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© Andreas Happe
Wetter bei Bergwandertouren


Stichworte zum Seminar für Wanderreiseleiter.
(Letzte Änderung: 10.03.2010 )

Garhwal Himal

Lernziele / Gliederung

Lernziele:
Wettersituationen verstehen
Wettergefahren frühzeitig erkennen
Wettergeschehen erklären können
Repertoire der Taschenvorträge erweitern

Gliederung:
Physikalische Grundlagen
4 Gründe für Sauwetter (= 4 und mehr Taschenvorträge)

physikalische Grundlagen

warme Luft steigt auf
kalte Luft fällt
steigende Luft kühlt ab (Druckabnahme, geringere Erwärmung in größerer Höhe)
fallende Luft erwärmt sich
warme Luft speichert viel Feuchtigkeit
kalte Luft speichert wenig Feuchtigkeit (absolute LF/relative LF)
Druckunterschiede werden ausgeglichen

4 Gründe für Sauwetter

Hebungsprozesse im Tiefdruckgebiet
Stau (-lage, -situation)
Kalt-/Warm-Front (Zyklone)
Wärmegewitter (Überentwicklung)

Tiefdruckgebiet

Hoher Druck -> Verdichtung -> Luft wird schwerer -> Absinken
Niedriger Druck -> Aufblähen -> Luft wird leichter -> Steigen

"Coriolis-Kraft"

"Luftbewegungen im Hoch und Tief - vertikaler und horizontaler Luftaustausch"

vertikaler Luftaustausch

horizontaler Luftaustausch

Wetterbedingungen:
Wolkenauflösung und gute Sicht im Hoch
Bewölkung und evtl. Regen im Tief

Prognose:
Wetterkarte
Barometer (Höhenmesser)

Stau - Föhn

"Luv / Lee" (Bsp. Skanden)
"Konvektion"

"FÖHN-LAGE - Verteilung der Hoch- /Tiefdruckgebiete"

"Querschnitt Föhnlage"

Bedingungen:
Wolkenauflösung und gute Sicht im Lee
Gipfelkamm in Wolken mit stürmischen Winden
Düseneffekt in Quertälern ("Bsp. Kali Gandaki")
Föhnmauer, linsenförmige Wolken
Regen im Luv

Prognose:
Wetterkarte
Wolkenbild
Wind

Gefahren im Staugebiet:
Starkregen: Überschwemmungen, Eis-/Schneeschmelze, Muren
starker Schneefall -> Lawinen

Gefahren im Föhngebiet:
starke Schneeschmelze -> Lawinen, Bruch von Schneebrücken, Steinschlag ...
Wetterfühligkeit, Kreislaufbelastung.
Starker Wind stört Gleichgewicht und Konzentration, führt zu schnellerer Erschöpfung.

Zyklone: Warm- & Kaltfronten

Zyklone auf Wetterkarte, Warm-/Kaltfronten

Grafik: Zyklone Horizontal-/Vertikalschnitt
(Grafiken siehe www.TrekkingGuide.de/kurse - Password!)

Entstehung durch Verwirbelung warmer und kalter Luftmassen, meist an Polarfront
Cirruswolken kündigen Warmfront an -> Regen
Luftdruck sinkt
Aufhellung nach längerem Regen kann Warmsektor sein.
Kaltfront folgt mit großen Cumuli.
Temperatursturz, Regen, evtl. Schnee, Gewitter.

Prognose:
Wetterkarte
Barometer
Wolkenbild

Gefahren:
Regen, Schnee
Gefahr von Frontgewittern (länger als Wärmegewitter, leiten oft Schlechtwetterphase ein)
Gefahr von Kaltfronten! Brutale Front: Temperatursturz, Gewitter, oft Schneefall bis in Tieflagen, viele Todesfälle!

> Verhalten bei Gewitter

Hochdrucklage

Hoher Druck -> Luft sinkt -> erwärmt sich -> relative Luftfeuchte nimmt ab -> keine Wolken -> hohe Einstrahlung -> weitere Erwärmung
Vorteil: geringe Regenwahrscheinlichkeit, klare Sicht
Merkmale: Dunstschicht im Tal, klare Hochlagen, Himmel blau, Sonne rot, morgens Taubildung, im Laufe des Tages flache Cumuluswolken mit hoher Untergrenze
Abendrot: Normalfall im Hochdruck, Tagesverlauf!
Morgenrot: Hohe Luftfeuchtigkeit, Gewitterneigung!

