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Alpspitz-FerrataKlettersteig: Technik und Sicherung

 

Wie bewege ich mich auf Klettersteigen sicher und kraftsparend? Achtung: diese Seite ist kein Ersatz für eine Ausbildung im Klettersteig-Gehen!

(Letzte Änderung: 30.05.2011 )

 

Planung

Angemessenen Klettersteig wählen: Trainingszustand, Technisches Können, keine Selbstüberschätzung!

Schwindelfrei? Wenn nicht, entsprechend trainieren!

Infos über Klettersteig einholen: Hüttenwirt, Seilbahn, Tourist Info, Internet, aktueller Führer.

Wetterinfos einholen und entsprechend reagieren: früh starten oder abbrechen.

am Klettersteig

In der Ruhe liegt die Kraft!

Kraft sparen

Kraftsparend klettern und gehen. Kraftreserve = Sicherheit. Auswirkung auf Konzentration und Psyche.

Erst nach Griffen und Tritten suchen, dann weitersteigen. Nicht außer Atem kommen.

Mit den Beinen steigen, Arme nur zum Sichern, außer, es geht nicht anders. Dann mit langen Armen klettern, möglichst wenig anwinkeln! Körperspannung entlastet Arme.

Körperschwerpunkt weg vom Fels > stabilerer Stand!

Aus dem EMailpostkasten:

Hallo! Ich würde gerne wissen, warum im Bereich Klettersteig die pauschale Aussage: "Körperschwerpunkt weg vom Fels!" auftaucht? Nach meinen praktischen Erfrahrungen aus dem Kletterbereich und auch in verschiedenen Büchern sowie aus Kletterkursen habe ich das so noch nie vermittelt bekommen. Der Körperschwerpunkt sollte doch eher senkrecht oberhalb der Füße sein oder etwas mehr nach vorn verlagert sein, jedoch niemals in Talrichtung dahinter... Je steiler die Wand, destso näher muss der Schwerpunkt an die Wand, damit die Füße die Last halten und nicht die Arme.
Viele Grüße, ...

Hallo zurück! Bei dem Thema gilt es zwischen Ausdauer und Sicherheit abzuwägen. Außerdem kommt es darauf an, wie steil das Gelände ist. Will sagen: In mittelsteilem Gelände: Wenn man unsicher wird, lehnt man sich instinktiv oft zum Hang: - um beim Sturz nicht so tief zu fallen - weil man den Kontakt mit der Hand zum Hang sucht, um sich fest zu halten Dadurch rutscht man auf Schotter sowie aus glatten oder steilen Tritten um so schneller aus. Je mehr man sich Richtung Tal lehnt, desto stabiler steht man im Tritt. Im steilen Klettergelände: Körperschwerpunkt über den Standplatz zum Tal herausgelehnt ergibt - besonders auf geneigten Tritten - höhere Stabilität, verbraucht aber mehr Kraft zum Festhalten. KSP direkt über den Füßen benötigt weniger Armkraft, aus steilen Tritten rutscht man aber u. U. schon heraus. KSP noch näher an der Wand spart keine weitere Armkraft > man rutscht aber noch schneller aus dem Tritt Ich hoffe, das erklärt die Frage. Viele Grüße ...

Sicherung

Karabiner werden am Drahtseil eingeklinkt und mitgeführt. Bei Verankerungen wird erst der eine, dann der andere Karabiner in die neue Passage eingehängt, damit man dauernd mit mindestens einem Karabiner gesichert ist. Beim Umhängen auf sicheren Stand achten.

Bei Steilpassagen umhängen, sobald die Verankerung in bequemer Griffweite ist. Das reduziert Fallhöhe. Durchhängende senkrechte Drahtseile (wie in Frankreich oft zu sehen) verhindern das Aufschlagen (und Brechen) des Karabiners auf der Verankerung.

Achtung: Sicherungen und Seile können beschädigt sein. Vorsicht vor scharfen Metallteilen und Drähten (Handschuhe tragen!). Unter Klebeband können Seile durchrosten! Man kann den Installationen nie 100 % vertrauen. Sicherer ist es, frei zu klettern, und die Eisenteile nur zur Sicherung zu verwenden. Im Zweifel kann man auch in klassischer Seilschaft gehen, oder ein zusätzliches Fixseil oder Seilgeländer anlegen.

Nicht an jedem Haken oder Seil einklinken, nur, wenn Sicherung nötig (sonst zu hoher Zeitaufwand). Bei schweren Stellen beide Karabiner einklinken (außer bei veralteten Klettersteigsets, bei denen das zweite Seilende als Bremsweg gebraucht wird) (Redundanz bei Karabinerbruch).

Nur eine Person zwischen 2 Sicherungspunkten. Mitreißgefahr vermeiden.

Vorsicht Steinschlag: Helm tragen!

