe mit 14,5 Hufen Land (1 Hufe = 30 Morgen). Die Flur war in mehrere Gewanne aufgeteilt. Zum Teil sind noch heute gewölbte ehemalige Äcker im umliegenden Wald erkennbar, die sogenannten Wölbäcker. Einige sind durch den Waldbewuchs erhalten geblieben sind. Rund 150 Jahre dauerte die Blütezeit Leisenbergs bis es erneut um 1460 wüst fiel. Die Ursachen für das Wüstfallen sind nicht genau bekannt. Wahrscheinlich sind mehrere Faktoren daran beteiligt gewesen. Hierzu gehören die ständigen Fehden des 14. und 15 Jh., ebenso die Seucheneinbrüche und Klimaverschlechterung. Das kühle Klima, die niederschlagreichen Sommer und die strengen Winter wirkten sich nachteilig auf die tonig-lehmigen Böden aus, so daß das Ackerland nicht mehr genügend Getreide hergab. Die Dorfbewohner zogen in die tiefergelegenen Dörfer, hauptsächlich nach Gillersheim.

Nach dem Wüstfallen 1460/70 wurde der Flurbereich wieder vom Wald eingenommen. Der klösterliche Besitz ging in staatlichen Besitz über. Der Wald wurde zur Holzkohlegewinnung und als Weide für die Schweinemast genutzt. Aus dieser Zeit sind noch Reste der Meilerplätze und Eichenkamp - Erdwall und Graben zum Schutz der Jungpflanzen vor Verbiß der Tiere - zu erkennen. Heute wird im Bereich der Wüstung Leisenberg Forstwirtschaft betrieben. Die Kirchenruine wurde 1984 renoviert.

Zum Weiterlesen:

J. Kriege, W. Wette: Landschaftsführer Leinetal Südharz Eichsfeld, 1994. Hier besonders die Route 9 "Vom Vorderhaus zum Hinterhaus, Kulturlandschaft um Nörten-Hardenberg"

Jäger, H. Zur Methodik der genetischen Kulturlandschaftsforschung, zugleich ein Bericht über eine Exkursion zur Wüstung Leisenberg. In: Berichte zur Deutschen Landeskunde, 30,1963, S.158-196.

Die heimatkundliche Arbeit "Husum und die Husumer Teiche" von Kurtiegmund. Erhältlich ist das Buch in der Buchhandlung C. Spannhaus in der Breite Straße.

Routenbeschreibung

km 0,0

Wir starten an der Jugendherberge (Brauereistraße 1). Über die Straße "In der Fluth" fahren wir Richtung Osten.

An der nächsten großen Kreuzung, der "Harztor-Kreuzung" geht es geradeaus Richtung Katlenburg.

Dann fahren wir in den "Ostring" rechts hinein, und gleich links in den "Seldeweg".

Am Seldegraben entlang, der Northeim und die Alte Brauerei noch vor 100 Jahren mit Wasser versorgte, verlassen wir die Stadt.

=> Der größte Teil des Weges bis Sudershausen ist in einem unbefestigten Zustand. Bei Nässe kann man ggf. auf die Straßen ausweichen.

km 1,0

Wir erreichen den Waldrand und radeln weiter geradeaus am Seldegraben entlang.

An der Einmündung der Straße an der Tennishalle fahren wir weiter geradeaus in die "Alte Heerstraße".

km 3,7

An der Kreuzung in Hammenstedt biegen wir rechts in die "Schmiedegasse" ein, an der nächsten Kreuzung rechts in die "Butterteichstraße".

1493 kaufte die Stadt Northeim den Grafen von Uslar das Lehen über Hammenstedt ab. Es wurde Stadtdorf von Northeim. Das älteste Gebäude des Dorfes ist die Kirche.

km 4,2

An der Gabelung am Dorfende radeln wir nach links ins "Husumer Tal".

Der Name "Husumer Tal" deutet auf die frühere Ortschaft hin, von der nur noch die idyllischen Teiche übriggeblieben sind.

Links befinden sich die Husumer Teiche. Die Felder auf der linken Seite gehen in eine Schonung über. Dort wo links durch zwei große Bäume hindurch ein Grasweg durch die Schonung führt, können wir zu den Teichen laufen.

Zu Fuß zu den Husumer Teichen:

Den Grasweg durch die Schonung entlang, kommen wir zu einer Wiese, die an einen hohen Wall grenzt.

Hier an dieser Stelle befand sich Hinterhusen, einer der drei Ortsteile des wüstgefallenen Dorfes Husum. Wahrscheinlich wurde das Dorf wegen der verheerenden Pestepedemie 1350 aufgegeben. Die Bewohner wanderten nach Northeim oder nach Hammenstedt ab. Die letzten Gebäude wurden 1967 abgerissen. Der 600 m lange und bis zu 4 m hohe Wall zieht sich durch das Husumer Tal und trennte einen Teil des Dorfes von den Teichen.