Typischer Tagesgang des Wetters:
1. Sonnenaufgang: klare Luft, Gipfel wolkenfrei, Dunst in Talniederungen
2. mit Erwärmung setzt Dunsttrübung ein
3. mittags bis abends Haufenwolken an hohen Gipfeln
4. nachts Wolkenauflösung

Achtung: je früher Trübung und Wolkenbildung einsetzt, desto höher die Wahrscheinlichkeit von Wärmegewittern

Gefahren:
schnelle Schneeschmelze, Steinschlag, Strahlungs- u. Hitzeschäden, hohe nächtl. Abstrahlung -> kalte Nächte, Eis
Gewitterneigung! Besonders am späten Nachmittag
=> Blitzschlag, Regen, Hagel, Temperatursturz, Sturm

Wärmegewitter:

Entstehung Gewitterwolke:

Kennzeichen:
Amboss am Troposphärengrenze
Schwarz-graue Unterseite

Wärmegewitter:
besonders bei sonnigen Hochdruckwetterlagen
starke Erwärmung -> aufsteigende warme Luftmassen mit hoher absoluter Luftfeuchtigkeit, besonders über sonnenexponierten Hängen
Bildung von Cumuluswolken, Übergang zu Cumulustürmen (Amboß) mit ausfasernder Oberseite und dunkeler Unterseite
meist zwischen Mittag und spätem Abend
Gewitter-Dauer meist 30 min - 1 Std.

frühe Anzeichen:
Hohe Temperaturen, Schwüle, Trübung schon morgens, morgendliche Bildung von (türmchen- oder zinnenörmigen) Schäfchenwolken mit schnellem Höhenwachstum

Massnahmen:
früh starten, Mittags wieder an sicherem Ort sein, mit Abbruch rechnen, Geschwindigkeit der Entwicklung beobachten, Verhalten bei Gewitter kennen!

Grafik: Fotos Entwicklung Wärmegewitter (Grafiken siehe www.TrekkingGuide.de/kurse - Password!)

> Verhalten bei Gewitter

Hochdrucklage - Winde

Fallwinde in Gletschergebieten:
Tritt vor allem im Sommerhalbjahr auf
Eis und Schnee kühlen Luftmassen aus
Luft wird durch Abkühlen schwerer
fließt ab wie Wasser -> kalte Fallwinde
in den Alpen 20-50 m mächtig, bis Sturmstärke
je größer die Eisfläche (Skanden, Island ...), desto stärker der Einfluss

Berg- Tal- Windsystem

Bei Hochdrucklage besonders „ungestört“

Hangwinde:
Nach Sonnenaufgang erwärmt sich die Luft über den sonnexponierten Hängen schneller als über dem Tal. Die Luft steigt über den Hängen auf. Wolkenbildung ist hier möglich. Über der Talmitte fällt die kühlere Luft ab, hier bleibt es klar.
Am späten Nachmittag lässt die Besonnung der Hänge nach. Sie kühlen aufgrund der Höhe stärker aus als das Tal. Die kalte Luft fließt die Hänge herab und das System dreht sich um.

Berg-Tal-Winde:
Morgens fließt die kalte Luft aus den Bergen wie Wasser durch die Täler in die Tieflagen ab.
Im Lauf des Vormittags erwärmen sich die Luftmassen im Tal und am Berg, steigen auf und der Berg-Tal-Wind weht nun talauf.
In der Nacht dreht sich das System wieder um, und der Wind weht Richtung Tiefland.

Grafik: Berg- und Talwinde (Grafiken siehe www.TrekkingGuide.de/kurse - Password!)

Wetterregeln für Wanderer und Bergsteiger

Schlechte Zeichen:
Geringe Sichtweite durch Dunsttrübung
Schönwetter-Cumuli lösen sich nachmittags nicht auf
Sonnenauf- und -untergang sind schmutzig gelb-rot
Flammendes Morgenrot
Wolken in mehreren Stockwerken
Nächtlicher Temperaturanstieg (kommende Warmfront)
Kein Tau, kein Dunst in den Tälern (kommende Warmfront)

Gute Zeichen:
Geringe Bewölkung, wolkenloser Himmel
Nebelmeer im Tal
Gute Fernsicht (außer bei Föhn)
Schwache Winde
Schönwetter-Cumuli lösen sich nachmittags auf
Klare, kalte Nächte
Leichtes Abendröten

Literatur

Bergwetter. Bruckmann Basic. Bruckmann-Verlag. Auch für Wetter-Laien verständlich geschrieben.

Wetter und Bergsteigen - Rother Verlag.

Links

www.TrekkingGuide.de/kurse (geblockte Inhalte zulassen!): weitere Grafiken und Folien zum Kurs (Passwort erforderlich)

www.TrekkingGuide.de/wetter.htm: viele Links zum Thema Wetter

www.TrekkingGuide.de/notfallmanagement-bergwandern.htm: Vermeidung von wetterbedingten Notfällen