Besondere Situationen

Rinnen und Schluchten: Steinschlaggefahr! Und infolgedessen auch höhere Gefahr hinsichtlich beschädigter Sicherungen! Beim Einstieg vergewissern, dass niemand unten oder oben in der Rinne klettert (und Steinschlag auslöst). Schattige Rinnen sind lange voll Schnee, Firn oder später Eis. Steigeisen, Pickel und Seil können hilfreich sein.

Leitern: Entweder im Wechselschritt (1 Hand und 1 Fuß gleichzeitig vorsetzen), oder - kraftsparender aber langsamer - erst beide Füsse weitersetzen, dann beide Hände. Schuhsohlen sauber mittig aufsetzen!

Überhänge: Probleme sind erhöhter Kraftaufwand und psychische Belastung. Hier sollte man ins Hohlkreuz gehen, um den Körperschwerpunkt möglichst nahe an die Wand zu bekommen.

Zweiseilbrücken: Seitwärts gehen. Klettersteigset in (oft zusätzliches) Sicherungsseil einhängen.

Gewitter: Weg von Graten und Eisenteilen! Ggf. Klettersteig schnell verlassen (z.B. durch Abseilen).

Ausrüstung

Klettersteigausrüstung: Brust und Hüftgurt, Y-Klettersteig-Set (Y-Seil, Seilbremse, 2 Klettersteigkarabiner), Helm, Handschuhe

Ausrüstung am Einstieg oder vorher (z.B. wegen Steinschleg) anlegen.

Klettersteig-Karabiner: Hohe Querbelastung

Übungen / erforderliche Fähigkeiten

Knoten: Achter, Prusik, Bandschlingenknoten (Gefahr bei mehrfacher Sturzbelastung! Lösung: Enden abknoten!), Mastwurf, HMS, Ankerstich, Schleifknoten

Anseilen mit Hüft- und Brustgurt und Klettersteigset:
Achtung: Viele Gurte müssen in den Schnallen noch einmal zurückgefädelt werden!
Verbindung von Brust- und Hüftgurt per Schlauchband (ca. 120 cm) und Bandschlingenknoten (oder gelegtem Sackstich). 8er-System, Anseilpunkt zwischen Brustbein und Bauchnabel.
Sonderfall: direktes Einbinden in der Seilweiche.

Gehen am Klettersteig mit Umhängen der Karabiner. Leitern: Ruhepositionen, kraftsparende Umhängepositionen (Ellenbogen, Achsel, Knie, Sprossen einhängen).

Sturztheorie: Sturzfaktoren, Karabinerbruch, Mitreißgefahr

Selbstsicherung mittels Sicherungsschlinge (Stand), Mastwurf (Stand), Sicherungsschlinge und Prusik (Fixseil), Kurzprusik (Abseilen)

Ablassen: Anseilen mit Achterknoten, Bedienung HMS (Seil einholen/ausgeben, Ablassen), Standplatz (nur für Erfahrene!), Nachsichern mit Weiche (50-80 cm, Abstand 3 m), Nachsichern am Doppelseil (Sicherungsplatte). Freies Seilende fixieren! Kontinuierliches Tempo, Seil voll belasten, nicht mitklettern. Ablassen durch Führer, der anschließend abseilt.

Abseilen: Selbstsicherung, Seil durchfädeln, Endknoten, Sicherungs-Prusik anbringen, Achter einlegen, Check, Seil straffen, Selbstsicherung aushängen. Übung: Festgezogenen Kurzprusik lösen mit Steigbügelmethode. Übung: Zugsicherung von unten.

Partnersicherung in Seilschaft: Anseilen mit Achterknoten, Bedienung HMS (Seil einholen/ausgeben, Ablassen), Standplatz (nur für Erfahrene!), Nachsichern mit Weiche (50-80 cm, Abstand 3 m), Nachsichern am Doppelseil (Sicherungsplatte),

Gehen am Seilgeländer: Zwischensicherungen per Mastwurf. Sicherung für Gruppenmitglieder mit Klettersteigset. Außer: Erster (Seilschlingen über der Schulter, gesichert per Prusik) legt Seil aus, letzter (Prusik) sammelt Seilschlingen wieder ein.

Gehen am Fixseil: Sicherungsschlinge, Karabiner und Kurzprusik. Erster geht wie in Seilschaft vor. Zwischensicherungen mit je 2 Expressen, damit Gruppenmitglieder nicht aushängen müssen. Letzter ist eingebunden, hält Seil straff, wird später nachgesichert.

Klettertechnik: Bewegung aus den Beinen, aufrechte Grundhaltung, Schwerpunkt über Tritte, weich greifen, unbelastet antreten, klettern im Lot, Ruhe, keine hektischen Bewegungen, geschmeidige Schwerpunktverlagerung, vorausschauend klettern, Dreipunktregel.

Frontal oder seitwärts, im Abstieg evtl. auch frontal klettern.

Offene Tür (Scheren vorn und hinten), Frosch, Drücken, Klemmen, Piazen, Fußwechsel, ...