Rechts am Wall führt ein Trampelpfad vorbei am Naturdenkmal Linde zu den Husumer Teichen.

Die insgesamt 11 Teiche wurden von den Mönchen des Benediktiner-Kloster St. Blasius angelegt. Jedes Jahr feiern die Hammenstedter am Vortag des Buß- und Bettages den großen Fischzug, eine Art regionales Volksfest.

Der schönste und bedeutenste Teil des Husumer Tales, zu dem auch die Teiche gehören, steht seit 1995 unter Naturschutz. Hier gibt es eine reichhaltige Fauna und Flora (Milan, Eisvogel, Dachs, Haselnuß, Hopfen, Lilien u.v.m.)

Wieder zurück am Weg bei den zwei Bäumen, geht's links.

km 7,4

An der Weggabelung folgen wir dem Weg nach links hinauf zur Straße.

Wir erreichen die Einmündung der Straße und fahren diese ziemlich steile Autostraße links hinauf.

km 8,8

Auf der Höhe oberhalb von Suterode geht es rechts in den "Hauptweg" -einen Waldweg. Wir fahren den Jungenberg (261 Hm) hinauf. Auf dem Weg kommen wir an einer Doline vorbei.

Dolinen sind trichterförmige Hohlformen. Sie gehören zu den Karstformen und entstehen durch Lösungsverwitterung im Untergrund, z.B. durch Nachbrechen der Oberfläche infolge von unterirdischer Aushöhlung.

Hier und am gesamten Südrand des Harz (von Osterode über Herzberg, Nordhausen bis nach Sangershausen) befindet sich wasserlösliches Gestein im Untergrund (Gips, Dolomit, Salz etc. ). Im Laufe der letzten 10.000 Jahre entwickelte sich in dieser Region diese in Mitteleuropa einmalige Gipskarstlandschaft.

(Von Osterode gibt es den Karstwanderweg und von Northeim den Radweg in diese Gipskarstlandschaft)

km 9,9

An der Kreuzung auf der Höhe, am Ende des "Hauptweg" nehmen wir den "Försterhainweg" links hinab.

Bei der nächsten Weggabelung geht es leicht ansteigend nach rechts. Dort, wo ein anderer Weg von rechts kommt, halten wir uns links. Wir Befinden uns am Langfast.

Der Langfast ist ein 360m hoher Höhenzug und ein Landschaftsschutzgebiet.

km 12,9

An der Einmündung des "Höhenweges" fahren wir geradeaus weiter. Wir kommen am Wolfsplatz vorbei. Links befinden sich Hügelgräber. Wir fahren rechts am Wolfsplatz den "Höhenweg" weiter.

km 14,3

Wir fahren links am Orthalsplatz in 265 Hm vorbei.

km 14,6

Am nächsten Abzweig biegen wir rechts in den "Kirchweg" und verfolgen diesen Weg bis zur Wüstung Leisenberg.

km 16,5

Auf der linken Seite sind mittelalterliche Wölbäcker zu sehen (Infotafel). Diese mittelalterliche Flurform gehört zur Wüstung Leisenberg.

Weiter auf dem Weg kommen wir zu einer Kreuzung, an der der alte Dorfbrunnen steht. Hier stand früher der Ort Leisenberg. Die alte Kirchenruine finden wir, wenn wir rechts vor dem Brunnen den Weg weiter gehen, etwa 100 m auf der rechten Seite.

Wieder an der Kreuzung am Leisenberger Brunnen geht´s rechts den "Kirchweg" weiter. Bei der nächsten Gabelung fahren wir rechts hinunter, bis wir auf eine Autostraße stoßen und wieder rechts abbiegen nach Sudershausen.

km 18,9

Wir erreichen Sudershausen.

Wir fahren durch den Ort hindurch, am Gasthof "Zur Post" vorbei. Es geht weiter durchs Bevertal nach Bishausen.

km 24,0

Wir durchfahren Bishausen.

km 25,7

Am Burghotel Hardenberg fahren wir rechts durch die Toreinfahrt.

Über uns auf dem Fels thront die alte Burgruine.

Die Burgruine Hardenberg ist der Rest einer mindestens 900 Jahre alten Burganlage, auf der seit 1357 die Familie von Hardenberg residierte. Die Burg war in ein Vorderhaus und ein Hinterhaus geteilt. Nachdem 1409 der Besitz an zwei Linien der Familie aufgeteilt wurde, ging es zwischen diesen nicht sehr friedlich zu. "Man schoß sich schon mal gegenseitig in die Fenster", erzählt die heutige Gräfin. Friedlicher wurde es, als 1669 eine Linie ausstarb und beide Burgen wieder einen Besitzer hatten. 1698 stürzte ein Teil des Gemäuers ein. Die Burgruine ist heute aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich zugänglich.

