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Einführungskurs Gletschergehen und Spaltenbergung


Notizen zum Wochenendkurs Gletschergehen und Spaltenbergung. Die Übungen finden im Mittelgebirge, also nicht auf dem Gletscher statt. Die Gegebenheiten werden entsprechend simuliert. Der Kurs ersetzt nicht das Üben auf einem realen Gletscher! Nur als Anregung gedacht, keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit!
(Letzte Änderung: 01.03.2009 )

 

Allgemeines

Einführung:

Kursziel: sicheres Überwinden leichter Gletscher

Keine vollständige Ausbildung!

Nicht alle Kentnisse/Fähigkeiten hier schulbar. Erfahrung!

Für Touren sind viele Themenbereiche wichtig.

Knoten

Achter, gesteckter Achter

Prusik

Bandschlingenknoten

Mastwurf

Gardaknoten

Bremsknoten (Achter mit mehreren Windungen)

Übungen: einhändig, geschlossene Augen, hinterm Rücken

Überhang mind. 10facher Durchmesser bzw. 5fache Bandbreite.

Bei gesteckten Knoten Enden absichern!

Alle Stränge fest anziehen!

Anseilen

Hüft- und Brustgurt:

Warum? Hängeposition, Ohnmacht, Rucksack

Übung: Am Balken oder Überhang: Hängen mit Sitzgurt, Ohnmacht simulieren, zusätzlich mit Rucksack, zusätzlich mit Brustgurt

Gurte: leichte Bauart

Einbinden mit Schlauchband (1,5 m, 20 kN), Karabinern (Redundanz), Achterknoten

Prusikschlingen gleich einbinden oder bereithalten

Bremsknoten alle 1 - 1,5 m, Achter mit mehr Windungen, Einschneidestrecke lassen!

Seildicken: auf Gletscher Halbseil oder Vollseil möglich

Abstände:

50 m Seil gleichmäßig aufteilen.

W-Methode.

Übung: wie lang ist 1 m am Arm?

Übung: Knotenverlust (1 m)

  • 2 = 15 m (Ausnahmefall, Bremsknoten!),
  • 3 = 12 m (mit Bremsknoten 10 m),
  • 4 = 9 m,
  • 5 = 7 m

In Seilmitte anfangen

Übung Einbinden.

Gegenseitige Kontrolle!

Redundanz

Einer macht, einer erläutert, einer kontrolliert

Gehen am Seil

Seil straff halten, vor allem in Spaltenzonen und beim Abstieg

Spur rechtwinklig zu Spalten legen!

Abfangbereitschaft bei Spaltenverdacht! Seil straff, etwas nach hinten lehnen, Seilerster sondiert.

Übung: umgehen von Spalten (mit Seil markiert)

Bei Sprüngen: Schlappseil geben!

Bei dubiosen Schneebrücken ggf. sichern oder 2 Seilschaften zusammenschließen!

Besonders steile Stücke mit Standplatzsicherung oder Fixseil!

Abfangen: gegen den Zug lang hinwerfen, Beine in den Schnee stemmen!

Übung: Gewicht fallen lassen, 2 Leute ziehen lassen, Augen verbinden, Schlappsein/straffes Seil

Mitreißgefahr auf Blankeis und steilen Gletschern! Gehen am Seil nur in Ausnahmefällen: z. B. flacher Gletscher. Sonst korrekte Sicherung oder Fixseil!

Ausrüstung zweckmäßig verstauen! Gurt, Schlingen über Schulter, Rest Rucksack. Seilpuppe.

Gehen mit Steigeisen:

Matrosen-Pendelgang

Bergauf überkreuzen

Literatur:

Alpinlehrplan 3: Hochtouren, Eisklettern

Zusätzliches Übungsmaterial

Zollstock

Hansaplast

Edding

Klemmbrett/Papier

Handbuch ALP 3

Grafiken

Spaltenbergung

Lose Rolle

System theoretisch erklären:

  1. Seilzweiter baut Fixpunkt (T-Anker oder Eisschraube/n), der andere hält Last.
  2. Prusikschlinge in Seil zum Gestürzten, einhängen im Fixpunkt.
  3. Last langsam an Prusik/Fixpunkt übergeben, Fixpunkt genau beobachten!
  4. Lastseil im Fixpunkt per Mastwurf einhängen.
  5. Seilzweiter bindet sich mit Prusik am Seil ein und löst seinen Anseilknoten. Er beobachtet weiterhin den Fixpunkt.
  6. Seildritter bindet sich mit (kurz hinter dem Knoten abgeknoteter) armlanger Prusik ins Seil ein und löst dann den Anseilknoten
  7. Seildritter kommt mit Restseil nach vorn, nimmt Kontakt mit dem Gestürzten auf
  8. Seildritter hängt Karabiner mit Seilrolle ein und lässt den Doppelstrang mit Seilrolle zum Gestürzten ab
  9. Seildritter bindet armlangen Prusik als Rücklaufsperre ins Zugseil und hängt ihn mit Karabiner in seinen Sicherungsprusik (Abknotung) ein
  10. Seildritter zieht Kammeraden heraus, evtl mit Hilfe des Seilzweiten. Dabei wird die Rücklaufsperre immer wieder nach vorn geschoben

Übung: Auf Rasen: für Anker Pflöcke einschlagen

Spaltenrand Markieren

Pickel/Rucksack an Spaltenrand gegen Einschneiden.

Zum Ziehen möglichst nahe an den Spaltenrand (leichter), aber sicheren Abstand halten.

Seilrolle vermindert Reibung.

Der Gestürzte kann sich durch Prusik-Trittschlinge entlasten.

Üben! Methode muss jederzeit voll beherrscht werden. Vor Tour Methode immer im Geiste duchgehen. Zur Not Checkliste bereithalten!

Modifizierte lose Rolle:

Ablassen von Siggflasche o. Ä. mit Klemmgerät, wenn Gestürzter bewustlos.

Mannschaftszug:

Voraussetzung: genug Leute (mind. 3 außerhalb der Spalte), Seil wenig eingeschnitten, Gestürzter ansprechbar. Vorsicht, wenn Gestürzter an Spaltenrand (Überhang?) kommt.

Fixpunkte, Standplatz
T-Anker:

Bei festem Firn mind. 30 cm tief, bei weichem Schnee viel tiefer

Lange Bandschlinge mit Ankerstich am Balancepunkt

Pickel mit Haue nach unten eintreten, mit gestampftem Schnee/Firn bedecken

Nicht auf den Firn unterhalb des Schlitzes treten!

Bei weichem Schnee möglichst großen Gegenstand benutzen!

Eisschrauben:

Länge mind. 15-17 cm.

  1. Oberflächeneis abkratzen
  2. Kleines Loch pickeln
  3. Senkrecht zur Oberfläche ansetzen
  4. Mit ständigem Druck eindrehen
  5. Lasche in Belastungsrichtung (bei Belastung nach oben und unten auf 3 Uhr oder 9 Uhr)
  6. Wenn die Schraube nicht ganz reingeht: abbinden!
  7. evtl. mit Schnee/Firn/Eis gegen Ausschmelzen sichern

Eis dick, homogen, rissfrei. Schlechtes Eis abpickeln!

Abalakov Eissanduhr:

Eben auspickeln

60° Winkel, gleichseitiges Dreieck

erste Schraube zum Zielen halbherausgedreht stecken lassen

Durchziehen mit Draht oder Klemmkeil

Dünne Reepschnur doppelt fädeln

Übung: Ausreißübungen! Hintersichern! Prusik statt Achter!

Ausrüstung

Gurt

Brust- und Hüftgurt (siehe unter Anseilen)

Schlauchband

1,2 m zum Einbinden

Bandschlingen

2 kurze (60 cm) oder eine lange (120 cm)

Prusikschlingen

(Durchmesser 5-7 mm), 2 Stück, Längen vor dem Knüpfen: Körperlang

Rücklaufsperre

z.B. Tibloc, Ropeman

Abseilachter

Steinschlaghelm

Auf flachen Gletschern nicht unbedingt nötig, wenn man Steinschlag- oder Eisschlag für die gesamte Tour ausschließen kann

Bergschuhe

Können auf flachen Gletschern auch bedingt steigeisenfest sein, dann dürfen die Steigeisen aber nicht starr sein

Steigeisen

Wann? Auf aperen Gletscherteilen oder geringer Schneebedeckung

Starre und flexibele

Für nicht zu steile Touren reichen 8-10 Zacken

Pickel

Wozu? T-Anker

Welchen?

Handschlaufe abmachen!

Eisschrauben:

Jeder eine. Länge 17-19 cm, dicker Durchmesser, Standartmodell.

Karabiner:

1 HMS, 2 Schrauber, 1 Expressschlinge

Weitere Ausrüstung:

Sonnenbrille, Lampe, Biwaksack, Erste Hilfe, Getränk, Handy

Ausrüstung sicher und zweckmäßig verstauen:

Pickel: Handschlaufe entfernen, zwischen Rücken und Rucksack schieben

Seil/Seilrest: Seilpuppe Deckelklappe

 

Selbstrettung

Prusiken

Material (Schlinge mind 5 mm, besser 6 oder 7 mm, Seilstärken, Karabiner, ...)

Wichtig für Seilschaftsführer, wenn andere ihn nicht herausziehen können, oder bei Zweierseilschaft.

  1. Armlange Prusikschlinge, unter Prusikknoten abgeknotet (mit Karabiner für SSR) in Anseilpunkt einhängen
  2. Zweite Prusikschlinge unterhalb, doppelt armlang, Ankerstich um Fuß
  3. Bein strecken
  4. Obere Schlinge hochschieben
  5. Bein anwinkeln
  6. Untere Schlinge nachschieben

Vormachen: Aufprusiken am Balken

Übung: Aufprusiken am Balken, 3erGruppen: einer macht, einer erläutert, einer kontrolliert

Selbstseilrolle

Zur Überwindung des Überhanges und des Seileinschnittes

Gardaknoten üben

  1. Gardaknotenset in Anseilring (Sitzgurt), Gardaknoten ins Schlappseil
  2. Karabiner in vorher abgeknotete Schlinge des Sicherungsprusik (wenn vergessen durch Steigschlinge)
  3. Schlappseil (hinter Garda) durch Karabiner führen
  4. untere Steigprusik ausbinden
  5. Am Seil ziehen, Füße weit oben einstemmen, Hüfte nach oben reißen
  6. In Gurt setzen, Oberkörper aufrichten, abgeknotete Prusik nach oben schieben
  7. Vorherigen Schritt wiederholen