Der Neubau erfolgte 1710 unten am Bever-Bach als "Vorderhaus" und "Hinterhaus" mit der Mühle, heute als "Burghotel" bekannt. Dazwischen liegen der Turnierplatz, auf dem jährlich ein international bekanntes Reit- und Springturnier stattfindet, die bekannte Kornbrennerei und ein sehenswerter Schloßpark (teilweise öffentlich zugänglich).

Die Siedlung Nörten von der heutigen Stadt Nörten-Hardenberg gehört zu den ältesten im oberen Leinetal. Bereits 1055 wurde der St. Petri Stift an dieser Stelle errichtet. 1360 bekam Nörten das Stadtrecht verleihen. Im Dreizigjährigen Krieg wurde die Siedlung vollkommen zerstört, nur der Verlauf der damaligen Stadtumwallung ist heute noch erkennbar. Das heutige Nörten-Hardenberg ist durch die Eingemeindung des Ortes Marienstein und des Gutbezirkes Hardenberg entstanden. Es besitzt einen schönen mittelalterlichen Ortskern aus Fachwerkhäusern.

Am Fuße der Burgruine befindet sich das Burghotel Hardenberg mit dem Gourmet-Restaurant "Novalis" (Öfnnungszeiten: 12.00-14.00 Uhr und 18.30-22.00 Uhr, Ruhetag: Sonntag und Montag) und die rustikale Keilerschänke (Öffnungszeiten: Donnerstag, Freitag und Samstag 18.00-22.00 Uhr, Sonntag 12.00-22.00 Uhr, Montag 12.00-14.00 Uhr und 18.00-22.00 Uhr, Ruhetag: Dienstag und Mittwoch). Tel. 05503/9810

Durch den Hof hindurch und links hinter dem Hotel geht's am Tunierplatz entlang. Wir fahren weiter in einem Bogen am Park/ Berghang entlang.

km 26,8

An der Einmündung am Schloßtor des Vorderhauses radeln wir rechts an den Silos vorbei.

An der Einmündung unter den Hochspannungskabeln radeln wir den Schotterweg rechts hinauf.

=> Beim ersten Teil der nächsten Strecke handelt es sich um unbefestigte Wege!

Wir stoßen auf eine befestigte Straße und fahren links hinunter.

km 30,4

Wir erreichen Bühle.

Das kleinen Dorf Bühle mit seinen rd. 450 Einwohnern liegt umgeben vom Mäuse-, Piepen-, Hannen-, Eulen- und Burgberg. Die Geschichte des Dorfes beginnt mit der Ansiedlung Hardenbergischer Waldarbeiter. Im 13. Jh. gibt es bereits eine Kirche. Der Ortsname geht auf den "Bühl" (Hügel) in der Dorfmitte zurück, auf dem sich die Kirche befindet. Der fehlende Glockenturm wird ersetzt durch Schallöcher im Fachwerkanbau.

Wir halten uns, der Hauptstraße folgend, links.

An der nächsten Kreuzung fahren wir links Richtung Northeim.

km 32,6

Wir erreichen Sudheim.

"Sud"heim ist das Gegenstück zu "Nort"heim. Zwischen Sudheim und Northeim befand sich die Wüstung "Meden" heim, beim heutigen Marktkauf.

Wir biegen rechts in den "Worthweg".

Am Ende dieses Weges geht´s links Richtung Dorf.

Hinter der Feuerwehr rechts am Freibad hinauf.

Am letzten Haus fahren wir links, den Weg immer geradeaus bis nach Northeim.

km 36,0

"Am Martinsgraben" fahren wir geradeaus in die "Sudheimer Straße" und verfolgen diese immer weiter, bis sie in die "Wallstraße" übergeht.

Auch an der Kreuzung Graf-Otto-Straße geht´s geradeaus weiter.

Schließlich kommen wir in die Innenstadt. Wir biegen rechts in die "Breite Straße". Diese fahren wir immer geradeaus bis wir zum "Bollwerk am Oberen Turm" in der "Schaupenstiel Straße" kommen.

Das "Bollwerk am Oberen Turm" wurde 1468 erbaut und gehörte zur alten Stadtbefestigung von Northeim. Es befinden sich 9 z.T. vermauerte Kanonenöffnungen und 6 Schießscharten in der Mauer. Seit 1739 wurde der Turm von der städtischen Brauerei genutzt und wird im Volksmund Brauereiturm genannt.

Northeim erhielt 1252 die Stadtrechte, womit u.a. das Recht zum Bau einer Stadtbefestigungsanlage verbunden war. In den Jahren 1252-1305 wurde die Stadtmauer errichtet. Von den ursprünglich 1750 m Mauer sind noch 900 m gut erhalten. Ab 1431 wurde die Stadtbefestigungsanlage wegen der aufkommenden Schußfeuerwaffen um einen Wall und Teiche erweitert.

Am Turm geht's dann links in der "Brauereistraße" zur Jugendherberge.